In stiller Trauer …

Erinnerungen sind kleine Sterne, die tröstend in das Dunkel unserer Trauer leuchten.

In stiller Trauer, um meinen geliebten Bruder.

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GEDICHTE: Hast du noch nie …, Hermann Allmers, (1821-1902)

Hast du noch nie recht bitterlich geweint,
das glühende Tränen dir hervorgedrungen,
noch nie mit einem großen Schmerz gerungen,
noch nie unsäglich elend dich gemeint?

Hat hohe Freude nie dein Herz geschwellt,
durchbrausten nie dich stolze Jubelklänge,
das du fast meintest, deine Brust zerspringe,
und dass du seist der Seligste der Welt?

Wenn solche Schauer nimmer dich durchbebt,
hast du die Feuertaufe nicht bekommen,
des Daseins Strahlenhöhen nicht erklommen,
und sage nicht, du habest schon gelebt.

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GEDICHTE: Waldeinsamkeit, Hermann Allmers, (1821-1902)

O zaubergrüne Waldeseinsamkeit,
Wo alte, dunkle Fichten stehn und träumen,
Wo klare Bächlein über Kiesel schäumen
In tief geheimer Abgeschiedenheit.

Nur Herdenglockenlaut von Zeit zu Zeit,
Und leises Säuseln oben in den Bäumen,
Dann wieder Schweigen wie in Tempelräumen,
O zaubergrüne Waldeseinsamkeit! –

Hier sinkt des Erdendaseins enge Schranke,
Es fühlt das Herz sich göttlicher und reiner,
Als könnt es tiefer schauen und verstehen.

Da löst sich manch unsterblicher Gedanke;
Woher das kommt, das ahnet selten einer, –
Es ist des Weltengeistes nahes Wehen.

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GEDICHTE: Heimliche Liebe, Anonym

Kein Feuer, keine Kohle
kann brennen so heiß
als heimliche Liebe,
von der niemand nichts weiß.

Keine Rose, keine Nelke
kann blühen so schön,
als wenn zwei verliebte Seelen
beieinander tun stehn.

Setze du mir einen Spiegel
ins Herz mir hinein,
damit du kannst sehen,
wie so treu ich es mein‘!

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GEDICHTE: Zwei Königskinder (16. Jh.)

Es waren zwei Königskinder,
die hatten einander so lieb,
sie konnten zusammen nicht kommen,
das Wasser war viel zu tief.

Herzliebster, kannst du nicht schwimmen?
Herzlieb, schwimm herüber zu mir!
Zwei Kerzen will ich hier anzünden,
und die sollen leuchten dir.

Das hört eine falsche Nonne,
die tat, als ob sie schlief.
Sie tat die Lichter auslöschen,
der Jüngling ertrank so tief.

Es war an ei’m Sonntagmorgen,
die Leut‘ waren alle so froh,
bis auf die Königstochter,
sie weinte die Äuglein rot.

Ach Mutter, herzliebste Mutter,
der Kopf tut mir so weh;
ich möcht so gern spazieren
wohl an die grüne See.

Die Mutter ging nach der Kirche,
die Tochter hielt ihren Gang.
Sie ging so lang spazieren
bis sie den Fischer fand.

Ach Fischer, liebster Fischer,
willst du verdienen großen Lohn?
So wirf dein Netzt ins Wasser
Und fisch mir den Königssohn!

Er warf das Netz ins Wasser,
es ging bis auf den Grund;
er fischte und fischte so lange
bis er den Königssohn fand.

Der Fischer wohl fischte lange,
bis er den Toten fand.
Nun sieh‘ da, du liebliche Jungfrau,
hast hier deinen Königssohn.

Sie schloß ihn in ihre Arme
und küßt‘ seinen bleichen Mund:
Ach, Mündlein, könntest du sprechen,
so wär mein jung Herz gesund.

Sie schwang um sich ihren Mantel
und sprang wohl in den See:
Gut‘ Nacht, mein Vater und Mutter,
Ihr seht mich nimmermeh‘!

Da hörte man Glockengeläute,
da hörte man Jammer und Not,
da lagen zwei Königskinder,
die waren beide tot.

