Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski… VIII

Aber nicht bloß in Amsterdam haben die Götter sich gütigst bemüht,
mein Vorurteil gegen Blondinen zu zerstören.
Auch im übrigen Holland hatte ich das Glück,
meine früheren Irrtümer zu berichtigen.
Ich will beileibe die Holländerinnen nicht auf Kosten der
Damen anderer Länder hervorstreichen.
Bewahre mich der Himmel vor solchem Unrecht,
welches von meiner Seite zugleich der größte Undank wäre.
Jedes Land hat seine besondere Küche und seine besondere Weiblichkeiten,
und hier ist alles Geschmacksache.
Der eine liebt gebratene Hühner, der andere gebratene Enten;
was mich betrifft, ich liebe gebratene Hühner und gebratene Enten
und noch außerdem gebratene Gänse.
Von hohem idealischen Standpunkte betrachtet,
haben die Weiber überall eine gewisse Ähnlichkeit mit der Küche des Landes.
Sind die britischen Schönen nicht ebenso gesund, nahrhaft, solide, konsistent, kunstlos und doch so vortrefflich wie Altenglands einfach gute Kost:
Roastbeef, Hammelbraten, Pudding in flammendem Kognak,
Gemüse in Wasser gekocht, nebst zwei Saucen,
wovon die eine aus gelassener Butter besteht?
Da lächelt kein Frikassee, da täuscht kein flatterndes Vol-au-vent,
da seufzt kein geistreiches Ragout,
da tändeln nicht jene tausendartig gestopften, gesottenen, aufgehüpften,
gerösteten, durchzückerten, pikanten, deklamatorischen und sentimentalen Gerichte, die wir bei einem französischen Restaurant finden
und die mit den schönen Französinnen selbst die größte Ähnlichkeit bieten!
Merken wir doch nicht selten, daß bei diesen ebenfalls der eigentliche Stoff
nur als Nebensache betrachtet wird,
daß der Braten selber manchmal weniger wert ist als die Sauce,
daß hier Geschmack, Grazie und Eleganz die Hauptsache sind.
Italiens gelbfette, leidenschaftgewürzte, humoristisch garnierte,
aber doch schmachtend idealische Küche trägt ganz den Charakter
der italienischen Schönen.
Oh, wie sehne ich mich manchmal nach den lombardischen Stuffados,
nach den Tagliarinis und Broccolis des holdseligen Toskana!
Alles schwimmt in Öl, träge und zärtlich,
und trillert Rossinis süße Melodien und weint vor Zwiebelduft und Sehnsucht!
Den Makkaroni mußt du aber mit den Fingern essen, und dann heißt er: Beatrice!
Nur gar zu oft denke ich an Italien und am öftersten des Nachts.
Vorgestern träumte mir, ich befände mich in Italien
und sei ein bunter Harlekin und läge recht faulenzerisch unter einer Trauerweide.
Die herabhängenden Zweige dieser Trauerweide waren aber lauter Makkaroni,
die mir lang und lieblich bis ins Maul hineinfielen;
zwischen diesem Laubwerk von Makkaroni flossen statt Sonnenstrahlen
lauter gelbe Butterströme, und endlich fiel von oben herab ein weißer Regen
von geriebenem Parmesankäse.
Ach! von geträumtem Makkaroni wird man nicht satt – Beatrice!
Von der deutschen Küche kein Wort.
Sie hat alle möglichen Tugenden und nur einen einzigen Fehler;
ich sage aber nicht welchen.
Da gibt’s gefühlvolles, jedoch unentschlossenes Backwerk,
verliebte Eierspeisen, tüchtige Dampfnudeln, Gemütssuppe mit Gerste,
Pfannkuchen mit Äpfel und Speck, tagend hake Hausklöße, Sauerkohl –
wohl dem, der es verdauen kann.
Was die holländische Küche betrifft,
so unterscheidet sie sich von letzterer erstens durch die Reinlichkeit,
zweitens durch die eigentliche Leckerkeit.
Besonders ist die Zubereitung der Fische unbeschreibbar liebenswürdig.
Rührend inniger und doch zugleich tiefsinnlicher Sellerieduft.
Selbstbewußte Naivität und Knoblauch.
Tadelhaft jedoch ist es, daß sie Unterhosen von Flanell tragen;
nicht die Fische, sondern die schönen Töchter des meerumspülten Hollands.
Aber zu Leiden, als ich ankam, fand ich das Essen fürchterlich schlecht.
Die Republik Hamburg hatte mich verwöhnt;
ich muß die dortige Küche nachträglich noch einmal loben,
und bei dieser Gelegenheit preise ich noch einmal
Hamburgs schöne Mädchen und Frauen.
Oh, ihr Götter! in den ersten vier Wochen,
wie sehnte ich mich zurück nach den Rauchfleischlichkeiten
und nach den Mockturteltauben Hammonias!
Ich schmachtete an Herz und Magen.
Hätte sich nicht endlich die Frau Wirtin zur Roten Kuh in mich verliebt,
ich wäre vor Sehnsucht gestorben.
Heil dir, Wirtin zur Roten Kuh!

Es war eine untersetzte Frau mit einem sehr großen runden Bauche
und einem sehr kleinen runden Kopfe.
Rote Wängelein, blaue Äugelein; Rosen und Veilchen.
Stundenlang saßen wir beisammen im Garten
und tranken Tee aus echt chinesischen Porzellantassen.
Es war ein schöner Garten, viereckige und dreieckige Beete,
symmetrisch bestreut mit Goldsand,
Zinnober und kleinen blanken Muscheln.
Die Stämme der Bäume hübsch rot und blau angestrichen.
Kupferne Käfige voll Kanarienvögel.
Die kostbarsten Zwiebelgewächse in buntbemalten, glasierten Töpfen.
Der Taxus allerliebst künstlich geschnitten, mancherlei Obelisken,
Pyramiden, Vasen, auch Tiergestalten bildend.
Da stand ein aus Taxus geschnittener grüner Ochs,
welcher mich fast eifersüchtig ansah, wenn ich sie umarmte,
die holde Wirtin zur Roten Kuh.
Heil dir, Wirtin zur Roten Kuh!

Wenn Myfrau den Oberteil des Kopfes mit den friesischen Goldplatten umschildet,
den Bauch mit ihrem buntgeblümten Damastrock eingepanzert
und die Arme mit der weißen Fülle ihrer Brabanter Spitzen
gar kostbar belastet hatte, dann sah sie aus wie eine fabelhafte chinesische Puppe,
wie etwa die Göttin des Porzellans.
Wenn ich alsdann in Begeisterung geriet und sie auf beide Backen laut küßte,
so blieb sie ganz porzellanig steif stehen und seufzte ganz porzellanig: »Mynheer!« Alle Tulpen des Gartens schienen dann mitgerührt und mitbewegt zu sein
und schienen mitzuseufzen: »Mynheer!«
Dieses delikate Verhältnis schaffte mir manchen delikaten Bissen.
Denn jede solche Liebesszene influenzierte auf den Inhalt der Eßkörbe,
welche mir die vortreffliche Wirtin alle Tage ins Haus schickte.
Meine Tischgenossen, sechs andere Studenten, die auf meiner Stube mit mir aßen,
konnten an de Zubereitung des Kalbsbratens oder des Ochsenfilets jedesmal schmecken, wie sehr sie mich liebte, die Frau Wirtin zur Roten Kuh.
Wenn das Essen einmal schlecht war, mußte ich viele demütigende Spötteleien ertragen,
und es hieß dann: »Seht, wie der Schnabelewopski miserabel aussieht,
wie gelb und runzlicht sein Gesicht, wie katzenjämmerlich seine Augen,
als wollte er sie sich aus dem Kopfe herauskotzen, es ist kein Wunder,
daß unsere Wirtin seiner überdrüssig wird und uns jetzt schlechtes Essen schickt.«
Oder man sagte auch: »Um Gottes willen, der Schnabelewopski wird täglich schwächer
und matter und verliert am Ende ganz die Gunst unserer Wirtin,
und wir kriegen dann immer schlechtes Essen wie heut –
wir müssen ihn tüchtig füttern, damit er wieder ein feuriges Äußere gewinnt.«
Und dann stopften sie mir just die allerschlechtesten Stücke ins Maul
und nötigten mich, übergebührlich viel Sellerie zu essen.
Gab es aber magere Küche mehrere Tage hintereinander,
dann wurde ich mit den ernsthaftesten Bitten bestürmt,
für besseres Essen zu sorgen, das Herz unserer Wirtin aufs neue zu entflammen,
meine Zärtlichkeit für sie zu erhöhen, kurz, mich fürs allgemeine Wohl aufzuopfern.
In langen Reden wurde mir dann vorgestellt, wie edel, wie herrlich es sei,
wenn jemand für das Heil seiner Mitbürger sich heroisch resigniert,
gleich dem Regulus, welcher sich in eine alte vernagelte Tonne stecken ließ,
oder auch gleich dem Theseus,
welcher sich in die Höhle des Minotaurs freiwillig begeben hat –
und dann wurde der Livius zitiert und der Plutarch usw.
Auch sollte ich bildlich zur Nacheiferung gereizt werden,
indem man jene Großtaten auf die Wand zeichnete, und zwar mit grotesken Anspielungen;
denn der Minotaur sah aus wie die rote Kuh auf dem wohlbekannten Wirtshausschilde,
und die karthaginiensische vernagelte Tonne sah aus wie meine Wirtin selbst.
Überhaupt hatten jene undankbaren Menschen die äußere Gestalt
der vortrefflichen Frau zur beständigen Zielscheibe ihres Witzes gewählt.
Sie pflegten gewöhnlich ihre Figur aus Äpfeln zusammenzusetzen
oder aus Brotkrumen zu kneten. Sie nahmen dann ein kleines Äpfelchen,
welches der Kopf sein sollte, setzten dieses auf einen ganz großen Apfel,
welcher den Bauch vorstellte, und dieser stand wieder auf zwei Zahnstochern,
welche sich für Beine ausgaben.
Sie formten auch wohl aus Brotkrumen das Bild unserer Wirtin
und kneteten dann ein ganz winziges Püppchen,
welches mich selber vorstellen sollte,
und dieses setzten sie dann auf die große Figur
und rissen dabei die schlechtesten Vergleiche.
Z. B. der eine bemerkte, die kleine Figur sei Hannibal,
welcher über die Alpen steigt.
Ein anderer meinte hingegen, es sei Marius,
welcher auf den Ruinen von Karthago sitzt.
Dem sei nun, wie ihm wolle, wäre ich nicht manchmal über die Alpen gestiegen
oder hätte ich mich nicht manchmal auch die Ruinen von Karthago gesetzt,
so würden meine Tischgenossen beständig schlechtes Essen bekommen haben.

