Sie komm’n mir so bekannt vor!

„Sie komm’n mir so bekannt vor!“
Das ist ’ne Redensart,
die ganz gewiß von jedermann
schon angewendet ward.
Zum Beispiel, mancher Redakteur
geht ins Gefängnis rein;
der Wärter steht schon vor der Tür
und fängt gleich an zu schrein:
„Sie komm’n mir so bekannt vor!
Hier, bitte, ist die Tür!“
,,O ja“, sagt der, „ich weiß Bescheid,
ich war schon öfter hier!”

Herr Meyer, der im Leben oft
schon Pleite hat gemacht,
der es jedoch trotz alledem
zum reichen Mann gebracht,
der macht einmal ’ne Landpartie
und hierbei wird er dann
verschied’nen Herren vorgestellt.
Er schaut den einen an.
„Sie komm’n mir so bekannt vor!
Sah ich Sie nicht schon früh’r?“
,,O ja“, sagt der, „das kann wohl sein –
ich bin Gerichtsvollzieh’r“.

Ein junger Mann – ’ne junge Maid –
die hatten sich sehr gern.
Doch trotzdem heirat’t sie alsdann
sich einen älteren Herrn.
Der Storch kommt an – zwei Jahre drauf,
da spielt das Kind vor’m Haus.
Der junge Mann geht grad’ vorbei
und ruft voll Freuden aus:
„Du kommst mir so bekannt vor!“
Der Kleine sagt voll List:
„Nun komm nur her, gib mir die Hand,
ich weiß wohl, wer Du bist!“

Jüngst ging ich mal zum Opernball –
die Sache war sehr fein –
ich lud ins Chambre Séparée
ne Balleteuse ein.
Die Dame, die nicht als sie jung,
betrachtete mich dann –
und als man mich hier vorgestellt,
fingen sie zu weinen an.
„Sie komm’n mir so bekannt vor!
Ach“ sagte sie gerührt,
„Ich hab vor 20 Jahr’n mit
ihrem Vater schon poussiert!“

Ich ging einmal zum Maskenball –
doch hinterher gerannt
kam meine Frau als Maske an –
ich hab’ sie nicht erkannt.
Ich lud sie ein, ich tanzt’ mit ihr,
ich hab’ sie auch geknutscht.
Doch bei der Polka ist ihr dann
die Maske abgerutscht.
„Du kommst mir so bekannt vor“
sprach ich – mein Schreck war groß!
„Ja“, sagte sie, „komm nur mit nach Haus,
dann geht der Tanz erst los!“

Jüngst sah ich auf der Straße ’mal
’ne junge Dame gehn.
Die war so jung, so tugendhaft –
voll Staunen blieb ich stehn.
Ich hatte sie schon mal gesehn –
ich wußte nur nicht, wann –
Ich dachte mir: Das beste ist,
du gehst mal an sie ’ran.
„Sie komm’n mir so bekannt vor!“
sprach ich – sie schämte sich –
und flüsterte mir was ins Ohr –
Das sag’ ich Ihnen nicht!

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Wenn man etwas erreicht hat,
stellt man fest,
dass es noch vieles andere
zu erreichen gibt.

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Unsere Freunde, die Blumen… Das Vergißmeinnicht…

Das Vergissmeinnicht ist ein beliebter Frühjahrsblüher, das uns aus vielen Gärten, mit seinen hellblauen, kleinen Blüten bekannt ist. Das Vergissmeinnicht (Myosotis)gehört zur Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae). Einige Sorten werden als Zierpflanzen verwendet. Das Vergißmeinnicht heißt auch in vielen anderen Sprachen so, z. B. in Großbritannien “Forget me not” oder “Ne m’oubliez pas” in Frankreich. Es wird auch Blauer Augentrost, Zauberpflanze, Liebespflanze genannt. Seine Farbe ist Blau. Blau ist in der Symbolik die Farbe der Treue.

Als “Zauberkraut” sagte man dem Vergißmeinnicht magische Kräfte nach. Es soll, wenn die Wurzeln oder ein Blütenkranz um den Hals oder an das Herz des geliebten Menschen gelegt werden, eine Art von “unsichtbare Ketten der Treue” bilden. Für ein Liebesorakel sollte man in der Walpurgisnacht, am 30.4., etwas Erde auf einen Stein geben und zwei Vergissmeinnicht darauf pflanzen. Wachsen diese aufeinander zu, gilt das als Hinweis, dass der/die Geliebte treu bleiben oder bald heiraten werden.

Obwohl das Vergißmeinnicht in der Homöopathie als Heilpflanze kaum eingesetzt wird, hat es dennoch wirksame Heilkräfte. Es wirkt entzündungshemmend, zusammenziehend, beruhigend und stärkend. In der Heilkunde wird das Acker-Vergissmeinnicht hin und wieder gegen Erkrankungen des Lymphsystems eingesetzt. Wenn man das Vergissmeinnicht dennoch als Heilpflanze einsetzt, wendet man es bevorzugt als Tee an. Für einen Vergissmeinnicht-Tee übergiesst man ein bis zwei Teelöffel Vergissmeinnicht mit einer Tasse kochendem Wasser und lässt ihn zehn Minuten ziehen. Anschliessend abseihen und in kleinen Schlucken trinken. Von diesem Tee trinkt man ein bis drei Tassen täglich.

Um das Vergißmeinnicht ranken sich viele Legenden. Einige stammen aus dem Mittelater. Unter anderem diese hier: Als einst ein Liebespaar am Fluss spazieren ging, entdeckte das Mädchen am Ufer eine blaues Blümchen. Ihr Liebster stieg hinab, um das Blümchen, für seine Liebste zu pflücken. Dabei fiel er ins Wasser und wurde von dem wilden Strom fortgerissen und konnte ihr nur noch zurufen: “Vergiss mein nicht!”. Das ist nur eine von zahlreichen Legenden, wie das zarte blaue Blümchen, mit dem gelben Auge, zu seinem Namen kam. Einer anderen Legende nach, soll das zarte Pflänzchen seinen Namen seiner Vergesslichkeit verdanken. Weil es sich nach der Erschaffung der Welt einfach nicht seinen Namen merken konnte, bat es Gott ihm den Namen Vergissmeinnicht zu gegeben.

In der Sprache der Blumen sagt das Vergißmeinnicht: Du sollst an mich denken.

Freundlich blüht an stiller Quelle
in des Mondes Silberlicht
eine Blume, zart und helle
und die heißt Vergissmeinnicht.
Rosen, Tulpen, Nelken,
alle Blumen welken,
aber nur die eine nicht,
und die heißt: Vergissmeinnicht

Poesiealbumverse

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Warum? Warum? Warum?

