Muß man denn ins Ausland reisen?

Gern ins Ausland reist der Deutsche,
er verbringt die Ferien da,
schweift zu gerne in die Ferne, —
und das Gute liegt so nah.
Kannst auch in der Heimat reisen!
Schon die Urmark ist zu preisen:
Brandenburch (Brandenburg) am Havelstrande,
jrünes Land auf weißem Sande.
’s herrscht ein fröhlicher Verkehr da,
dicht bewohnt ist’s Havelland –
Häuser steh’n wie Sand am Meer da,
bloß sie steh’n da mehr am Sand.

Muß man denn ins Ausland reisen?
Schau den Hoorz (Harz) voll Poesie.
und ganz korz, glich hingerm Horze
läht doch ‘s Eichsfeld dichte bi.
Kannst auch nach Hannover fähren,
därfst den Späß, dir nicht erspären,
stehst  staunend am Kanäle,
gehst spazier’n zum Lindentäle –
Grüßt de Däm’ – die sind da spröde,
strotzen älle von Moräl –
wenn du eine küßt, sägt jede:
„Gräde heut’ ist’s erste Mäl”

Muß man denn ins Ausland reisen?
Hat nicht Sachsen seinen Reiz?
Gann dich Dräsden denn nich dresten,
Weißer Härsch und Sächs’sche Schweiz?
Und die große Seestadt Leipzig –
sucht man da geen’n Zeitvertreib sich?
Man drinkt “Gose” – man bekneipt sich,
drückt e Weib sich – an den Leib sich.
Ja, die Frau’n dort, – scheen gewachsen –
kissen sieß, ob alt, ob jung.
Jeder Jingling griegt in Sachsen
„sachsuelle” Aufglärung.

Muß man denn ins Ausland reisen?
Is dir nich et Rheinland fremd?
Wo man Wein trinkt, wo der Rhein blinkt,
wo die Lorelei sich kämmt?
Wo der Tünnes und der Schäl is,
wo so mänche jecke Keel [verrückter Kerl] is,
wo man singt beim Saft der Reben:
„Nur am Rhein, da möcht’ ich leben!”
Muß man da ins Ausland gehen?
Die Besatzung schau’ am Rhein,
kannst noch hück (noch heut’) Ausländer sehen –
soviel brauch’n et jar nich sein.

Muss man denn ins Ausland reisen?
`s Bade-Ländle, `s Schwäble-Reich
is doch auch scheen, des muscht auch seh’n –
da muscht hinfahr’, aber gleich.
Kannscht der Schwarzwald dir betrachte,
Karlsruh’ isch nit zu verachte.
Heidelberg kann auch nix schade –
kannscht in Bade-Bade bade –
Fährscht nach Friedrichshafe, wo de
mit dem Zepp’lin steigscht in d’ Höh’
und denkscht: Wenn i auf de Bode
seh, seh’ ich der Bodesee.

Muß man denn ins Ausland reisen?
Wenn ich nun von Hamborg s-prech?
Wer die Hanse-S-tadt sich ansah,
ist doch auch zufrieden, nech?
Jungferns-tieg, Sankt-Pauli-Rummel,
Alster, Elbe, Hummel-Hummel —
und das ganze Schiffahrtstreiben –
ja, da gibt’s kein S-tehenbleiben – –
Bismarck schaut als Roland nieder
und hä sächt mit frohem Maut:
„Kinners, mookt dat man so wider,
dann wärd allens wedder gaut.”

Muß man denn ins Ausland reisen?
Frankfort is doch aach net schlecht.
Ariadne – Palmengadde,
`s Haus vom Geede (Goethe), ahid un echt.
Un vom Rothschild, dem bekannten,
trifft man aach noch viel Verwandte –
un`de Bärs (Börse), ‘s is net geloge –
voller wie die Synagoge – – –
Und in Thüring`n, da liecht Waimar. (Das a ist recht gedehnt auszusprechen)
Da ist`s frailich wunderbar –
Wenn in Waimar man im Mai war,
frait man sich doch ‘s ganze Jahr – – –
(recht langsam hinzusetzen)
wai mar mal in Waimar war.

Muß man denn ins Ausland reisen?
Astpreißen (Ostpreussen) ist auch kein Quark –
solche Reisen mußte preisen:
Tilsit, Eylau, Kenigsbarg –
nach Astelbien mußte laufen,
mußte e Rittergut dir kaufen,
`s gibt da grauße Landerstracken,
kannst dein Jald im Drack verstacken –
hast im Harbste daine Freide:
wenn de alles eingerafft,
dann verkaufst du dein Getreide
und – schimpfst auf die Landwirtschaft.

Muß man denn ins Ausland reisen?
Steht nach Bayern nicht dein Sinn?
Ja, die Leit dort ham a Freid dort,
da bist schon im Ausland drin –
Kriegst in Nürnberg große Haxerln,
zum Gebirg’ kannst aufiekraxerln.
Bei der Kirchweih’, da kannst raufen –
und im Hofbräuhaus kannst saufen –
Hast zum Schluß du nix zum beißen,
geht dir ‘s Geld zur Heimfahrt aus,
dann sag’ nur, du bist aus Preißen,
da fliegst schon von selber raus.

Muß man denn ins Ausland reisen?
Hat Berlin denn Konkurrenz?
Mit die Landschaft mach’ Bekanntschaft:
Resedenz und Intell’jenz.
Wo der Kreuzberg unter dir is, (seine geringe Höhe andeutend)
wo im Tiergarten keen Tier is,
wo de Panke ohne Strom is,
wo im Jrunewald keen Boom is. –
Passt et dir nich Untern Linden,
kannste nach dem Westen jehn –
kannst da alle Völker finden –
kannst ooch mal`n Berliner seh’n.

Muß man denn ins Ausland reisen?
Ist Westfalen nicht chanz fein?
Brukst in Mäcklenborg du mäkeln?
Muß grad Hesse hässlich sein?
Fahr’ a brinkel ook nach Schlesien –
bist ook da schon mal gewesien? – –
Fahr nur fort, in höchsten Weisen,
Auslandsreisen nur zu preisen –
Singst doch schließlich andre Lieder,
fern, von Sehnsucht übermannt:
„Nach der Heimat möchte` ich wieder,
nach dem teuren Vaterland!“

Otto Reutter

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Wenn du anderen gegenüber zuviel Mißtrauen hast,
dann kannst du nicht glücklich sein.

