FRÜHLINGSGEDICHTE …, An den Frühling 1838 – Nikolaus Lenau

Karl Dichtler / pixelio.de

Lieber Frühling, sage mir,
Denn du bist Prophet,
Ob man auf dem Wege hier
Einst zum Heile geht?
Mitten durch den grünen Hain,
Ungestümer Hast,
Frisst die Eisenbahn herein,
Dir ein schlimmer Gast.
Bäume fallen links und rechts,
Wo sie vorwärts bricht,
Deines blühenden Geschlechts
Schont die raue nicht.
Auch die Eiche wird gefällt,
Die den frommen Schild
Ihrem Feind entgegenhält,
Das Marienbild.
Küsse deinen letzten Kuss,
Frühling, süß und warm!
Eiche und Maria muss
Fort aus deinem Arm!
Pfeilgeschwind und schnurgerad,
Nimmt der Wagen bald
Blüt und Andacht unters Rad,
Sausend durch den Wald.
Lieber Lenz, ich frage dich,
Holt, wie er vertraut,
Hier der Mensch die Freiheit sich,
Die ersehnte Braut?
Lohnt ein schöner Freudenkranz
Deine Opfer einst,
Wenn du mit dem Sonnenglanz
Über Freie scheinst?
Oder ist dies Wort ein Wahn,
Und erjagen wir
Nur auf unsrer Sturmesbahn
Gold und Sinnengier?
Zieht der alte Fesselschmied
Jetzt von Land zu Land,
Hämmernd, schweißend Glied an Glied
Unser Eisenband?
Braust dem Zug dein Segen zu,
Wenns vorüberschnaubt?
Oder, Frühling, schüttelst du
Traurig einst dein Haupt?
Doch du lächelst freudenvoll
Auf das Werk des Beils,
Dass ich lieber glauben soll
An die Bahn des Heils.
Amselruf und Finkenschlag
Jubeln drein so laut,
Dass ich lieber hoffen mag
Die ersehnte Braut.

Nikolaus Lenau (1802-1850)

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Ein armer Mandarin
besitzt immer noch so viel
wie ein reicher Kaufmann.

aus China

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FRÜHLINGSGEDICHTE …, Frühling – Erich Mühsam

Elisa Al Rashid / pixelio.de

Das Fell der Erde schäumt in Wellen.
Aus Bäumen und aus Schollen quellen
des Frühlings Knospen auf wie Gischt. –
Dröhnt, Fluten – zischt!
Schlagt an die Dünen meiner Brust!
Treibt Frühlingsgrün aus meinen dürren Hängen!
Macht Leid zu Lust
und meine Liebe zu Gesängen!

Erich Mühsam (1878-1934)

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Reiskörner fallen nicht vom Himmel.

aus China

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FRÜHLINGSGEDICHTE …, Er ist’s – Eduard Mörike

gänseblümchen / pixelio.de

Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süsse, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
— Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab‘ ich vernommen!

Eduard Mörike 1804-1875

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Ein Arzt,
der eine Sänfte nimmt,
kommt nicht ins Haus eines Armen.

aus China

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FRÜHLINGSGEDICHTE …, Es färbte sich die Wiese grün – Novalis

Es färbte sich die Wiese grün
Und um die Hecken sah ich blühn,
Tagtäglich sah ich neue Kräuter,
Mild war die Luft, der Himmel heiter.
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
Und immer dunkler ward der Wald
Auch bunter Sänger Aufenthalt,
Es drang mir bald auf allen Wegen
Ihr Klang in süßem Duft entgegen.
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
Es quoll und trieb nun überall
Mit Leben, Farben, Duft und Schall,
Sie schienen gern sich zu vereinen,
Dass alles möchte lieblich scheinen.
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
So dacht ich: ist ein Geist erwacht,
Der alles so lebendig macht
Und der mit tausend schönen Waren
Und Blüten sich will offenbaren?
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
Vielleicht beginnt ein neues Reich –
Der lockre Staub wird zum Gesträuch
Der Baum nimmt tierische Gebärden
Das Tier soll gar zum Menschen werden.
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
Wie ich so stand und bei mir sann,
Ein mächtger Trieb in mir begann.
Ein freundlich Mädchen kam gegangen
Und nahm mir jeden Sinn gefangen.
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
Sie ging vorbei, ich grüßte sie,
Sie dankte, das vergess ich nie –
Ich musste ihre Hand erfassen
Und sie schien gern sie mir zu lassen.
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.
Uns barg der Wald vor Sonnenschein.
Das ist der Frühling, fiel mir ein.
Kurzum, ich sah, dass jetzt auf Erden
Die Menschen sollten Götter werden.
Nun wusst ich wohl, wie mir geschah
Und wie das wurde, was ich sah.