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Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski… VII

Die Fabel von dem Fliegenden Holländer ist euch
gewiß bekannt. Es ist die Geschichte von dem verwünschten Schiffe,
das nie in den Hafen gelangen kann
und jetzt schon seit undenklicher Zeit auf dem Meere herumfährt.
Begegnet es einem anderen Fahrzeuge,
so kommen einige von der unheimlichen Mannschaft
in einem Boote herangefahren und bitten,
ein Paket Briefe gefälligst mitzunehmen.
Diese Briefe muß man an den Mastbaum festnageln,
sonst widerfährt dem Schiffe ein Unglück,
besonders wenn keine Bibel an Bord
oder kein Hufeisen am Fockmaste befindlich ist.
Die Briefe sind immer an Menschen adressiert,
die man gar nicht kennt oder die längst verstorben,
so daß zuweilen der späte Enkel einen Liebesbrief in Empfang nimmt,
der an seine Urgroßmutter gerichtet ist,
die schon seit hundert Jahr im Grabe liegt.
Jenes hölzerne Gespenst, jenes grauenhafte
Schiff führt seinen Namen von seinem Kapitän, einem Holländer,
der einst bei allen Teufeln geschworen,
daß er irgendein Vorgebirge, dessen Namen mir entfallen,
trotz des heftigsten Sturms, der eben wehte, umschiffen wolle,
und sollte er auch bis zum Jüngsten Tage segeln müssen.
Der Teufel hat ihn beim Wort gefaßt,
er muß bis zum Jüngsten Tage auf dem Meere herumirren,
es sei denn, daß er durch die Treue eines Weibes erlöst werde.
Der Teufel, dumm wie er ist, glaubt nicht an Weibertreue
und erlaubte daher dem verwünschten Kapitän,
alle sieben Jahr einmal ans Land zu steigen und zu heuraten
und bei dieser Gelegenheit seine Erlösung zu betreiben.
Armer Holländer! Er ist oft froh genug,
von der Ehe selbst wieder erlöst und seine Erlöserin loszuwerden,
und er begibt sich dann wieder an Bord.
Auf diese Fabel gründete sich das Stück, das ich im Theater zu Amsterdam gesehen.
Es sind wieder sieben Jahr verflossen,
der arme Holländer ist des endlosen Umherirrens müder als jemals,
steigt ans Land, schließt Freundschaft mit einem schottischen Kaufmann,
dem er begegnet, verkauft ihm Diamanten zu spottwohlfeilem Preise,
und wie er hört, daß sein Kunde eine schöne Tochter besitzt,
verlangt er sie zur Gemahlin. Auch dieser Handel wird abgeschlossen.
Nun sehen wir das Haus des Schotten,
das Mädchen erwartet den Bräutigam zagen Herzens.
Sie schaut oft mit Wehmut nach einem großen verwitterten Gemälde,
welches in der Stube hängt und einen schönen Mann
in spanisch-niederländischer Tracht darstellt;
es ist ein altes Erbstück, und nach der Aussage der Großmutter
ist es ein getreues Konterfei des Fliegenden Holländers,
wie man ihn vor hundert Jahr in Schottland gesehen,
zur Zeit König Wilhelms von Oranien.
Auch ist mit diesem Gemälde eine überlieferte Warnung verknüpft,
daß die Frauen der Familie sich vor dem Originale hüten sollten.
Eben deshalb hat das Mädchen von Kind auf sich die Züge
des gefährlichen Mannes ins Herz geprägt.
Wenn nun der wirkliche Fliegende Holländer leibhaftig hereintritt,
erschrickt das Mädchen; aber nicht aus Furcht.
Auch jener ist betroffen bei dem Anblick des Porträts.
Als man ihm bedeutet, wen es vorstelle, weiß er jedoch jeden Argwohn
von sich fernzuhalten; er lacht über den Aberglauben,
er spöttelt selber über den Fliegenden Holländer,
den Ewigen Juden des Ozeans; jedoch unwillkürlich
in einen wehmütigen Ton übergehend, schildert er,
wie Mynheer auf der unermeßlichen Wasserwüste
die unerhörtesten Leiden erdulden müsse,
wie sein Leib nichts anderes sei als ein Sarg von Fleisch,
worin seine Seele sich langweilt,
wie das Leben ihn von sich stößt und auch der Tod ihn abweist:
gleich einer leeren Tonne, die sich die Wellen einander zuwerfen
und sich spottend einander zurückwerfen,
so werde der arme Holländer zwischen Tod und Leben hin und her geschleudert,
keins von beiden wolle ihn behalten;
sein Schmerz sei tief wie das Meer, worauf er herumschwimmt,
sein Schiff sei ohne Anker und sein Herz ohne Hoffnung.
Ich glaube, dieses waren ungefähr die Worte,
womit der Bräutigam schließt. Die Braut betrachtet ihn ernsthaft
und wirft manchmal Seitenblicke nach seinem Konterfei.
Es ist, als ob sie sein Geheimnis erraten habe,
und wenn er nachher fragt: »Katharina, willst du mir treu sein?«,
antwortet sie entschlossen: »Treu bis in den Tod.«
Bei dieser Stelle, erinnere ich mich, hörte ich lachen,
und dieses Lachen kam nicht von unten, aus der Hölle,
sondern von oben, vom Paradiese. Als ich hinaufschaute,
erblickte ich eine wunderschöne Eva,
die mich mit ihren großen blauen Augen verführerisch ansah.
Ihr Arm hing über der Galerie herab, und in der Hand hielt sie einen Apfel
oder vielmehr eine Apfelsine.
Statt mir aber symbolisch die Hälfte anzubieten,
warf sie mir bloß metaphorisch die Schalen auf den Kopf.
War es Absicht oder Zufall? Das wollte ich wissen.
Ich war aber, als ich ins Paradies hinaufstieg,
um die Bekanntschaft fortzusetzen, nicht wenig befremdet,
ein weißes sanftes Mädchen zu finden, eine überaus weiblich weiche Gestalt,
nicht schmächtig, aber doch kristallig zart,
ein Bild häuslicher Zucht und beglückender Holdseligkeit.
Nur um die linke Oberlippe zog sich etwas oder vielmehr ringelte sich etwas
wie das Schwänzchen einer fortschlüpfenden Eidechse.
Es war ein geheimnisvoller Zug, wie man ihn just nicht bei den reinen Engeln,
aber auch nicht bei häßlichen Teufeln zu finden pflegt.
Dieser Zug bedeutete weder das Gute noch das Böse,
sondern bloß ein schlimmes Wissen; es ist ein Lächeln,
welches vergiftet worden von jenem Apfel der Erkenntnis,
den der Mund genossen.
Wenn ich diesen Zug auf weichen vollrosigen Mädchenlippen sehe,
dann fühl ich in den eigenen Lippen ein krampfhaftes Zucken,
ein zuckendes Verlangen, jene Lippen zu küssen;
es ist Wahlverwandtschaft.
Ich flüsterte daher dem schönen Mädchen ins Ohr:
»Juffrouw! ich will deinen Mund küssen.«
»Bei Gott, Mynheer, das ist ein guter Gedanke!« war die Antwort,
die hastig und mit entzückendem Wohllaut aus dem Herzen hervorklang.
Aber nein – die ganze Geschichte, die ich hier zu erzählen dachte
und wozu der Fliegende Holländer nur als Rahmen dienen sollte,
will ich jetzt unterdrücken. Ich räche mich dadurch an den Prüden,
die dergleichen Geschichten mit Wonne einschlürfen und
bis an den Nabel, ja noch tiefer, davon entzückt sind
und nachher den Erzähler schelten und in Gesellschaft
über ihn die Nase rümpfen und ihn als unmoralisch verschreien.
Es ist eine gute Geschichte, köstlich wie eingemachte Ananas
oder wie frischer Kaviar oder wie Trüffel in Burgunder,
und wäre eine angenehme Lektüre nach der Betstunde; aber aus Ranküne,
zur Strafe für frühere Unbill, will ich sie unterdrücken.
Ich mache daher hier einen langen Gedankenstrich –
Dieser Strich bedeutet ein schwarzes Sofa,
und darauf passierte die Geschichte, die ich nicht erzähle.
Der Unschuldige muß mit dem Schuldigen leiden,
und manche gute Seele schaut mich jetzt an mit einem bittenden Blick.
Je nun, diesen Besseren will ich im Vertrauen gestehn,
daß ich noch nie so wild geküßt worden wie von jener holländischen Blondine
und daß diese das Vorurteil, welches ich bisher gegen blonde Haare
und blaue Augen hegte, aufs siegreichste zerstört hat.
Jetzt erst begriff ich, warum ein englischer Dichter
solche Damen mit gefrorenem Champagner verglichen hat.
In der eisigen Hülle lauert der heißeste Extrakt.
Es gibt nichts Pikanteres als der Kontrast
jener äußeren Kälte und der inneren Glut,
die bacchantisch emporlodert
und den glücklichen Zecher unwiderstehlich berauscht.
Ja, weit mehr als in Brünetten zehrt der Sinnenbrand
in manchen scheinstillen Heiligenbildern mit goldenem Glorienhaar
und blauen Himmelsaugen und frommen Lilienhänden.
Ich weiß eine Blondine aus einem der besten niederländischen Häuser,
die zuweilen ihr schönes Schloß am Zuidersee verließ
und inkognito nach Amsterdam und dort ins Theater ging,
jedem, der ihr gefiel, Apfelsinenschalen auf den Kopf warf,
zuweilen gar in Matrosenherbergen die wüsten Nächte zubrachte,
eine holländische Messaline.
— Als ich ins Theater noch einmal zurückkehrte,
kam ich eben zur letzten Szene des Stücks,
wo auf einer hohen Meerklippe das Weib des Fliegenden Holländers,
die Frau Fliegende Holländerin, verzweiflungsvoll die Hände ringt,
während auf dem Meere, auf dem Verdeck seines unheimlichen Schiffes,
ihr unglücklicher Gemahl zu schauen ist.
Er liebt sie und will sie verlassen,
um sie nicht ins Verderben zu ziehen,
und er gesteht ihr sein grauenhaftes Schicksal
und den schrecklichen Fluch, der auf ihm lastet.
Sie aber ruft mit lauter Stimme:
»Ich war dir treu bis zu dieser Stunde,
und ich weiß ein sicheres Mittel,
wodurch ich dir meine Treue erhalte bis in den Tod!«
Bei diesen Worten stürzt sich das treue Weib ins Meer,
und nun ist auch die Verwünschung des Fliegenden Holländers zu Ende,
er ist erlöst, und wir sehen,
wie das gespenstische Schiff in den Abgrund des Meeres versinkt.
Die Moral des Stückes ist für die Frauen,
daß sie sich in acht nehmen müssen, keinen Fliegenden Holländer zu heuraten;
und wir Männer ersehen aus diesem Stücke, wie wir durch die Weiber,
im günstigsten Falle, zugrunde gehn.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Das Beste für dich
ist nicht immer das Beste,
vor allem,
wenn andere es für dich wollen.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Ausdauer wird meistens später belohnt als früher,
und manchmal gar nicht.