Veröffentlicht unter Der gute Rat | Verschlagwortet mit , | 2 Kommentare

Denn jeder muss ja wissen, wo er reingehört

Ein Fatzke mit Monokel, sah recht dämlich aus,
Stand im zoologischen Garten vor nem Affenhaus.
Er hat den Affen lange blöde angelacht.
Das sah der Aff’ und hat den Käfig aufgemacht:
„Komm rein und ich geh’ raus, dann ist es umgekehrt,
Denn jeder muss ja wissen, wo er reingehört.”

In einem Städtchen stand – das war recht int’ressant –
ein Irrenhaus, ein Standesamt dicht beieinand.
Da ging mal, denn die Häuser sahn recht ähnlich aus,
ein Bräutigam versehentlich ins Irrenhaus.
Der Wärter lacht und hat den Eintritt nicht verwehrt,
Denn jeder muss ja wissen, wo er reingehört.

Herr Cohn, der einst aus Posen hergekommen ist,
Der hat sich taufen lassen – und er wurde Christ!
Nun ging er jüngst am „Schabbes” durch die Straßen sacht,
War in Gedanken ganz, hat an den Kurs gedacht,
Kam an ‘ne Synagoge – und ist eingekehrt,
Denn jeder muss ja wissen, wo er reingehört.

‘s ist manches anders heute als in früh’rer Zeit
Stiehlt heute mal ein kleiner Mann ‘ne Kleinigkeit,
Dann kommt er ins Gefängnis, sitzt dort lange drin.
Doch einen großen Gauner setzt man dort nicht hin –
Der kommt ins Sanatorium, weil sein Geist zerstört,
Denn jeder muss ja wissen, wo er reingehört.

‘ne Hochzeit war vorbei – das Essen war sehr bon –
nun ging’n die alten Herren in den Spielsalon,
die Frau’n ins Nebenzimmer zu dem Kaffeekranz –
die Jugend war im großen Saal bei Spiel und Tanz –
und’s junge Eh’paar war wo anders – ungestört,
denn jeder muss ja wissen, wo er reingehört.

in ein Theater kam ein klotzig reicher Mann –
und der Kassierer bot ihm ‘nen Parkettsitz an.
„Wat“, sagt er protzig, „so tief soll ick sitzen hier?
Wo alle andern sitzen, is keen Platz for mir.
Jeb’n Sie Protzeniumsloge“, sagte er sehr empört,
denn jeder muss ja wissen, wo er reingehört.

Ein Schieber war gestorben – seine Zeit war um –
nun wollt’ er in den Himmel – so von hinten rum.
Doch Petrus sah ihn komm’n und rief ‘nen Engel ran:
„Du, guck’ dir hinten mal den Wolken-Schieber an.
Den schmeiße raus, damit er sich zum Deiwel schert,
denn jeder muss ja wissen, wo er reingehört.“

Es lehrt uns schon die Bibel: Ordnung musste sein!
Die Tiere ging’n zum Noah in die Arche rein.
3 Jünglinge, die war’n im Feuerofen drin.
Der Daniel setzt sich in die Löwengrube hin –
und Jonas ist im schwarzen Walfisch eingekehrt,
den jeder muss ja wissen, wo er reingehört

Der Pommer geht im Sommer an den Ostseestrand,
der Sachse badete in der Elbe – dicht am Rand.
Der Berliner geht zum Wannsee in die Wanne rein –
Der Rheinländer geht in den Rhein, um rein zu sein,
Der Pole in die Lausitz, weil die Laus ihn stört,
Denn jeder muss ja wissen, wo er reingehört.

Ein Alter mit ‘ner jungen Frau im Weinlokal –
Er schläft – sie kokettiert mit einem Jungen mal.
Er nickt kurz, es erheben sich die Dreie dann,
Sie zieht ihr’n Nerz, der Junge seinen Fuchs-Pelz an,
Indes der Alte schlaff in seinen Schafspelz fährt,
Denn jeder muss ja wissen, wo er reingehört.

‘s geht ins Theater jede Nation gewiss.
Der Russe gern in der „Macht der Finsternis“.
Amerikaner seh’n sich den „Verschwender“ an –
der deutsche sitzt betrübt im „Armen Jonathan“,
indessen der Franzose auf „Die Räuber“ schwört,
denn jeder muss ja wissen, wo er reingehört.

Vor kurzem sah im Traum ich die Germania –
Sie stand auf deutscher Flur in Oberschlesien da.
Da kamen die Bewohner aus den Häusern raus –
Sie breitet voller Liebe (Sehnsucht) ihre Arme aus –
Und alle fiel’n in ihre Arme ganz verklärt –
Denn jeder muss ja wissen, wo er reingehört.

Ein Schwarzer von der Rheinarmee – von Frankreichs Heer,
Sprach zu ‘nem Deutschen: „Hier am Rhein gefällt´s uns sehr,
wir sitzen im Gebiet und wir gebieten hier,
denn wir gehör’n hier rein – und darum bleiben wir!“
Der Deutsche sprach: „Es kommt die Zeit, da macht ihr kehrt.
Denn jeder muß ja wissen, wem der Rhein gehört.“

Otto Reutter

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Es ist müßig darüber nachzudenken,
was andere von dir halten,
denn sie denken weniger über dich nach,
als du denkst.

Veröffentlicht unter Der gute Rat | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

PALMSONNTAG

Der Palmsonntag ist der sechste und letzte Sonntag der Fastenzeit und der Sonntag vor Ostern. Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche, die in der evangelisch-lutherischen Kirche auch “Stille Woche” genannt wird. Die “Große Woche” bzw. “Heilige Woche” die katholischen Tradition umfasst darüber hinaus auch Ostern.

Am Palmsonntag wird an den Einzug Jesu Christi in Jerusalem gedacht. Zum Zeichen seines Königtums jubelte das Volk ihm zu und streute Palmzweige. Palmen wurden vielerorts als heilige Bäume verehrt. Sie waren in Delos, dem Apollon, heilig. Im Mittelmeerraum galten sie von alters her als Sinnbild des Lebens und des Sieges. In Israel sind sie das Symbol für die Unabhängigkeit und den siegreichen König. Von daher stellte der so gestaltete Einzug für die Römer eine besondere Provokation dar. Der Esel wiederum war ein Sinnbild des gewaltlosen Friedenskönigs und der Bescheidenheit.

Der Ursprung der christlichen Palmsonntagsfeier geht wohl auf die Liturgie von Jerusalem zurück, wo man die einzelnen Ereignisse des Leidensweges Jesu in eigenen Feiern und Riten nachbildete.
Die Palmenweihe gehörte früher, bevor sie in vielen Gegenden auf den Palmsonntag verlegt wurde, zu den heidnischen Ostergebräuchen. Die geweihten Zweige sollten nicht nur das Haus bis zur nächsten Erneuerung vor Blitz und Feuersgefahr schützen, sondern sie werden auch mit den Schalen der Ostereier und den Kohlen der Osterfeuer in den Ecken der Felder eingesteckt oder vergraben, um diese fruchtbar zu machen.

