GEDICHTE: Weht im Schnee ein Weihnachtslied, Hilde Fürstenberg

Kinder und Winterträume

Weht im Schnee ein Weihnachtslied
Leise über Stadt und Felder,
Sternenhimmel niedersieht,
Und der Winternebel zieht
Um die dunklen Tannenwälder.

Weht im Schnee ein Weichnachtsduft
Träumerisch durch dichte Flocken,
Füllt die schwere Winterluft
Und aus weichen Wolken ruft
Sanft der Klang der Kirchenglocken.

Geht durch Schnee ein Weihnachtskind
Liebend über kalte Erde,
Geht dahin und lächelt lind,
Hoffend, dass wir gütig sind
Und die Menschheit besser werde.

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GEDICHTE: Träume, Selma Meerbaum-Eisinger (1924-1942)

Tanz mit den Schmetterlingen

Es sind meine Nächte
durchflochten von Träumen,
die süß sind wie junger Wein.
Ich träume, es fallen die Blüten von Bäumen
und hüllen und decken mich ein.

Und alle diese Blüten,
sie werden zu Küssen,
die heiß sind wie roter Wein
und traurig wie Falter, die wissen: sie müssen
verlöschen im sterbenden Schein.

Es sind meine Nächte
durchflochten von Träumen,
die schwer sind wie müder Sand.
Ich träume, es fallen von sterbenden Bäumen
die Blätter in meine Hand.

Und alle diese Blätter,
sie werden zu Händen,
die zärteln wie rollender Sand
und müd sind wie Falter, die wissen: sie enden
noch eh‘ sie ein Sonnenstrahl fand.

Es sind meine Nächte
durchflochten von Träumen,
die blau sind wie Sehnsuchtsweh.
Ich träume, es fallen von allen Bäumen
Flocken von klingendem Schnee.

Und all diese Flocken
sie werden zu Tränen.
Ich weinte sie heiß und wirr –
begreif meine Träume, Geliebter, sie sehnen
sich alle nur ewig nach dir.

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GEDICHTE: Von der Freundschaft, Khalil Gibran

For you ..., Für Dich ...,

Euer Freund ist die Antwort auf eure Nöte
Er ist das Feld, das ihr mit Liebe besät
und mit Dankbarkeit erntet.
Und er ist euer Tisch und euer Herd
Denn ihr kommt zu ihm mit eurem Hunger,
und ihr sucht euren Frieden bei ihm.
Wenn euer Freund frei heraus spricht,
fürchtet ihr weder das „Nein“ in euren Gedanken,
noch haltet ihr mit dem „Ja“ zurück.
Und wenn er schweigt,
hört euer Herz nicht auf,
dem seinen zu lauschen;
Denn in der Freundschaft werden
alle Gedanken, alle Wünsche, alle Erwartungen
ohne Worte geboren und geteilt,
mit Freude, die keinen Beifall braucht.
Wenn ihr von eurem Freund weggeht, trauert ihr nicht:
Denn was ihr am meisten an ihm liebt,
ist vielleicht in seiner Abwesenheit klarer,
wie der Berg dem Bergsteiger von der Ebene aus klarer erscheint.
Und die Freundschaft soll kein anderen Zweck haben,
als den Geist zu vertiefen.
Und laßt euer Bestes für euren Freund sein.
Wenn er die Ebbe eurer Gezeiten kennen muß,
laßt ihn auch das Hochwasser kennen.
Denn was ist ein Freund, wenn ihr ihn nur aufsucht,
um die Stunden todzuschlagen?
Sucht ihn auf, um die Stunden mit ihm zu erleben.
Denn er ist da, eure Bedürfnisse zu befriedigen
nicht aber eure Leere auszufüllen.
Und in der Süße des Freundschaft laßt Lachen sein
und geteilte Freude.
Denn im Tau kleiner Dinge
findet das Herz seinen Morgen und wird erfrischt.

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GEDICHTE: Rote Nelken, Selma Meerbaum-Eisinger (1924-1942)

Rote Nelken

Ich habe Angst.
Es drückt auf mich das Dunkel jeder schwülen Nacht.
Es ist so still,
und mich erstickt des großen Schweigens schwere Pracht.

