WINTERGEDICHTE …, Winteranfang, Klabund

Winter winter hiver

Alle Welt ist voll Wind.
Der Herbst fällt von den Bäumen.
Wir sind
In Träumen.

Der erste weiße Schnee …
Wer auf ihn tritt, tritt ihn zu Dreck.
Ich sehe weg,
Weil ich mein Herz seh.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Scherze mit dem Sklaven,
bald wird er dir den Hintern zeigen!

aus Arabien

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WINTERGEDICHTE …, Vereinsamt, Friedrich Nietzsche

Der Rabe im Winter am Fenster

Die Krähen schrein
und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein –
Wohl dem, der jetzt noch Heimat hat.

Nun stehst du starr,
schaust rückwärts, ach, wie lange schon,
was bist du Narr
vor Winters in die Welt entflohn?

Die Welt – ein Tor
zu tausend Wüsten stumm und kalt;
wer das verlor,
was du verlorst, macht nirgends halt.

Nun stehst du bleich,
zur Winter-Wanderschaft verflucht,
dem Rauche gleich,
der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg, Vogel, schnarr
dein Lied im Wüstenvogel-Ton.
Versteck, du Narr,
dein blutend Herz in Eis und Hohn.

Die Krähen schrein
und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein –
Weh dem, der keine Heimat hat.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Der hungrige Esel läuft schneller als das satte Rennpferd.

aus Türkei

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WINTERGEDICHTE …, Lebhafte Winterstraße, Joachim Ringelnatz

Vintage ..., Winter in der Stadt ...

Es gehen Menschen vor mir hin
Und gehen mir vorbei, und keiner
Davon ist so, wie ich es bin.
Es blickt ein jedes so nach seiner
Gegebenen Art in seine Welt.

Wer hat die Menschen so entstellt??

Ich sehe sie getrieben treiben.
Warum sie wohl nie stehenbleiben,
Zu sehen, was nach ihnen sieht?
Warum der Mensch vorm Menschen flieht?

Und eine weiße Weite Schnee
Verdreckt sich unter ihren Füßen.
So viele Menschen. Mir ist weh:
Keinen von ihnen darf ich grüßen.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Nur nach dem Baum,
der Früchte trägt,
wirft man mit Steinen.

aus Arabien

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WINTERGEDICHTE …, Winterlied, Johann Gaudenz von Salis-Seewis

2.Wettbewerb 2018 "Die Vier Jahreszeiten" und "Der Tierfreund"

Das Feld ist weiß, so blank und rein,
Vergoldet von der Sonne Schein,
Die blaue Luft ist stille;
Hell, wie Kristall
Blinkt überall
Der Fluren Silberhülle.

Der Lichtstrahl spaltet sich im Eis,
Er fimmert blau und rot und weiß,
Und wechselt seine Farbe.
Aus Schnee heraus
Ragt, nackt und kraus,
Des Dorngebüsches Garbe.

Von Reifenduft befiedert sind
Die Zweige rings, die sanfte Wind´
Im Sonnenstrahl bewegen.
Dort stäubt vom Baum
Der Flocken Pflaum
Wie leichter Blütenregen.

Tief sinkt der braune Tannenast
Und drohet, mit des Schnees Last
Den Wandrer zu beschütten;
Vom Frost der Nacht
Gehärtet, kracht
Der Weg, von seinen Tritten.

Das Bächlein schleicht, von Eis geengt;
Voll lautrer blauer Zacken hängt
Das Dach; es stockt die Quelle;
Im Sturze harrt,
Zu Glas erstarrt,
Des Wasserfalles Welle.

Die blaue Meise piepet laut;
Der muntre Sperling pickt vertraut
Die Körner vor der Scheune.
Der Zeisig hüpft
Vergnügt und schlüpft
Durch blätterlose Haine.

Wohlan! auf festgediegner Bahn,
Klimm ich den Hügel schnell hinan,
Und blicke froh ins Weite;
Und preise den,
Der rings so schön
Die Silberflocken streute.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Wer aus allen Himmeln fällt,
bringt den Engeln Erleichterung.

aus Israel

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WINTERGEDICHTE …, Am Kamin, Adolf Friedrich von Schack

der schönste Platz im Haus

Stürme, Dezember, vor meinem Gemach,
Hänge Zapfen von Eis an das Dach;
Nichts doch weiß ich vom Froste;
Hier am wärmenden, trauten Kamin
Ist mir, als ob des Frühlings Grün
Rings um mich rankte und sprosste.