Novalis (1772-1801)

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Wer nicht Blut und Wasser schwitzt,
esse auch keinen Reis.

aus China

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FRÜHLINGSGEDICHTE …, Sonett an Orpheus I/21 – Rainer Maria Rilke

uschi dreiucker / pixelio.de

Frühling ist wiedergekommen. Die Erde
ist wie ein Kind, das Gedichte weiß;
viele, o viele…. Für die Beschwerde
langen Lernens bekommt sie den Preis.
Streng war ihr Lehrer. Wir mochten das Weiße
an dem Barte des alten Manns.
Nun, wie das Grüne, das Blaue heiße,
dürfen wir fragen: sie kanns, sie kanns!
Erde, die frei hat, du glückliche, spiele
nun mit den Kindern. Wir wollen dich fangen,
fröhliche Erde. Dem Frohsten gelingts.
O, was der Lehrer sie lehrte, das Viele,
und was gedruckt steht in Wurzeln und langen
schwierigen Stämmen: sie singts, sie singts!

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Ein Mensch
kann keinen Tag ohne Arbeit sein.

aus China

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FRÜHLINGSGEDICHTE …, Im Frühling – Georg Trakl

marge simpson / pixelio.de

Leise sank von dunklen Schritten der Schnee,
Im Schatten des Baums
Heben die rosigen Lider Liebende.
Immer folgt den dunklen Rufen der Schiffer
Stern und Nacht;
Und die Ruder schlagen leise im Takt.
Balde an verfallener Mauer blühen
Die Veilchen,
Ergrünt so stille die Schläfe des Einsamen.

Georg Trakl (1887-1914)

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Die Wut des Armen
und die Augen des Reichen
sind groß.

aus China

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FRÜHLINGSGEDICHTE …, Frühlingsfeier – Ludwig Uhland

Rike / pixelio.de

Süßer, goldner Frühlingstag!
Inniges Entzücken!
Wenn mir je ein Lied gelang,
Sollt es heut nicht glücken?
Doch warum in dieser Zeit
An die Arbeit treten?
Frühling ist ein hohes Fest:
Lasst mich ruhn und beten!

Ludwig Uhland (1787-1862)

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Wer etwas zu verkaufen hat,
gilt nicht als arm.

aus China

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FRÜHLINGSGEDICHTE …, Frühling – Hermann von Gilm

Uwe Wagschal / pixelio.de

Wenn es wieder blüht auf Erden,
Frühlingslüfte wieder wehen,
Ach wie viele Berge werden
Zwischen uns, Geliebte, stehen!

Noch vermag ich’s nicht zu fassen,
Was es heisst, von dir zu scheiden,
Was es heisst, allein, verlassen,
Dich zu missen und zu meiden.

Schweigen werden meine Lieder,
Kein Gesang wird mehr ertönen
Und die Fremden werden wieder
Uns’re stummen Berge höhnen.

Hermann von Gilm 1812-1864

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Tausend Ärzte
kurieren auch einen Gesunden
zu Tode.

aus China

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FRÜHLINGSGEDICHTE …, Frühlingsbotschaft – August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Kuckuck (Cuculus canorus) Rufe des Kuckucks?/i

Kuckuck (Cuculus canorus), Wikipedia

Kuckuck, Kuckuck ruft aus dem Wald:
Lasset uns singen,
Tanzen und springen!
Frühling, Frühling wird es nun bald.
Kuckuck, Kuckuck lässt nicht sein Schrein:
Kommt in die Felder,
Wiesen und Wälder!
Frühling, Frühling, stelle dich ein!
Kuckuck, Kuckuck, trefflicher Held!
Was du gesungen,
Ist dir gelungen:
Winter, Winter räumet das Feld.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Hängen in der Halle keine alten Bilder,
ist die Familie nicht alt.

aus China

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FRÜHLINGSGEDICHTE …, Die Liebe gleicht dem April – Emanuel Geibel

Walter Eberl / pixelio.de

Die Liebe gleicht dem April:
Bald Frost, bald fröhliche Strahlen,
Bald Blüten in Herzen und Thalen,
Bald stürmisch und bald still,
Bald heimliches Ringen und Dehnen,
Bald Wolken, Regen und Thränen –
Im ewigen Schwanken und Sehnen
Wer weiss, was werden will!

Emanuel Geibel 1815-1884

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Ein Arzt kann die Krankheit,
nicht jedoch das Schicksal bessern.

aus China

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