Warum, warum bist du nicht da?
Ich hab‘ gespielt, ich weiß – verzeih.
Ich hab‘ mit meinem Glück gespielt –
es ging entzwei – verzeih.
Es tut so weh, allein zu sein.
Drum komm, ich warte ja.
Wir lachen uns ein neues Glück,
so glaub es doch und komm zurück –
es ist ja so viel Lachen da.
Schau mich doch an.
Ist wohl mein Bild noch da in deinem fernen Blick?
Ich will dich, wie die Traube will,
dass man sie, wenn sie reif ist, pflückt.
Mein Haar, es wartet.
Und mein Mund will, dass du wieder mit ihm spielst.

Sieh – meine Hände bitten dich,
dass du sie in die deinen hüllst.
Sie sehnen sich nach deinem Haar
und sehnen sich nach deiner Haut,
wie nach dem Traum sich sehnt ein Kind,
das ihn auch nur einmal geschaut.
Schau, es ist Frühling.
Doch ist er blind, er weint ja immerfort.
Solange wir nicht beisammen sind,
so lange weint er wie der Wind,
dem der liebste Wald verdorrt.
Sieh, alles wartet nur auf uns:
es warten alle Wege, alle Bänke.
Es warten alle Blumen nur,
dass ich sie pflücke und dir schenke.

Du hältst die Sterne,
die auf unsrer Schnur noch fehlen, in der Hand.
Du hast sie keiner anderen umgehangen.
Und findest du für sie nicht bald ein neues Band,
so hast du mit den vollen Händen nicht was anzufangen.
Sieh – unsre Schnur, sie wartet noch.
Ich hab‘ sie zärtlich aufgehoben.
Es fehlt auch nicht ein einz’ger Stern
und’s ist kein fremder mit verwoben.
Wir müssen nicht um neue Schnüre fragen.
Die alte ist noch schön und lang.
Und hast du auch noch tausend Sterne in der Hand –
sie kann noch zehnmal tausend tragen.

Du bist so stark.
Ich möchte mich so gern in deine Arme lehnen.
Wenn du mich führst, so geh ich schnell.
Entsinnst du dich noch jener Nacht,
der Schnee war weich und klingend hell,
in der dein Arm mich stark umfing
und ich so schnell und sicher ging,
als wär‘ ich groß wie du?

O, komm und führe mich so gut von Hindernis zu Hindernis.
Ich will gewiss nicht müde sein,
ich bin dann sicher nicht mehr klein
und brauche keine Ruh‘.
Und dann – in unsrem Liebeszelt,
o dann, dann werfen wir der Welt das hellste Lachen zu.
Nicht wahr, du kommst?
Ich wein‘ nicht mehr.
O nein, ich bin ja nicht mehr leer,
du kommst gewiss, du kommst geschwind,
o du mein starker, schöner Wind –
du wirst zum Sturm und reißt mich mit in deinem heißen,
wilden Ritt.

Ich bin noch hier.
Der Traum ist aus.
Ich bin allein – wie roter Wein, so kocht mein heißes Blut.
Du bist nicht da –
und warst so nah, und warst so süße, wilde Glut.
Der Frühling weint.
Er weint um uns.
Wirst du ihn ewig weinen lassen?
Du bist so gut.
Drum komm zurück –
du sollst mich um die Schultern fassen,
wir wollen glühn so wie im Traum,
wir wollen blühn
wie Baum nach Baum aufblühen werden dicht bei uns.
Ich will dann lachen.
Und dann klingt die ganze Luft –
die Sonne klingt.
Das Wasser klingt, es klingt die Nacht –
so hör, ich hab‘ für dich gelacht!

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GEDICHTE: Neid der Sehnsucht, Nikolaus Lenau (1802-1850)

 

Frohe Sonntagsgrüße - happy Sunday greetings

Die Bäche rauschen
Der Frühlingssonne,
Hell singen die Vögel,
Es lauschen die Blüten,
Und sprachlos ringen
Sich Wonnedüfte
Aus ihrem Busen;
Und ich muss trauern,
Denn nimmer strahlt mir
Dein Aug, o Geliebte! –
Nicht über den Wellen
Des Ozeanes,
Nicht über den Sternen
Und nicht im Lande
Der Phantasien
Ist meine Heimat;
Ich finde sie nur
In deinem Auge!
Was je mir freudig
Beseelte das Leben,
Was nach dem Tode
Mir weckte die Sehnsucht,
Entschwundner Kindheit
Fröhliche Tage
Und meiner Jugend
Himmlische Träume,
Von meinen Toten
Trauliche Grüße
Und meiner Gottheit
Stärkenden Anblick,
Das alles find ich
In deinem Auge,
O meine Geliebte!
Nun bist du ferne,
Und bitter beneiden
Muss jeden Stein ich
Und jede Blume,
Beneiden die kalten
Menschen und Sterne,
An die du vergeudest
Die süßen Blicke.

