Unsere Freunde, die Blumen… Das Maiglöckchen…

Maiglöckchen

Augenkraut, Frauenträne, Faltrianblume, Maiblume, Maililie,
Lilie des Tales (lily of the valley).

Maiglöckchen und die Blümelein

Maiglöckchen läutet in dem Tal,
das klingt so hell und fein,
so kommt zum Reigen allzumal,
ihr lieben Blümelein!

Die Blümchen, blau und gelb und weiß
Sie kommen all herbei,
Vergißmeinnicht und Ehrenpreis
und Veilchen sind dabei.

Maiglöckchen spielt zum Tanz im Nu
und alle tanzen dann.
Der Mond sieht ihnen freundlich zu,
hat seine Freude dran.

Den Junker Reif verdroß das sehr,
Er kommt ins Tal hinein;
Maiglöckchen spielt zum Tanz nicht mehr.
Fort sind die Blümelein.

Doch kaum der Rief das Tal verläßt,
da rufet wieder schnell
Maiglöckchen auf zum Frühlingsfest
und leuchtet doppelt hell.

Nun hält’s auch mich nicht mehr zu Haus
Maiglöckchen ruft auch mich.
Die Blümchen gehn zum Tanze aus,
zum Tanzen geh auch ich!

Hoffmann von Fallersleben

Eines der beliebtesten Frühblüher ist das Maiglöckchen. Es trägt auch die Namen Maiblume, Maililie, Mairöschen und Maischellen. Die Blütezeit dauert von April bis Juni. Mit lateinischem Namen heißt das Maiglöckchen Convallaria majalis. Es ist eine Pflanzenart aus der artenarmen Gattung Convallaria und gehört der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae) an. Das Maiglöckchen wächst vorwiegend in hellen Laubwäldern, mit nicht zu festem aber humusreichen Boden.

Maiglöckchen treten vermehrungsbedingt immer in dichten, kleinen Arealen auf. Das Wort Convallis bedeutet Talsenke. Die Talsenken, Eichen- und Buchenwälder, sind eines der bevorzugten Biotope, in dem das Maiglöckchen gut gedeiht. Die kleinen Blüten-Glöckchen hängen in Trauben an einem überhängenden Stängel und verströmen einen starken, süßen Duft. Aus den Blüten entwickeln sich später rote Beeren, die für medizinische Zwecke genutzt werden. Das Maiglöckchen ist fast in ganz Europa verbreitet. Es gibt nur drei Arten von Maiglöckchen und nur eine davon ist in Europa heimisch. Das aus der Zuchtform stammende rosa Maiglöckchen, ist jedoch weltweit sehr verbreitet. Wild wachsende Maiglöckchen stehen unter Naturschutz. Es ist verboten in freier Natur die Pflanzen zu Pflücken oder Auszugraben.

Gabriel von Lebenstein erwähnte Anfang des 15. Jahrhunderts erstmals das Maiglöckchen als Heilpflanze und die Wirkung des Destillats auf verschiedene Erkrankungen. Darin wurde das Maiglöckchen als Lilium convalium, Marienblume, beschrieben. Das Blütenöl des Maiglöckchens wird häufig Parfüms zugesetzt. Das Maiglöckchen wird insgesamt als sehr stark giftig eingestuft. 2014 wurde das Maiglöckchen zur Giftpfla.nze des Jahres gewählt. Alle Pflanzenteile des Maiglöckchens sind stark giftig. Die Pflanze enthält starke herzwirksame Glykoside vom Typ Cardenolid. Die höchsten Konzentration befindet sich in den Blüten und Samen. Die giftigen Inhaltsstoffe ähneln denen des roten Fingerhutes. Weitere Inhalte des Maiglöckchens sind Saponine, Flavonoide und diverse Pflanzensäuren. Früher wurden die getrockneten Blüten dem Niespulver zugesetzt, da es einen starken Niesreiz auslöst. Das Maiglöckchen galt im Mittelalter als Allheilmittel, doch später wurde seine Giftigkeit festgestellt und es geriet als Heilmittel fast in Vergessenheit.

Beim Sammeln von Bärlauchblättern, welche den Maiglöckchenblättern sehr ähnlich sehen, besteht die Gefahr des Verwechselns der Pflanzen. Allerdings haben die Bärlauchblätter einen typischen Knoblauchgeruch.
Übrigens: Lt. den Autoren Hanns Hatt und Regine Dee, “Das Maiglöckchen-Phänomen”, soll das männliche Sperma nach Maiglöckchen riechen.

In der christlichen Glaubenslehre zählte das Maiglöckchen neben der Lilie, der Rose und anderen Pflanzen, zu den Marienblumen. Mit seinen kleinen weißen, nickenden Glockenblüten, steht es symbolisch für die keusche Liebe, Demut und Bescheidenheit von Maria Muttergottes.

Im Mittelalter brachte man die Blume sehr wahrscheinlich irrtümlich, mit der “Lilie des Tales” in Verbindung, die im Hohelied Salomos erwähnt wird. In Großbritannien heißen die Maiglöckchen Lily of the valley, Lilie des Tales. Vermutlich handelt es sich im Hohelied aber doch um die wirkliche Lilien.

Das Maiglöckchen stand oft als Symbol für die Heilkunde. Früher war es für bedeutende Ärzte üblich, sich mit bestimmten medizinischen Symbolen porträtieren zu lassen. Das Maiglöckchen wurde auf den Gemälden meist unauffällig und klein, und am unteren Bildrand, dargestellt. Sogar Nikolaus Kopernikus lies sich mit einem Maiglöckchen in der Hand malen. 

Das Maiglöckchen sagt: In meinen Gedanken an Glücklichsein bist Du allein.

In der Symbolik steht es für Reinheit, Festlichkeit, Seligkeit, erwachende Liebe. Das Grün der Blätter steht für die Hoffnung, das Weiß der Blüten zeigt Reinheit an. Schon immer sind Maiglöckchen ein Glücks- und Liebessymbol gewesen. Auf alten Bildern sieht man die kleinen Blümchen oft in Händen von Märtyrern, denn das Maiglöckchen steht auch für ein tödliches Schicksal.

Maiglöckchen sind in Brautsträußen immer noch sehr beliebt. Auch bei vielen Dichtern wurde durch das Maiglöckchen, die Phantasie seit eh und je, sehr inspiriert.

Wer Maiglöckchen am 1. Mai bei sich trägt, soll das ganze Jahr Glück haben. In Frankreich gibt es den Brauch, am “Maiglöckchentag”, auf den Straßen Maiglöckchensträuße, als Glücksbringer, zu verkaufen.