Auf dieser Welt, so wunderlich
ist manches sehr absunderlich.
Wenn ich mir so die Welt betracht’,
dann gebe ich auf alles acht –
dann staun’ ich manchmal und ich brumm’:
„Warum, warum, warum, warum?“

Erst kommt man ungewollt zur Welt –
man rafft, man schafft, man ringt nach Geld,
man sitzt und schwitzt und lernt sehr viel –
und wenn man glaubt, man ist an Ziel,
dann heißt es: „Deine Zeit ist um!“
Warum, warum, warum, warum?

Die Menschen sind nicht alle gleich,
Der eine arm, der and’re reich,
der eine lebhaft, einer stumm,
der eine grad’, der and’re krumm,
der eine klug, der and’re dumm –
Warum, warum, warum, warum?

Weil Eva einst im Paradies
den Apfel dort nicht hängen ließ,
deshalb verschloß man uns die Tür
wir könn’n doch schließlich nichts dafür –
Zur Strafe geh’n wir draußen ’rum –
Warum, warum, warum, warum?

Ein Krieg ist manchmal kurios,
ein Heer geht auf das andre los –
Soldaten, die sich nie gekannt,
sind aufeinand’ in Wut entbrannt –
der eine bringt den andern um –
warum, warum, warum, warum?

Manch ein Beamter auf der Erd’n
braucht nichts zu tun, als alt zu werd’n.
Mit sechzig Jahren wird er Rat,
mit siebzig ein Diplom vom Staat,
mit achzig kriegt er ‘n Orden um –
warum, warum, warum, warum?

Als wir einst auf die Welt gekomm’n,
ward kaum von uns Notiz genomm’n.
Doch wird ein Prinz geboren mal,
dann knallt es gleich ganz kolossal –
Kanonen machen: bumm, bumm, bumm –
warum, warum, warum, warum?

Wenn heut’ ein Armer etwas nimmt,
kommt ins Gefängnis er bestimmt –
doch schafft ein Reicher was beiseit’,
dann heißt’s: „Der Kranke tut uns leid,
der muss ins Sanatorium.“
Warum, warum, warum, warum?

So mancher kehrt zur Sommerzeit
zum kalten Norden, wo es schneit –
im Winter aber, wenn es schneit,
dann macht ihm gerad’ der Sommer Freud’.
Dann reißt er nur im Süden rum.
Warum, warum, warum, warum?

Ein Rennpferd denkt: „Was habe ich?
Man sitzt auf mir und setzt auf mich –
Gewinn’ ich, kriegt mein Herr den Preis,
mich schlag’n sie, jage nicht in Schweiß
und treiben mich im Kreis herum –
Warum, warum, warum, warum?

‘s geht auf der Straß’ ein Mägdelein
des abends noch bei Mondenschein.
Ich glaub’, die fürchtet sich allein –
drum möcht’ Sie nicht alleine sein.
Wenn einer kimmt, dann sagt sie: „Kumm!“
Warum, warum, warum, warum?

Es wird sehr selten, wie bekannt,
ein Jud’ Reserveleutenant –
oft dacht’ ich mir: „Wie kommt das nur?
Es liegt vielleicht an der Figur,
vielleicht ist auch die Nos zu krumm,
warum, warum, warum, warum?“

In Öst’reich stand man lange Zeit
hart an der Grenze kampfbereit.
Millionen sind umsonst vertan –
jetzt schau’n sich dort die Leute an
und frag’n das Ministerium:
„Warum, warum, warum, warum?“

Steht ein Soldat vorm Schilderhaus –
da steht er nun Tag ein, Tag aus –
von Zeit zu Zeit, da ruft er: „Raus!“
Hält das Gewehr geradeaus –
dann macht er kehrt und dreht sich um –
warum, warum, warum, warum?

Auf einer Hofjagd eins, zwei, drei,
treibt man das ganze Wild herbei –
‘s wird neb’neinander aufgestellt –
dann knallt man’s weg – und, wenn sie fällt,
denkt so ‘ne Wildsau mit Gebrumm:
„Warum, warum, warum, warum?“

In Frankreich lebt man, wie bekannt,
mehr wie in jedem and’ren Land –
und trotzdem hab’n die Leut’ kein Glück,
‘s gehn die Geburten dort zurück –
es fehlt das richt’ge Fluidum. –
Warum, warum, warum, warum?

Es sagt die Frau zu ihrem Mann:
„Ihr Männer seid viel besser dran.
Ihr drückt uns liebestoll an’s Herz,
Wir Frauen hab’n nachher den Schmerz,
und ihr habt nur das Gaudium –
Warum, warum, warum, warum?“

Vom Reichstag meldet der Chronist:
’s kommt in die Höll’ der Sozialist (auf Schellackplatte: Kommunist) –
die meisten anderen Partei’n,
die komm’n ins Fegefeuer rein.
im Himmel sitzt das Zenterum.
Warum, warum, warum, warum?

So gibt’s auf Erden mancherlei,
wo man sich fragt, warum das sei –
das Beste, liebes Publikum,
wird sein, man schert sich nicht darum –
man lebt froh in den Tag hinein,
man denkt bei sich: ,Das muß so sein –
und pfeift auf das Warum.

————— Ende der Druckausgabe ——-
Die folgende Strophe entstammt dem handschriftlichen Nachlass Otto Reutters. Sie wurde
bisher noch nicht gedruckt. Vielen Dank an Siegfried Naujeck für das Auffinden.

Am Schweinemarkt steht ein Merkur –
Der hat ‘ne komische Figur –
Die Hände hält er so heraus –
Er sieht ein bisschen jüdisch aus,
Sogar die Nos’ ist etwas krumm,
Warum, warum, warum, warum?

‘s gibt neue Steuern immer mehr –
Wir brauchen bald ‘ne Steuerwehr.
Für jeden gilt die Steuerpflicht –
Nur für den Fürsten gilt sie nicht –
Die hab’n das Privilegium –
Warum, warum, warum, warum?

„Der Völkerfrieden, der ist nah“,
Sprach England und Amerika. –
Jetzt leidet Deutschland große Qual –
Die aber bleiben hübsch neutral.“
Sie stehen still und bleiben stumm –
Warum, warum, warum, warum?

Begräbt man einen Krieger mal –
Spielt man ‘nen traurigen Choral –
Doch kommt vom Friedhof man zurück –
Dann gibt’s ‘ne lustige Musik –
Mit Tschingdera und Dideldum –
Warum, warum, warum, warum?