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Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski… VI

Es war aber ein gar lieblicher Frühlingstag,
als ich zum erstenmal die Stadt Hamburg verlassen.
Noch sehe ich, wie im Hafen die goldnen Sonnenlichter
auf die beteerten Schiffsbäuche spielen, und ich höre noch
das heitre langhingesungene Hoiho! der Matrosen.
So ein Hafen im Frühling hat überdies die freundlichste
Ähnlichkeit mit dem Gemüt eines Jünglings,
der zum erstenmal in die Welt geht,
sich zum erstenmal auf die hohe See des Lebens hinauswagt –
noch sind alle seine Gedanken buntbewimpelt,
Übermut schwellt alle Segel seiner Wünsche, hoiho! –
aber bald erheben sich die Stürme, der Horizont verdüstert sich,
die Windsbraut heult, die Planken krachen, die Wellen zerbrechen das Steuer,
und das arme Schiff zerschellt an romantischen Klippen
oder strandet auf seichtprosaischem Sand –
oder vielleicht morsch und gebrochen, mit gekapptem Mast,
ohne ein einziges Anker der Hoffnung,
gelangt es wieder heim in den alten Hafen und vermodert dort,
abgetakelt kläglich, als ein elendes Wrack!
Aber es gibt auch Menschen,
die nicht mit gewöhnlichen Schiffen verglichen werden dürfen,
sondern mit Dampfschiffen. Diese tragen ein dunkles Feuer in der Brust,
und sie fahren gegen Wind und Wetter –
ihre Rauchflagge flattert wie der schwarze Federbusch des nächtlichen Reuters,
ihre Zackenräder sind wie kolossale Pfundsporen,
womit sie das Meer in die Wellenrippen stacheln,
und das widerspenstig schäumende Element muß ihrem Willen gehorchen, wie ein Roß –
aber sehr oft platzt der Kessel, und der innere Brand verzehrt uns.
Doch ich will mich aus der Metapher wieder herausziehn
und auf ein wirkliches Schiff setzen,
welches von Hamburg nach Amsterdam fährt.
Es war ein schwedisches Fahrzeug,
hatte außer den Helden dieser Blätter auch Eisenbarren geladen
und sollte wahrscheinlich als Rückfracht
eine Ladung Stockfische nach Hamburg oder Eulen nach Athen bringen.
Die Ufergegenden der Elbe sind wunderlieblich.
Besonders hinter Altona, bei Rainville.
Unfern liegt Klopstock begraben.
Ich kenne keine Gegend, wo ein toter Dichter so gut begraben liegen kann wie dort.
Als lebendiger Dichter dort zu leben ist schon weit schwerer.
Wie oft hab ich dein Grab besucht, Sänger des Messias,
der du so rührend wahr die Leiden Jesu besungen!
Du hast aber auch lang genug
auf der Königstraße hinter dem Jungfernsteg gewohnt,
um zu wissen, wie Propheten gekreuzigt werden.
Den zweiten Tag gelangten wir nach Kuxhaven,
welches eine hamburgische Kolonie.
Die Einwohner sind Untertanen der Republik und haben es sehr gut.
Wenn sie im Winter frieren, werden ihnen aus Hamburg wollene Decken geschickt,
und in allzu heißen Sommertagen schickt man ihnen auch Limonade.
Als Prokonsul residiert dort ein hoch- oder wohlweiser Senator.
Er hat jährlich ein Einkommen von 20000 Mark und regiert über 5000 Seelen.
Es ist dort auch ein Seebad, welches vor anderen Seebädern den Vorteil bietet,
daß es zu gleicher Zeit ein Elbbad ist.
Ein großer Damm, worauf man spazierengehn kann, führt nach Ritzebüttel,
welches ebenfalls zu Kuxhaven gehört.
Das Wort kommt aus dem Phönizischen
die Worte »Ritze« und »Büttel« heißen auf phönizisch: Mündung der Elbe.
Manche Historiker behaupten, Karl der Große habe Hamburg nur erweitert,
die Phönizier aber hätten Hamburg und Altona gegründet,
und zwar zu derselben Zeit, als Sodom und Gomorrha zugrunde gingen.
Vielleicht haben sich Flüchtlinge aus diesen Städten
nach der Mündung der Elbe gerettet.
Man hat zwischen der Fuhlentwiete und der Kaffemacherei
einige alte Münzen ausgegraben,
die noch unter der Regierung von Bera XVI. und Birsa X. geschlagen worden.
Nach meiner Meinung ist Hamburg das alte Tharsis,
woher Salomo ganze Schiffsladungen voll Gold, Silber,
Elfenbein, Pfauen und Affen erhalten hat.
Salomo, nämlich der König von Juda und Israel,
hatte immer eine besondere Liebhaberei für Gold und Affen.
Unvergeßlich bleibt mir diese erste Seereise.
Meine alte Großmuhme hatte mir so viele Wassermärchen erzählt,
die jetzt alle wieder in meinem Gedächtnis aufblühten.
Ich konnte ganze Stunden lang auf dem Verdecke sitzen
und an die alten Geschichten denken, und wenn die Wellen murmelten,
glaubte ich die Großmuhme sprechen zu hören.
Wenn ich die Augen schloß, dann sah ich sie wieder leibhaftig vor mir sitzen
mit dem einzigen Zahn in dem Munde, und hastig bewegte sie wieder die Lippen
und erzählte die Geschichte vom Fliegenden Holländer.
Ich hätte gern die Meernixen gesehen, die auf weißen Klippen sitzen
und ihr grünes Haar kämmen; aber ich konnte sie nur singen hören.
Wie angestrengt ich auch manchmal in die klare See hinabschaute,
so konnte ich doch nicht die versunkenen Städte sehen,
worin die Menschen, in allerlei Fischgestalten verwünscht,
ein tiefes, wundertiefes Wasserleben führen.
Es heißt, die Lachse und alte Rochen sitzen dort, wie Damen geputzt,
am Fenster und fächern sich und gucken hinab auf die Straße,
wo Schellfische in Ratsherrentracht vorbeischwimmen,
wo junge Modeheringe nach ihnen hinauflorgnieren und wo Krabben, Hummer
sonstig niedriges Krebsvolk umherwimmelt.
Ich habe aber nicht so tief hinabsehen können,
und nur die Glocken hörte ich unten läuten.
In der Nacht sah ich mal ein großes Schiff
mit ausgespannten blutroten Segeln vorbeifahren,
daß es aussah wie ein dunkler Riese in einem weiten Scharlachmantel.
War das der Fliegende Holländer?
In Amsterdam aber, wo ich bald darauf anlangte,
sah ich ihn leibhaftig selbst, den graunhaften Mynheer, und zwar auf der Bühne.
Bei dieser Gelegenheit, im Theater zu Amsterdam,
lernte ich auch eine von jenen Nixen kennen,
die ich auf dem Meere selbst vergeblich gesucht.
Ich will ihr, weil sie gar zu lieblich war, ein besonderes Kapitel weihen.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Auch eigene Werke kann man noch verbessern.

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Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski… V

Während ich das vorige Kapitel hinschrieb,
dacht ich unwillkürlich an ganz etwas anders.
Ein altes Lied summte mir beständig im Gedächtnis,
und Bilder und Gedanken verwirrten sich aufs unleidlichste;
ich mag wollen oder nicht, ich muß von jenem Liede sprechen.
Vielleicht auch gehört es hierher, und es drängt sich mit Recht
in mein Geschreibsel hinein. Ja, ich fange jetzt sogar an, es zu verstehen,
und ich verstehe jetzt auch den verdüsterten Ton,
womit der Claas Hinrichson es sang;
er war ein Jütländer und diente bei uns als Pferdeknecht.
Er sang es noch den Abend vorher, ehe er sich in unserem Stall erhenkte.
Bei dem Refrain »Schau dich um, Herr Vonved!«
lachte er manchmal gar bitterlich;
die Pferde wieherten dabei sehr angstvoll,
und der Hofhund bellte, als stürbe jemand.
Es ist das altdänische Lied von dem Herrn Vonved,
der in die Welt ausreitet und sich so lange darin herumschlägt,
bis man seine Fragen beantwortet, und der endlich,
wenn alle seine Rätsel gelöst sind, gar verdrießlich nach Hause reitet.
Die Harfe klingt von Anfang bis zu Ende.
Was sang er im Anfang? was sang er am Ende?
Ich hab oft drüber nachgedacht.
Claas Hinrichsons Stimme war manchmal tränenweich,
wenn er das Lied anfing, und wurde allmählich rauh
und grollend wie das Meer, wenn ein Sturm heranzieht.
Es beginnt:

Herr Vonved sitzt im Kämmerlein,
Er schlägt die Goldharf’ an so rein,
Er schlägt die Goldharf’ unterm Kleid,
Da kommt seine Mutter gegangen herein.
Schau dich um, Herr Vonved!

Das war seine Mutter Adelin, die Königin,
die spricht zu ihm: Mein junger Sohn,
laß andere die Harfe spielen, gürt um das Schwert,
besteige dein Roß, reit aus, versuche deinen Mut,
kämpfe und ringe, schau dich um in der Welt,
schau dich um, Herr Vonved.

Und Herr Vonved bindet sein Schwert an die Seite,
Ihn lüstet, mit Kämpfern zu streiten;
So wunderlich ist seine Fahrt:
Gar keinen Mann er drauf gewahrt.
Schau dich um, Herr Vonved!

Sein Helm war blinkend,
Sein Sporn war klingend,
Sein Roß war springend,
Selbst war der Herr so schwingend.
Schau dich um, Herr Vonved!
Ritt einen Tag, ritt drei darnach,
Doch nimmer eine Stadt er sah;
»Eia«, sagte der junge Mann,
»Ist keine Stadt in diesem Land?«
Schau dich um, Herr Vonved!

Er ritt wohl auf dem Weg dahin,
Herr Thule Vang begegnet’ ihm;
Herr Thule mit seinen zwölf Söhnen zumal,
Die waren gute Ritter all.
Schau dich um, Herr Vonved!

»Mein jüngster Sohn, hör du mein Wort:
Den Harnisch tausch mit mir sofort,
Unter uns tauschen wir das Panzerkleid,
Eh’ wir schlagen diesen Helden frei.«
Schau dich um, Herr Vonved!

Herr Vonved reißt sein Schwert von der Seite,
Es lüstet ihn, mit Kämpfern zu streiten:
Erst schlägt er den Herren Thule selbst,
Darnach all seine Söhne zwölf.
Schau dich um, Herr Vonved!