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GEDICHTE: Steigerlied, Anonym

Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt,
und er hat sein helles Licht bei der Nacht,
und er hat sein helles Licht bei der Nacht
schon angezünd’t, schon angezünd’t.

Hat’s angezünd’t, das gibt ein‘ Schein,
und damit so fahren wir bei der Nacht,
und damit so fahren wir bei der Nacht
ins Bergwerk ein, ins Bergwerk ein.

Ins Bergwerk ein, wo die Bergleut‘ sein,
die da graben das Silber und das Gold bei der Nacht,
die da graben das Silber und das Gold bei der Nacht
aus Felsgestein, aus Felsgestein.

Der eine gräbt das Silber, der andere gräbt das Gold.
Und dem schwarzbraunen Mägdelein bei der Nacht,
und dem schwarzbraunen Mägdelein bei der Nacht
dem sein wir hold, dem sein wir hold.

Ade, nun ade, Herzliebste mein!
Und da drunten in dem tiefen, finst’ren Schacht bei der Nacht,
und da drunten in dem tiefen, finst’ren Schacht bei der Nacht,
da denk ich dein, da denk ich dein.

Und kehr‘ ich heim zur Liebsten mein,
dann erschallet des Bergmanns Gruß bei der Nacht,
dann erschallet des Bergmanns Gruß bei der Nacht:
Glück auf, Glück auf! Glück auf, Glück auf!

Wir Bergleut’ sein, kreuzbrave Leut’,
denn wir tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht,
denn wir tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht
und saufen Schnaps, und saufen Schnaps!

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GEDICHTE: Schneeglöckchen, Anonym

Die Sonne sah die Erde an,
es ging ein milder Wind,
und plötzlich stand
Schneeglöckchen da,
das fremde blasse Kind.
Und plötzlich brach mit Pomp
und Braus der alte Winter auf,
die Wolken eilten pfeilgeschwind
Zum dunklen Nord hinauf.

Eisscholle lief, Schneeflocke
schmolz,
die Stürme heulten drein,
Schneeglöckchen stand gesenkten
Haupts in dem Gewühl allein.
Ei komm! Du weißes
Schwesterlein,
wie lange willst du stehn?

Der Winter ruft, das Reich ist aus,
wir müssen nach Hause gehn!
Und was nur rings auf Erden
trägt die weiße Liverei,
das schürze sich, das tummle
sich zur Abfahrt schnell herbei!

Schneeglöckchen sah sich bebend
an und dachte halb im Traum:
Was soll um Winters Liverei der
grüne,
grüne Saum?
Wob ihn wohl um das weiße Kleid
des Winters rauhe Hand?
Wo komm‘ ich her?
wo geh‘ ich hin?
Wo ist mein Vaterland?

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GEDICHTE: Die Grippe und die Menschen, Anonym, 1920

Als Würger zieht im Land herum
Mit Trommel und mit Hippe,
Mit schauerlichem Bum, bum, bumm,
Tief schwarz verhüllt die Grippe.

Sie kehrt in jedem Hause ein
und schneidet volle Garben –
Viel rosenrote Jungfräulein
Und kecke Burschen starben.

Es schrie das Volk in seiner Not
Laut auf zu den Behörden:
„Was wartet Ihr? Schützt uns vorm Tod –
Was soll aus uns noch werden?

Ihr habt die Macht und auch die Pflicht –
Nun zeiget eure Grütze –
Wir raten euch: Jetzt drückt euch nicht.
Zu was seid ihr sonst nütze!

’s ist ein Skandal, wie man es treibt,
Wo bleiben die Verbote –
Man singt und tanzt, juheit und kneipt,
Gibt’s nicht genug schon Tote?“

Die Landesväter rieten hier
Und hin in ihrem Hirne,
Wie dieser Not zu wehren wär‘,
Mir sorgenvoller Stirne;

Und sieh‘, die Mühe ward belohnt,
Ihre Denken ward gesegnet:
Bald hat es, schwer und ungewohnt,
Verbote nur so geregnet.