An diesem Sonntag wird in der Liturgie der erste Tag der Heiligen Woche mit Palmweihe und -prozession das Gedächtnis des Einzugs Jesu Christi in Jerusalem gefeiert, als Christus auf einem Esel in Jerusalem einzog und ihm mit Palmwedeln und dem Ruf “Hosanna dem Sohne Davids!” als Messias gehuldigt wurde. Es wird das Evangelium von der Passion Christi aus einem der synoptischen Evangelien gelesen. Dies erklärt den lateinischen Doppelnamen des Palmsonntags, der übersetzt “Palm- und Passionssonntag” bedeutet. Die Lesung der Passion entspricht altrömischer Liturgietradition. Die Prozession ist aus dem altgallischen und ostkirchlichen Brauchtum übernommen worden.

Die liturgische Farbe des Palmsonntags ist rot. Der Gottesdienst beginnt mit der Palmweihe, die in der Regel an einem Ort außerhalb der Kirche stattfindet. Der Zelebrant segnet die Palmgebinde durch Weihegebet und Besprengung mit Weihwasser. Nach dem Vortrag des Evangeliums und der Homilie ziehen alle unter dem Wechselgesang des uralten Prozessionshymnus “Gloria, laus et honor”, mit dem festlich geschmückten Prozessionskreuz, zur Kirche. Die Gemeinde antwortet auf die Strophen der Vorsänger.

Bei der Lesung der Passion kommen weder Weihrauch noch Leuchter zum Einsatz. Die Passion wird in “verteilten Rollen” vorgetragen, wobei einer die Worte Jesu spricht, einer die des Evangelisten und der dritte die Worte aller sonstigen Personen. Während die Worte Jesu traditionell von einem Geistlichen vorgetragen werden, können die Worte des Evangelisten und der sonstigen Personen auch von einem Laien vorgetragen werden. An der Stelle der Lesung, die vom Augenblick des Todes am Kreuz berichtet, knien alle nieder und verharren eine Zeitlang in Schweigen. Bekannte Palmsonntagslieder sind: “Singt dem König Freudenpsalmen” und der Hymnus “Des Königs Banner steigt empor Vexilla regis”. Das heute als Adventslied bekannte “Tochter Zion, freue dich”, wurde 1826 zuerst als Lied “am Palmsonntage” veröffentlicht.

Prozessionen

Bereits seit dem 4., 6. bzw. 8. Jahrhundert ist der Brauch der Prozession am Palmsonntag bekannt. Am Palmsonntag werden in der Palmweihe Palmbuschen, Palmstöcke, auch echte Palmwedel, Ölzweige, Palmkätzchen oder Buchsbaumbüschel, zuvor mit Weihwasser gesegnet, in der kirchlichen Prozession als “Zeichen des Lebens und des Sieges” mitgetragen. Anschließend werden die Wedel in den Wohnungen hinter das Kruzifix gesteckt.

In Norddeutschland werden gesegnete Palmstöcke von den Kindern zu ihren Paten und Großeltern gebracht. Dafür bekommen sie meistens eine Kleinigkeit oder etwas Süßes geschenkt.
Im Mittelalter – die früheste Erwähnung stammt aus dem 10. Jahrhundert – und besonders im Barock wurde bei Palmprozessionen oft ein Esel (später aus Holz) mit Christusfigur mitgeführt, ein sogenannter “Palmesel”. Dieser Brauch wird in einigen Pfarreien mittlerweile wieder gepflegt, etwa in Mittelfranken (Hilpoltstein, Jahrsdorf) und Oberbayern (München-Bogenhausen und Kolbermoor, Pfarrei Wiederkunft Christi).

In Thomatal im Lungau führte der Pfarrer Valentin Pfeifenberger auf einem Esel reitend alljährlich die Palmprozession an. In Tirol findet in der Ortschaft Thaur als einziger Gemeinde Tirols noch eine Palmprozession statt, in der eine Christusfigur auf einem Holzesel durchs Dorf gezogen wird. In Möttlingen bei Calw findet jährlich der Calwer Palmritt statt, eine von Eseln angeführte Reiterprozession, die mit einem evangelischen Gottesdienst im Freien abschließt. Im nordhessischen Fritzlar findet am Palmsonntag eine feierliche Prozession zum Dom statt. Dort wird im Anschluss ein festliches Hochamt mit den Chorherren der Prämonstratenser gehalten. In Heiligenstadt im Eichsfeld findet die Palmprozession unter Mitführung von sechs überlebensgroßen figürlichen Darstellungen aus der Leidensgeschichte Jesu statt. Diese jesuitisch inspirierte Prozession wurde Mitte des 18. Jahrhunderts vom Karfreitag auf den Palmsonntag vorverlegt.

Eine besondere Prozession findet in Jerusalem statt. Tausende schließen sich mit Palmen und Instrumenten den Franziskanern an, und pilgern vom Ölberg durch das Löwentor in die Altstadt von Jerusalem. In der St. Anna-Kirche wird dann traditionell der Segen gespendet.

(Quelle: Wikipedia)

Veröffentlicht unter Wissenswertes | Verschlagwortet mit , , , , , , | 3 Kommentare

Ein Loblied auf die Frauen von heute…

Die Frau’n war’n schon immer sehr kapriziös,
war’n niemals beständig, war’n immer nervös,
ging’n stets nach der Mode, stets wechselten sie –
doch so, wie sie heut’ sind, so war’n sie noch nie.

Die Frau’n trag’n viele Kleider, die Kosten trag’n wir.
Früh’r trug’n sie sie lang und ihr Zeichen dafür,
heut’ trag’n sie sie kurz, das macht auch kein Pläsier,
denn sie trag’n auch die kurzen nicht länger wie früh’r.

Die Dam’n trag’n ihr Röckchen so kurz wie noch nie.
Oft rutscht’s, wenn sie sitzen, hoch über das Knie.
Dann streifen sie’s runter mit zücht’gem Gesicht,
ja, tragt doch ein läng’res, dann braucht ihr das nicht!

So’n Bräut’gam von heute, der ist sehr vergnügt,
der sieht ihre Beine, der weiß, was er kriegt.
Wir sah’n nischt, wir tappten im Dunkeln herum –
und war’n sie nicht grade, dann nahm’n wir sie krumm.

Die Frauen von heute sind schick und modern,
zeig’n seidene Höschen beim Tanze sehr gern.
Dann ist voller Freude manch Jüngling zur Stell’,
ja, der hat die Seide, wir hatten Flanell.