Herr Vonved bindet sein Schwert an die Seite,
es lüstet ihn, weiter auszureiten.
Da kommt er zu dem Weidmann
und verlangt von ihm die Hälfte seiner Jagdheute;
der aber will nicht teilen und muß mit ihm
kämpfen und wird erschlagen.

Und Herr Vonved bindet sein Schwert an die Seite,
Ihn lüstet, weiter auszureiten;
Zum großen Berge der Held hinreit’t,
Sieht, wie der Hirte das Vieh da treibt.
Schau dich um, Herr Vonved!

»Und hör du, Hirte, sag du mir:
Wes ist das Vieh, das du treibst vor dir?
Und was ist runder als ein Rad?
Wo wird getrunken fröhliche Weihnacht?«
Schau dich um, Herr Vonved!

»Sag: wo steht der Fisch in der Flut?
Und wo ist der rote Vogel gut?
Wo mischet man den besten Wein?
Wo trinkt Vidrich mit den Kämpfern sein?«
Schau dich um, Herr Vonved!

Da saß der Hirt, so still sein Mund,
Davon er gar nichts sagen kunnt.
Er schlug nach ihm mit der Zunge,
Da fiel heraus Leber und Lunge.
Schau dich um, Herr Vonved!

Und er kommt zu einer anderen Herde,
und da sitzt wieder ein Hirt, an den er seine Fragen richtet.
Dieser aber gibt ihm Bescheid,
und Herr Vonved nimmt einen Goldring
und steckt ihn dem Hirten an den Arm.
Dann reitet er weiter und kommt zu Tyge Nold
und erschlägt ihn mitsamt seinen zwölf Söhnen.

Und wieder
Er warf herum sein Pferd,
Herr Vonved, der junge Edelherr;
Er tät über Berg und Tale dringen,
Doch konnt er niemand zur Rede bringen.
Schau dich um, Herr Vonved!

So kam er zu der dritten Schar.
Da saß ein Hirt mit silbernem Haar:
»Hör du, guter Hirte mit deiner Herd’,
Du gibst mir gewißlich Antwort wert.«
Schau dich um, Herr Vonved!

»Was ist runder als ein Rad?
Wo wird getrunken die beste Weihnacht?
Wo geht die Sonne zu ihrem Sitz?
Und wo ruhn eines toten Mannes Füß’?«
Schau dich um, Herr Vonved!

»Was füllet aus alle Tale?
Was kleidet am besten im Königssaale?
Was ruft lauter, als der Kranich kann?
Und was ist weißer als ein Schwan?«
Schau dich um, Herr Vonved!

»Wer trägt den Bart auf seinem Rück’?
Wer trägt die Nas’ unter seinem Kinn?
Als ein Riegel, was ist schwärzer noch mehr?
Und was ist rascher als ein Reh?«
Schau dich um, Herr Vonved!

»Wo ist die allerbreiteste Brück’?
Was ist am meisten zuwider der Menschen Blick?
Wo wird gefunden der höchste Gang?
Wo wird getrunken der kälteste Trank?«
Schau dich um, Herr Vonved!

»Die Sonn’ ist runder als ein Rad,
Im Himmel begeht man die fröhliche Weihnacht,
Gen Westen geht die Sonne zu ihrem Sitz.
Gen Osten ruhn eines toten Mannes Füß’.«
Schau dich um, Herr Vonved!

»Der Schnee füllt aus alle Tale,
Am herrlichsten kleidet der Mut im Saale,
Der Donner ruft lauter, als der Kranich kann,
Und Engel sind weißer als der Schwan.«
Schau dich um, Herr Vonved!

»Der Kiebitz trägt den Bart in dem Nacken sein,
Der Bär hat die Nas’ unterm Kinn allein,
Die Sünde schwärzer ist als ein Riegel noch mehr
Und der Gedanke rascher als ein Reh.«
Schau dich um, Herr Vonved!

»Das Eis macht die allerbreiteste Brück’,
Die Kröt’ ist am meisten zuwider des Menschen Blick,
Zum Paradies geht der höchste Gang,
Da unten, da trinkt man den kältesten Trank.«
Schau dich um, Herr Vonved!

»Weisen Spruch und Rat hast du nun hier,
So wie ich ihn habe gegeben dir.«
»Nun hab ich so gutes Vertrauen auf dich,
Viel Kämpfer zu finden bescheidest du mich.«
Schau dich um, Herr Vonved!

»Ich weis dich zu der Sonderburg,
Da trinken die Helden den Met ohne Sorg’,
Dort findest du viel Kämpfer und Rittersleut’,
Die können viel gut sich wehren im Streit.«
Schau dich um, Herr Vonved!

Er zog einen Goldring von der Hand,
Der wog wohl fünfzehn goldne Pfund;
Den tät er dem alten Hirten reichen,
Weil er ihm durft die Helden anzeigen.
Schau dich um, Herr Vonved!

Und er reitet ein in die Burg,
und er erschlägt
zuerst den Randulf, hernach den Strandulf.

Er schlug den starken Ege Under,
Er schlug den Ege Karl, seinen Bruder,
So schlug er in die Kreuz und Quer,
Er schlug die Feinde vor sich her.
Schau dich um, Herr Vonved!

Herr Vonved steckt sein Schwert in die Scheide,
Er denkt noch weiter fort zu reiten.
Er findet da in der wilden Mark
Einen Kämpfer, und der war viel stark.
Schau dich um, Herr Vonved!

»Sag mir, du edler Ritter gut,
Wo steht der Fisch in der Flut?
Wo wird geschenkt der beste Wein?
Und wo trinkt Vidrich mit den Kämpfern sein?«
Schau dich um, Herr Vonved!

»In Osten steht der Fisch in der Flut,
In Norden wird getrunken der Wein so gut,
In Halland findst du Vidrich daheim
Mit Kämpfern und vielen Gesellen sein.«
Schau dich um, Herr Vonved!

Von der Brust Vonved einen Goldring nahm,
Den steckt er dem Kämpfer an seinen Arm:
»Sag, du wärst der letzte Mann,
Der Gold vom Herrn Vonved gewann.«
Schau dich um, Herr Vonved!

Herr Vonved vor die hohe Zinne tät reiten,
Bat die Wächter, ihn hineinzuleiten;
Als aber keiner heraus zu ihm ging,
Da sprang er über die Mauer dahin.
Schau dich um, Herr Vonved!

Sein Roß an einen Strick er band,
Darauf er sich zur Burgstube gewandt;
Er setzte sich oben an die Tafel sofort,
Dazu sprach er kein einziges Wort.
Schau dich um, Herr Vonved!

Er aß, er trank, nahm Speise sich,
Den König fragt’ er darum nicht;
»Gar nimmer bin ich ausgefahren,
Wo soviel verfluchte Zungen waren.«
Schau dich um, Herr Vonved!

Der König sprach zu den Kämpfern sein:
»Der tolle Gesell muß gebunden sein
Bindet ihr den fremden Gast nicht fest,
So dienet ihr mir nicht aufs best’.«
Schau dich um, Herr Vonved!

»Nimm du fünf, nimm du zwanzig auch dazu
Und komm zum Spiel du selbst herzu:
Ein Hurensohn, so nenn ich dich,
Außer, du bindest mich.«
Schau dich um, Herr Vonved!

»König Esmer, mein lieber Vater,
Und stolz Adelin, meine Mutter,
Haben mir gegeben das strenge Verbot,
Mit ‘nem Schalk nicht zu verzehren mein Gold.«
Schau dich um, Herr Vonved!

»War Esmer, der König, dein Vater,
Und Frau Adelin deine liebe Mutter,
So bist du Herr Vonved, ein Kämpfer schön,
Dazu meiner liebsten Schwester Sohn.«
Schau dich um, Herr Vonved!

»Herr Vonved, willst du bleiben bei mir,
Beides, Ruhm und Ehre, soll werden dir,
Und willst du zu Land ausfahren,
Meine Ritter sollen dich bewahren.«
Schau dich um, Herr Vonved!

»Mein Gold soll werden für dich gespart,
Wenn du willst halten deine Heimfahrt.«
Doch das zu tun lüstet ihn nicht,
Er wollt fahren zu seiner Mutter zurück
Schau dich um, Herr Vonved!

Herr Vonved ritt auf dem Weg dahin,
Er war so gram in seinem Sinn;
Und als er zur Burg geritten kam,
Da standen zwölf Zauberweiber daran.
Schau dich um, Herr Vonved!

Standen mit Rocken und Spindeln vor ihm,
Schlugen ihn übers weiße Schienbein hin;
Herr Vonved mit seinem Roß herumdringt,
Die zwölf Zauberweiber schlägt er in einen Ring.
Schau dich um, Herr Vonved!

Schlägt die Zauberweiber, die stehen da,
Sie finden bei ihm so kleinen Rat.
Seine Mutter genießt dasselbe Glück,
Er haut sie in fünftausend Stück’.
Schau dich um, Herr Vonved!

So geht er in den Saal hinein,
Er ißt, und trinkt den klaren Wein,
Dann schlägt er die Goldharfe so lang,
Daß springen entzwei alle die Strang’.
Schau dich um, Herr Vonved!

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Klage nicht über zu wenig Zeit.
Überlege, wieviel Zeit von Dir nicht genutzt wird.