Im Mai fanden in der katholischen Kirche Marien-Andachten statt und in vielen katholischen Häusern, im Mai, wurde ein Marienaltar errichtet. Darauf stand eine Marienfigur und die Maiglöckchen wurden gerne als Blumenschmuck genommen.

In einer Legende wird erzählt, dass als Maria neben dem Kreuz ihre Tränen vergoss, dort Maiglöckchen gewachsen sind. Daher stammen die Namen, Frauen- oder Marientränen. Das Maiglöckchen ist ein christliches Symbol des Heils und der reinen Liebe.

Nach einer anderen Legende aus Frankreich, entstanden die Maiglöckchen  aus dem Blut des Heiligen Leonard, als er den Kampf gegen einen schrecklichen Drachen verlor.

Früher glaubte man, wenn man mit Maiglöckchen das Gesicht abreibt, die Sommersprossen verschwinden.

Maiglöckchen

Maienglöcklein läuten wieder

Maienglöcklein läuten wieder,
Denn der Frühling ziehet ein,
Und der Vögel helle Lieder
Heißen ihn willkommen sein.

Und mit Sonnenschein beladen
Und mit Blumenduft besä‘t
Nahet er von Gottes Gnaden,
Er, des Frühlings Majestät.

Und an eines Berges Halde
Schlägt er auf sein Königszelt,
Und beruft aus Feld und Walde
Hin zu sich die Sängerwelt.

Und er spricht zu ihnen allen:
Hört, ihr Sänger groß und klein!
Jeder singe nach Gefallen,
Frei soll alles Singen sein!  —

Und die Maienglöckchen klangen
Niemals noch so hell und laut,
Und die kleinen Vöglein sangen
Niemals noch so hold und traut.

Warum klingen doch die Lieder
Und die Glöckchen weit und breit?
Ja, dem Frühling gilt es wieder,
Mehr doch gilt‘s der Singfreiheit

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

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Im Dirndl-Kostüm…

Man sieht jetzt die Frauen, ob jung oder alt,
im Dirndl-Kostüm – im Dirndl-Kostüm –
mann kann sie beschauen, ob’s warm oder kalt,
im Dirndl-, im Dirndl-Kostüm.
Im knallroten, ein Kleid von Kattun,
zwei Zöpfchen mit Schleifchen – was sagen sie nun? –
Sie seh’n, wie auch ich mich hier brüste und rühm’
im Dirndl-, im Dirndl-Kostüm. Juhu!

Jetzt machen die Frau’n alle Arbeit im Haus –
im Dirndl-Kostüm – im Dirndl-Kostüm –
selbst Mutter kocht – oh, wie neckisch sieht’s aus –
im Dirndl-, im Dirndl-Kostüm. –
Beim „Alpenfest“ herrscht heut’ ein vornehmer Ton –
Rebeckchen als „Dirndl“, ihr „Bua“ heißt Cohn –
sie soll mit ihm jodeln – – und jüdelt mit ihm
im Dirndl-, im Dirndl-Kostüm. Juhu!

Verschiedene Dämchen, die gehn jetzt nur aus
im Dirndl-Kostüm – im Dirndl-Kostüm –
im Sommer, fahren sie ins Ausland  hinaus
im Dirndl-, im Dirndl-Kostüm.
Sie melken die Kühe, das ist dort zu Brauch –
und kommt mal ein Ochse, den melken sie auch –
dann werden sie keck wie die Frau von Maxim
im Dirndl-, im Dirndl-Kostüm. Juhu!

Die Frauen sind stets nach des Mannes Geschmack
im Dirndl-Kostüm – im Dirndl-Kostüm –
man sieht was – man kauft nicht die Katze im Sack
im Dirndl-, im Dirndl-Kostüm.
Doch nicht nur das Kleid schlägt die Männer in Bann –
die Frau trägt die Hosen – das weiß jeder Mann –
und will er mal mucksen, dann zeigt sie es ihm
im Dirndl-, im Dirndl-Kostüm. Juhu!

Der Mann sieht die Beine, betrachtet sie froh
im Dirndl-Kostüm – im Dirndl-Kostüm –
da macht keine Frau ihm ein X für ein O
(Entsprechende X und O-Bein-Stellung.)
im Dirndl-, im Dirndl-Kostüm.
Man trägt das Kostüm auch verlustig und weit –
‘ne Tante von mir hat elf Kinder bis heut’–
und’s zwölfte, das kommt – das verbirgt sie intim
im Dirndl-, im Dirndl-Kostüm. Juhu!

Der Mann find’t die Frauen am Tage sehr nett
im Dirndl-Kostüm – im Dirndl-Kostüm –
und kommt er am Abend, dann liegt sie im Bett
im Dirndl-, im Dirndl-Kostüm – –
Und haben sie fröhlich ihr Leben vollbracht,
wird oben mit Petrus ein Tänzchen gemacht –
als Cherubim flott nach dem neusten Regime
im Dirndl-, im Dirndl-Kostüm. Juhu!

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Auch wenn man noch so klug ist,
oft reicht es nicht aus,
um einen Dummen zu begreifen.

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Ich hab’ ein ruhiges Gewissen…

Ich stell’ mich voll Humor
als deutscher Michel vor;
bin sehr beliebt – hab oft geträumt –
doch trotzdem hab ich nichts versäumt. –
Die andern wälzten schwer
im Bett sich hin und her.
Ich tat das nicht – schlief friedlich nach getaner Pflicht,
denn, wer stets ehrlich, treu und brav,
hat immer einen guten Schlaf.
Ich hab ein ruhiges Gewissen
bei allem, was ich red’ und tu,
das ist ein sanftes Ruhekissen.
Ging ich zur Ruh’, dann rief’s mir zu:
„Ziehst du dein Schwert nicht aus der Scheide,
tut dir auch niemand was zu Leide.“
So dacht’ ich – und schließlich sing ein –
und sang im Traum die Wacht am Rhein.

So lebt’ ich manches Jahr
im Frieden wunderbar –
ich war so gut – hatt’ sanftes Blut –
ist man zu gut, das ist nicht gut!
Drum hielt man allgemein
mich nicht für gut allein –
man hielt mich drum –
für’n ganzes kleines bisschen „dumm“—–
„Pst!“
„Bum!“
Als jäh der Feind den Streit entfacht,
hab ich gedacht, es ich erwacht:
„Ich hab ein ruhiges Gewissen.“
Eh’ ich ein mir den Gegnern sah,
hat er schon auf Granit gebissen –
ich rief: „Hurra! – Ich bin schon da.“
Im Feindeslande tat ich glänzen,
denn meine Hieb’ kenn’n keine Grenzen.
Wenn man sich gründlich ausruht,
dann schafft es noch einmal so gut!