Die Grippe duckt sich tief und scheu
Und wollte sacht verschwinden –
Da johlte schon das Volk aufs Neu‘
aus hunderttausend Münden:

„Regierung, he! Bist du verrückt –
Was soll das alles heißen?
Was soll der Krimskrams, der uns drückt,
Ihr Weisesten der Weisen?

Sind wir denn bloß zum Steuern da,
Was nehmt ihr jede Freude?
Und just zu Fastnachtszeiten – ha!“
So gröhlt und tobt die Meute.

„Die Kirche mögt verbieten ihr,
Das Singen und das Beten –
Betreffs des andern lassen wir
Jedoch nicht nah uns treten!

Das war es nicht, was wir gewollt,
Gebt frei das Tanzen, Saufen,
Sonst kommt das Volk – hört, wie es grollt,
Stadtwärts in hellen Haufen!“

Die Grippe, die am letzten Loch
Schon pfiff, sie blinzelt leise
Und spricht: „Na, endlich – also doch!“
Und lacht auf häm’sche Weise.

„Ja, ja – sie bleibt doch immer gleich
Die alte Menschensippe!“
Sie reckt empor sich hoch und bleich
Und schärft aufs Neu‘ die Hippe.

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GEDICHTE: Konfessionen, Anonym, 18.Jh.

Ich sage gänzlich ab
Luthero bis ins Grab
Ich lache und verspott‘
Lutheri sein Gebot
Ich hasse mehr und mehr
Der Lutheraner Lehr
Bei mir hat kein Bestand
Was Luther ist verwandt
Wer Lutherisch verstirbt
In Ewigkeit verdirbt

der Römer Lehr und Leben
will ich mich ganz ergeben
die Mess‘ und Ohrenbeicht
ist mir ganz sanft und leicht
all, die das Papsttum lieben
hab‘ ich ins Herz geschrieben
ein‘ römisch Priesterschaft
lob ich mit aller Kraft
das Himmelreich soll erben
wer römisch bleibt im Sterben.

Dieses Gedicht kann man auf drei verschiedene Arten lesen.

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GEDICHTE: Sonett, Charlotte von Ahlefeld

Als mir, von goldner Freiheit noch umfangen,
Des Daseyns Fülle blühend sich erschloss,
Da war’s ein dunkles, heiliges Verlangen,
Das über mich der Sehnsucht Flammen goss.

Da blickt ich froh und kühn in die Gefilde
Der Zukunft hin, von Morgenroth beglänzt;
Das Leben schien in ungetrübter Milde
Von der Natur mir tausendfach umkränzt.

Und doch – von allen Blüthen, die es schmücken,
Von allen Freuden, die das Herz beglücken,
Verdient nur eine, dass man sie beweine.

Es ist das süße, trunkene Entzücken,
Das nur durch Schweigen wagt sich auszudrücken
In stummer Liebe seligem Vereine.

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GEDICHTE: Geduld, Charlotte von Ahlefeld,

Umstarrt vom Eis des Norden
In trüber Einsamkeit,
Ist mir ein Blümchen worden
Das duftend mich erfreut.

Im Thaue bittrer Thränen
Entfaltete es sich,
Und heilte von dem Sehnen
Nach bessrer Zukunft mich.

Tief trag ich es verborgen
In der verschwiegnen Brust.
Da wandelt’s meine Sorgen
In stiller Wehmuth Lust.

Um mein Geschick zu tragen
Gab mir’s des Himmels Huld.
Wie heisst es? wirst Du fragen.
Das Blümchen heißt — Geduld.

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GEDICHTE: Wenn ich ein Vöglein wär, Anonym

Wenn ich ein Vöglein wär
und auch zwei Flügel hätt,
flög ich zu dir.
Weils aber nicht kann sein,
bleib ich allhier.

Bin ich gleich weit von dir,
bin ich doch im Traum bei dir
und red mit dir;
wenn ich erwachen tu,
bin ich allein.

Es vergeht kein‘ Stund in der Nacht,
da nicht mein Herz erwacht
und an dich denkt,
daß du mir viel tausendmal,
dein Herz geschenkt.