Es heißt: Den Krieg verloren wir. –
Doch wir hier, wir könn’n nichts dafür. –
Wär’n wir in Engeland gebor’n,
Dann hätten wir doch nicht verlor’n.
1. Nun straft man uns, das Publikum –
2. Nun trag’n wir an der Last uns krumm –
3. Die schuld sind, laufen frei herum –
Warum, warum, warum, warum?

Wer mich mal trifft, sagt oft entsetzt:
„Gott sind Sie grau geworden jetzt!“ –
Das freut mich immer kolossal. –
Er aber ward inzwischen kahl. –
Das sagt er nicht, da ist er stumm: –
Warum, warum, warum, warum?

So manche Maid herumspaziert –
Die oben schwitzt und unten friert. –
Seh ich mir solche Nymphe an,
Hat unten dünne Strümpfe an –
Und ob’n ‘nen dicken Kragen um. –
Warum? Warum? Warum? Warum?

——————————————
Auf der Schellackplatteaufnahme:

Im Kriege glaubten wir allein,
der Herr wird uns den Sieg verleih’n.
Zum Himmel sah’n wir täglich auf,
„Gott strafe England!“ schrien wir rauf –
er strafte uns und dreht’ sich um.
Warum, warum, warum, warum?

Hoch leb’ die Schupo-Polizei!
Man sieht nicht einen – immer zwei.
Nur halb freut freut sich der Mensch allein –
es müssen immer zweie sein.
Wenn was passiert, dann kehr’n se um.
Warum, warum, warum, warum?

Der Herrgott schaut vom Himmelsblau
herab auf Oberammergau:
„Ich starb einst arm auf dieser Welt –
Die frommen Leut’, für schweres Geld
kopier’n se mich und bring’n mich um.
Warum, warum, warum, warum?

’nen König, der dreitausend Jahr’
in seinem Grab gelegen war,
den störte man in seiner Ruh’.
Er denkt: ,Laßt doch den Deckel zu!
Was dreht ihr mich im Grabe ’rum,
Warum, warum, warum, warum?

Das Tier geht nackt seit alter Zeit –
wir hüll’n uns ein voll Sittlichkeit,
obwohl Natur stets recht behält.
Da auch der Mensch kommt nackt zur Welt,
erst nachher häng’n se uns was um –
Warum, warum, warum, warum?

Wenn wir wen treffen, frag’n wir stets
gedankenlos und schnell: „Wie geht’s?“
Dann geh’n wir weiter und der steht,
’s ist uns ganz schnuppe, wie’s dem geht.
Wir fragen bloß so blöd und dumm –
Warum, warum, warum, warum?

Wenn wir mal gehen zum Friseur
spricht ganz bestimmt vom Wetter er.
Dabei komm’n wir von draußen her
wir wissen’s besser als wie der.
Doch er erzählt’s dem Publikum,
Warum, warum, warum, warum?

Wenn heut’ein junges Mädchen freit,
fragt man nach der Vergangenheit –
ob sie gelebt nach der Moral –
wie Er gelebt hat, ist egal.
Dem Mann nimmt man so leicht nichts krumm.
Warum, warum, warum, warum?

————————————-
aus dem Gedenkbuch für Otto Reutter von Oppermann:

Wir sprachen deutsch, als Krieg noch war.
Jetzt sag’n wir wieder “Boudoir”.
Statt “Stube” sagen wir “Salon”.
Statt “Brühe” saufen wir “Bouillon”.
Wir lern’n allmählich wieder um.
Warum, warum, warum, warum?

“Gebt Waffen ab!” heißt’s spät und früh.
Die Strolche nur behalten sie.
Die kommen an mit dem Gewehr.
Der Staat, der leistet nicht – Gewähr.
Dann steh’n wir da – man bringt uns um.
Warum, warum, warum, warum?

Wer talentiert für kein Fach ist,
Ob es nun dein, ob mein Fach ist –
Und doch glaubt, dass es sein Fach ist,
Obwohl das gar nicht einfach ist,
Der kommt ins – Ministerium …
Warum, warum, warum, warum?

Der Bismarck schaut von oben drein.
“Das ganze Deutschland soll das sein?” –
Zum Moltke spricht er mit Bedacht:
“Wir haben Deutschland groß gemacht
Und schlugen den Napolium.”
Warum, warum, warum, warum?

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Wer sich für klüger hält als die anderen,
der wird am ehesten betrogen.

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Heimat

O Deutscher, du magst reisen
Wohl in das fernste Land –
Wirst doch die Heimat preisen,
Wo deine Wiege stand.
Und hast du auch verloren,
Was lieb und teuer war,
Dem Ort, wo du geboren,
Hast Treue du geschworen –
Du liebst ihn immerdar.
Und heute mehr als je
Singst du voll Lust und Weh:

“O Heimat, o Heimat,
O Wort voll Poesie –
O Heimat – o Heimat,
So liebt’ ich dich noch nie.
Du schlingst um alle Deutschen
Ein ewig festes Band –
O Heimat – o Heimat,
Mein deutsches Vaterland.”

Das Liebste auf Erden
Wird uns erst offenbar,
Soll’s uns entrissen werden
In Stunden der Gefahr.
Man möcht uns jetzt verjagen
Von Land und Haus und Herd;
O Heimat, laß dir sagen:
Du hast in diesen Tagen
Den tausendfachen Wert.
Wir geben nimmermehr
Ein’ Fußbreit Erde her.

“O Heimat, o Heimat,
O Wort voll Poesie –
O Heimat – o Heimat,
So liebt’ ich dich noch nie.
Mag alles uns bedrohen –
Wir halten wacker stand,
O Heimat – o Heimat,
Mein deutsches Vaterland.”

Es dehnt die müden Glieder
Ein Krieger nach der Schlacht;
Der Abend sinkt hernieder,
Und leise naht die Nacht.
Das Haupt auf dem Tornister –
So ruht der Kämpfer aus;
Im Traum woanders ist er –
Sieht Eltern und Geschwister
Und sieht sein Vaterhaus.
Sieht deutschen Flur und Hain
Und deutsche Mägdelein.

“O Heimat, o Heimat,
O Wort voll Poesie –
O Heimat – o Heimat,
So liebt’ ich dich noch nie.
Mein Denken und mein Sehnen
Bleibt Dir nur zugewandt,
O Heimat – o Heimat,
Mein deutsches Vaterland.”

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Zur menschlichen Schwäche
gehört auch der Undank.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Alles was wir meinen zu besitzen,
ist in Wirklichkeit nur geliehen.