Wenn Dam’n heute ausgehn, wohin es auch sei,
dann trag’n sie es duftig und offen und frei.
Ihr Negligé trag’n sie geschlossen zu Haus,
bloss, wenn sie sich anzieh’n, dann zieh’n sie sich aus.

Die Dam’n schwärm’n für Sport, schaffen Kraft sich und Mut,
‘s macht manche zu schlank und das kleidet nicht gut.
Vom Mut in der Brust spricht sie siegesbewusst,
doch der Mut, der ist oft viel zu groß für die Brust.

Die Dam’n schwärm’n für „Linie“, woll’n schlank sein wie’n Aal.
Doch drückt man sie kräftig, umarmt man sie mal,
dann bricht so ‘ne „Linie“ mitten durch die Pfahl,
und in jeder Hand hab’n wir ein halbes Lineal.

‘ne Frau braucht nicht dick sein, aber mollig „geschweift”.
Man will doch was fühlen, wenn man sie „begreift”.
Ich begreif’ keine Mag’re, die laß ich in Ruh’,
man kauft doch das Fleisch und die Knochen gibt’s zu.

Die Damen von heut’ wissen selber nicht mehr,
sind sie nun ‘ne „Sie” oder sind sie ein „Er”.
Ja selbst vor zwei Tür’n bleib’n sie unschlüssig stehn –
„Für Damen” – „Für Herren” – wohin soll’n sie gehn?

Die Frau’n woll’n regieren – zu diesem Behuf
verdräng’n sie den Mann bald aus jedem Beruf.
Manche lern’n sogar koch’n, doch das glaube ich nicht,
denn ein gutes Gericht ist ein böses Gerücht.

Die Frau’n woll’n am liebsten uns gänzlich besieg’n,
sie woll’n keine Kinder – der Mann soll sie krieg’n.
Doch da gibt’s ‘nen Vogel, der zwingt sie ins Joch,
da gibt’s kein Gemogel, der Storch kennt sie doch.

Die meisten Frauen woll’n überhaupt keinen Mann,
woll’n selber ein Mann sein, nun streng’n sie sich an.
Sie machen sich künstlich wie Männer so nett,
das hab’n wir nicht nötig, wir sind schon komplett.

Und warum woll’n Frauen uns gleichen aufs Haar?
Wir sind eben schöner, das ist doch ganz klar,
darum woll’n sie’s erreichen, wie wir auszuseh’n,
denn wenn sie uns gleichen, dann sind sie erst schön.

Wir nenn’n zwar die Frauen das schön’re Geschlecht,
doch die Frauen merken selber, das stimmt nicht so recht.
Drum geb’n sie sich Mühe, woll’n ausseh’n wie wir,
denn wie schön so ein Mann ist, dass seh’n sie an mir.

Doch nun Scherz beiseite, – sie strengen sich an,
trag’n schon Jacke und Hose, genau wie ein Mann.
Sie woll’n gleiche Rechte, wie’s Mannesgeschlecht –
aber kommt mal der Rechte, verlier’n sie ihr Recht.

Dann geht so ein Zucken durch Seele und Leib,
das ewige, weibliche, ewige Weib –
was nützt da die Jacke, die schmeißen sie raus,
was nützt da die Hose, da zieh’n sie sie aus!

Und dann kommt der Schluß – und der Schluß ist so echt,
so schön und so alt wie das Menschengeschlecht.
Woll’n Großes erreichen, hab’n Kleines im Schoß –
und g’rad durch das Kleine, da werden sie groß.

Dann schaut sie ihr’m Bubi sein’n Bubikopf an,
vergißt ihren eig’nen, dann küßt sie den Mann,
dann ist eine Frau, eine Mutter sie nur –
dann ist sie die Schönste, dann siegt die Natur.

Otto Reutter

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Eine der schlimmsten Unarten,
ist die Gewohnheit.

Veröffentlicht unter Der gute Rat | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Fritz und Theodor…

Waren einst zwei Zwillingsbrüder,
Namens Fritz und Theodor,
Daß die beiden grundverschieden,
Aus den Namen geht’s hervor.
„Theodor”, das klingt so niedlich,
So gemütlich, gütlich, friedlich,
Aber „Fritz”, der Klang des Wort’s
Klingt so grob — so rauh — so barsch — so frech — so kurz.

Theodor hätt’ sich alleine
Niemals auf die Welt getraut,
Drum kam er als Zwillingsbruder,
Er kam leise — Fritze laut.
Theodor dacht’ ohne Sorgen:
„Kommst du heut´ nicht, kommst du morgen.”
Fritz, der Schieber, drängt sich vor.
Der sprach keck: „Geh’ weg — erst ich — dann Theodor!”

Theodor war’n Musterknabe,
Fritz schon Schieber, als er klein.
Beide kriegten, je zur Hälfte,
Eine Amme, keusch und rein.
Die sprach zu den beiden: „Bitte,
Raum ist in der kleinsten Mitte.”
Fritz schob Theodor’n weg robust,
Er genoß — allein — die Welt — aus voller Brust!

Theodor, der saß bescheiden
In der Schule ganz zuletzt,
War von hinten stets der Erste.
Fritz hat sich nach vorn gesetzt.
Theodor saß in der Schule
Stundenlang auf seinem Stuhle,
Selbst zur Obstzeit hielt er’s aus.
Fritze rief — nach jeder Pflaume: „Ich muß ‘raus!’

Theodor, hoch aufgeschossen,
War recht blaß, hatt’ rotes Haar,
Und er hatte Sommersprossen,
Auch im Winter, ‘s ganze Jahr.
Mochte er ein Mädchen leiden,
Lud zum Nachtmahl er’s bescheiden.
Darauf wart’te Fritze bloß.
Kaum hat der bezahlt — schob Fritze – mit se los!

Theodor war vorn im Kriege,
Fritz der meldet krank sich dann.
Theodor hat vorn verloren,
Fritz blieb hinten und gewann.
Theodor aß streng nach Marken,
Konnte dabei nicht erstarken.
Fritz, der fraß, der ward nicht dünn.
Was er hinten – rumschob — schob er – vorne rin!

Theodor ward immer dünner,
„’s geht zu End’,” hat er gehaucht,
Zahlt noch vorher schnell die Steuern,
Dann war seine Kraft verbraucht.
Sanft entschlief der kleine Rentner,
Wog, mit Sarg, ‘nen halben Zentner,
Nur ein Träger trug ihn hin,
Und der dacht': „Herrjott — da is wohl keener drin!”