Ich hab den Feind erschreckt.
Ich war sehr aufgeweckt,
hatt’ ausgeträumt – ich schlief nicht fest –
hab aufgeräumt in Ost und West –
drum dacht’ ich kürzlich mir:
„Wollt’ jetzt den Frieden ihr,
gib mir mein Recht, dann end’ ich gerne das Gefecht.
Doch wollt ihr nicht, mir ist es gleich –
die Folgen kommen über euch.
Ich hab ein ruhiges Gewissen,
womit ich mich in Schlummer lull’ –
ihr habt mich aus dem Schlaf gerissen –
drum kriegt John Bull – die Hosen vull.
Ihr hättet gern mich hingeschmissen,
jetzt habt ihr was auf dem „Gewissen“,
genügt’s euch nicht? – Ich schlaf’ nicht ein.
Der deutsche Michel wacht am Rhein!“

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Es reicht nicht,
dass du deine Arbeit tust,
du solltest dich für sie interessieren,
um sie richtig auszuführen.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Wer nur vom Glück träumt,
der betrügt sich selbst.

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Die Lawine…

Hab’n Sie schon mal ‘ne Lawine geseh’n?
Wie das so hullert,
bullert und kullert.
Erst ist es winzig, ‘ne Kleinigkeit bloß –
Dann kommt’s ins Roll’n und wird riesenhaft groß
Ja, wie ‘ne Lawine, so sind die Verwandten,
der Basen und Tanten geschwätziges Chor.
Die Müllern, die Schulzen, die Schumann,
die Lehmann, die Baiern, die Maiern,
Gott schütz uns davor!

Es fährt einmal ein junger Mann
nach Monte-Carlo hin;
teils will er sich erholen – und
teils hofft er auf Gewinn.
Doch er verspielt – es ist ein Quark –
in vierzehn Tagen fünfzig Mark.
Nun kommt die Tante Krause,
die Frau ist aus Berlin.
“Dreihundert Mark verspielt er,
det wird ihm nicht verziehn.”
Dann kommt die Tante Spätzle –
die ist aus Württemberg.
“Zweitausend Mark verspielt er,
des ischt ‘n Teufelswerk.”
Nun kommt die Muhme Bliemchen –
die ist vom Sachsenland.
“Fünftausend Mark verspielt er,
‘s is werklich eene Schand’.”
Dann kommt noch ‘ne Base – die spricht durch die Nase:
“Zehntausend verspielt diese leichte Person!”
Und dann kommt:
Die Müllern, die Schulzen, die Schumann,
die Lehmann, die Baiern, die Maiern,
dann ist’s ‘ne Million.

Ein Mann, der sonst solide ist,
geht mal zum Karneval.
Dort ist er lustig und fidel
und amüsiert sich mal,
gießt manches Gläschen hintern Schlips –
und kriegt zum Schluss ‘nen kleinen Schwips.
Nun kommt die Tante Krause:
“Mit dem da is et aus
der kommt ja jeden Morgen
erst aus de Kneipe raus.”
Dann kommt die Tante Spätzle:
“Der trinkt ja nix wie Rum –
O Herrgöttle Biberach,
der kriegt’s Delirium!”
Nun kommt die Muhme Bliemchen:
“Der sauft den stärksten Schnaps,
dem geht’s noch wie mein’m August –
der kriegt noch mal ‘nen Klaps.”
Dann kommt noch ‘ne Base – die spricht durch die Nase:
“Er wird in ‘ne Besserungsanstalt geschickt.”
Und dann kommt:
Die Müllern, die Schulzen, die Schumann,
die Lehmann, die Baiern, die Maiern,
dann ist er verrückt.

Ein junges braven Mädchen tanzt
mal mit ‘nem jungen Mann.
Sie lachen, scherzen – und er bringt
nach Hause sie alsdann.
Zum Abschied gibt er ihr galant
ein kleines Küsschen auf die Hand.
Nun kommt die Tante Krause:
‘t is wirklich een Skandal,
die trifft sich mit dem Manne
jetzt schon det dritte mal.”
Dann kommt die Tante Spätzle:
“Was sage Sie dazu?
Die kommt erscht jede Morge
jetzt z’ Haus vom Rendez-vous.”
Nun kommt die Muhme Bliemchen:
“Die liebt noch zwee daneb’n!
Wie ich noch jung und schön,
da hat’s das nicht gegeb’n.”
Dann kommt noch ‘ne Base – die spricht durch die Nase:
“Bei der da fliegt nächstens ein Vogel ins Haus.”
Und dann kommt:
Die Müllern, die Schulzen, die Schumann,
die Lehmann, die Baiern, die Maiern,
dann werd’n Drillinge draus.

Herr Schröder hat’s vergessen mal
und zahlt die Steuern nicht.
Da meldet eines Tages ihm
ein Bote vom Gericht,
daß er laut einem Strafmandat
‘ne Mark und zwanzig Strafe hat.
Nun kommt die Tante Krause:
“Na, det erleb’n wir noch
da kam een Poliziste,
den sperr’n sie noch in’t Loch.”
Dann kommt die Tante Spätzle:
“Ha, des ischt doch nix Neu’s,
der is schon mol gesesse
acht Tag’, soviel ich weiß.”
Nun kommt die Muhme Bliemchen:
“Der sitzt ja immerzu.
Zu dem Gefängniswärter
da sagt er ja schon “du”.”
Dann kommt noch ‘ne Base – die spricht durch die Nase:
“Der Mann kriegt sechs Monat, das ist doch ganz klar.”
Und dann kommt:
Die Müllern, die Schulzen, die Schumann,
die Lehmann, die Baiern, die Maiern,
dann kriegt er zehn Jahr’.

Es lebt ein junges Ehepaar
in schönster Harmonie, –
Da will es eines abends mal
zu einer Skatpartie.
Sie wollte mit – er sprach zu ihr:
“Ach dummes Gänschen, bleib doch hier.”
Nun kommt die Tante Krause:
“Das hab’ ich kommen seh’n.
Wie der die Frau behandelt,
det is schon nich mehr schön.”
Dann kommt die Tante Spätzle:
“‘s gibt alle Tag Radau.
Sie ischt doch keine Dienstmagd,
sie ischt doch seine Frau.”
Nun kommt die Muhme Bliemchen:
“Das arme schwache Weib
kriegt alle Tage Dresche –
ist schon ganz wund am Leib.”
Dann kommt noch ‘ne Base – die spricht durch die Nase:
“Halbtot soll er sie schon gemißhandelt hab’n.”
Und dann kommt:
Die Müllern, die Schulzen, die Schumann,
die Lehmann, die Baiern, die Maiern,
dann wird sie morgen begrab’n.