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GEDICHTE: Lass rauschen, Anonym

Ich hört ein Sichlein rauschen,
Wohl rauschen durch das Korn,
Ich hört ein Mägdlein klagen,
Sie hätt ihr Lieb verlorn.

Lass rauschen Lieb, lass rauschen,
Ich acht nicht, wie es geht,
Ich tät mein Lieb vertauschen
In Veilchen und im Klee.

Du hast ein Mägdlein worben
In Veilchen und im Klee,
So steh ich hier alleine,
Tut meinem Herzen weh.

Ich hör ein Hirschlein rauschen
Wohl rauschen durch den Wald,
Ich hör mein Lieb sich klagen,
Die Lieb verrauscht so bald.

Lass rauschen, Lieb, lass rauschen,
Ich weiß nicht, wie mir wird,
Die Bächlein immer rauschen,
Und keines sich verirrt.

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GEDICHTE: Der arme Fischer, Charlotte von Ahlefeld,

Wenn des Flusses klare Wellen
Mondbeglänzt vorüber ziehn,
Schau ich trübe nach den hellen
Fenstern ihres Schlosses hin.

Und es zittern bange Schauer
Mir durch Mark und durch Gebein,
Denn in hoffnungsloser Trauer
Muss ich mich der Sehnsucht weihn.

Ach ich kann sie nicht erreichen!–
An der Gluth, die mich zerstört,
Wird mein Leben bald verbleichen,
Ungeliebt und ungehört.

Seit mein Auge sie gesehen,
Ist verwandelt mein Gemüth,
Und ich muss vor ihr vergehen,
Wie ein Frühlingstag verblüht.

Seht, mein leichtes Fahrzeug schwanket
Nicht mehr munter auf der Fluth,
Denn der Fischer ist erkranket
Und erloschen ist sein Muth.

O wie freudig wollt‘ ich sterben,
Könnt‘ ich nur im Tode mir
Einen Blick der Huld erwerben;
Eine Thräne nur von ihr!

Aber ach, auf ihrer Höhe
Ahnet wohl die Stolze nicht,
Dass für sie in stummen Wehe
Bald das Herz des Fischers bricht.

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GEDICHTE: Beim Abschied, Charlotte von Ahlefeld (1781-1849)

Wirst Du in der Ferne mein gedenken,
Wenn die Welt geräuschvoll Dich zerstreut?
Wirst Du oft mir stille Stunden schenken,
Der Erinnrung unsres Glücks geweiht?

Wird kein neues Band mir Dein Vertrauen,
Keines Deine Liebe mir entziehn?
Kann ich ganz auf Deine Treue bauen,
O so nimm mein Herz auf ewig hin!

Immer bleibt es zärtlich Dir ergeben,
Auch wenn nie mein Blick Dich wiedersieht.
Wenn getrennt von Dir mein trübes Leben
Wie ein Seufzerhauch vorüber flieht.

Ach so viele heucheln nur Gefühle
Einer nie gekannten Innigkeit;
Und in dem zerstreuenden Gewühle
Endet schnell der Schwur der Ewigkeit.

Darum will ich nicht Dir Treue schwören,
Aber fest und liebend halt‘ ich sie,
Und die Zukunft soll Dir ewig lehren
Deiner Freundin Herz vergisst Dich nie.

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GEDICHTE: Herr Olaf, Therese Dahn (1845 – 1929), Schriftstellerin

Enchanted Forest

Was gehst Du, Herr Olaf, so ganz allein
In den dunklen Wald bei’m Mondenschein?
Hörtest Du von dem Mädchen nicht,
Das einsam wandelt im Mondenlicht?

Mit weißem Leib und süßem Kuß,
Und wer sie begegnet, sterben muß. –
Der Wald ist tief, die verschlaf’nen Fichten
Flüstern und träumen von alten Geschichten, –
Herr Olaf wandelt mit traurigem Sinn
Auf einsamem Pfad zu den Tannen hin.