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Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski… IV

Für Leser, denen die Stadt Hamburg nicht bekannt ist –
und es gibt deren vielleicht in China und Oberbayern -,
für diese muß ich bemerken,
daß der schönste Spaziergang der Söhne und Töchter Hammonias
den rechtmäßigen Namen Jungfernsteg führt,
daß er aus einer Lindenallee besteht,
die auf der einen Seite von einer Reihe Häuser,
auf der anderen Seite von dem großen Alsterbassin begrenzt wird;
und daß vor letzterem, ins Wasser hineingebaut,
zwei zeltartige lustige Kaffeehäuslein stehen, die man Pavillons nennt.
Besonders vor dem einen, dem sogenannten Schweizerpavillon, läßt sich gut sitzen, wenn es Sommer ist und die Nachmittagssonne nicht zu wild glüht,
sondern nur heiter lächelt und mit ihrem Glanze die Linden,
die Häuser, die Menschen, die Alster und die Schwäne,
die sich darauf wiegen, fast märchenhaft lieblich übergießt.
Da läßt sich gut sitzen, und da saß ich gut gar manchen Sommernachmittag
und dachte, was ein junger Mensch zu denken pflegt, nämlich gar nichts,
und betrachtete, was ein junger Mensch zu betrachten pflegt,
nämlich die jungen Mädchen, die vorübergingen –
und da flatterten sie vorüber, jene holden Wesen
mit ihren geflügelten Häubchen und ihren verdeckten Körbchen,
worin nichts enthalten ist –
da trippelten sie dahin, die bunten Vierlanderinnen,
die ganz Hamburg mit Erdbeeren und eigener Milch versehen
und deren Röcke noch immer viel zu lang sind –
da stolzierten die schönen Kaufmannstöchter,
mit deren Liebe man auch soviel bares Geld bekömmt –
da hüpft eine Amme, auf den Armen ein rosiges Knäbchen,
das sie beständig küßt, während sie an ihren Geliebten denkt –
da wandeln Priesterinnen der schaumentstiegenen Göttin,
hanseatische Vestalen, Dianen, die auf die Jagd gehn,
Najaden, Dryaden, Hamadryaden und sonstige Predigerstöchter –
ach! da wandelt auch Minka und Heloisa!
Wie oft saß ich vor dem Pavillon und sah sie vorüberwandeln
in ihren rosagestreiften Roben – die Elle kostet 4 Mark und 3 Schilling,
und Herr Seligmann hat mir versichert,
die Rosastreifen würden im Waschen die Farbe behalten. –
»Prächtige Dirnen!« riefen dann die tugendhaften Jünglinge,
die neben mir saßen. – Ich erinnere mich, ein großer Assekuradeur,
der immer wie ein Pfingstochs geputzt ging, sagte einst:
»Die eine möcht ich mir mal als Frühstück und die andere als Abendbrot
zu Gemüte fahren, und ich würde an solchem Tage gar nicht zu Mittag speisen.« –
»Sie ist ein Engel!« sagte einst ein Seekapitän ganz laut,
so daß sich beide Mädchen zu gleicher Zeit umsahen und
sich dann einander eifersüchtig anblickten. –
Ich selber sagte nie etwas, und ich dachte meine süßesten Garnichtsgedanken
und betrachtete die Mädchen und den heiter sanften Himmel
und den langen Petriturm mit der schlanken Taille
und die stille blaue Alster, worauf die Schwäne so stolz
und so lieblich und so sicher umherschwammen. Die Schwäne!
Stundenlang konnte ich sie betrachten, diese holden Geschöpfe
mit ihren sanften langen Hälsen, wie sie sich üppig auf den weichen Fluten wiegten,
wie sie zuweilen selig untertauchten und wieder auftauchten
und übermütig plätscherten, bis der Himmel dunkelte
und die goldnen Sterne hervortraten,
verlangend, verheißend, wunderbar zärtlich, verklärt. Die Sterne!
Sind es goldne Blumen am bräutlichen Busen des Himmels?
Sind es verliebte Engelsaugen, die sich sehnsüchtig spiegeln
in den blauen Gewässern der Erde und mit den Schwänen buhlen?
— Ach! das ist nun lange her.
Ich war damals jung und töricht.
Jetzt bin ich alt und töricht.
Manche Blume ist unterdessen verwelkt und manche sogar zertreten worden.
Manches seidne Kleid ist unterdessen zerrissen,
und sogar der rosagestreifte Kattun des Herren Seligmann
hat unterdessen die Farbe verloren.
Er selbst aber ist ebenfalls verblichen –
die Firma ist jetzt »Seligmanns selige Witwe« –
und Heloisa, das sanfte Wesen, das geschaffen schien,
nur auf weichbeblümte indische Teppiche zu wandeln
und mit Pfauenfedern gefächelt zu werden,
sie ging unter in Matrosenlärm, Punsch, Tabaksrauch und schlechter Musik.
Als ich Minka wiedersah – sie nannte sich jetzt Kathinka
und wohnte zwischen Hamburg und Altona -,
da sah sie aus wie der Tempel Salomonis,
als ihn Nebukadnezar zerstört hatte, und roch nach assyrischem Knaster –
und als sie mir Heloisas Tod erzählte, weinte sie bitterlich
und riß sich verzweiflungsvoll die Haare aus und wurde schier ohnmächtig
und mußte ein großes Glas Branntewein austrinken, um zur Besinnung zu kommen.
Und die Stadt selbst, wie war sie verändert!
Und der Jungfernsteg!
Der Schnee lag auf den Dächern, und es schien,
als hätten sogar die Häuser gealtert und weiße Haare bekommen.
Die Linden des Jungfernstegs waren nur tote Bäume mit dürren Ästen,
die sich gespenstisch im kalten Winde bewegten.
Der Himmel war schneidend blau und dunkelte hastig.
Es war Sonntag, fünf Uhr, die allgemeine Fütterungstunde,
und die Wagen rollten, Herren und Damen stiegen aus
mit einem gefrorenen auf den hungrigen Lippen –
Entsetzlich! in diesem Augenblick durchschauerte mich die schreckliche Bemerkung,
daß ein unergründlicher Blödsinn auf allen diesen Gesichtern lag
und daß alle Menschen, die eben vorbeigingen,
in einem wunderbaren Wahnwitz befangen schienen.
Ich hatte sie schon vor zwölf Jahren, um dieselbe Stunde,
mit denselben Mienen, wie die Puppen einer Rathausuhr,
in derselben Bewegung gesehen, und sie hatten seitdem ununterbrochen
in derselben Weise gerechnet, die Börse besucht, sich einander eingeladen,
die Kinnbacken bewegt, ihre Trinkgelder bezahlt und wieder gerechnet:
zwei mal zwei ist vier –
»Entsetzlich!« rief ich, »wenn einem von diesen Leuten,
während er auf dem Kontorbock säße, plötzlich einfiele,
daß zwei mal zwei eigentlich fünf sei
und daß er also sein ganzes Leben verrechnet
und sein ganzes Leben in einem schauderhaften Irrtum vergeudet habe!«
Auf einmal aber ergriff mich selbst ein närrischer Wahnsinn,
und als ich die vorüberwandlenden Menschen genauer betrachtete,
kam es mir vor, als seien sie selber nichts anders als Zahlen,
als arabische Chiffern;
und da ging eine krummfüßige Zwei neben einer fatalen Drei,
ihrer schwangeren und vollbusigen Frau Gemahlin;
dahinter ging Herr Vier auf Krücken; einherwatschelnd kam eine fatale Fünf, rundbäuchig mit kleinem Köpfchen; dann kam eine wohlbekannte kleine Sechse
und eine noch wohlbekanntere böse Sieben –
doch als ich die unglückliche Acht, wie sie vorüberschwankte,
ganz genau betrachtete, erkannte ich den Assekuradeur,
der sonst wie ein Pfingstochs geputzt ging,
jetzt aber wie die magerste von Pharaos mageren Kühen aussah –
blasse, hohle Wangen wie ein leerer Suppenteiler,
kaltrote Nase wie eine Winterrose, abgeschabter schwarzer Rock,
der einen kümmerlich weißen Widerschein gab,
ein Hut, worin Saturn mit der Sense einige Luftlöcher geschnitten,
doch die Stiefel noch immer spiegelblank gewichst –
und er schien nicht mehr daran zu denken,
Heloisa und Minka als Frühstück und Abendbrot zu verzehren,
er schien sich vielmehr nach einem Mittagessen
von gewöhnlichem Rindfleisch zu sehnen.
Unter den vorüberrollenden Nullen erkannte ich noch manchen alten Bekannten.
Diese und die anderen Zahlenmenschen rollten vorüber,
hastig und hungrig, während unfern, längs den Häusern des Jungfernstegs,
noch grauenhafter drollig, ein Leichenzug sich hinbewegte.
Ein trübsinniger Mummenschanz!
Hinter den Trauerwagen, einherstelzend auf ihren dünnen schwarzseidenen Beinchen, gleich Marionetten des Todes, gingen die wohlbekannten Ratsdiener,
privilegierte Leidtragende in parodiert altburgundischem Kostüm;
kurze, schwarze Mäntel und schwarze Pluderhosen,
weiße Perücken und weiße Halsbergen,
wozwischen die roten bezahlten Gesichter gar possenhaft hervorgucken,
kurze Stahldegen an den Hüften, unterm Arm ein grüner Regenschirm.
Aber noch unheimlicher und verwirrender als diese Bilder,
die sich, wie ein chinesisches Schattenspiel, schweigend vorbeibewegten,
waren die Töne, die von einer anderen Seite in mein Ohr drangen.
Es waren heisere, schnarrende, metallose Töne, ein unsinniges Kreischen,
ein ängstliches Plätschern und verzweifelndes Schlürfen,
ein Keichen und Schollern, ein Stöhnen und Ächzen,
ein unbeschreibbar eiskalter Schmerzlaut.
Das Bassin der Alster war zugefroren,
nur nahe am Ufer war ein großes, breites Viereck in der Eisdecke ausgehauen,
und die entsetzlichen Töne, die ich eben vernommen,
kamen aus den Kehlen der armen weißen Geschöpfe,
die darin herumschwammen und in entsetzlicher Todesangst schrien,
und ach! es waren dieselben Schwäne, die einst so weich
und heiter meine Seele bewegten.
Ach! die schönen weißen Schwäne, man hatte ihnen die Flügel gebrochen,
damit sie im Herbst nicht auswandern konnten nach dem warmen Süden,
und jetzt hielt der Norden sie festgebannt in seinen dunkeln Eisgruben –
und der Markeur des Pavillons meinte, sie befänden sich wohl darin
und die Kälte sei ihnen gesund. Das ist aber nicht wahr,
es ist einem nicht wohl,
wenn man ohnmächtig in einem kalten Pfuhl eingekerkert ist,
fast eingefroren, und einem die Flügel gebrochen sind
und man nicht fortfliegen kann nach dem schönen Süden,
wo die schönen Blumen, wo die goldnen Sonnenlichter,
wo die blauen Bergseen –
Ach! auch mir erging es einst nicht viel besser,
und ich verstand die Qual dieser armen Schwäne;
und als es gar immer dunkler wurde und die Sterne oben hell hervortraten,
dieselben Sterne, die einst in schönen Sommernächten so liebeheiß
mit den Schwänen gebuhlt, jetzt aber so winterkalt,
so frostig klar und fast verhöhnend auf sie herabblickten –
wohl begriff ich jetzt, daß die Sterne keine liebende,
mitfühlende Wesen sind, sondern nur glänzende Täuschungen der Nacht,
ewige Trugbilder in einem erträumten Himmel,
goldne Lügen im dunkelblauen Nichts —

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Unsere Freunde, die Blumen… Der Löwenzahn und Pusteblume…

Lieber kleiner Löwenzahn,
Ich schaue dich so gerne an.
So viele Sonnen vor dem Haus,
Ich such’ mir die schönste aus.
Lieber kleiner Löwenzahn,
Ich schaue dich so gerne an.
Deine Schirmchen schweben fort,
Bald wächst du am anderen Ort.
Autor unbekannt.