Theodor sitzt nun im Himmel,
Freut sich im Elysium.
Aber Fritze, dieser Lümmel,
Schiebt zur Straf noch unten ‘rum.
Ja, so wirkt der Krieg hienieden
Auf die beiden ganz verschieden.
Theodor, der „mittendrinn” war,
Wurde krank und hat’s vollbracht,
Aber Fritze, weil er krank war,
Hat er sich „gesund” gemacht.
Drum gibt’s heut’ noch viele Fritzen,
Bloß hier sieht man keinen sitzen!

Otto Reutter

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Es ist gut,
an das Gute im Menschen zu glauben,
aber auf das Schlechte
kann man sich fast immer verlassen.

Veröffentlicht unter Der gute Rat | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Mein Lorbeerkranz

Ein Lorbeerkranz für alle in der Ferne,
die Tätig sind für’s teure Vaterland.
Wir denken dieser Braven oft und gerne,
und jedem sei ein Ruhmesblatt gedankt.
Das erste Blatt gebührt den tapfren Helden,
von denen täglich alle Blätter melden,
die todesmutig vor dem Feinde steh’n,
bis wir sie siegreich oder nimmer seh’n.
Aus Dankbarkeit, aus Dankbarkeit
sei euch ein Ruhmesblatt geweiht.

Das nächste Blatt wähnt ihr beim Siegesfeste,
Herrn Krupp in Essen solls gewidmet sein,
doch dieses Blatt, mir scheint es ist das größte,
für seine Mörser ist’s noch viel zu klein.
Es wär’ gerecht wenn er ein Blatt erränge,
von 42 Zentimeter länge,
Er ist im Krieg ‘ne wichtige Person –
er spendet uns die “Eiserne Ration”.
Aus Dankbarkeit, aus Dankbarkeit
sei ihm ein Ruhmesblatt geweiht.

Das nächste Blatt gebührt den tapfren Fliegern,
die jetzt im Kampf sehr auf der Höhe sind,
des Feindes Stellung melden sie den Kriegern,
und schießt der Feind, verduften sie geschwind.
Auch Zeppelin hilft freudig den Soldaten,
er ist gefüllt mit Bomben und Granaten,
Und ab und zu spuckt er aus dem Ballon,
hoch aus der Luft ‘ne kleine “Luft Bomb Bomb”.
Aus Dankbarkeit, aus Dankbarkeit
sei euch ein Ruhmesblatt geweiht.

Das letzte Blatt, wem soll ich es vermachen,
ich bitte meinen Vorschlag zu verzeih’n.
Denn dieses Blatt, ich bitte nicht zu lachen,
ich möchts im Krieg, dem braven Pfede weih’n.
Dem Pferd das manchen Held zum Kampf getragen,
das mit ihm darbt und stirbt in diesen Tagen,
Bist Du auch nur ein unverständ’ges Tier,
ein Blatt vom Ruhmeskranz gebührt auch dir.
Aus Dankbarkeit, aus Dankbarkeit
sei dir ein Ruhmesblatt geweiht.

Otto Reutter

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Du kannst die Welt verbessern,
indem du bei dir selbst anfängst.

Veröffentlicht unter Der gute Rat | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Mein Erster im Osten – mein Zweiter im West – mein Dritter auf wogender See!

Es schickt eine Mutter drei Söhne ins Feld,
ihr Stolz, ihre Stütze, ihr Glück.
Sie hat nich gehadert mit Gott und der Welt,
sie sprach mit ergebenem Blick:
“Der Krieg kam ins Land und da mußten sie fort,
ein jeder muß Kämpfen an anderem Ort.
Mein Erster im Osten, mein Zweiter im West,
mein Dritter auf wogender See!”
Sie hat nicht geklagt, sie blieb tapfer und fest,
:,: Sprach froh zu den dreien ade! :,:

Die Kämpfe begannen, es schossen hinein
die Truppen ins feindliche Heer,
gesiegt ward im Osten, gesiegt war am Rhein,
gekämpft auf dem brausenden Meer.
Die Mutter hört freudig das Siegesgeschrei
und denkt: “Meine drei, die sind auch mit dabei.
Mein Erster im Osten, mein Zweiter im West,
mein Dritter auf wogender See!
Die schlagen den Feind und sie schlagen ihn fest.
:,: Bald kehrt zurück, die Armee!” :,:

Sie kehrten nicht wieder, die mutigen drei,
sie fielen im blutigen Streit.
Die Mutter vernahm’s, auf den Lippen ein Schrei –
ein Ringen mit Kummer und Leid.
Dann hat ein Gebet sie zum Himmel gesandt:
“Sie ließen ihr Leben für Kaiser und Land.
Mein Erster im Osten, mein Zweiter im West,
mein Dritter auf wogender See!”
Sie hat nicht geweint – sie blieb tapfer und fest,
:,: trug still ihr unendliches Weh! :,:

Otto Reutter

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Wenn du die Gegenwart nicht genießen kannst,
dann musst du sie ertragen lernen.

Veröffentlicht unter Der gute Rat | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ei, wer tommt denn da?

Wenn ein Kind vom Mutterauge treu bewacht,
Kaum ein Jahr, die ersten Gehversuche macht,
Wenn’s zum ersten Male ohne Stütze steht,
Und dann schwanken, wankend, drei, vier Schritte geht,
Freut sich jeder, der’s erblickt –,
Und die Großmama, entzückt,
Fängt den kleinen Bengel auf und singt beglückt:
„Ei, wer tommt denn da, ei, wer tommt denn da?
Tomm doch her zur Omama und tomm zum Opapa.”
Sie umarmt den Knirps und sagt: „’s ist wunderschön,
Du mein liebes, dutes Tind, nu tannste deh’n.”
(Du mein liebes, gutes Kind, nun kannst du geh’n.)

Der Herr Wilson schickte aus Amerika
Ein paar Truppen übers Wasser hier und da –
Und er selbst, der kräftig schimpfen nur gekonnt,
Will jetzt auch sein Heer besuchen an der Front.
Seine längliche Gestalt
Sehn die Preußen dann sehr bald,
Und sie rufen, daß es laut hinüberschallt:
„Ei wer tommt denn da, ei, wer tommt den da?
`s ist der liebe, dude Onkel aus Amerika.”
Doch er geht nicht vor – er bleibt hübsch hinten steh`n,
Die verdammten Preußen will er gar nicht seh`n.

Ach, die Melodien vom Dreimädelhaus
Wachsen heute manchem schon zum Schädel ‘raus,
Schubert selbst mußte abends auf der Bühne steh’n –
Und so wird’s mit manchem andern auch gescheh’n,
Geht der Vorhang abends auf,
Rollt sich ab sein lebenslauf
Und das Publikum, es singt entzückt darauf:
„Ei, wer tommt denn da, ei, wer tommt denn da?
‘s ist der Schubert,Schumann, Mozart, Liszt et cetera.
Die, die längst gestorben, kommen jetzt zur Welt,
Und die, die noch leben, holen sich das Geld.

