Zur gleichen Zeit…

Es war einmal ein Vögelchen –
Das ganz nach allen Regelchen –
es war ein Nachtigallchen –
sie sang das hohe C
wohl fünfmal hinter’nander und
sie nahm nicht mal Entree-
sie nahm nicht mal Entree
verzichtet auf Applaus sogar –
und sang so klar, so wunderbar –
so reinechen, so feinechen,
so mutterseel’nalleinechen –
zur gleichen Zeit,
da sang Caruso – Beifall stark –
die Loge kostet fünfzig Mark.

’s trug mal ein liebes Mädelchen
ein Käppchen auf den Schädelchen
es war ein rotes Käppchen,
Rotkäppchen hieß die Maid.
Da kam ein Wolf zum Mädelchen
ganz sanft – voll Sittsamkeit,
ganz sanft – voll Sittsamkeit.
Da sprach sie bleichen Angesichts:
„Nicht wahr, Herr Wolf, du tust mir nichts?“
Und er sprach zart: „Kommt Kindelchen –
geschwindelchen – ein Stündelchen!“ –
Zur gleichen Zeit,
da sprach Herr Wolf – von Wolf und Sohn: –
„Komm, lieber Schatz, hier wohn ich schon.“

Es war einmal ein Schweinechen –
das Tier war gar nicht reinechen –
es tat zwar immer nobel,
als ob ihm das nicht passt –
doch war es mal alleinechen,
dann wühlt es im Morast,
dann wühlt es im Morast.
Fraß gierig erst das Beste weg –
dann sprach’s verächtlich: „Solch ein Dreck.“
Das find ich von dem Schweinechen
nicht feinechen – – gemeinechen! –
Zur gleichen Zeit
da hat ein Mucker sich „muk“iert
und hat ein Büchlein konfisziert.

Das Liesechen und das Hänschen –
die zieh’n ’ne Menge Gänsechen –
Sie trieb’n sie auf ’ne Wiese –
da ließen sie sie stehn.
Nun schnatterten die Gänsechen.
Das war schon nicht mehr schön.
Das war schon nicht mehr schön.
Bald kam – es wurde immer mehr –
die ganze Gänse–Sippschaft her,
die Basen und Gevatterchen,
was war das für’n Geschnatterchen.
Zur gleichen Zeit,
da saß die Damen-Hautevolée
bei Frau Kommerzienrat beim Tee.

Es war einmal ein Hähnechen,
das hatte es sehr schönechen,
mal ging es zu dem einen,
mal zu dem andern Huhn.
Es hoffte manches Hühnechen –
sonst hatt‘ es nichts zu tun,
sonst hatt‘ es nicht zu tun.
Es sprach mit würdigen Gesicht:
„Ihr Hühner dürft so etwas nicht,
das darf nur ich alleenechen,
dafür bin ich das Hähnechen.“ –
Zur gleichen Zeit,
da saß mit einer holden Fee
ein würd’ger Eh’mann beim Souper.

Es war einmal ein Mäusechen,
das schlich hervor ganz leisechen.
Da sah sie eine Falle –
sie kannte nicht den Zweck –
sie guckt nicht nach der Falle hin,
sie guckt bloß nach dem Speck,
sie guckt bloß nach dem Speck.
Sie überlegte: Soll ich rein?
Dann dacht‘ sie froh: Was kann da sein!
Und hierauf ging das Mäusechen
ganz leisechen ins Häusechen. –
Zur gleichen Zeit,
da ging ein Bräut’gam liebentflammt
mit seiner Braut aufs Standesamt.

Otto Reutter

Über Gabryon

Ich male mir mein Leben bunt. Wie der Wind… Vom Sternzeichen bin ich Wassermann und somit ein Luftzeichen. Ich bin praktisch und kreativ veranlagt und philosophiere gerne. Ich mag die Natur, Mensch und Tier. Meine Interessen sind sehr vielseitig und ich will es nicht darauf reduzieren, was ich besonders gerne mag. Das eine liegt mir an manchen Tagen mehr als das andere und ich habe es zumindest ausprobiert, um zu entscheiden, ob es für mich etwas ist oder nicht. Geht nicht, gibt es bei mir nicht. Es gibt immer Wege und Möglichkeiten, es zu tun oder zu lassen. Ich bin wie der Wind. Unterschätze nie die Kraft des Windes.
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