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Unsere Kriegsfrauen…

Heute wo mancher Mann im Feld ist
wo’s ganz anders auf der Welt ist
muß die Frau, die daheim geblieben
den Beruf des Mannes üben,
Wenn die Frau’n jetzt Schuster werden,
Ach dann wird es fein auf Erden,
Dann kann sich der Mann begraben,
so’ne Frau möcht ich nicht haben,
Weil sie selbst für ihren Mann
den Pantoffel nähen kann.

Wenn die Frau’n Frisöre wären,
Ach dann wird es fein auf Erden,
können sie uns den Schnurrbart drehen,
das die Enden aufwärts stehen,
wenn sie flink das Messer schärfen
und den Schaum in’s Antlitz werfen,
denn die Frau’n sie wer’ns begreifen,
die verstehn uns einzuseifen
und sie führ´n das Publikum
immer an der Nase rum.

Wenn die Frauen Bäcker werden
Ach dann wird es fein auf Erden,
denn von solchen Frauenbäckern
da schmeckt alles süß und lecker,
Ein Komißbrot schmeckt wie Kuchen,
doch die Frau’n soll’n nicht versuchen,
auch die Brötchen uns zu spenden,
das geht nicht mit Frauenhänden,
Frauenhändchen sind zu klein,
da geht gar kein Brötchen rein.

Wenn die Frauen Metzger werde
Ach dann wird es fein auf Erden,
Ochsen, Kühe, Schweine, Kälber,
freuen sich dann am meisten selber,
denn die Frauen sind nicht so kräftig,
und sie stechen nicht so heftig,
fängt die Frau mal an zu Ritzeln,
Quiekt das Schwein “ach nicht so kitzeln”,
ohne Schmerz und ohne Not
stirbt das Schwein und lacht sich tot.

Wenn die Frauen Fahrer werden
Ach dann wird es fein auf Erden,
wenn sie vor ‘ner Elektrischen stehen,
klingeln und die Kurbel drehen.
Macht man Witze wird sie sagen,
mir fährt keener an den Wagen,
drückt man sie, dann sagt sie schnelle
“Hier ist keene Haltestelle”,
Hält man fest sie, sagt sie knapp,
“Jetzt halt ich, Sie fahren ab!”

Wenn die Frauen Flieger werden
Ach dann wird es fein auf Erden,
Manche Braut nimmt schlauer weise,
Ihren Schatz mit uff die Reise,
Schimpft er, sagt sie seht den Schuft an,
Halt bloß in der Luft die Luft an,
Will er oben raus, dann schreit er,
zieht sie mit ihm immer weiter,
bis sie auf dem Nordpol hält
und dann wird er kalt gestellt.

Wenn die Frau’n Ex’kutor werden
Ach, dann wird es fein auf Erden,
Denn die Frauen sehr viel ergründen’se,
Was zu holen ist, das find’se,
Sieht’se Möbel in der Wohnung,
sagt dem Schuldner ohne Schonung,
Wenn sie mir das Geld nicht geben,
muß ich Ihnen ein’ge kleben,
Hoch verfaßt sie, bitte ruh’
Und klebt ihm die Klappe zu.

Doch das schönste ist auf Erden,
wenn die Frauen Mutter werden,
davor streckt der Mann die Waffen,
dafür sind sie wie geschaffen,
D’rum übt einst nach langer Pause,
den Beruf der Mann zuhause,
dann kann sie darauf verzichten,
sie besinnt sich ihrer Pflichten,
Mutter werden ist nicht schwer,
Mutter sein dagegen sehr.

Otto Reutter

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Vorm eisernen Hindenburg…

Am Königsplatze stehet,
Ein Mann der Deutschlands Stolz.
Zwar nur von Holz, doch sehet,
von ganz besondrem Holz.

Strömt herbei ihr Völkerscharen,
“Hindenburg” sei’s Losungswort,
auf das Holz, das wir gebahren,
schlagen wir Eisen immerfort.

Frug ein Kind heut’ die Mamma,
“Wie viel Nägel braucht man da?”
Weißt Du wie viel Sternlein stehen,
an dem blauen Firmament,
so viel Nägel wirst du sehen,
auf dem großen Monument.

Man und Weib und Kind und Kegel,
sieht man nagelnd oben steh’n.
5 mal 100.000 Nägel
sind da gar nicht groß zu sehn.

Das Nageln wird zur Regel,
die Leute kommn zur hauf,
schon auf die Fingernägel
gehn tausend Nägel drauf.

Ich sah’ mir jüngst das Treiben an,
vom Kronprinzpaar kamn’ die Prinzen ran,
die schlugen gold’ne Nägel ein,
und sangen dazu sehr fein:
Wir lieben unser Vaterland,
grad’ wie der Pappa,
wir nehmen die Waffe in die Hand,
grad’ wie der Pappa
Wir steigen auf den Sockel ruff,
wir hauen und hören sobald nicht uff,
wir schlagen – immer feste druff,
grad wie der Papa.

Ein Mütterlein von 70 Jahren,
der Sohn im Feld, sie steht allein,
tat mühsam eine Mark ersparen,
und stellt sich vor dem Denkmal ein.

Wie hab’ ich gesorgt von der Frühe bis Spät,
für Dich, Du mein einziges Kind.
Und als Du ins Feld zogst, was hab ich erfleht,
für Dich, Du mein einziges Kind.
Bin längst ohne Nachricht, nichts ist mir bekannt,
vielleicht liegst Du draußen, im feindlichen Land,
drum schlag ich den Nagel mit zitternder Hand,
für Dich, Du mein einziges Kind.

Nun kommt die Rieke vom Kommerzienrat,
ihr Fritze der is ooch Soldat,
sie stellt sich zum Konzertbeginn,
vorm Hindenburge hin.
Ach mein Fritz, wie der Blitz,
muß zum Städtelein hinaus
und ick dein Schatz blieb hier.
Darum Fritz nehm ick zwee Nägel
eener kommt von mir herauf,
und eener kommt vor Dir.
Und nun haut die holde Rieke
immer an de Wand lang, immer an der Wand lang,
nach dem Takte der Musike
immer an der Wand, an der Wand entlang.

