FRÜHLINGSGEDICHTE …, Bergreiselied – Johann Gaudenz von Salis-Seewis

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Auf mutig! Die Höh‘ ist erstiegen:
Ihr Freunde, wo bleibt ihr zurück?
Wie herrlich die Täler dort liegen!
Tief unten verliert sich mein Blick.
Ich atme die süßesten Düfte,
Schon wallet viel leichter mein Blut;
Schon trink‘ ich ätherische Lüfte,
Und jauchze, und schwinge den Hut!

Dort setzen die Hirten zu Mahle
Auf moosichte Steine uns hin
Voll lieblicher Milch eine Schale;
Ein Körbchen, mit Früchten darin.
Kommt, lasst uns zusammen itzt leeren
Den schäumenden vollen Pokal,
Und schallen, der Freiheit zu Ehren,
Gesänge hinab in das Tal.

Hier sprudeln aus Felsen die Quellen
Hinunter zum bläulichen See;
Dort weiden, beim Klange der Schellen,
Die Rinder im blumichten Klee.
Ich seh‘ auf die schroffeste Spitze
Die schüchternen Gämsen entfliehn;
Tief unter mir zucken die Blitze
Und schweben die Wolken dahin.

Wann Sterne am Himmel schon flimmern,
Und Dämmerung sinket ins Tal,
Und rosig die Gletscher noch schimmern
Im letzten ersterbenden Strahl;
Dann wallen wir fröhlich und munter,
Mit Reisern von Tannen geschmückt,
Ins stillere Dörfchen hinunter,
Wo süßere Ruh‘ uns erquickt.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Am Tag ist die Eule blind,
bei Nacht die Krähe.
Wen aber die Liebe verblendet,
der ist blind bei Tag und Nacht.

aus Indien

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FRÜHLINGSGEDICHTE …, Die Welt ist so schön und der Himmel so blau,… Heinrich Heine

berggeist007 / pixelio.de

Die Welt ist so schön und der Himmel so blau,
Und die Lüfte, die wehen so lind und so lau,
Und die Blumen winken auf blühender Au,
Und funkeln und glitzern im Morgentau,
Und die Menschen jubeln, wohin ich schau –
Und doch möcht ich im Grabe liegen,
Und mich an ein totes Liebchen schmiegen.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Es ist leicht zu sterben,
aber schwer zu leben.

aus Japan

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FRÜHLINGSGEDICHTE …, Johannisfeuer sei unverwehrt!…, Johann Wolfgang von Goethe

Walter J. Pilsak / pixelio.de

Johannisfeuer sei unverwehrt!
Die Freude nie verloren!
Besen werden immer stumpf gekehrt,
Und Jungens immer geboren.

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FRÜHLINGSGEDICHTE …, Vom Küssen – Anna Ritter

S. Hofschlaeger / pixelio.de

Vom Küssen
War ich gar so jung und dumm,
Wollte gerne wissen:
„Warum ist mein Mund so rot?“
Sprach der Mai:
„Zum Küssen.“

Hab ich fragen müssen:
„Warum ist mein Mund so blass?“
Sprach der Herbst:
„Vom Küssen.“

Anna Ritter 1865-1921

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Das Glück tritt gern in ein Haus,
wo gute Laune herrscht.

aus Japan

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FRÜHLINGSGEDICHTE …, Tändelei – Johann Gaudenz von Salis-Seewis

Oliver Mohr / pixelio.de

Ich ward zum Turteltäubchen
Im allerschönsten Traum;
Und saß bei meinem Weibchen,
Auf einem grünen Baum:
Zwar Liebchen that sehr spröde
Und schien vor mir zu fliehn;
Doch ich war nicht so blöde,
Als ich sonst, wachend, bin.

Ich gurrte meine Klagen
Und trippelt‘ um sie her;
Sie nickt‘ und schien zu sagen:
Begehre nur noch mehr!
Wir flogen girrend beide
Aufs nächste Halmendach:
Sie duckte sich: – O Freude!
Und ich – schnell ward ich wach.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Töte einen,
und du bist ein Mörder!
Töte tausende,
und du bist ein Held!

aus Indien

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Barometers Walten…, Johann Wolfgang von Goethe

Windrose / pixelio.de

Mir genügt nicht eure Lehre:
Ebb‘ und Flut der Atmosphäre
Denk‘ sich’s jeder, wie er kann!
Will mich nur an Hermes halten,
Denn des Barometers Walten
Ist der Witterung Tyrann.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Generäle siegen,
Soldaten fallen.

aus Japan

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FRÜHLINGSGEDICHTE …, Sehnsucht – Otto Julius Bierbaum