Manches Denkmal muß jetzt schmelzen in der Glut,
Und das ist für manches Denkmal riesig gut, –
Drum muß auch die Berolina aus Berlin
Als Kanonenfutter in die Fremde zieh`n.
Aus der Fern-Kanone jetzt
Wird sie nach Paris gehetzt,
Und dann rufen die Pariser ganz entsetzt:
„Ei wer tommt denn da, ei, wer tommt den da?
Liebe, dude Berolina tomm uns nicht zu nah.”
Doch sie fliegt zum Clémenceau, Poincaré
Und bestellt `nen schönen Gruß vom Strand der Spree.

`s wohnt ein Mädchen etwas außerhalb der Stadt,
Das, noch nicht verehlicht, schon `nen Knaben hat.
Sie kriegt oftmals Geld von ‘nem gewissen Mann,
Eines Tages kommt der Spender selber an,
Sie holt schnell den Knaben her,
Der sieht grade aus wie er –
Und nun sagt er zum dem Knirps und freut sich sehr:
„Ei wer tommt denn da, ei, wer tommt den da?
Nun, wer tommt denn da zu mir, wen schickt mir die Mama?”
Doch der Bengel denkt sich, warum fragst du mich:
„Wer da tommt, das weißt du besser als wie ich.”

Weil die Kleider leider heute etwas knapp,
Gab ich kürzlich meinen besten Anzug ab,
Hab’ für mich behalten nur den bill’gen Tand,
Denn was tut man nicht fürs teure Vaterland.
Kürzlich kommt ein feiner Mann,
Der hat meinen Anzug an.
Ich, der etwas plundrig aussah, sagte dann:
„Ei, wer tommt denn da, ei, wer tommt denn da?
Bleib’n Sie steh’n, ich möcht’ sie seh’n, ach, komm’n Sie etwas nah.”
Doch der sagt und schaut auf mein Habit herab:
„Mit so’m Kerl wie Sie, da geb ick mir nich ab.”

Eine alte Jungfer träumt des Nachts im Bett,
Daß sie endlich einen Mann bekommen hätt’.
Da, ein Spitzbub’ schleicht sich in ihr Zimmer sacht,
Häßlich, gräßlich sieht er aus – die Maid erwacht –
Sie traut’ ihrem Auge kaum,
Denn an ihres Bettes Saum
Steht ein Mann – nun singt verliebt sie, halb im Traum:
„Ei, wer tommt denn da, ei, wer tommt denn da?
‘s ist der liebe, dute Mann, den ich im Traume sah,
Tomm, mein Herzensdieb, der du mein Sehnen stillst,
Kannst dir alles von mir nehmen, was du willst.”

Zusätzliche Strophen auf der Schallplattenaufnahme

Ach im Reichstag gab es manches Hindernis,
auch der Zentrums-Turm bekam ‘nen schweren Riß,
aber einer – Gott sei dank – kam wieder her,
und es ist aus Württemberg der Erzberger,
jetzt – die Sache war sehr fein –
zog er in den Reichstag ein
Und da sangen freudig sämtliche Partei’n:
„Ei, wer tommt denn da, ei, wer tommt denn da?
Unser lieber Freund Mathias ist uns wieder nah’
Doch er begab sofort zur rechten Seite sich,
dort umarmt er seinen Freund, den Helferich”

Der Professor Steinach erfand nun ein System,
das verjüngt uns Leib und Glieder wie vordem.
Manche Frau sagt nun verschämt zu ihrem Mann,
fahre nach Wien, komm’ mit ‘ner neuen Drüse an,
unser alter Großpappa,
der war auch beim Steinach da,
kam als Junger an und alle schrien “Hurra!”;
„Ei, wer tommt denn da, ei, wer tommt denn da?
Dieser kleine hübsche Bub ist unser Opapa,
Mußt zur Schule geh’n und wirst noch jünger schnell,
in der nächsten Woche fährst du Karusell.”

Auch der Michel braucht ‘ne Verjüngungskur,
denn der tut so als von Jugend keine Spur,
Der Franzos’ besonders droht ihm stets erneut’,
dabei fürchtet er ihn insgeheim noch heut’,
Drum wenn man dir Unrecht tut,
Michel, werde jung – hab’ Mut,
Dann staunt der Franzos’ und singt mit leiser Wut:
„Ei, wer kommt denn da, ei, wer kommt denn da?
Ist denn das der alte Michel, den ich sah’ in Spa,
Michel merk, schau nicht so hundertjährig drein,
brauchst ja gar nicht jünger als wie Siebzig (1870) sein.

Otto Reutter

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , | Ein Kommentar

DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Befolge sie,
und lass sie nicht außer Acht,
deine Grundsätze.

Veröffentlicht unter Der gute Rat | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Unsere Freunde, die Blumen… Das Leberblümchen…

Das Leberblümchen (Hepatica nobilis), ist eine Pflanzenart die zur Familie der Hahnenfußgewächse zählt. Der Gattungsname Hepatica, wie auch der deutsche Name, bezieht sich auf die Gestalt der Blätter. Die Blätter erinnern an die Form der menschlichen Leber. Man glaubte früher an die Heilkraft der Pflanze bei Leberleiden.

Das Leberblümchen ist als Heilpflanze im Kräuterbuch des Hieronymus Bock aufgeführt. Es soll helfen die verstopfte Leber zu öffnen und zu heilen. Später wurde es auch zur Reinigung von Niere, Blase und Wundheilung verwendet. Heute noch wird in der Homöopathie das Leberblümchen bei chronischen Reizzuständen des Rachens und der Luftröhre verabreicht.

Das Leberblümchens wächst in den Laubwäldern der Nordhalbkugel.
Die Blütezeit ist von März bis April. Es gehört zu den im Frühling am frühesten blühenden Pflanzen. Bei Regenwetter und Abends schließen sich die Blüten.

Die frische Pflanze ist schwach giftig, weil sie Protoanemonin enthält. Das Protoanemonin kann bei Kontakt mit Haut oder Schleimhäuten Rötungen, Juckreiz oder auch Blasenbildung hervorrufen.

Das Leberblümchen hat viele volkstümliche Namen: Blaues Holzblumenkraut, Blaue Osterblume, Blaue Windblume, Leberkraut, Herzfreude, Herzleberkraut, Märzblümchen, Hirschklee, Leberkraut, Vorwitzkraut und Windrosenkraut.

Die “Blume des Jahres 2013″ war das kleine, hübsche Leberblümchen.