Der Gewöhnliche Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia) stammt aus einer Gruppe der Familie der Korbblütler. Der Gattungsname Taraxacum kommt aus dem arabischen.
Der Löwenzahn ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe von 10 cm bis 30 cm erreicht und in allen Teilen einen weißen Milchsaft enthält.
Der Gewöhnliche Löwenzahn stammt ursprünglich aus dem westlichen Asien und Europa. Durch menschliches Verschleppen ist er auch auf der nördlichen Erdhalbkugel verbreitet. Auf der Südhalbkugel kommt er nur sporadisch vor.
In Mitteleuropa ist er ein häufiges Wildkraut auf Wiesen, an Wegrändern und in Gärten. Er besiedelt schnell Brachflächen, Schutthalde und Mauerritzen. Die Blütezeit ist von April bis Juni. Meistens blüht er im Spätsommer bis in den Herbst noch einmal.

Es gibt über 500 mundartliche und umgangssprachliche Bezeichnungen für den Löwenzahn und die spiegeln seinen Bekanntheitsgrad wider. Hier die gebräuchlichsten Namen: Augenmilch, Augenwurz, Bärenzahnkraut, Bayrischer Enzian, Bettpisser, Butterblume, Eierkraut, Franzosensalat, Hahnenspeck, Hundeblume, Kettenblume, Kuhblume, Kuhlattich, Laternenblume, Lichtbloom, Märzblume, Maiblume, Marienzahn, Melkdistel, Milchdistel, Milchstöck, Pappenstiel, Pfaffenkopf, Pfaffenplatte, Pferdeblume, Pissnelke, Pusteblume, Röhrlkraut, Schäfchenblume, Schweineblume, Sonnenwurzel, Teufelsblume, wilde Zichorie.

Die Pflanze enthält den Bitterstoff Taraxacin und schon die Araber im frühen Mittelalter wussten den Löwenzahn als Arzneimittel einzusetzen. Die ganze Pflanze enthält einen weißen Milchsaft.
 Die Liste der Beschwerden, bei denen Löwenzahn erfolgreich zum Einsatz kommt, ist entsprechend lang. Der Löwenzahn bietet nicht nur reichlich Nahrung für Insekten, sondern auch für andere Tiere. Für den Menschen ist er ein Tausendsassa.

Die Blätter waren schon vor rund 400 Jahren äußerst beliebt als Gemüse. Vor allem in Frankreich bereitet man seit Mitte des 17. Jahrhunderts bevorzugt Salat daraus zu. Als Blattsalat kann man den Löwenzahn in türkischen Geschäften finden. Die jungen, nur leicht bitter schmeckenden Blätter werden als Salat verarbeitet. Mit einer Speck-Rahmsoße gilt Löwenzahnsalat als Delikatesse. Die traditionelle Südthüringer Küche kennt viele Gerichte, in denen Löwenzahn verwertet wird. In Lauscha wird am ersten Samstag im Mai der Mellichstöckdooch begangen, an dem diese Gerichte vorgestellt und angeboten werden. Aus den gelben Blüten kann man einen wohlschmeckenden, Honig ähnlichen Sirup machen oder Gelee als Brotaufstrich. In den Nachkriegsjahren, und heute wieder, wurde aus den getrockneten Wurzeln des Löwenzahns Ersatzkaffee hergestellt.

Sogar auf der Rückseite der früheren 500-DM-Banknote war seit 1992 ein Löwenzahn aus einem Buch von Maria Sibylla Merian von 1679 abgebildet. Auf dem Löwenzahn saß eine Raupe, und ein Falter des Grauen Streckfußes.

In manchen Gegenden gilt der Löwenzahn als Wetterzeichen: Wenn er gegen Abend noch offen ist, gibt es eher schlechtes Wetter.

Die Indianer Nordamerikas rauchten die getrockneten Blätter bei ihren schamanischen Ritualen.

In der Nacht vor Allerheiligen, Samhain, Halloween gehört Löwenzahn zum sogenannten “Samhain-Ritual” mit Weissagungn und Totenbeschwörungen.

Wenn sieben Wurzeln an St. Bartholomäus vor Sonnenaufgang gegraben wurden, trug man diese in einem Säckchen als Amulett gegen Augenleiden.

Wenn man sich mit Löwenzahn den Körper einrieb, erfüllte sich nach altem Hexenglauben jeder Wunsch.

Der Löwenzahn war früher für Kinder eine Spielblume.
Aus den Blüten wurden Kränze und Ketten angefertigt und auch heute noch macht es den Kindern Freude den Samen der “Pusteblume” ab zu blasen.
Vor allem die Mädchen orakelten früher aus der Anzahl stehen gebliebener Früchte, wie viele Jahre es noch bis zur Hochzeit oder verbleibende Lebensjahre vergehen würden.

Oder wenn nach dem Auspusten der Fruchtboden weiß ist, dann kommt man in den Himmel.
Ist er jedoch schwarz, dann kommt man ins Fegefeuer.

Wenn man alle Früchte auf einmal weg pusten kann, so ist man ein Glückskind, ein Engel.
Schafft man es nach dem dritten Pusten, werden die Wünsche fortgetragen und gehen in Erfüllung.

In der Symbolik sagt der Löwenzahn: Gesundheit siegt!

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Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski… III

Mein erster Ausflug, als ich Schnabelewops verließ,
war nach Deutschland, und zwar nach Hamburg,
wo ich sechs Monat blieb, statt gleich nach Leiden zu reisen
und mich dort, nach dem Wunsche meiner Eltern,
dem Studium der Gottesgelahrtheit zu ergeben.
Ich muß gestehen, daß ich während jenes Semesters
mich mehr mit weltlichen Dingen abgab
als mit göttlichen.

Die Stadt Hamburg ist eine gute Stadt;
lauter solide Häuser.
Hier herrscht nicht der schändliche Macbeth,
sondern hier herrscht Banko.
Der Geist Bankos herrscht überall in diesem kleinen Freistaate,
dessen sichtbares Oberhaupt ein hoch- und wohlweiser Senat.
In der Tat, es ist ein Freistaat, und hier findet man
die größte politische Freiheit.
Die Bürger können hier tun, was sie wollen,
und der hoch- und wohlweise Senat
kann hier ebenfalls tun, was er will;
jeder ist hier freier Herr seiner Handlungen.

Es ist eine Republik.
Hätte Lafayette nicht das Glück gehabt,
den Ludwig Philipp zu finden,
so würde er gewiß seinen Franzosen
die hamburgischen Senatoren und Oberalten empfohlen haben.
Hamburg ist die beste Republik.
Seine Sitten sind englisch, und sein Essen ist himmlisch.
Wahrlich, es gibt Gerichte zwischen den Wandrahmen und dem Dreckwall,
wovon unsere Philosophen keine Ahnung haben.

Die Hamburger sind gute Leute und essen gut.
Über Religion, Politik und Wissenschaft
sind ihre respektiven Meinungen sehr verschieden,
aber in betreff des Essens herrscht das schönste Einverständnis.
Mögen die christlichen Theologen dort noch so sehr streiten
über die Bedeutung des Abendmahls;
über die Bedeutung des Mittagmahls sind sie ganz einig.
Mag es unter den Juden dort eine Partei geben,
die das Tischgebet auf deutsch spricht,
während eine andere es auf hebräisch absingt;
beide Parteien essen und essen gut und wissen
das Essen gleich richtig zu beurteilen.

Die Advokaten, die Bratenwender der Gesetze,
die so lange die Gesetze wenden und anwenden,
bis ein Braten für sie dabei abfällt,
diese mögen noch so sehr streiten,
ob die Gerichte öffentlich sein sollen oder nicht;
darüber sind sie einig, daß alle Gerichte gut sein müssen,
und jeder von ihnen hat sein Leibgericht.
Das Militär denkt gewiß ganz tapfer spartanisch,
aber von der schwarzen Suppe will es doch nichts wissen.
Die Ärzte, die in der Behandlung der Krankheiten so sehr uneinig sind
und die dortige Nationalkrankheit (nämlich Magenbeschwerden)
als Brownianer durch noch größere Portionen Rauchfleisch
oder als Homöopathen durch 1/10000 Tropfen Absinth
in einer großen Kumpe Mockturtlesuppe zu kurieren pflegen,
diese Ärzte sind ganz einig,
wenn von dem Geschmacke der Suppe und des Rauchfleisches selbst die Rede ist.
Hamburg ist die Vaterstadt des letztern,
des Rauchfleisches, und rühmt sich dessen,
wie Mainz sich seines Johann Fausts
und Eisleben sich seines Luthers zu rühmen pflegt.
Aber was bedeutet die Buchdruckerei
und die Reformation in Vergleichung mit Rauchfleisch?
Ob beide ersteren genutzt oder geschadet,
darüber streiten zwei Parteien in Deutschland;
aber sogar unsere eifrigsten Jesuiten sind eingeständig,
daß das Rauchfleisch eine gute,
für den Menschen heilsame Erfindung ist.

Hamburg ist erbaut von Karl dem Großen
und wird bewohnt von 80000 kleinen Leuten,
die alle mit Karl dem Großen,
der in Aachen begraben liegt, nicht tauschen würden.
Vielleicht beträgt die Bevölkerung von Hamburg gegen 100000;
ich weiß es nicht genau,
obgleich ich ganze Tage lang auf den Straßen ging,
um mir dort die Menschen zu betrachten.
Auch habe ich gewiß manchen Mann übersehen,
indem die Frauen meine besondere Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen.
Letztere fand ich durchaus nicht mager,
sondern meist sogar korpulent, mitunter reizend schön
und im Durchschnitt von einer gewissen wohlhabenden Sinnlichkeit,
die mir, beileibe! nicht mißfiel.
Wenn sie in der romantischen Liebe
sich nicht allzu schwärmerisch zeigen
und von der großen Leidenschaft des Herzens wenig ahnen,
so ist das nicht ihre Schuld,
sondern die Schuld Amors, des kleinen Gottes,
der manchmal die schärfsten Liebespfeile auf seinen Bogen legt,
aber aus Schalkheit oder Ungeschick viel zu tief schießt
und statt des Herzens der Hamburgerinnen
nur ihren Magen zu treffen pflegt.
Was die Männer betrifft, so sah ich meistens untersetzte Gestalten,
verständige, kalte Augen, kurze Stirn,
nachlässig herabhängende, rote Wangen,
die Eßwerkzeuge besonders ausgebildet,
der Hut wie festgenagelt auf dem Kopfe
und die Hände in beiden Hosentaschen,
wie einer, der eben fragen will: »Was hab ich zu bezahlen?«

