Mit Pauken und Trompeten!

Lisettchen war als kleines Kind
Schon wilder als die Knaben.
Zur Weihnachtszeit, da wollte sie
Nie eine Puppe haben.
Nach Helm und Säbel stand ihr Sinn
Und sonstigen Kriegsgeräten.
Am liebsten aber spielte sie
Mit Pauken und Trompeten!
Tätärätä — bumbumbum!

Als sie zum ersten Mal gehört
Ein herrliches Orchester,
Da war Lisettchen ganz entzückt —
Sie sprach zu ihrer Schwester:
„Ich schwärm’ für jedes Instrument,
Das heute hier vertreten.
Am meisten aber schwärme ich
Für Pauken und Trompeten!”
Tätärätä — bumbumbum!

Lisettchen wurde zwanzig Jahr
Und war ein hübsches Mädchen —
Da zog die schmucke Reichswehr ein
Mit Marschmusik ins Städtchen,
‘s gab Einquartierung überall,
Hier Geigen – dort die Flöten —
Und zu Lisettche kamen Zwei
Mit Pauken und Trompeten!
Tätärätä — bumbumbum!

Nun war sie ganz aus Rand und Band —
Und sie erfuhr dann später,
Daß der mit Pauke Nauke hieß
Und der Trompeter Peter,
Sie war entzückt — doch ihr Papa,
Der hat sich das verbeten.
Er trieb ihr aus die Schwärmerei
Mit Pauken und Trompeten!
Tätärätä — bumbumbuml

‘s half Alles nichts — Lisettchen dacht:
Wenn ich nur spielen könnte!
Zu Beiden sprach sie: „Ach, ich schwärm
Für Eure Instrumente!”
Verstohlen winkten ihr die Zwei —
Sie folgte mit Erröten —
Und nun begann die Spielerei
Mit Pauken und Trompeten!
Tätärätä — bumbumbum!

Ach, schnell verstrich die schöne Zeit —
Bald hieß es: Weiter gehen!
Der Abschied kam, ‘s hieß: Vorwärts Marsch!
Lisettchen, die blieb stehen,
Bis daß die Klänge der Musik
Sich in der Luft verwehten.
Zum Schlusse hörte sie noch leis
Die Pauken und Trompeten!
Tätärätä — bumbumbuml

Die Beiden hatten ihr gesagt:
„Wir seh’n uns wieder später!”
Doch jetzt läßt sich kein Pauker seh’n,
Es kommt auch kein Trompeter.
Lisettchen hofft — aufs Wiederseh’n,
Sie ist in schweren Nöten.
Das arme Kind ist ‘reingefall’n
Mit Pauken und Trompeten.
Tätärätä — bumbumbum!

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Es gibt Dinge
an denen man oft vorbei läuft,
ohne sie zu sehen,
bis man wirklich Mal hinsieht
und sich wundert,
sie nie gesehen zu haben.

Gehe achtsamer durchs Leben.

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Unsere Freunde, die Blumen… der Blaustern

Der wissenschaftliche Name des Blausterns ist Skylla bifolia. Er wird auch Sternhyazinthe oder Skylla genannt. Er gehört zur Familie der Spargelgewächse und ist ein Frühblüher. Der Blaustern kommt in ganz Europa, Teilen Asiens und an wenigen Stellen in Afrika vor. Seit ca. 1594 wird er als Zierpflanze in Europa kultiviert. Die ganze Pflanze ist giftig, besonders aber die Zwiebeln und Samen.

Der Name Skylla soll auf die schöne Göttin Skylla aus der griechischen Mythologie zurückgehen. Laut Legende wurde Skylla zu einem schrecklichen Seeungeheuer verhext. Bei einer Fahrt durch eine Meeresenge, hatte Odysseus sechs seiner Männer an das gefräßige Monster verloren. Der Blaustern wurde sogar für eine Blume der Hexen und bösen Geister gehalten. Ein alter Aberglaube besagt, dass man noch nicht einmal an den Blüten riechen dürfe, weil man sonst Sommersprossen bekäme.

Frühling

Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land
träumen schon,
Wollen balde kommen
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!

Eduard Möricke, 1804-1875

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Mit viel Liebe
können aus kleinen Dingen
ganz großartige Dinge werden.

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Es ist nichts Halbes – es ist nichts Ganzes…

Wie war`n die Tänze früher nett!
Die alten tanzten Menuett,
`ne Polka tanzt` die junge Schar –
Und dann der Walzer – wunderbar!
Doch jetzt verrenken Mann und Weib
Nach fremden Klängen sich den Leib.
Wie tanzen heut`
die jungen Leut?
Es ist nichts Halbes – es ist nichts Ganzes,
`s ist mal zu heftig, mal zu salopp,
Ich bin kein Freund dieses Firlefanzes,
Es ist kein Walzer, `s ist kein Galopp.
`s ist nur ein Wälzen – heut schiebt man lieber,
Man ist kein Tänzer – man ist ein Schieber,
Man stößt am Knie sich `nen blauen Fleck,
Man hebt die Beine und kommt nicht weg.

`s gab ein Professor uns die Lehr`
„Wir brauchen Affen, mehr und mehr.”
Die Affenzucht, die preist er laut,
Ein Affenzuchthaus wird gebaut
Zu unsrem Heil, weil unbedingt
`ne Affendrüse uns verjüngt.
Das Resultat
ist ziemlich fad:
Es ist nichts Halbes – es ist nichts Ganzes
Man ist kein Mensch und man ist kein Tier,
Mal ist`s das Wilde des Affentanzes,
Mal ist`s die milde, die Mensch-Manier.
Wir werd`n jetzt alle nochmal geschaffen –
Vom Affen stamm`n wir, werd`n wieder Affen,
Wir leb`n noch mal, – es ist sehr absurd
Als Menschen-Affen-Kompromißgeburt.