Veröffentlicht unter Wissenswertes | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die echte deutsche Gründlichkeit

Ein Hymnus auf den Bürokratismus

Der Deutsche ist im fremden Land meist als ein Phi-losoph bekannt
man weiß wir gehn zu jeder Stund dem kleinsten Anlaß auf den Grund
Zu jeder Sache brauchen wir ‘ne Menge Zeit und viel Papier.
Darum sei dieses Lied geweiht der echten deutschen Gründlichkeit.

Herr Kunz ist Beamter mit kleinem Gehalt,
er möcht gern etwas mehr, wenn möglich recht bald.
Er hat einen Freund in der Reichstags-Fraktion,
zu dem geht er hin mit der Petition.
“Aber lieber Freund Kunz, das ist ne Kleinigkeit für uns.”
Geb’n Sie her das Ding, das geht äußerst flink.
Bei der nächsten Sitzung kommt die Unterstützung.”
Ja so sagt er zwar, trotzdem dauerts ein Jahr.
Dann kommt die erste Lesung, und dann die zweite Lesung
Bei der ersten Lesung schwankt man hier und da,
Sagt der eine „Nein“, sagt der andre „Ja“
Bei der zweiten Lesung wird’s nicht besser sein
Sagt der eine „Ja“, sagt der andre „Nein“
Und nach der Diskussion, das weiß jeder schon –
geht die Petition in die Kommission.
In der Kommission sitzt man lange im Saal,
dann verschieben’s Sie’s endlich bis auf’s nächste Mal
und beim nächsten Mal ist’s die selbe Qual,
dann sagen ‘se wieder alle: “Bis zum nächsten Mal.”
Und so geht’s weiter indessen, es vergehn drei, vier Jahr’,
dann ist alles vergessen, es bleibt alles wie’s war.

Es kommt die Frau Hess zu nem Rechtsanwalt an.
Die Frau lebt in Scheidung schon lang mit ihrem Mann,
Sie haben nen Sohn von 6 Jahren – den beansprucht Frau Hess,
aber er will ihn auch – und nun gibt’s ‘nen Prozess.
„Aber liebe Frau Hess, da machen wir doch kurzen Prozess.
Das fangen wir fein an, wir fangen ganz klein an.
Am Sühne-Termin, da fragen Sie ihn:
„Nun soll das Kind mein sein?“ die Antwort wird “Nein” sein,
dann gehn wir ans Schieds-Gericht und ans Justizgericht,
und wenn wir erst soweit steh’n, dann kommen die Gerichtsferien.
Dann geh’n wir wieder weiter, dann ist es gescheiter.
Man nimmt sich für später – noch zwei Stellvertreter.
Herr Maier II und Herr Rosenthal III,
sie kommen dann schon, mit der Revision,
und dann wird wieder ein Jahr vergehn, und dann kommen die Gerichtsferien.
Und dann gehn wir wieder weiter, dann ist es gescheiter,
man geht und verschreibt sich – noch ‘nen Vertreter in Leipzig,
denn da ist das Reichsgericht und was höheres gibt es nicht,
und da gewinnen wir schnell – eventuell!
Und ist das alles erledigt mit lauter “aber” und “wenn”,
dann ist’s nicht mehr nötig, da ist das Kind Majorenn.

In der Straßenbahn saß die Frau Schmidt vor’n paar Tag’n,
hat ‘ne Tüte mit Äpfeln und vergißt sie im Wag’n,
Das Obst kommt aufs Fundbüro, das ist doch klar,
dort erscheint bald Frau Schmidt und erzählt alles , wie’s war.
“Aber liebe Frau Schmidt, se krieg’n sie gleich wieder mit;
Hier hab’n Sie’n Papier, schreib’n Sie auf, bitte sehr,
wo sind sie geboren, wie lang ist das her?
Bitte nicht unterbrechen, hier wird nicht geschimpft.
Wo gingen sie zur Schule? Wo sind sie geimpft?
Wie alt ist die Mutter, wo wohnt der Papa?
Ach, der wohnt woanders? Dann lassen se’n da.
Hol’n Sie ihren Mann, der muß mit unterschreib’n.
Ach, ihr Mann ist gestorben? Dann lassen Sie’s bleiben.
Sie hab’n wohl auch Kinder? Acht?? Ist ein Mahleur.
Sein Sie froh, das er tot ist, sonst krieg’n Sie noch mehr.
Aber nun gehen wir mal weiter. Das Obst, sagten sie,
dass lag in der Tüte, beschreiben sie die.
Beschreiben se die Äpfel, schreiben sie ganz genau hin,
wie sahen sie aus? Wie lagen sie drin?
Bring’n sie alle Papiere – und Geburtsscheine an,
und bring’n Sie den Apfelverkäufer mit ran.
Der muß unterschreiben, hier auf dem Papier:
„Die Äpfel, die Tüte sind beide von mir”
Für heut ist’s zu spät, wir schließen’s Lokal,
morgen ist Sonntag, komm’n sie Montag noch mal,
Da kommt die Frau am Montag, Dienstag, Mittwoch mit ran,
und am Donnerstag bringen sie die Äpfel ihr an,
Und die schieben sie ihr hin – ohne Wort, ohne Gruß –
und sie guckt in die Tüte – und die Äpfel sind Mus.
Und wenn die Frau schimpft – sag’n die Leute,
“Wir sind fleißig! Halts Maul!” –
Ja, gewiss sind Sie fleißig, aber die Äpfel sind faul.

Fritz Klaus ist ein biederer, sächs’scher Rekrut.
Er steht grad in der Front und es ist ihm nicht gut.
Er hat was im Magen, sagt zum Unteroffizier: (sächselnd)
“Ach, darf ich mal raus? – Ich bin gleich wieder hier!”
„Aber lieber Freund Klaus, dann geh du gleich von hier raus.
Aber n’ Moment musst du bleib’n, ich will’n Weg dir beschreib’n,
damits schneller geht, – sonst kommst du zu spät.
Hier herrscht Disziplin, der du dich unterwärfst,
gehst erst zum Major und fragst, ob du därfst.
Musst den Hauptmann dann frag’n, mußt dem Leutnant was sag’n,
erstatt’st mir Rapport, und dann kannst du gleich fort.
‘s wird alles beschleunigt, es wird dir bescheinigt,
Du kriegst ein Papier, und kannst gleich fort von hier.
Du setzt dich in Trab, du trittst hinten ab,
und nach den Abtritt, da gehst du rechts rüber, verstehst du?
Da kommst du vor’s Schilderhaus, rufst da die Wache raus,
zeigst ihr den Schein, und dann kannst du gleich rein.
Der Posten wird rufen: “Gib acht, ‘s kommen sechs Stufen!”,
Du gehst dort in Saal, und dort frägst du noch mal.
Kommst rechts durch ‘nen Gang, gehst links dann entlang,
dann bist du schon nah, da bist du gleich da.
Du gehst durch die Mitte, Du machst noch drei Schritte,
da kommt eine Tür und darauf steht – “Hier! “.
Und dann sagt der Rekrut: „Heute brauch ich nicht mehr.
Aber ‘s nächste Mal meld’ ich’s ‘ne Stunde vorher!“

Otto Reutter

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Überschätze nicht das,
was du bist
und unterschätze nicht das,
was du hast.