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GEDICHTE: Du stutzt deine Flügel, Khalil Gibran,

Engel, Angel

Gott hat deinem Geist Flügel verliehen,
mit denen du aufsteigen kannst
ins weite Firmament der Liebe und der Freiheit.

Und du jammervolles Geschöpf
stutzt diese Flügel mit eigener Hand
und läßt zu, dass deine Seele
wie ein Insekt am Boden dahinkriecht.

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GEDICHTE: Das Mondlicht, Nikolaus Lenau (1802-1850)

Bild - picture

Dein gedenkend irr‘ ich einsam
Diesen Strom entlang;
Könnten lauschen wir gemeinsam
Seinem Wellenklang!

Könnten wir zusammenschauen
In den Mond empor,
Der da drüben aus den Auen
Leise taucht hervor.

Freundlich streut er meinem Blicke
Aus dem Silberschein
Stromhinüber eine Brücke
Bis zum stillen Hain. —

Wo des Stromes frohe Wellen
Durch den Schimmer ziehn,
Seh‘ ich, wie hinab die schnellen
Unaufhaltsam fliehn.

Aber wo im schimmerlosen
Dunkel geht die Flut,
Ist sie nur ein dumpfes Tosen,
Das dem Auge ruht. —

Dass doch mein Geschick mir brächte
Einen Blick von dir!
Süßes Mondlicht meiner Nächte,
Mädchen, bist du mir!

Wenn nach dir ich oft vergebens
In die Nacht gesehn,
Scheint der dunkle Strom des Lebens
Trauernd still zu stehn;

Wenn du über seinen Wogen
Strahlest zauberhell,
Seh‘ ich sie dahingezogen,
Ach! nur allzuschnell!

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GEDICHTE: Du, Khalil Gibran,

Musik

Du bist die Melodie,
die in meinen Träumen schwebt,
der sanfte Gedanke,
der sich nicht fassen lässt.

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GEDICHTE: Das Leben, Khalil Gibran, (1883 – 1931)

Was ist das Leben anders als ein Schlaf.
Seine Träume hindern uns daran,
eigene Herzenswünsche zu verwirklichen.
Das Geheimnis der Seele
verbirgt die Trauer;
entfernt sich diese,
wird die Freude es verhüllen.

Das Geheimnis des Lebens
entzieht sich den Blicken
durch den Schleier des Wohlstands;
wird dieser gelüftet,
ersetzt ihn der Schleier des Elends.

Gelingt es dir aber,
dich über Wohlstand
und Elend zu erheben,
so berührst du den Schatten dessen,
den das Denken nicht fassen kann.

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GEDICHTE: Sehnsucht, Joseph von Eichendorff (1788-1857)

Guten Abend liebe Freunde - good evening dear friends

Es schienen so golden die Sterne,
Am Fenster ich einsam stand
Und hörte aus weiter Ferne
Ein Posthorn im stillen Land.
Das Herz mir im Leib entbrennte,
Da hab ich mir heimlich gedacht:
Ach, wer da mitreisen könnte
In der prächtigen Sommernacht!

Zwei junge Gesellen gingen
Vorüber am Bergeshang,
Ich hörte im Wandern sie singen
Die stille Gegend entlang:
Von schwindelnden Felsenschlüften,
Wo die Wälder rauschen so sacht,
Von Quellen, die von den Klüften
Sich stürzen in die Waldesnacht.

Sie sangen von Marmorbildern,
Von Gärten, die überm Gestein
In dämmernden Lauben verwildern,
Palästen im Mondenschein,
Wo die Mädchen am Fenster lauschen,
Wann der Lauten Klang erwacht
Und die Brunnen verschlafen rauschen
In der prächtigen Sommernacht. –

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GEDICHTE: Wandel der Sehnsucht, Nikolaus Lenau (1802-1850)

Der Leuchtturm

Wie doch dünkte mir die Fahrt so lang,
O wie sehnt ich mich zurück so bang
Aus der weiten, fremden Meereswüste
Nach der lieben, fernen Heimatküste.