Hab’n Sie schon mal ‘ne Lawine geseh’n?
Wie das so hullert,
bullert und kullert.
Erst ist es winzig, ‘ne Kleinigkeit bloß –
Dann kommt’s ins Roll’n und wird riesenhaft groß
Ja, wie ‘ne Lawine, so sind die Verwandten,
der Basen und Tanten geschwätziges Chor.
Die Müllern, die Schulzen, die Schumann,
die Lehmann, die Baiern, die Maiern,
Gott schütz uns davor!

Otto Reutter

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Lieschen möchte gerne freien…

Lieschen möchte gerne freien,
doch sie überlegt zu sehr
und sie findet, daß an jedem
etwas auszusetzen wär’.
Einer ist ihr viel zu häßlich,
der zu groß und der zu klein,
der zu grob und der zu schüchtern –
kurz: Bei jedem sagt sie nein!

Lieschen möchte gerne freien,
doch ’nen Bäcker mag sie nicht,
denn des morgens früh aufstehen
macht der Mann ihr dann zur Pflicht.
Lieschen möchte gerne freien,
doch ’nen Metzger meidet sie,
denn sie ist ein bißchen knochig
und das lieb’n die Metzger nie.

Lieschen möchte gerne freien,
doch ’nen Schneider mag sie nicht,
weil es solchem dürren Männchen
allzusehr an Kraft gebricht.
Will sie ihn mal innig küssen,
macht der Schneider: Meck, meck, meck!
Und liebt sie ihn allzu heftig
ist der ganze Schneider weg.

Lieschen möchte gerne freien,
doch ’nen Schuster mag sie nicht,
denn da hat sie Pech in Menge –
darauf leistet sie Verzicht.
Ist sie dann mal widerspenstig
und gehorcht nicht auf der Stell’,
kommt der Schuster mit dem Knieriem’n,
und versohlt ihr dann das Fell.

Lieschen möchte gerne freien,
doch ’nen Landwirt mag sie nicht,
denn zum Haushalt auf dem Lande
fehlt ihr jede Übersicht.
Dreschen, graben, mähen, melken
soll sie dann zu jeder Frist.
Schließlich muß sie Dünger laden,
selbst, wenn er nicht künstlich ist.

Lieschen möchte gerne freien,
doch ’nen Kellner mag sie nicht.
Auf’s Bezahlen und auf’s Trinkgeld
ist so’n Kellner sehr erpicht.
Wenn die beiden dann mal Sonntags
fröhlich in ein Wirtshaus geh’n
läßt der Kellner sie bezahlen
und sagt nicht mal dankeschön.

Lieschen möchte gerne freien,
’nen Nachtwächter mag sie nicht,
denn die ganze Nacht muß draußen
bleiben so ein armer Wicht.
Morgens kommt er erst nach Hause,
legt sich in das Bett hinein,
läßt sich von ihr Kaffee kochen,
trinkt ihn – dreht sich ’rum – schläft ein!

Lieschen möchte gerne freien,
’n Gerichtsvollzieher mag sie nicht.
Alle Dinge zu versiegeln
ist dann ihres Mannes Pflicht.
Fängt sie dann mal an zu schimpfen,
läßt ihr Mund ihm keine Ruh’,
kommt er mit dem großen Siegel
und klebt ihr die Klappe zu.

Lieschen möchte gerne freien,
einen Witwer mag sie nicht,
denn ein Witwer hat oft Kinder,
darauf ist sie nicht erpicht.
Macht er bei der Braut Visite,
folg’n sie auf Schritt und Tritt
und auf ihrer Hochzeitsreise
nimmt er gleich die Kinder mit.

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Wenn man handeln will,
muss man die Zweifel ausschließen.

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Der Nachtigall Pfingstgesang…

Zu Pfingsten sang die Nachtigall
nachdem sie Tau getrunken;
die Rose hob beim hellen Schall
das Haupt, das ihr gesunken!

O kommt ihr alle trinkt und speist,
ihr Frühlingsfestgenossen,
weil übers ird`sche Mal der Geist
des Herrn ist ausgegossen.

Die Himmelsjünger groß und klein
sind von der Kraft durchdrungen,
man hört sie reden insgemein
zu wunderbaren Zungen.

Und da ist kein Zung` am Baum
Kein Blatt ist da so kleines,
es redet auch mit drein im Traum
als sei`s voll süßen Weines.

Oh, Ihr Apostel gehet aus
Und predigt allen Landen
mit Säuselluft und Sturmesbraus
von dem, der ist erstanden!

Legt aus sein Evangelium,
auf Frühlingsau`n geschrieben,
daß er uns lieben will darum,
wenn wir einander lieben.

Wer liebend sich ans nächste hält
Und will nur das gewinnen,
umfaßt darin die ganze Welt,
und Gott ist mitten drinnen!

Friedrich Rückert (1788-1866)

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Gebete zum heiligen Geist…

Komm’ Heiliger Geist auf uns herab. –
Du bist die schönste Himmelsgab’
und aller guten Gaben Quelle. –
Du machst das Herz rein und helle.

Wo nicht Deine Gottheit thront,
nichts im Menschen Gutes wohnt,
nichts in ihm ist sündenrein.
Wasche, was beflecket ist!

Heile, was verwundet ist!
Tränke, was da dürre steht!
Mache weich, was spröd und hart,
wärme, was von Frost erstarrt,
lenke, was da irregeht!

Gib den Deinen gnädiglich,
die da gläubig bitten Dich,
Deiner Gaben Siebenzahl!
Wollst der Tugend Lohn verleih’n!
Lass das Ende selig sein,
ewig droben uns zu freu’n!

Amen.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Wenn du die Liebe fühlst,
dann kannst du auch
Freundschaft erkennen.

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Die Loreley…

„Ich weiß nicht was soll es bedeuten,“
ein jeder kennt wohl das Lied,
vom Fischer vor uralten Zeiten,
der oben die Jungfrau sieht.
Nun trafen sich jüngst auf der Reise,
viel fröhliche Männer am Rhein –
und jedem – auf eigene Weise –
fiel dann dieses Liedchen ein.