Zu den Merkwürdigkeiten der Stadt gehören:
1.Das alte Rathaus, wo die großen Hamburger Bankiers,
aus Stein gemeißelt und mit Zepter und Reichsapfel in Händen,
abkonterfeit stehen.
2. Die Börse, wo sich täglich die Söhne Hammonias versammeln,
wie einst die Römer auf dem Forum,
und wo über ihren Häuptern eine schwarze Ehrentafel hängt
mit den Namen ausgezeichneter Mitbürger.
3. Die schöne Marianne, ein außerordentlich schönes Frauenzimmer,
woran der Zahn der Zeit schon seit zwanzig Jahren kaut –
nebenbei gesagt, »der Zahn der Zeit« ist eine schlechte Metapher,
denn sie ist so alt, daß sie gewiß keine Zähne mehr hat,
nämlich die Zeit –
die schöne Marianne hat vielmehr jetzt noch alle ihre Zähne
und noch immer Haare darauf, nämlich auf den Zähnen.
4. Die ehemalige Zentralkassa.
5. Altona.
6. Die Originalmanuskripte von Marrs Tragödien.
7. Der Eigentümer des Rödingschen Kabinetts.
8. Die Börsenhalle.
9. Die Bacchushalle und endlich
10. das Stadttheater.
Letzteres verdient besonders gepriesen zu werden,
seine Mitglieder sind lauter gute Bürger,
ehrsame Hausväter, die sich nicht verstellen können und niemanden täuschen,
Männer, die das Theater zum Gotteshause machen, indem sie den Unglücklichen,
der an der Menschheit verzweifelt, aufs wirksamste überzeugen,
daß nicht alles in der Welt eitel Heuchelei und Verstellung ist.
Bei Aufzählung der Merkwürdigkeiten der Republik Hamburg
kann ich nicht umhin, zu erwähnen,
daß zu meiner Zeit der Apollosaal auf der Drehbahn sehr brillant war.
Jetzt ist er sehr heruntergekommen,
und es werden dort philharmonische Konzerte gegeben,
Taschenspielerkünste gezeigt und Naturforscher gefüttert.
Einst war es anders!
Es schmetterten die Trompeten, es wirbelten die Pauken,
es flatterten die Straußfedern,
und Heloise und Minka rannten durch die Reihen der Oginskipolonäse,
und alles war sehr anständig.

Schöne Zeit, wo mir das Glück lächelte!
Und das Glück hieß Heloise!
Es war ein süßes, liebes,
beglückendes Glück mit Rosenwangen, Liliennäschen, heißduftigen Nelkenlippen,
Augen wie der blaue Bergsee, aber etwas Dummheit lag auf der Stirne,
wie ein trüber Wolkenflor über einer prangenden Frühlingslandschaft.
Sie war schlank wie eine Pappel und lebhaft wie ein Vogel,
und ihre Haut war so zart,
daß sie zwölf Tage geschwollen blieb durch den Stich einer Haarnadel.
Ihr Schmollen, als ich sie gestochen hatte,
dauerte aber nur zwölf Sekunden, und dann lächelte sie –
schöne Zeit, als das Glück mir lächelte!
Minka lächelte seltener, denn sie hatte keine schöne Zähne.
Desto schöner aber waren ihre Tränen, wenn sie weinte,
und sie weinte bei jedem fremden Unglück,
und sie war wohltätig über alle Begriffe.
Den Armen gab sie ihren letzten Schilling;
sie war sogar oft in der Lage, wo sie ihr letztes Hemd weggab,
wenn man es verlangte.
Sie war so seelengut.
Sie konnte nichts abschlagen, ausgenommen ihr Wasser.
Dieser weiche, nachgiebige Charakter
kontrastierte gar lieblich mit ihrer äußeren Erscheinung.
Eine kühne, junonische Gestalt;
weißer, frecher Nacken, umringelt von wilden, schwarzen Locken,
wie von wollüstigen Schlangen;
Augen, die unter ihren düsteren Siegesbogen so weltbeherrschend strahlten;
purpurstolze, hochgewölbte Lippen;
marmorne, gebietende Hände, worauf leider einige Sommersprossen;
auch hatte sie, in der Form eines kleinen Dolchs,
ein braunes Muttermal an der linken Hüfte.

Wenn ich dich in sogenannte schlechte Gesellschaft gebracht,
lieber Leser, so tröste dich damit,
daß sie dir wenigstens nicht soviel gekostet wie mir.
Doch wird es später in diesem Buche
nicht an idealischen Frauenspersonen fehlen,
und schon jetzt will ich dir zur Erholung zwei Anstandsdamen vorführen,
die ich damals kennen und verehren lernte.
Es ist Madame Pieper und Madame Schnieper.
Erstere war eine schöne Frau in ihren reifsten Jahren, große,
schwärzliche Augen, eine große, weiße Stirne,
schwarze, falsche Locken, eine kühne, altrömische Nase und ein Maul,
das eine Guillotine war für jeden guten Namen.
In der Tat, für einen guten Namen gab es keine leichtere Hinrichtungsmaschine
als Madame Piepers Maul, sie ließ ihn nicht lange zappeln,
sie machte keine langwichtige Vorbereitungen;
war der beste gute Name zwischen ihre Zähne geraten,
so lächelte sie nur – aber dieses Lächeln war wie ein Fallbeil,
und die Ehre war abgeschnitten und fiel in den Sack.
Sie war immer ein Muster von Anstand, Ehrsamkeit, Frömmigkeit und Tugend.

Von Madame Schnieper ließ sich dasselbe rühmen.
Es war eine zarte Frau, kleine, ängstliche Brüste
gewöhnlich mit einem wehmütig dünnen Flor umgeben,
hell blonde Haare, hellblaue Augen,
die entsetzlich klug hervorstachen aus dem weißen Gesichte.
Es hieß, man könne ihren Tritt nie hören,
und wirklich, ehe man sich dessen versah,
stand sie oft neben einem und verschwand dann wieder ebenso geräuschlos.
Ihr Lächeln war ebenfalls tödlich für jeden guten Namen,
aber minder wie ein Beil als vielmehr wie jener afrikanische Giftwind,
von dessen Hauch schon alle Blumen verwelken;
elendiglich verwelken mußte jeder gute Name,
über den sie nur leise hinlächelte.
Sie war immer eine Mutter von Anstand, Ehrsamkeit, Frömmigkeit und Tugend.

Ich würde nicht ermangeln,
mehre von den Söhnen Hammonias ebenfalls hervorzuloben
und einige Männer, die man ganz besonders hochschätzt – namentlich diejenigen,
welche man auf einige Millionen Mark Banko zu schätzen pflegt -,
aufs prächtigste zu rühmen;
aber ich will in diesem Augenblick meinen Enthusiasmus unterdrücken,
damit er späterhin in desto helleren Flammen emporlodere.
Ich habe nämlich nichts Geringeres im Sinn,
als einen Ehrentempel Hamburgs herauszugeben,
ganz nach demselben Plane, welchen schon vor zehn Jahren
ein berühmter Schriftsteller entworfen hat,
der in dieser Absicht jeden Hamburger aufforderte,
ihm ein spezifiziertes Inventarium seiner speziellen Tugenden
nebst einem Speziestaler aufs schleunigste einzusenden.
Ich habe nie recht erfahren können,
warum dieser Ehrentempel nicht zur Ausführung kam;
denn die einen sagten, der Unternehmer,
der Ehrenmann, sei, als er kaum von Aaron bis Abendrot gekommen
und gleichsam die ersten Klötze eingerannt,
von der Last des Materials schon ganz erdrückt worden;
die anderen sagten, der hoch- und wohlweise Senat habe
aus allzu großer Bescheidenheit das Projekt hintertrieben,
indem er dem Baumeister seines eignen Ehrentempels
plötzlich die Weisung gab, binnen vierundzwanzig Stunden
das hamburgische Gebiet mit allen seinen Tugenden zu verlassen.
Aber gleichviel aus welchem Grunde,
das Werk ist nicht zustande gekommen;
und da ich ja doch einmal aus angeborener Neigung
etwas Großes tun wollte in dieser Welt und immer gestrebt habe,
das Unmögliche zu leisten, so habe ich jenes ungeheure Projekt wieder aufgefaßt,
und ich liefere einen Ehrentempel Hamburgs,
ein unsterbliches Riesenbuch, worin ich die Herrlichkeit
aller seiner Einwohner ohne Ausnahme beschreibe,
worin ich edle Züge von geheimer Mildtätigkeit mitteile,
die noch gar nicht in der Zeitung gestanden,
worin ich Großtaten erzähle, die keiner glauben wird,
und worin mein eignes Bildnis,
wie ich auf dem Jungfernsteg vor dem Schweizerpavillon sitze
und über Hamburgs Verherrlichung nachdenke,
als Vignette paradieren soll.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Wie der Mensch,
so hat auch jedes Ding seine Zeit.

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Wusstet ihr, dass …

die Flodders aus Griechenland stammen sollen?

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Vorgeführt…

Zipras & Co meinten die Kuh Europa zu melken und haben diese mit dem Stier  verwechselt.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Meide Übertreibungen,
Maßlosigkeit
und Überheblichkeit.

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Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski… II

Meine Mutter packte selbst meinen Koffer;
mit jedem Hemde hat sie auch eine gute Lehre hineingepackt.
Die Wäscherinnen haben mir späterhin alle diese Hemden
mitsamt den guten Lehren vertauscht.

Mein Vater war tief bewegt; und er gab mir einen langen Zettel,
worin er artikelweis aufgeschrieben,
wie ich mich in dieser Welt zu verhalten habe.
Der erste Artikel lautete:
daß ich jeden Dukaten zehnmal herumdrehen solle,
ehe ich ihn ausgäbe.
Das befolgte ich auch im Anfang;
nachher wurde mir das beständige Herumdrehen viel zu mühsam.
Mit jenem Zettel überreichte mir mein Vater auch die dazugehörigen Dukaten.
Dann nahm er eine Schere, schnitt damit das Zöpfchen von seinem lieben Haupte
und gab mir das Zöpfchen zum Andenken.
Ich besitze es noch und weine immer,
wenn ich die gepuderten feinen Härchen betrachte —

Die Nacht vor meiner Abreise hatte ich folgenden Traum:
Ich ging einsam spazieren in einer heiter schönen Gegend am Meer.
Es war Mittag, und die Sonne schien auf das Wasser,
daß es wie lauter Diamanten funkelte.
Hie und da am Gestade erhob sich eine große Aloe,
die sehnsüchtig ihre grünen Arme nach dem sonnigen Himmel emporstreckte.
Dort stand auch eine Trauerweide mit lang herabhängenden Tressen,
die sich jedesmal emporhoben, wenn die Wellen heranspielten,
so daß sie alsdann wie eine junge Nixe aussah,
die ihre grünen Locken in die Höhe hebt, um besser hören zu können,
was die verliebten Luftgeister ihr ins Ohr flüstern.