Endlich winkte das ersehnte Land,
Jubelnd sprang ich an den teuern Strand,
Und als wiedergrüne Jugendträume
Grüßten mich die heimatlichen Bäume.

Hold, und süßverwandt, wie nie zuvor,
Klang das Lied der Vögel an mein Ohr;
Gerne, nach so schmerzlichem Vermissen,
Hätt ich jeden Stein ans Herz gerissen.

Doch, da fand ich dich, und – todesschwank
Jede Freude dir zu Füßen sank,
Und mir ist im Herzen nur geblieben
Grenzenloses, hoffnungsloses Lieben.

O wie sehn ich mich so bang hinaus
Wieder in das dumpfe Flutgebraus!
Möchte immer auf den wilden Meeren
Einsam nur mit deinem Bild verkehren!

Morgen ist Nikolaus!

Der Nikolaus legt Geschenke in eure Schuhe und Stiefel. Habt ihr sie auch geputzt? Und was ist ein Stinkstiefel?

 Die Stiefel, nicht vergessen zu putzen und rauszustellen!

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GEDICHTE: Drey Winterrosen, Achim von Arnim / Clemens Brentano

Drei Rosen im Winter

Es ritt ein Herr mit seinem Knecht,
Des Morgens in dem Thaue,
Was fand er auf der Heide stehn?
Ein wunderschöne Jungfraue.
„Gott grüß euch Jungfrau hübsch und fein,
Gott grüß euch Auserwählte,
Wollt Gott ich sollt heut bey euch seyn,
In euren Armen schlafen.“

„In meinen Armen schlaft ihr nicht,
Ihr bringt mir denn drey Rosen,
Die in dem Winter wachsen sind,
In voller Blüt erschlossen.“

Er schwang sich in den Sattel frei,
Dahin so thät er traben,
Da wo die rothen Röslein stehn,
Um Fräuleins Gunst zu haben.

Der Röslein warn nicht mehr denn drey,
Er brach sie an den Stielen,
Er schütt sie der Magd in Geren frei,
Nach allem ihren Willen.

Da sie die rothen Röslein sah,
Gar freundlich thät sie lachen:
„So sagt mir edle Röslein roth,
Was Freud könnt ihr mir machen?“

„Die Freud, die wir euch machen wohl,
Die wird sich auch schon finden,
Jetzund geht ihr ein Mägdlein jung,
Aufs Jahr mit einem Kinde.“

„Geh ich mit einem Kindelein,
So muß es Gott erbarmen,
Hab ich doch nur eine halbe Nacht,
Geschlafn an deinen Armen.“

„So klage nicht mein Töchterlein,
Und weine nicht so sehre,
Es ist geschehn; manch Jungfräulein
Kam noch zu großen Ehren.“

Das hat gesungen ein Reuter gut,
Ein Berggesell hat ihn verdrungen,
Er trinkt viel lieber den lautern Wein,
Denn Wasser aus kühlem Brunnen

(aus: Des Knaben Wunderhorn)

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GEDICHTE: Von der Zeit, Khalil Gibran, (1883-1931)

 

Haus und Strasse

Mein Haus sagte zu mir:
„Verlaß mich nicht, denn hier wohnt deine Vergangenheit“.
Und die Straße sagte zu mir:
„Komm und folge mir, denn ich bin deine Zukunft“.
Und ich sage zu beiden, zu meinem Haus und zu der Straße:
„Ich habe weder Vergangenheit, noch habe ich Zukunft.
Wenn ich hier bleibe, ist ein Gehen in meinem Verweilen;
und wenn ich gehe, ist ein Verweilen in meinem Gang.
Nur Liebe und Tod ändern die Dinge.“

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GEDICHTE: Vorgefühl, Richard Fedor Leopold Dehmel (1863-1920)

Winterzeit - Winter time

Es ist ein Schnee gefallen,
hat alles Graue zugedeckt,
die Bäume nur gen Himmel nicht;
bald trinkt den Schnee das Sonnenlicht,
dann wird das alles blühen,
was in der harten Krume jetzt
kaum Wurzeln streckt.