Ein Lehrling 16 Jahre,
der sprach “bin noch keen Mann,
doch wenn der Krieg noch lange währt,
dann komm’ ick ooch noch ran.”
Stieg aufs Gerüste dann,
sah Hindenburge an
dann sagt er zu dem jroßen Mann,
der janze kleene Mann:
“Du schwärmst für Kampf und Pulverrooch,
– ick ooch
Du stehst für’n Deutschen stets zu hoch
– ick ooch.
Du sagtest, “paß mal uff ick klopp
– ick ooch
Du trafst den Nagel uffn Kopp
– ick ooch.
O Hindenburg, O Hindenburg
wie dick sind Deine Bretter.
Der Nagel muß bis hinten durch,
potz-donner-nagel-wetter,
Dann steig ich vom Gerüst herab,
was werd´n die Russen sagen –
Ich bin der stärkste Mann, ich hab
den Hindenburg geschlagen.

Nun sah zu dem Denkmal ich schreiten,
‘n Jüngling mit traurigen Sinn
er wollt in den Krieg, wollte stre-i-ten,
sie ließen ihn leider nicht hin.
Er sagte janz beklommen,
sie ham mer nich genommen,
mein Herz schlägt ohne Ruh’h-u
voll Schmerz ich bin “D.U.”

D.U. – D.U. liegst mir im Herzen,
D.U. – D.U. liegst mir im Sinn,
D.U. – D.U. machst mir viel Schmerzen,
weil ich Dienst-Untauglich bin.

Macht nisch, macht nisch – is mir einerlei,
wer D.U. is der hilft ooch dabei,
‘nen Säbel wollt ick haben
und nen Hammer gab’n se mir –
Jetzt kämpf ick ooch für Deutschland
ihr haut drauf – ick hau hier.

Ein alter Krieger, der noch gut zu Wege,
sprach zu der Alten , komm’s ne Runde schaun,
hier wird geübt, die schönste Nagelpflege,
hier pflegen mir ooch nen Nagel reinzuhaun.
Anno 1870
haut ich los ganz kolossal,
ja die Hauerei wie Siebzig,
doch hier hau ick ooch noch mal,
Denk wenn ick den Nagel klopp,
hau den Russen uff ‘n Kopp,
Jeder Nagel für ne Mark,
wird’n Nagel für sein Sarg.
So olle kloppe du ooch nun nen Nagel in det Loch,
nee, nee det mußte selber tun, so viele kannste noch,
und hältst det Kloppen kaum noch aus,
leg ich den Nagel hin,
dann suchste dir nen Ast noch aus,
den kriegsten besser rinn.
Kraft für Deutschland muß uns frommen,
werden die Nägel reingehaun,
wenn die Schwalben wieder kommen,
die wern schaun, ja-a die wern schaun!

Wenn im Frühling blüht der Flieder
erkennst den Hindenburg nicht wieder,
der Effekt auf seinen Mieder
ist enorm –
dann ist alles reingehauen,
und dann kann ihn jeder schauen,
in ‘ner wunderschönen grauen
neuen Feld-uni-form.

Und der Bismarck reckt und streckt sich,
er den Mann vorm Reichstag sieht.
Schaut herüber – was entdeck ich,
und dann singt er leis das Lied:
“Ich hab’ einen Kameraden,
einen bess’ren gibt es nicht,
er ist, er tats beweisen,
wie ich ein Mann von Eisen,
sein Denkmal grüß ich hier,
als wär’s ein Stück von mir.”

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Zerschlägt sich eine deiner Hoffnungen,
dann höre nicht auf zu hoffen.
Eine Tür wird geschlossen,
doch viele andere stehen dir noch offen.

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Es läppert sich zusammen mit der Zeit…

Es ist das Sparen, meine schwache Seite.
Ach, dieser Kummer macht mich schon ganz bleich!
Viel Geld zu haben, ist die Losung heute,
doch ich werd’ eher mal verrückt als reich.
Jüngst sagte mir ein Freund, der nie in Nöten:
„Ich habe schon zum viertenmal gefreit,
und jede Frau bracht’ mir sehr viel Moneten –
es läppert sich zusammen mit der Zeit!“

‘s wird von Geburtenrückgang viel gesprochen.
Drum sorgt für Kinder! hört man täglich schrei’n.
Jedoch der Storch hält sich jetzt meist verkrochen,
kehrt höchstens mal, wo’s nicht gedacht wird, ein.
So laß doch jene, die da stetig schreien,
den Anfang machen, ohn’ Bedenklichkeit,
und immer gleich mit zweien oder dreien –
es läppert sich zusammen mit der Zeit!

‘ne junge Maid genoß voll Lust ihr Leben.
Die alte Mutter sprach oft auf sie ein:
„Mit deinem leichten Handeln, deinem Streben
fällst du ganz sicher noch einmal hinein.“
Sie aber sprach: „Was nützt des Daseins Plage?
solang ich jung, leb’ ich voll Lust und Freud.
Die Zahl des Alters steigt mit jedem Tage –
es läppert sich zusammen mit der Zeit!”

Man steuert einer neuen Zeit entgegen,
und zwar die Zeit der neuen Steuern strahlt.
Uns ist natürlich nichts daran gelegen,
wir hab’n die alten ja nicht mal bezahlt.
Nun hab’n wir Kirchen-, Erbschafts-, Einkomm’nsteuer,
Ergänzungssteuern, zu des Bürgers Leid.
Der Staat allein denkt voller Freud und Feuer:
Es läppert sich zusammen mit der Zeit!

Mir will kein Mädel auf der Welt gefallen,
‘ne jede hat was an sich, was mißfällt,
und darum sage ich es heute allen:
„Die Weiber taugen nichts mehr auf der Welt!“
Ich such’ ein Weib, das wirklich auserlesen,
denn ach, bisher ging durch mir jede Maid.
So bin ich zwanzigmal verlobt gewesen –
es läppert sich zusammen mit der Zeit!

Es steht ein Mann geknickt vor dem Gerichte,
zum wiederholtenmal schon, da er stahl.
Der Richter spricht mit ernstem Angesichte:
„Sie sind schon vorbestraft? – Das ist fatal!
Sie haben, wie ich seh’, zehn Jahr im Nacken?“
Da gab der Dieb ganz freundlich den Bescheid:
„Wenn mich die Richter weiter so verknacken –
dann läppert’s sich zusammen mit der Zeit!“

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Jeder Mensch hat eine dunkle Seite,
die er niemanden zeigt.

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Rückblick auf die große Hitze vom Jahre 1911

O Leute weint, heut reiß ich keine Witze,
denn ich beginne mit ‘nem Trauermarsch.
Ich will berichten von der großen Hitze;
im Sommer Neunzehnhundertelf war’s.
An diese Hitze denken auch noch heute
bis in die fernsten Zeiten alle Leute.

Das war ein Sommer hell und klar,
so heiß, wie wohl noch keiner war.
“Wer weiß noch” frug man müd und matt
“wann’s letzte Mal geregnet hat?”