Verena N. / pixelio.de

Wie eine leise Glocke klingt
Die Sehnsucht in mir an;
Weiss nicht, woher, wohin sie singt,
Weil ich nicht lauschen kann.
Es treibt das Leben mich wild um,
Dröhnt um mich mit Gebraus,
Und mählich wird die Glocke stumm,
Und leise klingt sie aus.
Sie ist nur für den Feiertag
Gemacht und viel zu fein,
Als dass ihr bebebanger Schlag
Dräng in die Lärmlust ein.
Sie ist ein Ton von dorten her,
Wo alles Feier ist;
Ich wollte, dass ich dorten wär,
Wo man den Lärm vergisst.

Otto Julius Bierbaum 1865-1910

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Lächle!
Deine Gläubiger werden warten,
weil sie glauben,
es könne dir nicht schlecht gehen.
Deine Feinde werden dich meiden,
weil sie glauben,
du seiest ihnen überlegen.
Der Arzt wird dir weniger berechnen,
weil er denkt,
du seiest nicht sehr krank gewesen.

aus Korea

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FRÜHLINGSGEDICHTE …, Der Wald – Eugenie Engelhardt

Erich Westendarp / pixelio.de

Gesehen hat’s der ganze Wald,
Wie Du geküsst mich hast,
Die grünen Bäume jung und alt,
Die haben aufgepasst.

Die frommen Blumen, tief erschreckt –
Das Ärgernis war gross –
Sie haben schnell ihr Haupt versteckt
Ins duftig kühle Moos.

Gesehn hat’s der geschwätz’ge Wind,
Hat’s weiter auch gerauscht,
Und hinterm Busch hat, auch nicht blind,
Ein junges Reh gelauscht.

Und über uns der Eschenbaum
Nickt‘ ernst dem Nachbar zu,
Wie wenn an längst verträumten Traum
Ihn mahnten ich und Du!

Gar tief errötend denk‘ ich dran,
Wenn ich zum Walde komm‘;
Sie sehn ja alle mich drum an,
Das Reh, die Vöglein fromm!

Was aber – ach, ich weiss es nicht –
Soll meine Antwort sein,
Wenn leis der Wald nun zu mir spricht:
Warum kommst Du allein?

Eugenie Engelhardt 1852-1927

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Am Fuße des Leuchtturms herrscht Dunkelheit.

aus Japan

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FRÜHLINGSGEDICHTE …, An eine Lilie – Erich Mühsam

Angelina Ströbel / pixelio.de

Eine Lilie nickt von meinem Tisch,
beugt die blätterschweren hohen Stengel
über mein Papier -.
Geh‘ mit deinen vorgestreckten Zungen!
Nein, doch! Bleib‘ nur, frecher Bengel –
Du wirst wissen, wen ich angesungen:
bist ja selbst von ihr.

Erich Mühsam 1878-1934

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Der Erwachsene achtet auf Taten,
das Kind auf Liebe.

aus Indien

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FRÜHLINGSGEDICHTE …, Dolcefarniente – Herrmann Neisse

M. Großmann / pixelio.de

Unter weissumblühten Bäumen
Mit der holdesten der Frauen
Faul und weich dahinzuträumen,
Sich besonnen … still verdauen …

Allem Bittren fern und Bösen
Süss zu dämmern und zu dösen,
Hingelümmelt zwischen Beeten:
Höchstes Glück des lang Erflehten!

Züge flitzen schneidig schneller,
Wo aus Fenstern Tücher winken,
Zarte Wölkchen himmeln heller,
Vögel hüpfen, Birken blinken.

Irgendwo zu allem Schönen
Hört man leis‘ Musike tönen.
Falter fliehn in irren Tänzen …

Und wir glänzen – – und wir glänzen!

Herrmann Neisse 1886-1941

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Mit nur einer Hand läßt sich kein Knoten knüpfen.

aus Mongolei

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FRÜHLINGSGEDICHTE …, Mir träumte wieder der alte Traum – Heinrich Heine

uschi dreiucker / pixelio.de

Mir träumte wieder der alte Traum:
Es war eine Nacht im Maie,
Wir sassen unter dem Lindenbaum,
Und schwuren uns ewige Treue.

Das war ein Schwören und Schwören aufs neu,
Ein Kichern, ein Kosen, ein Küssen;
Dass ich gedenk des Schwures sei,
Hast du in die Hand mich gebissen.

O Liebchen mit den Äuglein klar!
O Liebchen schön und bissig!
Das Schwören in der Ordnung war,
Das Beissen war überflüssig.

Heinrich Heine 1797-1856

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