Was jeder gesprochen, das meld’ ich sofort,
zuerst nahm ein biederer Bayer das Wort:

„Es sitzt eine Jungfrau auf’m Felsen am Rhein.
Als i das g’lesen hab, hab i glei ‘dacht:
So a Jungfrau, die muß halt was Seltenes sein.
Drum hab’ns a G’dicht glei drauf g’macht.
I denk mir jetzt viel, doch i sag’ halt koan Ton,
i glaub, dös könnt nimmermehr vorkommen heut’.
Denn die G’schicht mit der Jungfrau war damals ja schon
ein Märchen aus uralter Zeit.“

Aus Mecklenburg kam nun ein Bäuerlein dran,
das fing an zu mäkeln und sagte alsdann:

„I wat sall ick dorto spräken,
un mi noch den Kopp terbräken,
ob dat slecht was oder gaut,
hän is hän und daut is daut.
He fällt rin und se blift leben,
wat kann’t do to snacken geben.
Do goht man to annern Männern,
ick sägg bloß: Ick kann’t nich ännern.
Fertig!“

Ein Schwabe aus Stuttgart der ward nun gefragt,
was er davon halte, da hat er gesagt:

„Na wenn Sie wolle, da mach’ ich halt auch a Witzle,
von dem Weible ob’n auf dem Felsenspitzle,
Es isch halt so und i sag’s halt immer:
s’ kommt alles her von de Frauenzimmer.
Da sitzt so e Weibsbild obe am Rhein,
und kämmt sich – na freilich, das Kämme muß sein,
aber se konnt’ doch beim Kämme das Singe lasse,
Und braucht’n net von der Welle verschlinge lasse,
Aber so geht’s halt, sobald de Weibsleut schrei’n,
werde de Männer verrückt – dann falle se nein,
D’Mannsleut müßte halt schalte und walte,
und d’ Weibsleut’ habbe das Maul zu halte.
Des isch mei Meinung! – Fertig!

Ein Rheinländer kam jetzt aus Köln an dem Rhing
der ließ sich nicht nöt’gen, er fing an zu sing’n:

Es fährt’n Fischer ob’m Rhing
da hört er eene Jungfrau singn,
„Wat maachste.“ säht er, „bist wohl jäck?
Dat Singen oben hat keen’n Zweck,
denn singen kannste unte ooch.“
“Ja”, säht se, „aber nich so hoch.“
Dat stimmt! – Fertig!

Aus Preußen ein schneidiger Referendar,
der sprach kurz und bündig: „Die Sache ist klar.“

Aber meine Herrschaften, die Sache ist ja sehr einfach:
Ein Fischer, froh und heiter,
sieht oben ‘n Weib – nun freut er
sich sehr – er sucht ‘ne Leiter,
möcht’ rauf als ihr Begleiter.
Er plumpst in’n Rhein – nun schreit er –
sie kämmt sich ruhig weiter. Fertig!”

Ein Ungar – ich glaube, mit Mikosch verwandt –
war auch gleich mit eigener Meinung zur Hand:

„Aine Dome deren Hoor,
ihre ainz’ge Kleidung wor,
sitzt sich froh bai Obendschaine,
singt sich Lied von Hainrich Haine.
Do sogt Fischer: Es wär’ nett,
loß uns singen ain Duett.
Ober dos hot schlecht geklungen,
sie hot viel zu hoch gesungen.
und dos Fischer, wos ertrunken,
hot sich viel zu tief gesunken.“
Au!

Ein sehr stolzer Herr von Hannover’schen Land,
der sprach selbstverständlich mit sehr viel Verstand:

Die Säche ist zwär sehr fätäl,
aber es ist mir schließlich gänz egäl,
auf einen Felsen spitz und schmäl,
singt ne’ Jungfräu ‘nen Choräl,
Der Fischer im tiefen Täl,
der sagt zu ihr voll Liebesquäl,
“Du bist das Mädchen meiner Wähl,
ich liebe dich ganz kolosäl”
„Dä singt sie ‘n letzten Vers noch mäl,
und er fällt rein in den Känäl,
– Stimmt!

Ein bildhübscher Leutnant war auch bei den Herr’n,
er wollt zwar nicht singen, er sprach dafür gern:

“Äh! Die Lorelei da oben,
jawohl, die muß ich loben,
Doch nicht den Fischerknaben,
der laß sich man bejraben.
Wie kann der Mensch so reinfall’n?
Äh! – Könnt’ mir doch gar nicht einfall’n,
Hätt’ die vom Felsensockel
mich da so mit Monokel
jeseh’n un mit’n Orden,
Wär’ die doch baff jeworden.
Ich wär’ nich hinjeschwomm’n –
die wär’ zu mir jekomm’n!
Ich hätt’ ihr dann frohlock’nd,
die Haare abjetrock’nd,
und dann -äh!- beim Küsseknallen
Wär’ die doch ‘reinjefallen –
Aber jründlich – Fertig!”

Herr Itzig aus Polen kam nun an die Reih’
Er sprach “Wenn se wünschen, da bin ich so frai!”
(Jüdelnd)
„Es sitzt am Rhaine, beim Abendschaine,a Jungfrau auf’m Felsen –
E Liedchen singt ‘se, nen Fischer winkt ‘se – Warüm?
Na vielleich will’sen (will sie ihn),
Wär’s mir passiert, ich sag’s ungeniert: Was soll das Heruntergegucke?
Was machste, was treibste? Kimm runter, wo blaibste?
Biste krank oder biste meschugge?
Und sollt’ste vom Felse nicht runter derfen,
Na, dann kannste mir wenigstens ‘n gold’nen Kamm runterwerfen!
Fertig!“

Herr Bliemchen aus Sachsen der sprach nun: „Wie wär’sch?
Wenn sie gietigst erloob’n, mach ich ooch noch e Versch:

„Die Loreley, die hat e Gamm,
in ihren Händen hat’s –
Nu gämmt se sich – warum ooch nich?
Se gann sich doch nicht kratz’n!
Sie gämmt sich nun dagaus, dagein –
warum dut das das Mägdelein?
Ich will nischt sag’n, doch mir fällt ein:
Ich war mal uff der Reise,
wie mir’sch da ging, das sag’ ich nich –
stets gämmte meine Haare ich.
Aus diesen Grunde, gloobe ich,
gämmt ooch de Loreley se.

Nun kam ein Berliner, der sprach voll Verdruß:
„Jetz halt’t mal die Klappe, ick mach jetzt’n Schluß:

Uff eenen Felsen setzt se sich,
ob se heut noch dasitzt, weeß ick nich,
de jold’nen Haare kämmt se sich,
ob se se heut’ noch hat, det weeß ick nich
stolz nennt se eene Jungfrau sich,
ob det heut noch stimmt, det weeß ick nich.“
Na, da war’n sie alle fertig!