Die Leute sannen hin und her,
nicht mal die ältsten wußten’s mehr.
O schöne Zeit, o sel’ge Zeit,
wie liegst du fern, wie liegst du weit.

In diesen Sommer hat man viel geseh’n,
ein Ding nur blieb im tiefsten Winkel stehen,
das war ein Ding, für das ich riesig schwärm,
es war ein aufgespannter Regenschärm.

Nichts ist schwerer zu ertragen,
Als ‘ne Reih’ von schönen Tagen.
Vom April bis zum Oktober
Glüht die Sonne wie Zinnober.
Alle gingen an der See ‘rum,
Ging’n im tiefsten Negligee ‘rum.
Selbst den Frau’n ward alles schwerer,
Sie wurden immer negligérer.

Durch die Hitze, sollt man’s glauben –
Gab es gleich gebrat’ne Tauben.
Jeder Apfel an dem Baume
Ward gebacken, wie ‘ne Plaume –
Jedes Hühnlein in der Scheuer
Legte hartgekochte Eier.
Jede Kuh gab gern und willig
Warme, selbstgekochte Millich.

In den Restaurants, o Wonne –
Gab’s nur Warmes durch die Sonne.
Warmes Bier nur bracht’ man her. –
Kalten Aufschnitt gab’s nicht mehr.
Butter wurde Suppenfutter,
Käse wurde Mayonaise,
Würste flossen, hingegossen.
Selbst die Sülze sprach: “Ich schmilze!”

“Wasser!” schrie’n die reichsten Prasser.
Selbst die Bayern schrie’n nach Wasser.
Unsre Kriegesdiplomaten
Mußten beim Beraten braten.
Selbst der drallsten Bauerndirne
Rann der Schweiß schon von der Stirne.
Von der Dirne heiß
Rinnen muß der Schweiß.

Den Nordpol, den wird niemand mehr ergründen.
Der ist geschmolzen, – keiner kann ihn finden
Und alle Mädchen, – auch die prüden, stolzen,
Die war’n verliebt, denn alle Herzen schmolzen
Die Männer, die sind ohne Rock gegangen,
Das durften sich die Frau’n nicht unterfangen.
Der Vater, Mutter, Bruder, Onkel, Vetter,
Selbst die Friseure sprachen nur vom Wetter.

Sobald zwei Leute sich begegnet,
Da war das erste Wort: “Ach, wenn’s doch bloß mal regnet.”
Leute, die sich nie gekannt,
Drückten sich die warme Hand.
“Diese Hitze, – wie ich schwitze”,
Das war der Unterhaltungszweck.
Und ging´n die beiden wieder weg,
Lag hier und da ein Wasserfleck.

Alle fuhr zum kühlen Strande – alles ging ins Wasser rein.
im Wasser, im Wasser, da war man voller Freud’, –
Da sah man nicht nur Christen, – man sah auch – – andre Leut’.
Denek´n Sie sich bloß mal an:
Der Herr Rentier Maier
Sprach voll Stolz: “Ich hatt’ im Bad
Jetzt ein Abenteuer.
Fahr’ ins Bad schon dreißig Jahr’,
Wo ich nie im Wasser war.
Aber diesmal ging ich rein,
Konnt’ mich nicht geduld’gen.
Bei der großen Hitze, da
ist das zu entschuld’gen.”
Scheint die liebe Sonne so warm und so heiß,
braucht man sehr viel Wäsche, denn der Mensch kommt in Sch – – –

Weißt du, wie viel Hemdenkragen
ich im Sommer durchgeschwitzt?
Wie viel Röllchen ich getragen,
Wie viel Tücher ich benützt?
Wie viel hunderttausend Fliegen
An mir auf- und abgestiegen –
Und wie oft ich in der Nacht
Durch ‘nen gewissen Biß erwacht?
Sobald ich liege, da kommt ‘ne Fliege
Und beißt mich in das Bein.
Am andern Beine sitzt auch noch eine
Und beißt in mich hinein.
So stört meinen Schlummer – so’n Brummer, so ‘n dummer.
Drum denk’ ich voller Kummer an den vegang’nen Summer.

Ich kenn’ ein Ehepärchen, das nahm sich im schönen Monat Mai, –
Da kam die große Hitze, da war’s mit der Leidenschaft vorbei.
Er sprach: “Laß erst August sein, –
Dann komm’ ich zum Bewußtsein.
Doch wünsch’st Du Dir ‘nen Kuß,
Das tu nie im Juni und Julius.”
Dann stritten sich die beiden rum.
Sie sah ihn schmachtend an
Und sprach: “Dein Warten ist zu dumm –
Komm, küss mich, lieber Mann.”
“Es ist so heiß”, sprach da der Mann,
“Sobald es regnet, fang’n wir an.”

Er hieß Theophil – sie hieß Adelheid. –
Alle Tage sang sie voller Traurigkeit:
“O Theophil, – o Theophil –
Was krieg’n wir heut für Wetter?
Wie lang ist doch die Sommerzeit –
Wär’s doch erst Winter, wo es schneit.
“O Theophil, – o Theophil –
Wie steht das Barometer?”
Und dann schaut sie nach dem Himmel, und dann weint sie ganz leis,
Denn da scheint die liebe Sonne so warm und so heiß.

Sie sprach verliebt: “O Theophil –
Sei bei der Hitze nicht so kühl.
Du gibst kein Küßchen, Theo, mir,
Bei 30 Graden Reaumur.”
“Nein”, sprach er, “das ist kein Genuß
Bei vierzig Graden Celius.
Drum laß die Sehnsucht fahren heut’
Bei 60 Graden Fahrenheit.”

Ja, so zwei, wie die zwei, gab’s keine zwei mehr.
Sobald er mal ausging, rief sie hinterher:
“Schatz, bleib’ hier, Du weißt ja nicht, wie’s Wetter wird.

Ach, es wär’ mir angenehm,
Wenn jetzt ein Gewitter käm’!
Brauchten wir fürs Firmament
Einen Regenschirm am End’?

Käm’ doch mal ein Tröppchen,
Käm’ doch mal ein Tröppchen –
Käm’ ein Tröppchen mir aufs Köppchen”

Und dann schaut sie nach dem Himmel und dann weint sie ganz leis,
Denn da scheint die liebe Sonne so warm und so heiß.

Und so ging ein Monat nach dem andern hin
Und die beiden sangen mit betrübtem Sinn:
“Wir schwitzen so fröhlich beisammen,
Und hab’n doch einander so lieb,
Es kann doch nicht ewig so bleiben, –
Ach, wenn’s nur nicht immer so blieb!”