Man spricht jetzt oft von einem Geist,
den man den „Geist Locarno’s“ heißt.
Hat man ihn – und bald darauf
gibt man den Geist auch wieder auf.
Zu ‘nen Minister sagt ich heut:
„Ist dieser Geist ‘ne Wirklichkeit?
Ist’s ein Gespenst,
dass du so nennst?“
„Es ist nichts Halbes – es ist nichts Ganzes,
es ist kein Körper, es ist kein Geist,
mal ‘ne Parade des Mummenschanzes,
mal ist’s ein Bund, der den Frieden preist.
Es ist nichts Falsches – es ist nicht Echtes,
es ist nicht Gutes – es ist nichts Schlechtes,
A bißerl Lieb und a bißerl Treu –
a bißerl Falschheit ist auch dabei.“

Zwei Mädchen frei`n zu gleicher Zeit.
`nen Jungen nahm die eine Maid,
Die andre `n Alten – treffen sich –
Die eine sagt: “Ich freue mich,
Mein Junger küßt – `s ist ein Genuß!
Wie ist vom Alten so ein Kuß?
Erzähl es mir.”
Die sagt zu ihr:
Es ist nichts Halbes – es ist nichts Ganzes,
Ein bißchen Lust und ein bißchen Last,
`s ist nur ein Lockern des Myrthenkranzes,
Er faßt nicht feste – er fäßt nur fast.
Es ist kein Küssen – `s ist ein Küßchen,
Es ist kein Bissen – `s ist nur ein Bißchen.
Man weiß nie, was man genossen hat,
Man ist nicht hungrig, man ist nicht satt.”

Für Rassenhunde schwärm’ ich sehr,
Ihr Stammbaum zeigt genau: Woher.
Bei andern ist das nicht der Fall,
Die hab`n ihr`n Stammbaum überall.
Zu welcher Gattung zählen die?
“Prom`naden-Mischung” nennt man sie.
Ach, solches Vieh
Liebt’ ich noch nie!
Es ist nichts Halbes – es ist nichts Ganzes
`s ist kein Gespringe – `s ist kein Gehops
Die Straß`durchwatschelt voll Arroganz es,
Es ist kein Dackel – es ist kein Mops.
Es ist kein Pintscher – es ist kein Pudel,
`s ist ein Gehudel, ein ganzes Rudel,
`s ist ein Gekoppel des Ungeschmack`s,
Es ist ein Pintscher-Pudel-Moppel-Dachs!

‘s gab ‘ne Reform in der Türkei,
die Haremsdamen wurden frei.
Auch die Eunuchen fluchen sehr,
die hab’n da nichts zu suchen mehr.
Jüngst traf ich ein’n und frug im Spaß:
„Eunuche sein, was ist denn das?“
Er griff ans Herz
und sang Vorschlags:
„Es ist nichts Halbes – es ist nicht Ganzes,
es ist kein Fleisch und es ist kein Fisch,
das letzte Leuchten entschwund’nen Glanzes,
man ist nicht alt, und man ist nicht frisch.
Man ist nicht Täub’rich, man ist kein Täubchen,
man ist kein Männchen, man ist kein Weibchen,
man wird nie wieder so wie vorher,
schön ist die Jugend – sie kommt nicht mehr.“

’ne junge Frau kocht dem Gemahl
das erstemal das erste Mahl.
Kauft’ Fleisch, so viel im Laden war,
um sechs Uhr abends war es gar.
Bringts’s in ’nem Riesentopf hinein
und sagt: „Das soll ein Gulasch sein.“
Er tut erfreut –
und denkt voll Leid:
,Es ist nichts Halbes – es ist nichts Ganzes,
sie tat zuviel in den Topf hinein,
den Kopf des Kalbes – des Ochsen  Schwanzes,
das Bein vom Hammel – den Bauch vom Schwein.
’s ist nicht verpfuscht und ’s ist nicht geraten,
’s ist nicht gekocht und ’s ist nicht gebraten.´ –
Er frißt’s und denkt mit betrüblichem Sinn:
„’s ist ganz egal – ’s bleibt ja doch nicht drin!“

Es ließ ein junges Mägdelein
Sich viel zu tief mit Männern ein.
Erst nahm der Ernst von ihr Besitz –
Dann kam der Franz, dann kam der Fritz –
Dann kam Herr Schmidt, dann kam Herr Kraus –
Und schließlich kam – der Storch ins Haus.
Das Kind – o Graus!
Wie sieht es aus?
Es ist nichts Halbes – es ist nichts Ganzes,
Den Blick des Ernstes bekam es mit,
die Nas` des Fritzes, das Ohr des Franzes,
Das Haar vom Kraus und den Mund von vom Schmidt,
`s ist so was Krauses, so was Zerfritztes,
So was Zerfranztes, was Ernst-Verschmitztes – – –
Und schreit das Kind mal nach dem Papa,
Dann kommt die ganz G.m.b.H.

Otto Reutter

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Unsere Freunde, die Blumen… das Veilchen


Die Blume des Monats Februar ist das Veilchen.
Veilchen oder Violen gehören zur Pflanzengattung der Veilchengewächse. Es gibt über 500 Arten von Veilchen und sie gedeihen in den gemäßigten Zonen der Erde. In der Antike war das Veilchen eine heilige Blume und sie war dem Gott Pan geweiht. Ihm und Saturn zu Ehren, wurden Veilchenkränze auf dem Kopf getragen.