Otto Reutter

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Komm, Schöpfer Geist…

FROHE PFINGSTEN

Komm, Schöpfer Geist,
die Gesinnungen der Deinen besuche;
erfülle mit oberer Gnade
die Herzen, die Du geschaffen hast!

Der Du der Beistand genannt wirst,
des höchsten Gottes Geschenk,
lebendige Quelle, Feuer, Liebe
und geistliche Salbung.

Du Siebengestaltiger im Amt,
Finger der väterlichen Rechten,
Du nach heiligem Brauch Versprochenes des Vaters,
mit Rede bereichernd die Kehlen.

Zünd’ an das Licht den Sinnen,
gieß’ ein die Liebe den Herzen,
das Schwache unseres Leibes
stärkend durch ununterbrochene Tugend!

Mögest den Feind weiter zurückstoßen
und den Frieden sofort schenken!
Mit Dir so als vorausgehendem Lotsen
mögen wir alles Schädliche meiden!

Gib, dass wir durch Dich den Vater verstehen
und auch den Sohn erkennen
und an Dich, beider Geist,
zu jeder Zeit glauben!

Gott, dem Vater, sei Ehre
und dem Sohn, der von den Toten
auferstanden ist, und auch dem Beistand
in die Zeitalter der Zeitalter!

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Pfingsthymnus

Ich wünsche ALLEN ein gesegnetes Pfingstfest.

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Man kommt nicht dazu!

Es plagt -mancher Mensch sich – jahrein’ und jahraus —
Hat’s längst nicht mehr nötig — trotzdem ruft er aus:
„Noch ‘ne Million, dann genieß’ ich die Ruh’!”
Da muß er wirklich zur Ruh’ und er kommt nicht dazu.

Es klagt’ mir ein Maurer: „So’n Tag ist nicht lang —
Erst schnupf ich, dann nies’ ich — dann geh’ ich ‘nen Gang –
Dann rauch’ ich — dann trink ich — und eh’ ich arbeit’n tu’ –
Da ist immer wieder Feierabend und man kommt nicht dazu.”

Herr Cohn sagt': „Ich fahre ins Bad jedes Jahr,
Wollt’ immer gern baden, wenn am Strande ich war.
Doch eh’ ich’s erwäg’, ob ich’s endlich mal tu’,
Da wird’s immer wieder Winter und man kommt nicht dazu.”

Herr Lehmann ist alt, hat ‘ne ganz junge Frau —
Die nimmt’s mit der Treue nicht gar so genau,
Läd täglich ‘nen andern sich zum Rendez-vous —
Und Herr Lehmann, der alte Eh’mann, der kommt nicht dazu.

Es wünscht manche Maid sich zum Mann ‘nen Baron,
Später tut’s auch ein Leutnant, ein Wachtmeister schon.
Dann sagt sie zum Schuster, zum Schneider: „Komm Du!”
Da ist Sie leider — aus dem Schneider – und sie kommt nicht dazu.

Herr Meyer, der zieht zur Erholung aufs Land,
Will schlafen bis mittags — das find’t er scharmant.
Doch ganz früh kräht der Hahn, und die Kuh, die macht muh!
Und Herr Meyer will schlafen — und er kommt nicht dazu.

Es dacht’ mancher Wähler: ‘ne Wahl die macht Qual.
Wähl’ ich rechts oder Zentrum — liberal — sozial? —
Welche Meinung ist richtig — wo-find’ ich den Clou?
So erwägt er — überlegt er – und er kommt nicht dazu.

Der Michel, der Deutsche, ist mager so sehr.
Sein englischer Vetter ist fetter als er.
Wo’s etwas zu holen gibt, holt er’s im Nu —
Und der Michel steht hinten — und er kommt nicht dazu.

Es klagt’ mir ‘ne Frau, die ‘nen Zahnarzt gefreit:
„Mein Mann hat bei Tag und bei Nacht keine Zeit.
Oft klingelt’s spät abends — kaum geht er zur Ruh’.
Wird er munter, muß runter, und er kommt nicht dazu.”

In Deutschland, da gibt’s Militär und Zivil,
‘s Zivil braucht sehr wenjg, ‘s Militär braucht sehr viel.
Kaum denkt der Ziviliste: Ich mach’ mir was schmu!
Da nimn’s der Soldat, .und er kommt nicht dazu.

‘ne Frau ‘will um acht auf den Ball mit dem Mann.
Seit sechs Uhr, da sinnt sie: Was ziehe ich an?
Welches Kleid, welchen Hut, welche Strumpf, welche Schuh’?
Da schlägt’s elfe, halb zwölfe und sie kommt nicht dazu.

Es wünscht Berta Suttner tagaus und tagein,
Den Völkern den Engel des Friedens zu weih’n.
Doch so oft, wie sie glaubt, jetzt herrscht Frieden und Ruh’,
Fällt der Engel vom Stengel und sie kommt nicht dazu.

Es schaut manche Maid auf ‘ne andre voll Hohn:
Die küsst ja und liebt schon, die schlechte Person.
Sie sagt: „Ich bleib’ brav, weil ich so was nicht tu’!”
Sie ist nämlich viel zu dämlich und sie kommt nicht dazu.

‘nen schwerreichen Onkel, den senkt man hinab —
Die Erben, die stehen versammelt am Grab.
Nun wär’n sie gern traurig, woll’n weinen partout –
Da denk’n sie immer wieder an die Erbschaft, und sie komm’n nicht dazu.

Herr Schulze, der macht eine Reise zur See —
Und wird plötzlich seekrank — g’rad’ vor dem Diner —
Kaum nimmt er ‘nen Happen von seinem „Menu” (so aussprechen wie es geschrieben wird)
Kann’s der Mag’n nicht vertrag’n, und er kommt nicht dazu.

Herr Krause, der sitzt im Separee mit ‘ner Maid.
„Heut’ will ich Dich lieben”, so sagt er erfreut,
Da erscheint seine Frau, schreit: „Zu der sagst Du Du!
Nun muß Krause nach Hause — und er kommt nicht dazu.

Man plant für den’ Bismarck ein Denkmal am Rhein,
Nun sagt jeder anders: „Nur so muß es sein.”
Mir wird schon ganz blöd von dem vielen Getu’ !
Sie reden, sie befehden und sie komm’n nicht dazu!

Unserm Freund aus Italien, dem geht’s nicht sehr gut
Mal schlägt ihn der Türke – das bringt ihn in Wut
Dann denkt er: Jetzt schlag’ ich den Feind, den Filou —
Da kommt aber der Araber — und er kommt nicht dazu. .