In der Tat, das klang manchmal wie Seufzer und zärtliches Gekose.
Das Meer erstrahlte immer blühender und lieblicher,
immer wohllautender rauschten die Wellen,
und auf den rauschenden glänzenden Wellen schritt einher der silberne Adalbert,
ganz wie ich ihn im Gnesener Dome gesehen,
den silbernen Krummstab in der silbernen Hand,
die silberne Bischofmütze auf dem silbernen Haupte,
und er winkte mir mit der Hand, und er nickte mir mit dem Haupte,
und endlich, als er mir gegenüberstand,
rief er mir zu mit unheimlicher Silberstimme; —

Ja, die Worte habe ich wegen des Wellengeräusches nicht hören können.
Ich glaube aber, mein silberner Nebenbuhler hat mich verhöhnt.
Denn ich stand noch lange am Strande und weinte,
bis die Abenddämmerung heranbrach und Himmel und Meer
trübe und blaß wurden und traurig über alle Maßen.
Es stieg die Flut.

Aloe und Weide krachten und wurden fortgeschwemmt von den Wogen,
die manchmal hastig zurückliefen und desto ungestümer wieder heranschwollen,
tosend, schaurig, in schaumweißen Halbkreisen.
Dann aber auch hörte ich ein taktförmiges Geräusch,
wie Ruderschlag, und endlich sah ich einen Kahn mit der Brandung herantreiben.
Vier weiße Gestalten, fahle Totengesichter, eingehüllt in Leichentüchern,
saßen darin und ruderten mit Anstrengung.

In der Mitte des Kahnes stand ein blasses,
aber unendlich schönes Frauenbild,
unendlich zart, wie geformt aus Lilienduft –
und sie sprang ans Ufer.
Der Kahn mit seinen gespenstischen Ruderknechten
schoß pfeilschnell wieder zurück ins hohe Meer,
und in meinen Armen lag Panna Jadviga
und weinte und lachte: »Ich bete dich an.«

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Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski

Mein Vater hieß Schnabelewopski; meine Mutter hieß Schnabelewopska;
als beider ehelicher Sohn wurde ich geboren
den ersten April 1795 zu Schnabelewops.
Meine Großtante, die alte Frau von Pipitzka,
pflegte meine erste Kindheit und erzählte mir viele schöne Märchen
und sang mich oft in den Schlaf mit einem Liede,
dessen Worte und Melodie meinem Gedächtnisse entfallen.

Ich vergesse aber nie die geheimnisvolle Art,
wie sie mit dem zitternden Kopfe nickte, wenn sie es sang,
und wie wehmütig ihr großer einziger Zahn,
der Einsiedler ihres Mundes, alsdann zum Vorschein kam.
Auch erinnere ich mich noch manchmal des Papagois,
über dessen Tod sie so bitterlich weinte.
Die alte Großtante ist jetzt ebenfalls tot, und
ich bin in der ganzen weiten Welt wohl der einzige Mensch,
der an ihren lieben Papagoi noch denkt.

Unsere Katze hieß Mimi, und unser Hund hieß Joli.
Er hatte viel Menschenkenntnis und ging mir immer aus dem Wege,
wenn ich zur Peitsche griff.
Eines Morgens sagte unser Bedienter,
der Hund trage den Schwanz etwas eingekniffen zwischen den Beinen
und lasse die Zunge länger als gewöhnlich hervorhängen;
und der arme Joli wurde, nebst einigen Steinen,
die man ihm an den Hals festband, ins Wasser geworfen.
Bei dieser Gelegenheit ertrank er.

Unser Bedienter hieß Prrschtzztwitsch.
Man muß dabei niesen, wenn man diesen Namen ganz richtig aussprechen will.
Unsere Magd hieß Swurtszska, welches im Deutschen etwas rauh,
im Polnischen aber äußerst melodisch klingt.
Es war eine dicke, untersetzte Person mit weißen Haaren
und blonden Zähnen.

Außerdem liefen noch zwei schöne schwarze Augen im Hause herum,
welche man Seraphine nannte.
Es war mein schönes herzliebes Mühmelein,
und wir spielten zusammen im Garten
und belauschten die Haushaltung der Ameisen
und haschten Schmetterlinge und pflanzten Blumen.

Sie lachte einst wie toll, als ich meine kleinen Strümpfchen
in die Erde pflanzte, in der Meinung,
daß ein paar große Hosen für meinen Vater daraus hervorwachsen würden.

Mein Vater war die gütigste Seele von der Welt
und war lange Zeit ein wunderschöner Mann;
der Kopf gepudert, hinten ein niedlich geflochtenes Zöpfchen,
das nicht herabhing, sondern mit einem Kämmchen von Schildkröte
auf dem Scheitel befestigt war.

Seine Hände waren blendend weiß, und ich küßte sie oft.
Es ist mir, als röche ich noch ihren süßen Duft
und er dränge mir stechend ins Auge.
Ich habe meinen Vater sehr geliebt;
denn ich habe nie daran gedacht,
daß er sterben könne.

Mein Großvater väterlicher Seite war der alte Herr von Schnabelewopski;
ich weiß gar nichts von ihm,
außer daß er ein Mensch und daß mein Vater sein Sohn war.
Mein Großvater mütterlicher Seite war der alte Herr von Wlrssrnski,
und er ist abgemalt in einem scharlachroten Sammetrock
und einem langen Degen, und meine Mutter erzählte mir oft,
daß er einen Freund hatte, der einen grünseidenen Rock,
rosaseidne Hosen und weißseidne Strümpfe trug und
wütend den kleinen Chapeaubas hin und her schwenkte,
wenn er vom König von Preußen sprach.

Meine Mutter, Frau von Schnabelewopska, gab mir,
als ich heranwuchs, eine gute Erziehung.
Sie hatte viel gelesen; als sie mit mir schwanger ging,
las sie fast ausschließlich den Plutarch und hat sich
vielleicht an einem von dessen großen Männern versehen;
wahrscheinlich an einem von den Gracchen.

Daher meine mystische Sehnsucht, das agrarische Gesetz in
moderner Form zu verwirklichen. Mein Freiheits- und Gleichheitssinn
ist vielleicht solcher mütterlicher Vorlektüre beizumessen.
Hätte meine Mutter damals das Leben des Cartouche gelesen,
so wäre ich vielleicht ein großer Bankier geworden.

Wie oft, als Knabe, versäumte ich die Schule, um auf den schönen
Wiesen von Schnabelewops einsam darüber nachzudenken,
wie man die ganze Menschheit beglücken könnte.
Man hat mich deshalb oft einen Müßiggänger gescholten
und als solchen bestraft; und für meine Weltbeglückungsgedanken
mußte ich schon damals viel Leid und Not erdulden.

Die Gegend um Schnabelewops ist übrigens sehr schön,
es fließt dort ein Flüßchen, worin man des Sommers sehr angenehm badet,
auch gibt es allerliebste Vogelnester in den Gehölzen des Ufers.
Das alte Gnesen, die ehemalige Hauptstadt von Polen,
ist nur drei Meilen davon entfernt.

Dort im Dom ist der heilige Adalbert begraben.
Dort steht ein silberner Sarkophag,
und darauf liegt sein eignes Konterfei in Lebensgröße,
mit Bischofmütze und Krummstab, die Hände fromm gefaltet,
und alles von gegossenem Silber.

Wie oft muß ich deiner gedenken, du silberner Heiliger!
Ach, wie oft schleichen meine Gedanken nach Polen zurück,
und ich stehe wieder in dem Dome von Gnesen,
an den Pfeiler gelehnt, bei dem Grabmal Adalberts!

Dann rauscht auch wieder die Orgel,
als probiere der Organist ein Stück aus Allegris »Miserere«;
in einer fernen Kapelle wird eine Messe gemurmelt;
die letzten Sonnenlichter fallen durch die bunten Fensterscheiben;
die Kirche ist leer; nur vor dem silbernen Grabmal des Heiligen
liegt eine betende Gestalt, ein wunderholdes Frauenbild,
das mir einen raschen Seitenblick zuwirft,
aber ebenso rasch sich wieder gegen den Heiligen wendet
und mit ihren sehnsüchtig schlauen Lippen die Worte flüstert:
»Ich bete dich an!«

In demselben Augenblick, als ich diese Worte hörte,
klingelte in der Ferne der Mesner,
die Orgel rauschte mit schwellendem Ungestüm,
das holde Frauenbild erhob sich von den Stufen des Grabmals,
warf ihren weißen Schleier über das errötende Antlitz
und verließ den Dom.

»Ich bete dich an!« Galten diese Worte mir oder dem silbernen Adalbert?
Gegen diesen hatte sie sich gewendet, aber nur mit dem Antlitz.
Was bedeutete jener Seitenblick, den sie mir vorher zugeworfen
und dessen Strahlen sich über meine Seele ergossen,
gleich einem langen Lichtstreif,
den der Mond über das nächtliche Meer dahingießt,
wenn er aus dem Wolkendunkel hervortritt
und sich schnell wieder dahinter verbirgt.

In meiner Seele, die ebenso düster wie das Meer,
weckte jener Lichtstreif alle die Ungetüme,
die im tiefen Grunde schliefen,
und die tollsten Haifische und Schwertfische der Leidenschaft
schossen plötzlich empor und tummelten sich
und bissen sich vor Wonne in den Schwänzen,
und dabei brauste und kreischte immer gewaltiger die Orgel,
wie Sturmgetöse auf der Nordsee.
Den anderen Tag verließ ich Polen.

Heinrich Heine (1797-1856)

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Wenn man über sein Leid spricht,
wird es erträglich.

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Kleines Volk

In einem Pisspott kam er geschwommen,
Hochzeitlich geputzt, hinab den Rhein.
Und als er nach Rotterdam gekommen,
Da sprach er: “Juffräuken, willst du mich frein?

Ich führe dich, geliebte Schöne,
Nach meinem Schloss, ins Brautgemach;
Die Wände sind eitel Hobelspäne,
Aus Häckerling besteht das Dach.

Da ist es so puppenniedlich und nette,
Da lebst du wie eine Königin!
Die Schale der Walnuss ist unser Bette,
Von Spinnweb sind die Laken drin.

Ameiseneier, gebraten in Butter,
Essen wir täglich, auch Würmchengemüs’,
Und später erb ich von meiner Frau Mutter
Drei Nonnenfürzchen, die schmecken so süß.

Ich habe Speck, ich habe Schwarten,
Ich habe Fingerhüte voll Wein,
Auch wächst eine Rübe in meinem Garten,
Du wirst wahrhaftig glücklich sein!”

Das war ein Locken und ein Werben!
Wohl seufzte die Braut: “Ach Gott! ach Gott!”
Sie war wehmütig, wie zum Sterben –
Doch endlich stieg sie hinab in den Pott.

Sind Christenleute oder Mäuse
Die Helden des Lieds? Ich weiß es nicht mehr.
Im Beverland hört ich die schnurrige Weise,
Es sind nun dreißig Jahre her.

Heinrich Heine

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Die Welt ist weder gut,
noch schlecht.
Sie ist das,
was die Menschen aus ihr machen.

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