Und es blieb nicht ewig so,
Anders ist es heute.
Vor zwei Tagen traf ich mal
Die zwei Eheleute –
Und sie sprach: “Jetzt bin ich froh,
Wenn ich bei ihm sitze.
Grade, wenn’s am kühlsten ist,
Kommt er in die Hitze.”

Mit der Historia schließ’ ich die Geschichten.
“Die Hitze ist vorbei!” – ruf ich voll Lust.
Nur eines will zum Schluß ich noch berichten:
“Mensch, wenn Du krank bist, wenn Du schwitzen mußt,
Und, wenn Du glaubst, daß Dir kein Mittel helfe,
Ein Mittel gibt’s, das bringt Dein Blut in Schwung:
Denk’ an den Sommer von Neunzehnhundertelfe,
Dann schwitzt Du gleich – in der Erinnerung.”

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Mut ist nicht,
keine Angst zu haben,
sondern die Angst
zu kontrollieren.

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Die Erinnerungs-Kassette

In meinem Schreibtisch hab’ ich ‘ne Kassette,
Da schloß ich alles ein aus früh’rer Zeit.
Hier hat noch die Erinnerung ‘ne Stätte,
Sie ruft zurück mir die Vergangenheit,
‘ne Schneiderrechnung, Hose, Rock, zwei Westen
Für hundert Mark — das Futter gab’s noch zu,
‘ne Schusterrechnung — fünfzehn Mark die besten,
Heut’ kost’t ein Schnürband mehr, wie hier ein Schuh.

Die hundert Frank konnt’ ich einst billig holen,
Als die Valuta hoch, am höchsten stand.
An dieser letzten aller Friedenskohlen
Erwärm’ ich mich — die setz’ ich nicht in Brand.
Dies Zeugnis — meine Mutter hat’s geschrieben
Einst für die Köchin — zwanzig Jahr im Haus.
Heut’ sind sie vierzehn Tage kaum geblieben
Und dann schreib’n sie der Frau ein Zeugnis aus.

Einst — Anno Tobak — hab’ ich noch bekommen
Hier die Zigarre — die ist noch von früh’r.
Nur jeden Festtag wird ein Zug genommen,
Das ist ein wunderschöner Zug von mir.
Von meinem Vater ‘ne alte Steuerliste:
Er ist schon tot — das schafft mir keine Not,
Denn wenn der heute Steuern zahlen müßte,
träf ihn der Schlag — dann wär’ er wieder tot.

‘ne Speisekarte — so war’s einst zu lesen,
Hier in Gedanken speis’ ich à la carte.
‘ne Länderkarte — Deutschland, wie’s gewesen,
Hier in Gedanken reis ich a la carte,
Ein Bahnbillett — o glücklicher Empfänger!
Wie schnell fuhrst einst du in die Welt hinaus.
Heut’ kostet’s mehr, doch dafür dauert’s länger,
Und dadurch gleicht der Preis sich wieder aus.

Hier ein Brillant aus unsern Kolonien,
Die war’n brillant — den Stein rück’ ich nicht heraus.
Ein Flottenmarsch mit flotten Melodien.
Die’Flotte, die ist weg — das Lied ist aus.
Ein Liederbuch, mit patriot’scher Leier
Vom „Siegerkranz” — das wird nicht mehr verwandt.
Doch trotzdem bleibt das Vaterland uns teuer,
Wir hab’n sogar ‘n sehr „teures” Vaterland.

Hier — schwarzweißrot — das hatte einst die Führung,
Denn schwarzrotgold wird heute aufgerollt
schwarz ist die Zeit — und rot ist die Regierung,
Und Gold? — Was gelb ist, ist nicht immer Gold.
Der Orden ist mir einst verliehen worden,
Nun ruht er hier —: man trägt so was nicht heut’!
In unsrer Zeit ist’s aus mit allen Orden,
‘s ist eben ‘ne außerordentliche Zeit.

Hier ist ‘ne Einladung zur Sedanfeier,
Schnell weg — ich seh’ dann keine Feier mehr.
Ein Bild von Siebzig noch — hier steht im Feuer
Das lange Heer, — ach, ist das lange her! —
Hamburg —— Amerika — in alle Länder
Führt der Prospekt der Linie uns hinein.
Von Gotha hier, ein alter Hofkalender,
Da kommt jetzt Ebert mit Familie rein.

Und hier zum Schluß — Sie dürfen’s nicht verraten,
Ein Goldstück hab’ ich — heimlich schloß ich’s ein —
Vom Deutschen Reich — heut’ fehlen die Dukaten —
Das „Reich” ist arm — denn heut’ regiert der „Schein”.
Und was ist drauf? — Sein Bild aus früh’ren Tagen —
Hier hat’s noch Wert — sogar beim Feinde drauß’ —
Du bleibst bei mir — ich hab’ dich unterschlagen,
Sei unbesorgt — ich lief’re dich nicht aus.

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Ein selbstsüchtiger Mensch
ist unfähig andere zu lieben.
Leider ist so ein Mensch auch nicht fähig,
sich selbst zu lieben.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Bedenke,
dass kein Übel ewig währt.

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Wenn’s heute heißt, der Krieg ist aus!

Ich habe drüber nachgedacht,
was tät ich voller Freud’
wenn’s plötzlich hieß, der Krieg ist aus,
wir haben Frieden heut’!
Daß wir gewinnen endlich,
setz ich dabei voraus,
denn früher selbstverständlich,
ist der Völkerstreit nicht aus.

Wenn’s heute heißt, der Krieg ist aus
und ich den Dalles hätt’,
versetzt’ ich alle Sachen,
versetzt’ sogar das Bett.
Das macht mir keine Plage,
ein Bett braucht nicht zu sein,
die nächsten 14 Tage
geh’ ich ja doch nicht rein.

Wenn’s heute heißt, der Krieg ist aus,
mein Erstes wäre dann,
ich trink mir einen Siegesrausch
von einem vollen Fass.
Wer niemals einen Rausch gehabt,
der ist kein braver Mann,
Sie soll’n mal sehn’ nach dem Krieg,
wie brav ich werden kann.

Wenn’s heute heißt, der Krieg ist aus,
und ich lieg’ noch im Bett,
dann spring’ ich raus, als wenn mich grad
ein Floh gebissen hätt’.
Wen ich zuerst treff’, wird geküsst,
wer da nicht will, der muss,
und wenn’s die Schwiegermutter ist,
die kriegt von mir ‘nen Kuss.