1. Advent

Wünsche ALLEN
meinen Freunden und Lesern
einen schönen
1. ADVENT

Eure Gabriele

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GEDICHTE: Für Musik, Emanuel Geibel (1815-1884)

Süße Träume

Nun die Schatten dunkeln,
Stern an Stern erwacht:
Welch ein Hauch der Sehnsucht
Flutet in der Nacht!

Durch das Meer der Träume
Steuert ohne Ruh‘,
Steuert meine Seele
Deiner Seele zu.

Die sich dir ergeben,
Nimm sie ganz dahin!
Ach, du weißt, dass nimmer
Ich mein eigen bin.

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GEDICHTE: Nur wer die Sehnsucht kennt…, Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Fantasy

Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh ich ans Firmament
Nach jener Seite.
Ach! der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.

Es schwindelt mir, es brennt.
Mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!

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GEDICHTE: An die Entfernte, Johann Wolfgang von Goethe

Pretty women

So hab’ ich wirklich dich verloren?
Bist du, o Schöne, mir entflohn?
Noch klingt in den gewohnten Ohren
Ein jedes Wort, ein jeder Ton.

So wie des Wandrers Blick am Morgen
Vergebens in die Lüfte dringt,
Wenn in dem blauen Raum verborgen,
Hoch über ihm die Lerche singt:

So dringet ängstlich hin und wider
Durch Feld und Busch und Wald mein Blick;
Dich rufen alle meine Lieder;
O komm, Geliebte, mir zurück!

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GEDICHTE: Was wird mir jede Stunde…, Johann Wolfgang von Goethe

Woman face and flowers

Was wird mir jede Stunde so bang? –
Das Leben ist kurz, der Tag ist lang.
Und immer sehnt sich fort das Herz,
Ich weiß nicht recht, ob himmelwärts;
Fort aber will es hin und hin
Und möchte vor sich selber fliehn.
Und fliegt es an der Liebsten Brust,
Da ruht’s im Himmel unbewusst;
Der Lebestrudel reißt es fort,
Und immer hängt’s an Einem Ort;
Was es gewollt, was es verlor,
Es bleibt zuletzt sein eigner Tor.

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GEDICHTE: Lass mich mit glühnden Zangen kneipen …, Heinrich Heine (1797-1856)

Woman and nature. Frau und Natur

Lass mich mit glühnden Zangen kneipen,
Lass grausam schinden mein Gesicht,
Lass mich mit Ruten peitschen, stäupen –
Nur warten, warten lass mich nicht!

Lass mit Torturen aller Arten
Verrenken, brechen mein Gebein,
Doch lass mich nicht vergebens warten,
Denn warten ist die schlimmste Pein!

Den ganzen Nachmittag bis Sechse
Hab gestern ich umsonst geharrt –
Umsonst; du kamst nicht, kleine Hexe,
So dass ich fast wahnsinnig ward.

Die Ungeduld hielt mich umringelt
Wie Schlangen; – jeden Augenblick
Fuhr ich empor, wenn man geklingelt,
Doch kamst du nicht – ich sank zurück!

Du kamest nicht – ich rase, schnaube,
Und Satanas raunt mir ins Ohr:
Die Lotosblume, wie ich glaube,
Mokiert sich deiner, alter Tor!

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GEDICHTE: An die Entfernte, Nikolaus Lenau (1802-1850)

Relax ...

I.
Diese Rose pflück’ ich hier,
In der fremden Ferne;
Liebes Mädchen, dir, ach dir
Brächt ich sie so gerne!

Doch bis ich zu dir mag ziehn
Viele weite Meilen,
Ist die Rose längst dahin,
Denn die Rosen eilen.

Nie soll weiter sich ins Land
Lieb von Liebe wagen,
Als sich blühend in der Hand
Lässt die Rose tragen;

Oder als die Nachtigall
Halme bringt zum Neste,
Oder als ihr süßer Schall
Wandert mit dem Weste.

II.
Rosen fliehen nicht allein,
Und die Lenzgesänge,
Auch dein Wangenrosenschein,
Deine süßen Klänge.

O, dass ich, ein Tor, ein Tor,
Meinen Himmel räumte!
Dass ich einen Blick verlor,
Einen Hauch versäumte!

Rosen wecken Sehnsucht hier,
Dort die Nachtigallen
Mädchen, und ich möchte dir
In die Arme fallen!

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