GEDANKENLYRIK – Ich lebe und weiß nicht…, unbekannt

Lebensfreude. Full of life

Ich lebe und weiß nicht, wie lang,
ich sterbe und weiß nicht wann,
ich fahre und weiß nicht wohin,
mich wundert, dass ich so fröhlich bin.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Ein Bruder ist wie eine Schulter.

aus Somalia

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GEDANKENLYRIK – Selige Sehnsucht, Johann Wolfgang von Goethe

Lila Traum

Sagt es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet,
Das Lebend’ge will ich preisen,
Das nach Flammentod sich sehnet.

In der Liebesnächte Kühlung,
Die dich zeugte, wo du zeugtest,
Überfällt dich fremde Fühlung,
Wenn die stille Kerze leuchtet.

Nicht mehr bleibest du umfangen
In der Finsternis Beschattung,
Und dich reißet neu Verlangen
Auf zu höherer Begattung.

Keine Ferne macht dich schwierig,
Kommst geflogen und gebannt,
Und zuletzt, des Lichts begierig,
Bist du, Schmetterling, verbrannt.

Und solang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Das Herz des Unverständigen ist in seinem Munde.
Die Zunge des Verständigen ist in seinem Herzen.

aus Arabien

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GEDANKENLYRIK – Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren, Novalis

Liebespaar

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen
Wenn die so singen, oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freie Leben
Und in die Welt wird zurückbegeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu echter Klarheit wieder gatten,
Und man in Märchen und Gedichten
Erkennt die wahren Weltgeschichten,
Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Es ist leichter,
einen Betrunkenen
als einen Armen
auf die Füße zu stellen.

aus Israel

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GEDANKENLYRIK – O Mensch! Gib acht…, Friedrich Nietzsche

Lust und Ewigkeit; Pleasure and eternity

O Mensch! Gib acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
„Ich schlief, ich schlief -,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht: –
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht,
Tief ist ihr Weh -,
Lust – tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit -,
– will tiefe, tiefe Ewigkeit!“

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Das Leben ist eine Quarantäne für das Paradies.

aus Arabien

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GEDANKENLYRIK – Überlass es der Zeit, Theodor Fontane

Alles braucht seine Zeit ...

Erscheint dir etwas unerhört,
Bist du tiefsten Herzens empört,
Bäume nicht auf, versuchs nicht mit Streit,
Berühr es nicht, überlass es der Zeit.
Am ersten Tage wirst du feige dich schelten,
Am zweiten lässt du dein Schweigen schon gelten,
Am dritten hast du’s überwunden;
Alles ist wichtig nur auf Stunden,
Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,
Zeit ist Balsam und Friedensstifter.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Keine größere Armut als Unwissenheit.

aus Türkei

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GEDANKENLYRIK – Humor, Wilhelm Busch

 

Der Vogel und die Katze. The bird and the cat.

Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer höher
kommt er dem armen Vogel näher.

Der Vogel denkt: Weil das so ist
und weil mich doch der Kater frisst,
so will ich keine Zeit verlieren,
will noch ein wenig quinquillieren
und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Der ist leicht zu schlagen,
der sich einmal schlagen ließ.

aus Persien

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GEDANKENLYRIK – An die Weisheit, Aloys Blumauer

Der Flügelschlag des Schmetterlings; The wing beat of the butterfly

Holde Himmelstochter, deren Klarheit
Jeden Geist, der frei ist, an sich zieht,
Allgetreue Führerin zur Wahrheit,
Die den Sterblichen bald äfft, bald flieht!

Licht, von dessen Strahl die Seele lebet,
Sonne der gesammten Geisterwelt,
Du, zu der der Adler in uns strebet,
Den die Hülle noch gefangen hält!

Du, die man seit Menschenangedenken
Als ein Weib im Ritterschmuck verehrt,
Das mit männlichfestem Ernst uns – denken,
Und mit Weibesinbrunst – lieben lehrt!

Deren Schild die Schlangenbrut gedämpfet,
Die der schwache Mensch im Busen nährt,
Deren Lanze gegen Drachen kämpfet,
Die der blöde Geist auf Knien ehrt!

Deren Aug‘, an Sonnenglanz gewöhnet,
Nie vor einem Strahl der Wahrheit bricht,
Und dem Geist, der zu erblinden wähnet,
Winkt: Blick auf, die Wahrheit blendet nicht!

Dich, o Göttin! die wir Weisheit nennen,
Sucht sich unser reger Geist zur Braut;
Aber wird er dich erreichen können,
Dich, vor deren Höh‘ dem Blicke graut?

In dem Dunkel dieses Erdenlebens
Rangen Viele schon nach deinem Licht,
Aber ach! sie mühten sich vergebens,
Denn, wo sie dich suchten, warst du nicht.