Da flüstern im Grunde die Tannen leis‘,
Und es huscht durch die Zweige schneeigweiß;
Herr Olaf lauscht mit süßem Beben
Und sieht heran das Waldkind schweben:
Den Nacken von goldigen Locken umwallt,
Ein Schleier verhüllt die süße Gestalt. –

So steht sie vor ihm, stumm und bleich,
Im Auge meertiefes Himmelreich.
»Und wenn ich verderben und sterben muß!
Ich trinke vom Munde Dir süßen Kuß!«
Herr Olaf rief’s mit heißem Begehren: –
Nie sahen die Menschen ihn wiederkehren.

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GEDICHTE: Ach weh mir unglückhaftem Mann, Felix Dahn (1834 – 1912) – Schriftsteller,

Ach weh mir unglückhaftem Mann,
daß ich Geld und Gut nicht habe,
sonst spannt’ ich gleich vier Schimmel an
und führ’ zu dir im Trabe.

Ich putzte sie mit Schellen aus,
daß du mich hört’st von weitem,
ich steckt’ ein’n großen Rosenstrauß
an meine linke Seiten.

Und käm’ ich an dein kleines Haus,
tät’ ich mit der Peitsche schlagen,
da gucktest du zum Fenster ’naus:
Was willst du? Tät’st du fragen.

Was soll der großen Rosenstrauß,
die Schimmel an dem Wagen?
Dich will ich, rief’ ich, komm heraus!
Da tät’st du nimmer fragen.

Nun, Vater, Mutter, seht sie an
und küßt sie rasch zum Scheiden,
weil ich nicht lange warten kann,
meine Schimmel wolln’s nicht leiden.

Ach weh mir unglückhaftem Mann,
daß ich Geld und Gut nicht hab’.

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GEDICHTE: Nacht, besternte, unter deinen Schleiern, Théodore de Banville

Nacht, besternte, unter deinen
Schleiern, Lüften, deinen Düften
– voller Trauer seufzt die Leier –
träum’ ich längst verfloss’ner Liebe nach.

Tief im Herzen ist erblüht mir
diese Wehmut, bittersüß –
höre meiner Liebsten Seele,
die den Wald, der träumt, durchbebt.

Unter Laubes Schattendache,
wenn allein ich leise seufze,
kehrst erweckte, arme Seele
du zurück im weißen Tuch.

Deinen Blick, ich seh ihn wieder
dort am Quell, blau wie der Himmel
diese Rose ist dein Odem,
deine Augen diese Stern’.

© Bertram Kottmann,
Aus dem Französischen

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GEDICHTE: Der Lenz, Théodore de Banville (1823 – 1891)

Trittst ein mit Lachen ins Jahr!
Der Flieder blüht doldenschwer.
Die Liebenden lieben dich sehr
und lösen ihr fließendes Haar.

Goldglänzender Strahlen Schar
bedrängt alten Efeu sehr.
Trittst ein mit Lachen ins Jahr!
Der Flieder blüht doldenschwer.

Komm, sind wir am Weiher ein Paar,
dass flieht alle Qual und Beschwer!
Dass Hoffnungen kühn und hehr
unser pochendes Herz erfahr.
Trittst ein mit Lachen ins Jahr!

Aus dem Französischen von
© Bertram Kottmann

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GEDICHTE: Lieben wir uns, Théodore de Banville (1823 – 1891) – Französischer Dichter und Schriftsteller

Lieben, lieben wir uns und ruhen,
ohne uns um die übrige Welt zu kümmern.
Solange wir uns lieben, wird
weder die Flut des Meeres noch der Sturm aus den Bergen
deinen blonden Nacken beugen,
denn die Liebe ist stärker
als die Götter und der Tod!

Die Sonne würde sich verfinstern,
auf dass dein Teint noch heller werde,
der Wind, der die Bäume bis zur Erde neigt,
traute sich nicht, im Vorüberwehen
mit deinem Haar zu spielen,
solange du deinen Kopf
in meinen Armen birgst!

Und wenn unsere beiden Herzen
in glückliche Gefilde ziehen,
wo Himmelslilien unter unseren Tränen aufblühen,
dann werden sich, wie zwei Blumen,
unsere Lippen voller Liebe begegnen
und danach trachten,
den Tod in einem Kuss zu verzehren!

Aus dem Französischen von © Bertram Kottmann:

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