In der Symbolik steht das Veilchen für Reinheit, Geduld, Demut, Treue, Zärtlichkeit, Anstand und innige Liebe.
Es sagt in der Blumensprache – Geheime Liebe gestehe ich dir.
Das Veilchen wird den Sternzeichen Waage und Steinbock zugeordnet.

Die Veilchen sprechen

Wir waren froh und wohlgemuth,
Das Gärtchen auszuschmücken –
Da kam der Mensch, der nimmer ruht,
Uns seinem Dienst zu pflücken.

In enger Vase mußten wir,
Im dumpfen Zimmer stehen;
Uns war so bang, wir wollten schier
Vor Herzeleid vergehen.

Nun packt ein Liebender uns gar
Als treuer Liebe Zeichen
In ein Papier, da muß fürwahr
Das Leben uns entweichen!

Und sollen auf der langen Bahn
Zu dir wir denn verenden,
So nimm dich, Mädchen, unser an
Mit schwesterlichen Händen!

Laß’ deinen Odem, süß und warm,
Uns wonniglich umschweben –
Und wir ersteh’n aus Todesharm
Zu duftigerem Leben!

Ernst Rauscher

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Bis hierher und nicht weiter!

Ein Herr lernt auf dem Maskenball
ne junge Dame kennen
und fühlt sein leicht entflammtes Herz
für Sie in Lieb’ entbrennen.
Er trinkt mit ihr auf du und du,
sie geht drauf ein und lacht dann. –
Dann hat er sie um Mitternacht
Erwartungsfroh nach Haus gebracht.
Sie kommen vor der Türe ein, –
da sagt sie zum Begleiter:
„Nun kannst du geh’n, hier wohnt mein Mann –
bis hierher und nicht weiter!“

In unserem Lande wechseln oft
die hohen Diplomaten.
Es geht viel schneller hier bei uns,
als wie in andern Staaten.
Besonders wer von Adel ist,
der avanciert in kurzer Frist,
wird 1, 2,3, ein General,
Minister oder Feldmarschall.
Doch bald geht dann die Sache schief.
Es naht vergnügt und heiter
Lukanus mit dem Abschiedsbrief:
„Bis hierher und nicht weiter!“

Ihr lieben Frau’n, ich bitte euch,
lasst doch das enge Schnüren –
dann werdet ihr, ich Wette drauf,
gleich ne Erleicht’rung spüren.
Denn so’n Korsett, das drückt und zwängt,
nehmt euch die Luft weg, es beengt –
und dann beim Essen, – wie fatal, –
verschafft es euch die größte Qual
deshalb erspart euch die Tortur,
macht eure Taille breiter –
das ganze Essen rutscht ja nur (auf die Taille zeigend)
Bis hierher und nicht weiter!

ne Maid, in einem Alter, wo’s
schon mit der Jugend hapert,
hat endlich sich mit ach und Krach
nen Bräutigam gekapert.
Den lässt sie nun nicht locker mehr –
sie hegt und pflegt ihn täglich sehr,
bis er, von Dankbarkeit entflammt,
ihr sagt: „Kommt mit auf’s Standesamt!“
Doch vor dem Standesamt, – oh weh! –
Wird er ganz blass, – dann schreit er:
„Ich hab mir’s überlegt, – ich geh
bis hierher und nicht weiter!“

Von einer kleinen Garnision
hat man jetzt viel gelesen –
doch ist das Urteil wohl zu hart
und ungerecht gewesen.
Ein Gott ist zwar der Leutnant nicht,
doch ist er auch kein Bösewicht, –
er ist ein Mensch, wie alle hier,
hat seine Fehler, grad wie wir –
im Frieden ist er lebensfroh,
im Krieg ein tapferer Streiter –
drum hört jetzt auf und schimpft nicht so –
bis hierher und nicht weiter!

Viel Schaden haben schon gebracht
die deutschen Kolonien.
Was Deutschland draußen angeflickt,
ist selten gut gediehen.
Um jeden jungen, deutschen Held
ist’s schade, der da draußen fällt.
Nutzt uns ne solche Kolonie?
Das Echo lautet darauf: oh nie!
Drum, liebes Deutschland, sei’s genug, –
mach dich nun nicht mehr breiter –
und werde mal durch Schaden klug.
Bis hierher und nicht weiter!

Von einer Barfußtänzerin
hatt’ ich schon viel vernommen.
Drum bin ich auch mit meinem Freund
mal zu ihr hingekommen.
Der Vorhang hoch – sie kommt heraus,
zieht sich zuerst die Strümpfe aus –
tanzt barfuß vor dem Publikum –
jedoch mein Freund bleibt still und stumm.
Bei dem war die Enttäuschung,
denn voll Entrüstung schreit er:
„Die zeigt ja ihre Beene blos
bis hierher und nicht weiter!“

Graf Bülow ist als Diplomat
sehr biegsam und geschmeidig –
und wenn er jemand nützen kann,
so tut er’s gern und freudig.
So hat er jüngst nen Paragraph,
der g’rade das Zentrum traf,
schnell aufzugeben sich beeilt.
Die Meinung ist nun sehr geteilt.
Der Bismarck hätt’ das nicht gemacht,
vielleicht war der gescheiter.
Der hätt’ die Grenze scharf bewacht.
„Bis hierher und nicht weiter!“

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Auch Umwege erweitern unseren Horizont.

(Ernst Ferstl)

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Unsere Freunde, die Blumen…der Krokus


Die Krokusse gehören zur Gattung der Schwertliliengewächse. Es sind die klassischen Frühlingsboten.
Im Frühjahr sind die kleinen Krokusse die ersten kräftigen Farbtupfer in Parks und Gärten.
In der Blumensprache der Liebenden sagt der kleine Krokus: Ich muss mir das noch überlegen, ich brauche noch Zeit, um zu entscheiden.

FRÜHLINGSERWACHEN
von Annegret Kronenberg

Lautlos kehrt der Frühling ein,
niemand kann ihn hindern.
Die Luft, erwärmt vom Sonnenschein,
bricht Bahn den Frühlingskindern.

Neugierig lugt schon hier und dort
ein Krokus und ein Veilchen.
Andere stehn wie starr am Ort,
woll’n warten noch ein Weilchen.

Erfüllt ist blaue Frühlingsluft
vom Zwitschern aus den Wäldern;
zum Himmel steigt ein würz’ger Duft
aus frischgepflügten Feldern.

Sanft streichel der Frühlingswind
die Ruten einer Weide;
man glaubt, dass sie zerbrechlich sind
in ihrem zarten Kleide.

Das kleine Herz ist jetzt befreit
von grauen Winterweben.
In dieser schönen Frühlingszeit
kann’s wieder atmen, leben.

Quelle: gedichte-garten.de
Gedicht Frühlingserwachen

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Unsere Freunde, die Blumen… die Amaryllis

Ritterstern, Hippeastrum

Amaryllis belladonna

Amaryllis, Königin der Blüte. Umgangssprachlich wird sie auch Ritterstern genannt. Die zwei Arten (Amaryllis belladonna) sind im Winterregengebiet der Bergregion des südlichen Afrika beheimatet. Der Ritterstern (Hippeastrum) ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Amaryllisgewächse und kommt aus den peruanischen Anden.

Der Naturforscher Carl von Linné im frühen 18.Jahrhundert, muss sich wohl an die schöne Hirtin Amaryllis aus Griechenland erinnert haben, als er nach einem Namen für diese Blume suchte. Er gab der Amaryllis noch den Beinaman Belladonna,
was schöne Frau bedeutet.
Stolz und anmutig wächst die Amaryllis aufrecht aus der Zwiebel heraus.
Aus ihren botanischen Eigenarten, hat sich auch die Symbolik entwickelt. Sie versinnbildlicht Anmut und Stolz. Die Amaryllis genießt ihren Auftritt.
Mit einer verschenkten Amaryllis zeigt man Interesse und Bewunderung an einem Menschen. Sie ist jedoch keinesfalls eine Blume, um die große Liebe zu gestehen.
In der Sprache der Blumen sagt sie: – Ich bin stolz, mit dir befreundet zu sein.
Die Amaryllis wird dem Sternzeichen Skorpion zugeordnet.

AMARYLLIS BILDNIS

Wie eine Venus einst kam aus der Muschel her,
so steigt die andre hier aus ihres Malers Schalen, –
so gleich, daß Keiner nicht sie gleicher könnt’, als er,
und auch so schön, daß er nichts Schön’res könnte malen!

Christian Wernicke (1661 – 1725)

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Unsere Freunde, die Blumen… das Schneeglöckchen

Das Schneeglöckchen (Galanthus) gehört zu der Gattung der Amaryllisgewächse. Ursprünglich stammen sie wohl aus dem Kaukasus. Inzwischen sind sie weit verbreitet. Sie kommen auf Waldwiesen, Auen, Laubwäldern vor und sie bevorzugen feuchte und schattige Standorte.

Schneeglöckchen werden für die ersten Frühlingsboten gehalten. In Deutschland hat das Schneeglöckchen viele Name: Milchblume, Hübsches Februar-Mädchen, Lichtmess-Glöckchen, Lichtmess-Glocken, Marienkerzen, Weißglatze, Schnee-Durchstecher, Weiße Jungfrau, Frühlingsglöckchen.

In der Symbolik steht das Schneeglöckchen für Hoffnung, Trost, Zartheit, Zärtlichkeit, Frühlingsbote
In der Blumensprache sagt es – Unwiderstehlich kam unsere Liebe.

Schneeglöckchen

Wenn starr im Froste noch ruht der See,
Noch am Fenster die Blumen von Eis,
Dann blüht schon ein Blümchen aus kaltem Schnee,
Grünfarbig und silberweiß.

Und wenn ein Herz auf den Frühling hofft,
Darin es Winter zur Stund’,
So bringt Schneeglöckchen ihm unverhofft
Zuerst vom Frühling die Kund’.

O, du mein Herz, laß das Klagen sein!
Ob dein Winter auch töten dich will,
Schneeglöckchen läutet den Frühling ein:
Sei still! sei still! sei still!

Und der Frühling weckt Lieder und Blumen zumal,
Und der Frühling kennt keinen Schmerz!
Der hat auch wohl einen Sonnenstrahl
Für ein armes winterlich Herz!

Johann Meyer

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Da ist der eine, wie der andre…

‘ne Mutter sagt mir unter Tränen:
„Mein Töchterlein ist jung und schön,
Wird angeschwärmt von hundert Männern,
Die Ihre Liebe ihr gestehn.
Doch wenn ich von der Heirat rede
Und wenn ich sag': „Sie hat kein Geld —
Doch sie ist besser als wie jede —
Ist mir das Liebste auf der Welt” —
Dann ist der eine, wie der andre —
Dann sagt ein jeder voller Schmerz:
„Ich soll das Liebste Ihnen rauben?
Das bring’ ich niemals übers Herz.”

Gäbst du dein Geld mit vollen Händen,
Dann bist du überall beliebt.
Der Mensch hat stets die meisten Freunde,
Der niemals nimmt und immer gibt.
Wenn du was hast, da komm’n sie alle —
Da hast du stets Besuch im Haus.
Doch brauchst du was — in diesem Falle,
Da weichen sie dir alle aus.
Da ist der eine, wie der andre —
Hast du dann einen mal erwischt
Und du erklärst ihm deine Lage,
Dann weint er — doch er gibt dir nischt.

Wie sind die Reichstagskandidaten
So klein, bescheiden vor der Wahl.
„Nur Euer Wohl liegt mir am Herzen,”
So reden sie in jedem Saal.
Woll’n alles in die Wege leiten,
Sie wissen, was dem Wahlkreis fehlt —
Sind freundlich zu den kleinsten Leuten —
Doch sind die Herren dann gewählt,
Dann ist der eine, wie der andre —
Sie hol’n sich die Diäten dann —
Sie richten ihren Blick nach oben
Und schau’n die Wähler nicht mehr an.

Marie, ‘ne sehr perfekte Köchin,
Die hätte gerne einen Schatz.
Am liebsten hält’ sie ‘n Infant’risten,
Der fand’ in ihrem Herzen Platz.
Nicht länger soll ihr Herz sich quälen.
Sie geht zum Exerzierplatz raus,
Um sich den schönsten auszuwählen.
Da ruft sie voll Entzücken aus:
„Da ist der eine, wie der andre!
Wie schön ist doch die Infant’rie.
Die Wahl fällt schwer — da ist das beste,
Ich nehm’ die ganze Kompanie.”

Aus England komm’n oft Tänzerinnen
Am Variete als Schwestern raus.
Meist sind es fünf — sie seh’n sich ähnlich.
Bei Tage seh’n sie anders aus.
Da ist die Ähnlichkeit geringer —
Die eine häßlich, eine schön,
Die eine alt, die andre jünger–
Doch wenn sie abends oben stehn,
Dann ist die eine, wie die andre.
Sie haben alle blondes Haar,
Sind alle schön — sind alle Schwestern —
Und alle fünf sind achtzehn Jahr*.

Auf unsrer deutschen Speisekarte
Da liest man oft: „Beuf à la Mode.”
Dann gibt’s ein „Filet à la Nelson”.
(Der Mann der ist schon lange tot)
‘s gibt auch ein „Beefsteak à la Maier” —
(Von welchem Maier mag das sein?)
Der Unterschied scheint ungeheuer —
Wählt man nun eines von den drei’n,
Dann ist das eine, wie das- andre.
Der Unterschied ist minimal.
`s ist alles von demselben Ochsen —
Sogar die Saucen sind egal.

‘nen sogenannten „bessern” Gauner,
Den sperrt man ins Gefängnis ein.
Er muß mit andern armen Schächern
In eine große Zelle ‘rein.
Als man das Essen ihm gegeben,
Sprach er: „Ich speis’ nur Table d’hote,
Von diesem Fraß kann ich nicht leben.”
Da hat der Wärter ihm gedroht:
„Hier ißt der eine, wie der andre —
Hier, nimm Dein Wasser — hier Dein Brot
Und kannst Du von dem Fraß nicht leben,
Dann friß Dich an der Table tot”

Wie sind die Mädchen vor der Hochzeit
So hold, so zart, so lieb, so süß.
Sie sagen zu dem künft’gen Manne:
„Ich schaffe Dir ein Paradies.
Bist Du auch grob und voller Mängel —
Ich werde sanft wie’n Engel sein” —
Doch nimmt der Mann sich dann den Engel,
Da fällt er meistens gründlich ‘rein.
Da ist die eine, wie die andre —
Dann jammert der enttäuschte Mann:
„O, lieber Engel, fliege weiter !”
Jedoch der Engel denkt nicht dran.

Herr Kämpf, der ist jetzt Präsidente —
Als man die Stimmen nachgezählt,
Ergab sich eine Stimme Mehrheit.
Er wurde einstimmig gewählt
Zum Scheidemann da sprach man: „Scheide!”
Dafür setzt sich Herr Paasche hin.
Kämpf, Dove — liberal sind beide —
Und Paasche, der sitzt mitten drin.
Hier sitzt, der eine, hier der andre.
Nur Paasche, der ist national.
Er denkt: am besten ist’s, ich wand’re,
Sonst werd’ ich auch noch liberal.

Der Deutsche und der Engeländer —
Das wiederholt sich jedes Jahr —
Die reichen sich die Hand und schwören:
„Wir woll’n uns lieben immerdar.
Der eine darf dem andern trauen.
Der Frieden ist uns angenehm.
Drum woll’n wir keine Schiffe bauen” –
Und heimlich dann — trotz alledem,
Da baut der eine, wie der andre.
Sie rüsten beide sich geschwind —
Und dann tun beide sehr entrüstet,
Daß sie noch nicht — „entrüstet” sind.

Einst’ sang man oft das schöne Liedchen:
„Dann gehn wir ins Kasino hin.”
Heut* sing’n in jeder Stadt die Leute:
„Jetzt gehen wir ins Kino hin;””
Gern tu’ ich in so’n Kientopp wandern,
Die Bilder dort sind grausig schön.
Doch geh` ich dann mal in ‘nen andern,
Um mal ein andres Bild zu seh’n,
Dann ist das eine, wie das andre.
Ach, überall, wo ich erschien,
Da gibt’s dieselbe Mordsgeschichte,
In jedem Topp derselbe Kien.

„Lehr’ einer mich die Männer kennen,”
So klagt betrübt ein Mägdelein —
„Sie woll’n nur küssen und genießen —
Und lassen uns im Schmerz allein.
Erst kommen sie in hellen Scharen —
Doch wenn man einen nötig braucht —
Ich hab’s am eig’nen Leib erfahren —
Dann ist die Leidenschaft verraucht
Dann ist der eine, wie der andre —
Erst schwören sie: ,Auf ewig Dein!*
Und wenn sie später schwören sollen,
Dann will’s kein Mensch gewesen sein.”

Oft sagt man mir: „Die Sozialisten,
Die nehmen schrecklich überhand.
Um Himmels willen — wenn’s jetzt Krieg gibt,
Wer schirmt dann unser Vaterland?”
Nur keine Angst — die ganzen „Roten”,
Wenn sie auch schimpfen immerdar,
Im Herzen sind sie Patrioten–
Wenn unser Deutschland in Gefahr,
Dann ist der eine, wie der andre —
Ob er nun blau ist oder rot
Dann kommt selbst Bebel mit dem Säbel
Und schlägt die ganze Bande tot

Dacapo-Vers.

Noch einen Vers will ich jetzt bringen
Hier auf das Publikum geschwind.
Das ist sehr dreist, weil hier im Saale
Wahrscheinlich viele Sozis sind.
Trotzdem behaupteten ohne Zagen:
Daß jeder seine Freude hat
An unserm Reich — ich will mal sagen,
Der Kaiser käm` in diese Stadt,
Dann wär` der eine, wie der andre —
Da stellen sie sich alle ein,
Und die, die jetzt am meisten schimpfen —
Hört man am lautesten „Hurra” schrei’n.

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Es gibt viele Ideen,
aber die meisten sind eitle Seifenblasen.

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Buntes Allerlei…

Ich sing jetzt dies und jenes,
was schlechtes und was schönes
im wechselvollen Lauf,
nun passen Sie mal auf:
ich ging einmal spazieren,
um mich zu amüsieren –
auf einmal kam ein Mägdelein,
sehr sauber und sehr fein.
Ich sprach: „Mein heutiges Fräulein! Ich möcht Ihnen gerne nützen!
Ich bin ein junger Mann und möchte sie schützen“.
Da sagte sie: „Bedaure!“ Und lacht mir ins Gesicht
„Sie sind ein Mann zum Schutz und mit nem Schutzmann geh ich nicht!“

Herr Schenk der hat soeben
ein Buch herausgegeben –
ob Bub, ob Mägdelein,
das weiß nur er allein.
Er behauptet ganz vermessen:
„Wenn die Frauen Zucker essen,
dann kriegen Sie, das ist ganz gewiss,
ein Mägdelein, wie süß!”
Drum, ihr Frauen, wollt ihr Mädchen haben,
so eßt nur recht viel Zucker, dann kriegt ihr keinen Knaben.
Und wollt ihr, dass das Mittel auch richtig helfen kann,
so sucht euch, wenn ihr heirat’t, nen rechten süßen Mann.

Der Grenadier, der Fritze,
ging gestern voller Hitze
zu seiner Braut Marie,
als in der Küche Sie
er sprach: Ich hab’s erfahren
in Russland von dem Zaren
wir werden abgerüstete jetzt –
drum bin ich ganz entsetzt!
„Das ist mir ganz egal“, sprach die Marie zum Fritze –
„Nun schnall dir mal den Säbel ab und lege hin die Mütze,
und mach es dir bei mir bequem”, sprach sie zu ihm Voll List,
„Denn du gefällst mir jetzt am besten, wenn du abgerüstet bist.“

Ich will es euch verkünden:
man kann hier manches finden,
was einem wohl gefällt –
man braucht nur etwas Geld!
In einem Tanzlokale
traf ich die schöne Male.
Ich frug: Mein heutiges Mägdelein!
Willst du mein eigen sein?
„Wie lange bleibst du hier?“ frug sie mich froh und heiter.
Ich sagte, nur vier Wochen, nachher geht’s wieder weiter!
Da wurde sie ganz traurig und sprach zu meinem Schreck:
„Sie gehen ja doch bald wieder weg, dann hat’s auch keinen Zweck.“

Sie hab’n es wohl vergessen?
In Lippe ist’s gewesen,
da hat der Herr Regent
ein heft’ges Temperament.
Er sprach: An meine Lippen,
da darf mir keiner tippen!
In meinem Reich, ist es auch klein,
will ich der König sein!
Ach, wie kann man nur so räsonieren!
Lieber Lippe, solche Lippe, darfst du nicht riskieren!
Bedenke doch, dass über dir die Oberlippe ist
und dass du kleiner Lippe nur die Unterlippe bist!

Im Reichstag wie Sie wissen,
spricht mancher dienstbeflissen,
auch Ahlwardt voller Ruh
gibt seinen Senf dazu.
Und Kopf Frau Bankier Maier
mit ihrem Hand ins Feuer
gibt Schwiegermamama im Nu
auch ihren Senf dazu.
Ähnlich geht’s beim Schneidermeister Krause –
die Frau und auch die Kinder schimpfen ihn zu Hause –
er hat den Jüngsten auf dem Arm und denkt bei sich: Na nu!
Der kann doch gar nicht reden und gibt auch sein’n Senf dazu!

Otto Reutter

(Leider werde ich aus der letzten Strophe nicht ganz schlau. Kommt mir etwas verwirrt vor.)

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Wenn dir ein Wunsch erfüllt wird,
verlange nicht noch mehr.

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Unsere Freunde, die Blumen… die Hyazinthe


Die Hyazinthe gehört zur Pflanzengattung der Spargelgewächse. Sie stammt aus dem Orient. Im 16.Jahrhundert gelangte die Hyazinthe nach Europa.
In der Symbolik steht sie für Hoffnung, das Wiedererwachen der Natur, für neue Aktivitäten, schnelles Vergehen irdischer Schönheit und Treue,  Zartheit, Frühling.
In der Blumensprache sagt sie: Einzig dir kann ich zutiefst vertraut sein, Wohlwollen, schnelles Werden und Vergehen oder auch deine Kälte lässt mich verschmachten!

Die Hyazinthe

Ich grüße dich, du wunderbarer Duft,
Der sich in diesen zarten Kelchen wieget,
Du Schiff, worin durch dunkelblaue Luft
Die Seel’ entzückt nach fernen Ufern flieget.

Das Steuer ist ein alter, alter Traum
Von andern Zeiten, himmelschönen Auen,
Gold ist der königlichen Ströme Schaum
Und hohe, schlanke Palmen sind zu schauen.

Die Lotosblume schwimmt auf blauer Flut,
Die Welle scheint mit holder Scham zu fragen,
Welch Wunder ihr im keuschen Schoße ruht?
Doch nur die Kinder wissen es zu sagen.

Friedrich Theodor Vischer

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Es wird dir nichts genommen,
was dir nicht gegeben wurde.

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John Bull…

Ich glaube wohl, Sie kennen mich,
John Bull!
Vom schönen England komme ich,
John Bull!
Von Engeland, dem schönen Land,
das stets mit Achtung wird genannt!
Ja wir sind in der Tat
der wahre Musterstaat!
Wir kennen weder Hass noch Neid,
wir lieben die Bescheidenheit,
und unser Wahlspruch ist und bleibt
für jetzt und alle Zeit:

üben immer Treu und Redlichkeit
bis an dein kühles Grab,
und schneide keinen Finger breit
von fremden Ländern ab!

Ich bin beliebt in allen Staaten
mich schätzen alle Potentaten
bin auf der Reise ich,
so sagt man sicherlich:
„Ist denn kein Stuhl da
für den John Bull da?“
Nur nach Frieden trachte ich,
jedem Krieg verachte ich –
drum lieb ich den russischen Kaiser sehr.

Er nahm mit seiner Kunde
mir das Wort vom Munde,
denn dem Frieden diene ich so wie er.
Dass ich ein Friedensspender,
wissen alle Länder –
nur der Bur bezweifelt´s sicherlich.
Er denkt von mir sehr schlecht,
er kennt nicht noch nicht recht –
und “wat de Bur nich kennt,
Dat frit hei nich!”

Ich Besitz anstand und viel Noblesse
O Yes! O Yes!
Als ich gewesen zu einem Friedenskongress,
sagt ich voll Freuden:”Oh Yes!”

Brüder, reicht euch die Hand!
Macht es wie Engeland!
Jedoch was nützt uns unser edles Streben –
wir sind zu gut für diese schlechte Welt.
Es kann der Beste nicht in Frieden leben,
wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt!

Wir waren so friedlich beisammen,
nichts fragend nach Gold und nach Gut –
ich glaub es könnt ewig so bleiben,
doch man hat uns gekränkt bis aufs Blut.
Eine Kugel kam geflogen,
die Buren fingen an,
Sie wollen uns verderben,
woll’n England sich erwerben
und Krüger möchte gern
König von England werd’n.

Doch das gelingt ihm nicht,
denn wir tun unsere Pflicht.
Wir war’n in kurzer Zeit,
schon alle kampfbereit.
Ein jeder Staat bot dann
uns seine Hilfe an.
Ich aber sagte „Nein!
Wir helfen uns allein!“

Prinz of Wales, der edle Mann,
führte unsere Truppen an.
Ehe wir es uns versah’n,
saß er auch schon drin im Kahn.
„Vorwärts!“ rief er, nach Transvaal –
und wenn ich sterbe, es ist egal,
gern geb ich mein Leben hin
für Mama, die Königin.

Am Wasser, am Wasser
da ist John Bull zu Haus,
wir schifften bis nach Transvaal,
da riefen alle aus:
„Die Holländer soll’n fliegen,
der Krieg, der wird geführt,
und aus dem flieg’nden Holländer
‘n zahmer Engeländer wird!“

Ich sprach zu unserer Armee:
„Seid christlich und human
und tut den Buren nicht so weh,
als wie sie uns getan!
Vermeidet, wenn es möglich ist,
die Blutvergießerei –
und schießt nicht mehr als nötig ist
wenn möglich – schießt vorbei!“
Als mich die Buren sah’n,
fing’n sie zu singen an:

„Siehst du wohl, da kimmt er –
übers Wasser schwimmt er –
ja, wir wissens, der John Bull,
kriegt die Näse gar nicht vull!
Warte nur ‘ne Weile,
du kriegst deine Keile –
und wer sich das Transvaal nimmt
das weiß man nicht bestimmt!“

Als nun die Buren so gesprochen,
da zog ich zornig in den Krieg –
und jeder weiß es: schon seit Wochen
erfecht ich jeden Tag ‘nen Sieg.
Wir senden Sieges-Telegramme,
wir haben riesigen Erfolg.
Dabei sind wir dem Burenstamme
gegenüber nur ein kleines Volk.
Doch trotz der Siege möchte ich schließen,
denn Krieg geht gegen mein Prinzip –
ich hasse jedes Blutvergießen –
gebt euch die Hand und habt euch lieb, ja!

Lieber Onkel Krüger,
ich habe ‘ne Idee –
dann bleiben wir beide Sieger
und tun uns nicht mehr weh!
Lass dich von deiner Alten
noch scheiden dieses Jahr
und heirat unsere Königin –
sie nimmt dich – das ist klar,
denn sie ist ne Witwe
eine kleine Witwe –
und ich weiß: nur du allein –
du bist ihr Ideal.
Du wirst Englands König –
das ist nicht zu wenig –
und sie, sie wird die Königin
von Transvaal!

Ja, ihr müsst euch schnell verbinden,
könnt euch gar nicht besser finden –
ihr seid beide jung und schön!
Heil und Glück dem edlen Paare –
dann kann vor dem Traualtare
die Versöhnung vor sich gehen.
Cecil Rhodes, der brave Mann,
der sagt zu den Buren dann:
eure Tat sei euch verzieh’n!
Alles singt Versöhnungslieder.
Onkel Krüger beugt sich nieder,
sinkt dabei: „God save the Queen!”

Seh’n Sie, das ist ein Geschäft –
bald wird die Hochzeit sein.
Und alle, die heut hier versammelt sind,
lad ich zur Feier ein!

Otto Reutter

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Berlin, Berlin, was kriegste für’n Gesichte!

Berlin bekommt jetzt mit der Zeit
ein anderes Gesicht.
Wer das Berlin von früher sah,
der kennt es heute nicht.
Zum Beispiel, die Theater hab’n
sich sehr verändert heut.
Da gab’s das alte “Wallner” und die „Grüne Neun“,
zu „Mutter Gräbert“ konnt man geh’n,
die Stücke dort war’n wunderschön
wenn zwei sich liebten und sich kriegten, dass war fein.
Auf sowas fall’n die Leute heute nicht mehr rein.
Bei „Schumann“ grub man „Babel“ aus,
kurios war die Idee.
Im „Neu’n Theater“ tanzt um Johann’s
Kopf die „Salome –
„Elektra“ macht die Mutter tot,
das möcht ich gar nicht seh’n,
und „Rose Berndt” erwürgt ihr Kind,
das find’n die Leute schön.
Berlin, Berlin, was kriegste für’n Gesichte
du übertreibst den realist’schen Stil.
Beim „armen Heinrich“ kriegt man selbst die Flechte
und kleine Tiere kriegt man, wenn man geht „Nachtasyl“.

Ein Tanzvergnügen in Berlin
war früher ganz famos.
Man tanzte a la Rixdorf
nach Berliner Art drauf los.
Doch jetzt hat man den Cake Walk
aus Amerika gebracht,
ich glaube, nächstens wird auch
der Bauchtanz nachgemacht.
Ja, was vom Ausland kommt, das imponiert!
Man nahm aus Rom und aus Paris
sich jetzt den Korso, der war mies.
Das Hinternanderfahren wurde sehr verhöhnt,
sowas sind die Pferde hier noch nicht gewöhnt.
So’n Sommergarten in Berlin
bot sonst ein schönes Bild,
„Hier könn’n Familien Kaffee kochen“,
stand an jedem Schild.
Jetzt hatte man den Fife o Clock Tee,
worauf ich riesig schimpf.
Wenn ich um zweie durstig bin,
dann trink ich nicht um fünf.
Berlin, Berlin, was kriegste für’n Gesichte!
Aus England kam die neueste Idee.
Doch ich bleib ein Berliner, ich verzichte,
ich trink ‘ne Weisse aus Berlin und pfeif auf den Clock-Tee.

Zum Reichstag wurde mancher jetzt
nicht wieder neu gewählt
Ach, nach dem Hahn, da kräht kein Hahn,
auch Örtels Weste fehlt
der Antrick, der acht Stunden sprach,
blieb auch vom Reichstag fort.
Stadthagen schlägt jetzt wiederum
im Reden den Rekord
zum Reichsschatz ward ein neuer Mann bestellt,
Herr Stengel aus dem Bayernland
ward jetzt nach Preußen hingesandt
doch fehlt es uns in Zukunft wiederum an Geld,
dann kanns passieren, dass Stengel bald vom Stengel fällt.
Was Eugen Richter anbelangt,
der steht verändert da.
Sonst hat er zornig „Nein“ gesagt,
jetzt sagt er freundlich „Ja“.
Die Sozialisten haben ihn
von seinem Platz verdrängt –
er wurde mehr nach rechts geschwenkt,
da sitzt er nun und denkt:
Berlin, Berlin, was kriegste für’n Gesichte!
Du wirst so rot – du schämst dich wohl zu sehr!
Und Eugen seufzt: Mein Freisinn geht zunichte.
Seitdem Eugen verheirat’t ist, gelingt ihm gar nichts mehr.

Ging man einmal in früh’rer Zeit
vor’s Brandenburger Tor,
so fand man Bäume weit und breit,
der Garten stand in Flor
ja, dieses schlichte Blätterkleid
stand dir sehr gut – Berlin –
damals in deiner Jugendzeit,
da warst du noch hübsch „grün“.
Doch mit dem Alter wurdest du kokett.
Berlin, du bist jetzt riesig stolz,
du schwärmt nicht mehr fürs grüne Holz.
Mit teuren Steinen hast du dir die Front geschmückt,
dass man vor lauter Stammbaum keinen Baum erblickt.
Berlin, was ist mit dir gescheh’n?
So stolz warst du noch nie.
Du bist steinreich und zeigst es auch
wie ‘n richt’ger Parvenu.
Kommt jetzt vors Brandenburger Tor
ein Fremder mal hinaus
man sieht den ganzen Marmorwald,
dann ruft er staunend aus:
Berlin, Berlin, was kriegste für’n Gesichte!
Du bist so blass, wie du mir sonst nicht schienst.
Berlin, Berlin, ach änd’re die Geschichte,
damit du wieder Farbe kriegst, damit du wieder grünst (grienst).

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Meine nicht,
dass du unglücklich bist,
nur weil du andere für glücklicher hältst.

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