Herr Delcasse haßt uns — das kümmert uns nicht
Er bellt wie ein Hund, wenn von Deutschland er spricht.
Doch für sein Gebelle geb’ ich nicht einen Sous —
Er will die Preußen stets beißen, und er kommt nicht dazu,

Sie Glückliche könn’n von da unten mich seh’n —
Nur ich seh’ mich niemals — das ist doch nicht schön.
Sitz’ ich “mal da unten — eh ich’ auftreten tu’,
Muß ich immer wieder auf die Bühne — und ich komm’ nicht dazu.

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Im Sozialverhalten gibt es zweierlei Spezis.
Die einen, die fürs Geld alles tun und die anderen,
die fürs Geld nichts tun.

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Pfingst-Bitte…

Der fünfzigste Tag nach Ostern, Pfingsten.
Hier endet die Osterzeit.

Durch den Propheten Joel hatte Gott vorausgesagt, dass er in den letzten Tagen seinen Geist über alles Fleisch ausgießen werde.

Pfingst-Bitte

Sehnend blicke ich nach oben,
Dürstend wie ein dürres Land;
Halte segnend aufgehoben,
Vater, deine treue Hand!
Kehre wieder, Geist der Pfingsten,
Senk dich wieder Erdenwärts;
Der du kommst zu den Geringsten,
Komm auch in mein müdes Herz!

Komm zu mir, mein treuer Leiter!
Zagend, bangend steh ich hier.
Mit dir geh ich stille weiter,
Folgend Jesu Kreuzpanier.
Komm zu mir, du scharfer Prüfer,
Füll mein Herz mit deinem Licht!
Leuchte heller, strahle tiefer,
Bis das letzte Dunkel bricht!

Komm zu mir mit deinen Freuden,
Deinem Frieden, deinem Trost!
Schenke mir Geduld im Leiden,
Draus ein ew`ger Segen sprosst!
Komm zu mir mit Kraft und Stärke,
Zu besiegen Sünd` und Welt!
Fahre fort in deinem Werke,
Schaffe, was dir wohlgefällt!

Komm zu mir und laß dein Feuer
mächtig brennen, nie vergeh`n;
Daß ich stets als ein getreuer
Jünger Jesu mög besteh`n.
Komm zu mir, ach komm und bleibe
Ewiglich mein Morgenstern!
Komm mit Macht zu mir und treibe
Alles eigne Wesen fern!

Friedrich Traub (1873-1906)

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Wie kann man denn bloß so neugierig sein!

Es sitzt in der Laube in lauschiger Nacht
ein Pärchen allein und die Liebe erwacht.
„Wie schön ist’s im Dunkeln“, sagt er ihr ins Ohr. –
Da – flugs – lugt der Mond hintern Wolken hervor,
beleuchtet die beiden mit silbernem Schein,
Wie kann man denn bloß so neugierig sein!

Der Hans in die Grete sind lange ein Paar. –
Nun wird sie schon dreißig im kommenden Jahr.
Er bleibt immer freundlich und fertig zu ihr.
Bloß, wenn sie ihn fragt: „Du, wann heiraten wir?“,
Da wird er verlegen, dann sagt er: „Halt ein,
Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

Herr Klante, der kannte die heutige Welt –
die Gläubiger, gläubig, die brachten ihm Geld.
Dann merkten sie endlich: Es war nur ein Trick –
nun schrien sie: „Wann krieg’n unser Geld wir zurück?“
Herr Klante sprach ruhig: „Ihr müsst nicht so schrei’n –
Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

Es sitzt eine Frau mit ‘nem anderen mal
in einem gedieg’nen, verschwieg’nen lokal.
Da, plötzlich, der Mann! – Der Herr Liebhaber flieht.
Die Frau dick gefasst, als den Gatten sie sieht
sie sagt ganz naiv: „Warum kommst du herein? –
Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

Ein ältliches Fräulein, das steht vor Gericht.
„Wie alt?“, fragt der Richter – sie antwortet nicht.
„Wie alt?“, fragt er nochmal – sie schweigt wie zuvor.
„Nun gut,“ sagt er, „sag’n Sie’s mir leise ins Ohr.“
Da flüstert verschämt sie ins Ohr ihm hinein:
„Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

Susanne im Bade – die plätschert in Ruh’ –
da kommen zwei Jungen und schauen ihr zu.
Der eine sagt lüstern: „’s ist wirklich famos.
Da sieh doch mal bloß“ – „Ja, ich seh’, sie ist bloß.“
Da sagt die Susanne verschämt zu den zwei’n:
„Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

Es hat ein Berliner von München gehört, –
dort würd’n die Berliner geschätzt und verehrt. –
Nun will er dorthin – bis zum Bahnhof gerannt. –
Entsetzt sagt der Schaffner: „Das find’ ich riskant.
Sie wollen ins „feindlicher Ausland“ hinein?
Wie kann man denn bloß so neugierig sein?“

Ein Mann war verreist, kam nach hause aufs neu’–
und frug er sein Weibchen: „Du, bliebst du mir treu?“
„Ja,“ sagt sie getrost, „das beschwöre ich hier. –
Doch kannst du’s beschwören? – Wie steht es mit dir?“
Da sagt er und schließt in die Arme sie ein:
„Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

Ich war mal beim Rennen – vor mir saß ‘ne Maid
mit ‘nem Hut von der Größe – so lang und so breit.
„Ach, nehm’ sie in ab,“ sagt’ ich, „sei’n sie so gut!
Ich seh’ Nichts.“ – „Was,“ sagt sie, „Sie seh’n doch den Hut.
Nun woll’n sie noch’s Renn’n seh’n hier draußen im Frei’n?
Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

Zwei Hüter der Ordnung – ich sage nicht wo,
gehn nachts durch die Stadt, unterhalten sich vor.
Da, schrecklich, ein Schrei! – Ist es Raub oder Mord?
„Da müssen wir hin,“ sagt der eine sofort.
„Warum?“, sagt der andere, „lass sie doch schrei’n –
Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

Mein Pudel hat kürzlich acht Junge bekomm’n –
hab einen entsetzt in die Arme genomm’n –
„Was ist’s für ‘ne Rasse? – Ich sinne und schwitz’,
ob Pudel, ob Moppel, ob Dackel, ob Spitz –
und er schaut, als wollt er mir sagen voll Pein:
„Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

Mein Freund hat ‘ne Kneipe – dort hab’ ich bestellt
ein Rostbeef vom Ochsen für teures Geld.
Da find’ ich vom Ross einen Hufnagel drin.
Ich sage zum Wirte: Was stellst du mir hin?
Ist’s Rostbeef – ist’s Rossbeef?“ – Da sagt er: „Schluck’s rein –
Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