Veröffentlicht unter Der gute Rat | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Immer rin, immer rin in die Landwirtschaft…

Immer rin, immer rin in die Landwirtschaft!
‘s ist in der Stadt jetzt nichts mehr los,
Da sieht es traurig aus.
Nur auf dem Lande ist’s famos,
drum los, aufs Land hinaus!
Schon Adam, welch’ entschwund’ner Traum,
war Landwirt wohlgemut.
Verlor nur durch den Apfelbaum
sein schönes Rittergut.
Der bracht’ ihm die Blamage,
‘s hat alles gut geklappt.
Bloß mit der Obstplantage,
da hat er Pech gehabt.
‘s gibt auf dem Lande Eier
und sonst noch allerhand.
Columbus schon, der suchte “Land”,
dann wurde erst sein Ei bekannt,
das fand er durch das Land.
Drum ruf’ich aus:
“Kommt mit aufs Land hinaus!
Immer rin, immer rin in die Landwirtschaft,
das Land wird nicht gestohl’n,
wird uns auch alles weggerafft,
das Land kann keiner hol’n.
Drum werde Bauer – glaubst du dann,
du bist zu dumm dazu,
dann pflanzt du bloß Kartoffeln an,
die dicksten, die kriegst du.”

Am Land gibt’s keine Sorgen mehr,
da strahlt der alte Glanz.
Das Schaf bringt dir die Wolle her,
die Federn bringt die Gans.
Die Kuh gibt Milch, sie geht vors Joch –
und stirbt die alte Kuh,
dann liefert dir so’n Rindvieh noch
Das Leder für die Schuh’.
Du hast die schönste Zukunft.
Wer zwei, drei Kühe hat,
verlacht bei seiner Kuhzunft
die Ochsen in der Stadt.
Drum, mancher drängt zum Lande,
der ‘s früher nie gekannt.
Ob Katholik, ob Protestant, –
selbst Leute aus dem Morgenland
hab’n manchen Morgen Land.
Man melkt die Kuh
und singt ein Lied dazu:
Immer rin, immer rin in die Landwirtschaft,
das ist der schönste Brauch,
Da wächst der Schinken, der voll Kraft,
direkt am Schweinebauch.
Da fühlst du manches Hühnchen an,
wenn’s auf die Leiter stieg,
und du beziehst die Eier dann
direkt aus der Fabrik.

Du hörst, wenn auf dem Land du bist,
nichts von dem Lärm der Stadt.
Du scherst dich bloß um deinen Mist
und liest kein Zeitungsblatt.
Fängst dir die Fische aus dem Teich –
und steht dein Land in Flor,
dann kommst du dir in deinem Reich
wie’n Landesvater vor.
Du hast das schönste Essen,
hast Butter, Wurst und Speck.
Selbst wenn du’s längst gegessen,
erfüllt’s noch seinen Zweck.
‘s kommt nichts um auf dem Lande:
Wie schön sieht Spargel aus,
schießt hoch wie runde Fingerchen,
so werd’n aus kleinen “Dingerchen”
die größten Dinger draus.
Drum, nach dem Schmaus,
Da gehst du einfach raus.
Immer rin, immer rin in die Landwirtschaft,
‘s geschieht zu deinem Wohl.
Pflanz’ Obst, das gibt besonderen Saft,
und bau’ dir deinen Kohl.
Du hast, wenn du ein Schwein in Mast,
die schönste “Schweinerei”,
und wenn du sechs, acht Ziegen hast
hast du ‘ne Ziegelei.

Die Landluft stärkt die Glieder bald,
bringt neuen Lebenshauch.
Wenn alles grünt in Busch und Wald,
dann grienste schließlich auch.
Am Sonntag gehen Bursch’ und Maid
spazieren durch den Klee,
die Nachtigall besingt ihr Leid
und nimmt nicht mal Entree.
Nach Liebe lechzen beide,
vorm Weizen bleibt er stehn.
Sehr hoch steht das Getreide,
nun sind sie ungeseh’n.
Dort auf dem Feld der Ähre
Fällt sie – ans Herz ihm müd’,
sie küßt ihn, weil in Ähren man
ja keinen Kuß verwehren kann.
Er denkt: “Mein Weizen blüht.
Komm’, eh’s zu spät,
sonst wird er abgemäht.”
Immer rin, immer rin in die Landwirtschaft,
da gibt es frisches Blut.
Ihr glaubt nicht, was so’n Landwirt schafft,
drum raus und holt Euch Mut!
Selbst mancher ält’re Ehemann
kommt dann gestärkt nach Haus’,
und seine Frau sieht später dann
wie neugeboren aus.

Doch Scherz beiseit’ – lenkt euern Pfad
hinaus in Feld und Hag.
Da ist kein Streik, kein Arbeitsrat
und kein Achtstundentag.
Die Biene schafft, die Schwalbe baut,
der Storch, der plagt sich sehr,
Kommt täglich – Sonntags auch – wo käm’n
sonst Sonntagskinder her.
Die Kuh gibt täglich Millch,
der Hahn übt sein Geschrei.
Mein Hühnchen preisen will ich,
legt jeden Tag ein Ei.
Ein Ei kam alle Tage,
da kam der erste Mai,
da dacht’ ich, nun wir’s feiern heut’,
denn heute feiern alle Leut';
Da legt’s zum Trotze Zwei.
Drum sag’ ich nur:
“Schämt Euch vor der Natur!
Immer rin, immer rin in die Landwirtschaft,
da regt sich’s immerzu,
und erst, wenn alles eingerafft,
dann hat die Erde Ruh’.
Drum sät mal erst, dann erntet Ihr,
betrachtet Feld und Flur.
Das schönste Beispiel, glaubt es mir,
Das gibt Euch die Natur.”

Otto Reutter

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Es gibt keinen ausschließlich guten
oder schlechten Menschen.
Jeder Mensch hat eine dunkle Seite,
die er niemandem zeigt.

Veröffentlicht unter Der gute Rat | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar