GEDICHTE: Mittagsruh, Joseph von Eichendorff

Über Bergen, Fluß und Thalen,
Stiller Lust und tiefen Qualen
Webet heimlich, schillert, Strahlen!
Sinnend ruht des Tag’s Gewühle
In der dunkelblauen Schwüle,
Und die ewigen Gefühle,
Was dir selber unbewußt,
Treten heimlich, groß und leise
Aus der Wirrung fester Gleise,
Aus der unbewachten Brust,
In die stillen, weiten Kreise.

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GEDICHTE: Das zerbrochene Ringlein, Joseph von Eichendorff (1788 – 1857)


In einem kühlen Grunde
Da geht ein Mühlenrad,
Meine Liebste ist verschwunden,
Die dort gewohnet hat.

Sie hat mir Treu versprochen,
Gab mir ein’n Ring dabei,
Sie hat die Treu gebrochen,
Mein Ringlein sprang entzwei.

Ich möcht als Spielmann reisen
Weit in die Welt hinaus,
Und singen meine Weisen,
Und gehn von Haus zu Haus.

Ich möcht als Reiter fliegen
Wohl in die blutge Schlacht,
Um stille Feuer liegen
Im Feld bei dunkler Nacht.

Hör ich das Mühlrad gehen:
Ich weiß nicht, was ich will –
Ich möcht am liebsten sterben,
Da wärs auf einmal still!

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GEDICHTE: Tanzlied, Else Lasker-Schüler, 1869-1945, deutsche Dichterin

Aus mir braust finstr’re Tanzmusik,
Meine Seele kracht in tausend Stücken!
Der Teufel holt sich mein Missgeschick
Um es ans brandige Herz zu drücken.

Die Rosen fliegen mir aus dem Haar
Und mein Leben saust nach allen Seiten,
So tanz‘ ich schon seit tausend Jahr,
Seit meiner ersten Ewigkeiten.

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GEDICHTE: Wünsche zum neuen Jahr, Peter Rosegger, 1843–1918, österreichischer Schriftsteller

Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit
Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid
Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass
Ein bisschen mehr Wahrheit – das wäre was!

Statt so viel Unrast ein bisschen mehr Ruh
Statt immer nur Ich ein bisschen mehr Du
Statt Angst und Hemmung ein bisschen mehr Mut
Und Kraft zum Handeln – das wäre gut!

In Trübsal und Dunkel ein bisschen mehr Licht
Kein quälend Verlangen, ein bisschen Verzicht
Und viel mehr Blumen, solange es geht
Nicht erst an Gräbern – da blühn sie zu spät

Ziel sei der Friede des Herzens
Besseres weiß ich nicht.

Ich wünsche ALLEN Freunden und Lesern
ein friedliches Ankommen im neuen Jahr.
Möge es eine gesunde, wunderschöne
und zuversichtliche Zeit  für ALLE werden.

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GEDICHTE: Silvesternacht, Ludwig Thoma, 1867-1921, deutscher Schriftsteller

Und nun, wenn alle Uhren schlagen,
So haben wir uns was zu sagen,
Was feierlich und hoffnungsvoll
Die ernste Stunde weihen soll.

Zuerst ein Prosit in der Runde!
Ein helles, und aus frohem Munde!
Ward nicht erreicht ein jedes Ziel,
Wir leben doch, und das ist viel.

Noch einen Blick dem alten Jahre,
Dann legt es auf die Totenbahre!
Ein neues grünt im vollen Saft!
Ihm gelte unsre ganze Kraft!

Wir fragen nicht: Was wird es bringen?
Viel lieber wollen wir es zwingen,
Daß es mit uns nach vorne treibt,
Nicht rückwärts geht, nicht stehen bleibt.

Nicht schwächlich, was sie bringt, zu tragen,
Die Zeit zu lenken, laßt uns wagen!
Dann hat es weiter nicht Gefahr.
In diesem Sinne: Prost Neujahr!


Wünsche ALLEN
meinen Freunden und Lesern
einen super schönen Silvester
und einen guten Rutsch
ins neue Jahr!

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GEDICHTE: Advent, Autor unbekannt

Hell erleuchtet sind die Fenster,
Haus und Hof sind zugeschneit,
und ein jeder fühlt im Herzen
Ruhe und Besinnlichkeit.

Verlassen sind die Straßen heute,
dunkel ragen Tannen auf;
friedlich und von hellem Glanze
liegt pulverweißer Schnee darauf.

Aus den Häusern, aus den Stuben,
hört man friedlichen Gesang.
Am Himmel strahlen, leuchten Sterne
zu weihnachtlichem, süßen Klang.

Es ist Advent, die Welt in Stille,
es bleibt kein Platz für Traurigkeit;
und ein jeder fühlt im Herzen
Freude und Behaglichkeit.

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GEDICHTE: Weihnachtsgedicht, Volksweisheit / Volksgut

Und wieder strahlen Weihnachtskerzen
und wieder loht der Flamme Schein,
und Freude zieht in unsere Herzen
an dieser heiligen Weihnacht ein.

Und frohe Weihnachtslieder klingen
in unsren Landen weit und breit.
Oh welch ein Jubel, welch ein Singen!
Oh wundervolle Weihnachtszeit!

Volksweisheit / Volksgut

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GEDICHT: Zauber der Weihnacht, unbekannter Autor

Kerzenschein und Tannenduft,
rote Backen, kalte Luft.
Glockenläuten, Kinderlachen,
Äpfel, Wein und süße Sachen.

Das Christkind ist schon nicht mehr weit,
es beschert uns eine glückliche Zeit.
Lasst uns freuen und besinnlich sein,
der Zauber der Weihnacht
macht uns alle wieder klein.

Wünsche ALLEN
Freunden und Lesern
ein frohes, gesegnetes
und ein zauberhaftes
Weihnachtsfest.

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ZUM 4. ADVENT, Zauber der Weihnacht, Autor unbekannt


Kerzenschein und Tannenduft,
rote Backen, kalte Luft.
Glockenläuten, Kinderlachen,
Äpfel, Wein und süße Sachen.

Das Christkind ist schon nicht mehr weit,
es beschert uns eine glückliche Zeit.
Lasst uns freuen und besinnlich sein,
der Zauber der Weihnacht
macht uns alle wieder klein.

Seht her die vierte Kerze brennt,
es ist Advent, es ist Advent.
So dunkel ist die Winternacht,
drum haben wir noch ein Licht gemacht.
Es strahlen vier Kerzen mit hellem Schein.
Doch könnte die Nacht noch heller sein.

Wünsche ALLEN
Freunden und Lesern
einen ruhigen und besinnlichen
4. Advent.

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ZUM 3. ADVENT

Seht her die dritte Kerze brennt,
es ist Advent, es ist Advent.
So dunkel ist die Winternacht,
drum haben wir noch ein Licht gemacht.
Es strahlen drei Kerzen mit hellem Schein.
Doch könnte die Nacht noch heller sein.

Zum 3. Advent brennen drei Kerzen,
es kommt Freude und Wärme in unsere Herzen.
Langsam leuchtet sie Weihnachten entgegen,
will uns schenken den lang ersehnten Segen.

Wünsche ALLEN
Freunden und Lesern
einen ruhigen und besinnlichen
3. Advent.

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In stiller Trauer, um meinen geliebten Mann

„Der Tod ordnet die Welt neu.
Scheinbar hat sich nichts verändert,
und doch ist alles anders geworden.“


In stiller Trauer, ein Abschied von Dir.

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GEDICHTE: Nikolaus, du guter Mann, unbekannter Verfasser (Volksgut)

Nikolaus, du guter Mann,
hast einen schönen Mantel an.

Die Knöpfe sind so blank geputzt,
dein weißer Bart ist gut gestutzt.

Die Stiefel sind so spiegelblank,
die Zipfelmütze fein und lang.

Die Augenbrauen sind so dicht,
so lieb und gut ist dein Gesicht.

Du kamst den weiten Weg von fern,
und deine Hände geben gern.

Du weißt, wie alle Kinder sind:
Ich glaub, ich war ein braves Kind.

Sonst wärst du ja nicht hier
und kämest nicht zu mir.

Du musst dich sicher plagen,
den schweren Sack zu tragen.

Drum bitte, lieber Nikolaus,
so packe ihn doch einfach aus!

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ZUM 2. ADVENT


Es ist Advent, die Welt in Stille (Autor unbekannt)

Hell erleuchtet sind die Fenster,
Haus und Hof sind zugeschneit
und ein Jeder fühlt im Herzen,
Ruhe und Besinnlichkeit.

Verlassen sind die Straßen heute,
dunkel ragen Tannen auf,
friedlich und von hellem Glanze,
liegt pulverweißer Schnee darauf.

Aus den Häusern, aus den Stuben,
hört man friedlichen Gesang,
am Himmel strahlen, leuchten Sterne,
zu weihnachtlichem, süßen Klang.

Es ist Advent, die Welt in Stille,
es bleibt kein Platz für Traurigkeit
und ein jeder fühlt im Herzen,
Freude und Behaglichkeit.

ALLEN meinen
Freunden und Lesern
wünsche ich von Herzen
einen gemütlichen
und sorglosen
2. Advent.

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GEDICHTE: Wer ist Schuld daran?, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Als unser Mops ein Möpschen war,
Da konnt‘ er freundlich sein;
Jetzt brummt er alle Tage,
Und bellt noch obendrein.
Heidu heidu heidallala
Und bellt noch obendrein.

Du bist ein recht verzogen Tier!
Sonst nahmst du, was ich bot,
Jetzt willst du Leckerbissen
Und magst kein trocken Brot.

Zum Knaben sprach der Mops darauf:
»Wie töricht sprichst du doch!
Hätt’st du mich anders gezogen,
Wär‘ ich ein Möpschen noch.«

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GEDICHTE: Die Nachbarskinder, Wilhelm Busch (1832 – 1908)

Wer andern gar zu wenig traut,
Hat Angst an allen Ecken;
Wer gar zu viel auf andre baut,
Erwacht mit Schrecken.

Es trennt sie nur ein leichter Zaun,
Die beiden Sorgengründer;
Zu wenig und zu viel Vertraun
Sind Nachbarskinder.

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GEDICHTE: Spätherbst (XLII), Heinrich Heine,

Verdroßnen Sinn im kalten Herzen hegend,
Reis ich verdrießlich durch die kalte Welt,
Zu Ende geht der Herbst, ein Nebel hält
Feuchteingehüllt die abgestorbne Gegend.

Die Winde pfeifen, hin und her bewegend
Das rote Laub, das von den Bäumen fällt,
Es seufzt der Wald, es dampft das kahle Feld,
Nun kommt das Schlimmste noch, es regent.

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GEDICHTE: Regen in der Dämmerung, Hugo von Hofmannsthal, (1874 – 1929)

Der wandernde Wind auf den Wegen
War angefüllt mit süßem Laut,
Der dämmernde rieselnde Regen
War mit Verlangen feucht betaut.

Das rinnende rauschende Wasser
Berauschte verwirrend die Stimmen
Der Träume, die blasser und blasser
Im schwebenden Nebel verschwimmen.

Der Wind in den wehenden Weiden,
Am Wasser der wandernde Wind
Berauschte die sehnenden Leiden,
Die in der Dämmerung sind.

Der Weg im dämmernden Wehen,
Er führte zu keinem Ziel,
Doch war er gut zu gehen
Im Regen, der rieselnd fiel.

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ZUM 1. ADVENT

Ein besonderes Strahlen
erhellt wieder die Welt,
wenn die weihnachtliche Zeit
mit der ersten Kerze Einzug hält.
Möge sie allen Menschen Frieden schenken
und Wärme in ihre Herzen lenken.

Ich wünsche ALLEN
Freunden und Lesern
einen gesegneten
und einen besinnlichen
1. Advent.

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GEDICHTE: Die Raben, Georg Trakl, (1887 – 1914)

Über den schwarzen Winkel hasten
Am Mittag die Raben mit hartem Schrei.
Ihr Schatten streift an der Hirschkuh vorbei
Und manchmal sieht man sie mürrisch rasten.

O wie sie die braune Stille stören,
In der ein Acker sich verzückt,
Wie ein Weib, das schwere Ahnung berückt,
Und manchmal kann man sie keifen hören

Um ein Aas, das sie irgendwo wittern,
Und plötzlich richten nach Nord sie den Flug
Und schwinden wie ein Leichenzug
In Lüften, die von Wollust zittern.

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GEDICHTE: Herbstentschluss, Nikolaus Lenau

Trübe Wolken, Herbstesluft,
Einsam wandl‘ ich meine Straßen,
Welkes Laub, kein Vogel ruft.
Ach, wie stille! wie verlassen!

Todeskühl der Winter naht;
Wo sind, Wälder, eure Wonnen?
Fluren, eurer vollen Saat
Goldne Wellen sind verronnen!

Es ist worden kühl und spät,
Nebel auf der Wiese weidet,
Durch die öden Haine weht
Heimweh; – alles flieht und scheidet.

Herz, vernimmst du diesen Klang
Von den felsentstürzten Bächen?
Zeit gewesen wär‘ es lang,
Dass wir ernsthaft uns besprächen!

Herz, du hast dir selber oft
Weh getan und hast es andern,
Weil du hast geliebt, gehofft;
Nun ist’s aus, wir müssen wandern!

Auf die Reise will ich fest
Ein dich schließen und verwahren,
Draußen mag ein linder West
Oder Sturm vorüberfahren;

Dass wir unsern letzten Gang
Schweigsam wandeln und alleine,
Dass auf unserm Grabeshang
Niemand als der Regen weine!

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