Die Kellner, die woll’n heut’ keine Trinkgelder mehr.
Sie woll’n festen Lohn – das betonen sie sehr.
Ich sagt’ zu ‘nem Kellner: „Nun geb’n sie mal acht –
gesetzt, ich hätt’ sechzig Mark Zeche gemacht –
und geb’ ihnen hundert hin – sag’n sie da „Nein“?“
„Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

Ein sehr armer Schlucker, der – früher im Flor –
sein Geld durch die Steuern so ziemlich verlor,
er sprach zu Herrn Stinnes: „Ich lebe recht knapp.
Wie machen denn sie’s? Geb’n sie auch alles ab?“ –
Da lachte Herr Stinnes und ließ ihn allein:
„Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

Zum Michel sprach kürzlich ein Herr der Entente:
„Ihr müsst alles zahlen das, was ihr verlangt.
Nun sage ganz frei, denn hier wird nicht geprahlt:
Wann habt ihr die Schulden uns restlos bezahlt?“
Da sagt der Michel und lächelt fein:
„Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

Hier oben zu stehn, ist sehr schwer neuerdings.
Mal schimpft man auf rechts und mal schimpft man auf Links.
Das Publikum sagt oft: „ ‘s ist wirklich kurios –
zu welcher Partei denn gehören sie bloß?“
Da sagte ich pfiffig zu allen Partei’n:
„Wie kann man denn bloß so neugierig sein!“

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Bevor du an anderen Kritik übst,
überprüfe deine eigene Leistung.

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Ich hab’s ja gleich gesagt…

Mein Freund, Herr Wilhelm Kuntze,
das ist ein kluger Mann,
weiß mehr, wie andre Leute.
An den kommt keiner ran.
Als neunzehnhundertvierzehn
vorm Krieg wir bebten sehr,
konnt’ man ihn nicht verwirrt seh’n,
„’s bleibt Frieden,“ sagte er,
„Wir hab’n ja Diplomaten,
so klug, wie’s keine gibt.
Uns huld’gen alle Staaten,
wir sind ja so beliebt.
Der Kaiser macht ‘ne Reise
zum Nordland unverzagt,
Krieg gibt’s in keiner Weise,
ich hab’s ja gleich gesagt.“

Ja, mein Freund Wilhelm Kuntze,
das ist ein kluger Mann,
als dann der Krieg begonnen,
da kam er wieder an.
„Na, siehste? So ein Plunder!
Der Frieden ist verpasst!
Es ist ja auch kein Wunder,
wir sind ja so verhasst!
Jetzt komm’n uns die Franzosen
und Russen auf den Hals.
Doch lass man: Uns hilft England
und Japan ebenfalls.
Paris, das wird genommen –
wie siebzig wird’s gewagt.
Der Krieg, der musste kommen,
ich hab’s ja gleich gesagt.“

Ja, mein Freund Wilhelm Kuntze,
das ist ein kluger Mann,
als England, Japan, anfing,
da kam er wieder an.
„Na, siehste? Meine Rede!
Old England und der Japs!
Gott straf sie alle beede!
Die krieg’n noch ihren Klaps.
Rumänien wird uns stützen,
die Griechen – allemal!
Und dann – das wird uns nützen:
Italien bleibt neutral!
Es wär ja auch ‘ne Schande,
wenn’s uns zu drohen wagt.
Die andern sind ‘ne Bande,
ich hab’s ja gleich gesagt.“

Ja, mein Freund Wilhelm Kuntze,
das ist ein kluger Mann,
als dann Italien angriff,
da kam er wieder an.
„Na, siehste? – So ein Luder!
So’n Pack, das uns bedroht!
Doch unser Bundesbruder
in Oest’reich schlägt sie tot.
Was sagst du dir so wichtig?
Amerika fängt an??
Du bist wohl nicht ganz richtig!
Was woll’n denn die paar Mann?
Der Wilson? Ist der Dümmste –
der wird doch nicht gefragt.
Italien ist das Schlimmste,
ich hab’s ja gleich gesagt.“

Ja, mein Freund Wilhelm Kuntze,
das ist ein kluger Mann,
als Wilson uns bedrängte,
da kam er wieder an.
„Na, siehste? Meine Worte!
Jetzt kommt Amerika!
Das ist ‘ne kräft’ge Sorte,
da ist noch alles da.
Doch wart! – Wir werden lachen,
das ist so klar wie Torf,
das U-Boot wirt’s schon machen
und unser Ludendorff!
Der macht das aufs genau’ste,
der Feind, der wird verjagt,
denn Wilson ist der Schlauste,
ich hab’s ja gleich gesagt.“

Ja, mein Freund Wilhelm Kuntze,
das ist ein kluger Mann,
als Ludendorff quittierte,
da kam er wieder an.
„Na, siehste? Meine Ahnung!
Das nennt sich nun Gen’ral!
Jetzt gibt’s bloß eine Mahnung:
der Kaiser gibt’s Signal!
Der sorgt jetzt für Erled’gung.
Dann sieg’n wir, glaube mir,
wir krieg’n auch Kriegs-Entschädigung
und Elsass halten wir!
Der Kaiser ist nicht lässig,
ein Mann, der nie verzagt –
mit Ludendorff ist’s Essig,
ich hab’s ja gleich gesagt.“

Ja, mein Freund Wilhelm Kuntze,
das ist ein kluger Mann,
als dann der Kaiser abging,
da kam er wieder an.
„Na, siehste? Nu verreißt er –
der Reisekaiser geht.
Das wusst’ ich – jetzt beweist er,
was er vom Krieg versteht.
Ich bin deshalb nicht böse,
wir komm’n zu neuem Glanz.
Ich sing die „Marsellieuse“,
pfeif’ auf den „Siegerkranz“.
Die Freiheit wart geboren,
ein roter Morgen tagt!
Der Krieg, der ist verloren,
ich hab’s ja gleich gesagt.“

Ja, mein Freund Wilhelm Kuntze,
das ist ein kluger Mann,
wie sich die Welt auch wendet,
er schmiegt sich allem an.
Ob Heydebrandt, ob Haase,
wer kommt, dem huldigt er.
Er hat ‘ne feine Nase,
weiß alles schon vorher.
Wenn der am Ruder stände,
da wär’n wir vornean.
Der wusste schon das Ende,
bevor der Krieg begann.
Der kannte die Krakehler,
die uns zum Krieg gejagt.
Er hat bloß einen Fehler:
Er hat’s nicht gleich gesagt.

Otto Reutter

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