Wenn’s heute heißt, der Krieg ist aus
schlag’ ich die Haustür zu,
dann tanz’ ich auf der Straße rum
und rufe laut Jahuh!
Und geht auf mich ein Schutzmann los
mit schnellem, wucht’gen Schritt,
dann lache ich und sage bloß:
„Komm her, und tanze mit.“

Wenn´s heute heißt, der Krieg ist aus
geh’ ich zum Wirtshaus hin,
sagt dann der wird um eins: „’s ist Schluss“
dann bleibt ich ruhig drin.
„Was“, sag’ ich, „Polizeiverbot
um eins? Ich kenne keins –
‘s kann ruhig viere, fünfe sein,
heut’ ist mir alles eins.“

Wenn’s heute heißt, der Krieg ist aus –
ich sitz’ im Gastlokal,
da küsse ich die Kellnerin,
das ist mir ganz egal.
Ist dann die holde Maid entsetzt,
dann sag’ ich, wenn sie schreit:
„Mein Kind, wir hab’n ja Frieden jetzt,
da gibt’s doch keinen Streit.“

Wenn’s heute heißt, der Krieg ist aus,
geh’ ich zur Steuer hin,
dort sage ich: „Hier haben Sie
den ganzen Kriegsgewinn.“
Staun’n dann die Leut’ dort drinnen,
sag’ ich mit stolzen Sinn:
„Wenn wir den Krieg gewinnen,
brauch’ ich kein’n Kriegsgewinn.“

Wenn’s heute heißt, der Krieg ist aus
und ich treff’ ‘nen Soldat,
dem nicht besonders geht, der kriegt
von mir den ganzen Draht.
„Du kämpftest unverdrossen,“
sag ich dann voll Humor,
„du hast für mich geschossen,
heut’ schieß ich dir was vor.“

Wenn’s heute heißt, der Krieg ist aus,
geh’ ich zum Hindenburg,
ans Denkmal mit ‘nen Nagel hin,
und schlag ihn durch und durch,
dann steig ich vom Gerüst herab
und fröhlich werd’ ich sag’n:
„Ich bin der stärkste Mann, ich hab’
den Hindenburg geschlag’n.“

Wenn’s heute heißt, der Krieg ist aus,
geh’ ich in’s Schloß hinein;
Jawohl, im kaiserlichen Schloß,
sing ich die Wacht am Rhein,
Und sagt zu mir der Posten prompt:
“Hinaus!” – ich bleibe da –
und wenn der Kaiser selber kommt,
ich rufe laut Hurra.

Wenn’s heute heißt, der Krieg ist aus,
geh’ ich zum Reichstag rein,
dort bringe ich ein donnernd Hoch
den sämtlichen Partei’n.
Und kommt der Liebknecht reingehüppt,
dann lüft’ ich auch den Hut:
„Du hast da draußen mitgeschippt,
ich bin dir wieder gut.“

Wenn’s heute heißt, der Krieg ist aus,
häng’ ich ‘ne Fahne raus,
von 20 Meter Länge,
fünf Stockwerk aus dem Haus.
Wenn unten wer vorübergeht
und dieser Kerl wird grob,
weil sie ihm ins Gesichte weht,
den spuck’ ich auf den Kopp!

Wenn’s heute heißt, der Krieg ist aus,
gibts Butter – Gott sei Dank,
die ganze Marmelade
die fliegt dann aus dem Schrank.
Ich esse alles was mir frommt –
selbst Kaviar leist’ ich mir.
Und wenn er auch aus Russland kommt,
da kann er nischt dafür!

Wenn’s heute heißt, der Krieg ist aus,
zieh’n unsre Krieger ein,
ich geh ans Brandenburger Tor
und fange an zu schrei’n:
„Bin leider 46 Jahr,
drum braucht’ ich nicht mit raus,
wenn das bloß ein Jahr früher wär’,
dann wär’s schon lange aus.“

Wenn’s heute heißt, der Krieg ist aus,
Reis’ ich, soweit ich kann,
Ich seh’ mir Deutschland, die Türkei
und alle Länder an.
Doch werd’ ich niemals wieder
rein nach Italien geh’n,
die Makkaronibrüder,
die will ich nicht mehr seh’n.

Wenn’s heute heißt, der Krieg ist aus,
und ich steh’ beim Gesang,
grad oben, geh’ ich weg und denk':
Rutsch mir den Buckel lang!
Ich sag’ – und wenn Sie alle groll’n:
“Hier hab’n Sie ihr Entrée,
nun sing’n Sie selber wenn Sie woll’n,
ich pfeif’ auf’s Varieté.”

Otto Reutter

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Genau wie 1870…

Im Jahre Siebzig wars famos,
Da ging es Ende Juli los,
Auch dieses mal begann der Streit,
so ungefähr zur gleichen Zeit.
Und als begonnen ward die Schlacht,
hab ich voll Freuden mir gedacht:
Paß auf, die Sache die begibt sich –
Genau wie 1870!

Wir zogen aus, bald waren wir
in Metz, Mühlhausen im Quartier,
Wir zogen ein in Luxemburg,
die Grenze kam – wir gingen durch,
Und an der Grenze dachte ich,
Deutschland wird größer – hoffentlich,
Ich glaub’, die Grenze die verschiebt sich –
Genau wie 1870!

Als die Franzosen wir gesehen,
da mußten staunend wir gesteh’n,
die Hosen sind noch immer rot,
da riefen wir trotz schwere Not,
“Seht bloß mal die Franzosen an,
haben noch die selben Hosen an.
Und jeder Mann im Laufen übt sich –
Genau wie 1870!

Wir drangen vor bis nach Paris,
den Präsidenten schmerzte dies,
Drum sprach der Herr Poincare,
Pariser leben wo ich geh,
Ja er und die Regierung floh,
voll Mut und Eile nach Bordeaux,
Die Herrn drückten sehr betrübt sich –
Genau wie 1870!

Auch sonst hat der Franzosenstreit,
mit ’70 große Ähnlichkeit.
Ein Wilhelm zog als Kaiser vor,
ein Moltke war als Lenker dort,
ein Krupp der liefert die Kannon’
und dann ein Kronzprinz Wilhelms Sohn,
macht bei dem Feinde sehr beliebt sich –
Genau wie 1870!

Und wechselt auch das Schlachtenglück,
Geht auch der Deutsche mal zurück,
Er drängt doch immer wieder vor,
nimmt den Franzosen sich mal vor,
Der Schlußeffekt wird sichtbar sein,
der Deutsche der nimmt alles ein,
Und der Franzose übergibt sich –
Genau wie 1870!

Otto Reutter

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