Mit dir prangten Griechenlands Sophisten,
Glaubten sich bereits auf deiner Spur;
Aber ihre Kunst war Überlisten
Wo du leuchtest, blendeten sie nur.

Um den Geist an deinem Blick‘ zu sonnen,
Sperrte Diogen ins Fass sich ein;
Doch die Weisheit wohnet nicht in Tonnen,
Denn der Weise lebt sich nicht allein.

And’re suchten dich in heißen Wüsten,
Streiften da den Menschen von sich ab,
Harrten, wachten, fasteten und büßten,
Und bereiteten dem Geist sein Grab.

Doch du wohntest nicht in einem Lande,
Wo der Geist mit Hirngespinnsten focht,
Und bliebst fern von einer trägen Bande,
Die der Menschheit nichts – als Körbe flocht.

Andre suchten dich im Land der Sterne,
Gingen über Wolken hoch einher,
Und vergaßen in erträumter Ferne
Sich und andre Menschen um sich her.

Viele wähnten in der Hieroglyphen
Rätselhaften Nacht dich eingehüllt;
Doch sie irrten, denn vergebens griffen
Sie im Finstern nach der Sonne Bild.

Wir auch, Göttin, streben dir entgegen,
Wir auch folgen deiner lichten Spur,
Aber nicht auf allen diesen Wegen,
Auf dem offnen Pfade der Natur.

Hör‘ uns, Göttin, wenn wir hier auf Erden
Auf zu dir um Selbsterkenntniß fleh’n,
Lass es Tag in unserm Innern werden,
Dass wir alle uns’re Flecken seh’n!

Lass der Menschen Herz sich uns entfalten,
Schütz‘ es vor Betrug und Heuchelei,
Dass der Mensch in allen den Gestalten,
Die Natur ihm gab, uns heilig sei!

Lass uns nie der Dummheit Tempel bauen,
Lehre der Gewalt uns wiedersteh’n,
Lass den Heuchler durch und durch uns schauen,
Und der Bosheit Schlangengang uns seh’n!

Lass uns hier in einem Bund vereinet,
Helfen, wo der Mensch den Menschen plagt,
Lass uns hören, wo die Unschuld weinet,
Und die Schwäche über Stärke klagt!

Lass, o lass der Menschheit Wohl uns gründen,
Sie verehren in dem kleinsten Glied,
Und den Friedenszweig ums Haupt ihr winden,
Der in deinen Händen nie verblüht.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Wer von seinem Vater einen Hügel geerbt hat,
sollte ihn erklimmen.

aus Arabien

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Das Leben des Menschen, Georg Philipp Harsdörffer

Idylle

Das Leben ist
Ein Laub, das grünt und falbt geschwind.
Ein Staub, den leicht vertreibt der Wind.
Ein Schnee, der in dem Nu vergehet.
Ein See, der niemals stille stehet.
Die Blum, so nach der Blüt verfällt.
Der Ruhm, auf kurze Zeit gestellt.
Ein Gras, das leichtlich wird verdrucket.
Ein Glas, das leichter wird zerstucket.
Ein Traum, der mit dem Schlaf aufhört.
Ein Schaum, den Flut und Wind verzehrt.
Ein Heu, das kurze Zeite bleibet.
Die Spreu, so mancher Wind vertreibet.
Ein Kauf, den man am End bereut.
Ein Lauf, der schnaufend schnell erfreut.
Ein Wasserstrom, der pfeilt geschwind.
Die Wasserblas’, die bald zerrinnt.
Ein Schatten, der uns macht schabab.
Die Matten, die gräbt unser Grab.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Ein Mann ist ein Fluß,
die Frau ein See.

aus Kurdistan

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FREUNDSCHAFTSGEDICHTE – An den Herzog Karl August …, Johann Wolfgang von Goethe

Das Meer - la mer

Gehab dich wohl bei den hundert Lichtern,
Die dich umglänzen,
Und all den Gesichtern,
Die dich umschwänzen
Und umkredenzen.
Findst doch nur wahre Freud und Ruh
Bei Seelen grad und treu wie du.

Nur Luft und Licht
Und Freundeslieb!
Ermüde nicht,
Wem dies noch blieb.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Ein Hund zur Hand ist besser als ein Bruder weit weg.

aus Persien

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FREUNDSCHAFTSGEDICHTE – Erwarte nicht ein täuschend Wortgepränge…, Gotthold Ephraim Lessing

Die Brücke - the bridge

Erwarte nicht ein täuschend Wortgepränge,
Für unsre Freundschaft viel zu klein.
Empfindung hasst der Reime kalte Menge,
Und wünscht unausposaunt zu sein.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Die Welt ähnelt einem Tanzgirl:
Sie tanzt mit jedem eine kurze Weile.

aus Ägypten

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