All das Gezweig, wie es flackert und flammt,
Plaudert vom Walde, dem es entstammt,
Redet von seligen Tagen,
Als es, durchfächelt von Sommerluft,
Knospen und Blüten voll Glanz und Duft,
Grünende Blätter getragen.

Fernher hallenden Waldhornklang
Glaub‘ ich zu hören, Drosselgesang,
Sprudelnder Quellen Schäumen,
Tropfenden Regen durchs Laubgeäst,
Der die brütenden Vögel im Nest
Weckt aus den Mittagsträumen.

Stürme denn, Winter, eisig und kalt!
An den Kamin herzaubert den Wald
Mir der Flammen Geknister,
Bis ich bei Frühlingssonnenschein
Wieder im goldgrün schimmernden Hain
Lausche dem Elfengeflüster.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Was der Esel sagt,
glaubt er.

aus Persien

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WINTERGEDICHTE …, Winteranfang, Ernst Stadler

winter

Die Platanen sind schon entlaubt. Nebel fließen.
Wenn die Sonne einmal durch den Panzer grauer Wolken sticht,
Spiegeln ihr die tausend Pfützen ein gebleichtes runzliges Gesicht.
Alle Geräusche sind schärfer. Den ganzen Tag über hört man in den Fabriken die Maschinen gehn –
So tönt durch die Ebenen der langen Stunden mein Herz und mag nicht stille stehn
Und treibt die Gedanken wie surrende Räder hin und her,
Und ist wie eine Mühle mit windgedrehten Flügeln, aber ihre Kammern sind leer:
Sie redet irre Worte in den Abend und schlägt das Kreuz. Schon schlafen die Winde ein. Bald wird es schnei’n,
Dann fällt wie Sternenregen weißer Friede aus den Wolken und wickelt alles ein.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Der Eilfertige und der Lahme treffen sich auf der Fähre wieder.

aus Ägypten

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WINTERGEDICHTE …, Uns hat der Winter…, Walther von der Vogelweide

winter

Uns hat der Winter mehr als alles geschadet:
Fahl sind sowohl Heide als auch Wald,
wo viele süße Stimmen gehallt haben.
Wenn ich die Mädchen auf der Straße den Ball werfen
sähe, dann käme uns auch der Gesang der Vögel zurück.

Könnte ich des Winters Zeit verschlafen!
Bin ich wach, erlebe ich seine Missgunst,
wie weit und breit seine Gewalt ist.
Weiß Gott, der Mai wird ihn besiegen:
Dann werde ich Blumen pflücken, wo jetzt der Reif liegt.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Ein törichter Freund ist eine größere Plage als ein weiser Feind.

aus Türkei

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WINTERGEDICHTE …, Es wächst viel Brot…, Friedrich Wilhelm Weber

landscape

Es wächst viel Brot in der Winternacht,
Weil unter dem Schnee frisch grünet die Saat;
Erst wenn im Lenze die Sonne lacht,
Spürst du, was Gutes der Winter tat.

Und deucht die Welt dir öd und leer,
Und sind die Tage dir rau und schwer,
Sei still und habe des Wandels acht:
Es wächst viel Brot in der Winternacht.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Fällt ein Reicher, so heißt es:
Ein Unfall.
Fällt ein Armer, so heißt es:
Er ist betrunken.

aus Türkei

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WINTERGEDICHTE …, Dämmerstündchen, Bruno Wille

an der Nordseeküste...

Dämmerstündchen im frostigen Winter,
Dämmerstündchen im traulichen Stübchen …
Wenn da draußen über den harten
Knarrenden Schnee ein kragenvermummter
Mann mit dampfendem Atem eilt,
Ohren und Nase rotgezwickt …
Wolkig umhüllt, mit Schnauben und Stampfen
Ziehn zwei Pferde den wuchtigen Wagen …
Und der Schusterjunge im Schurzfell
Trabt und haucht in die klamme Hand …
Rötlich strahlt die Straßenlaterne;
Über dem schneebelasteten Hausdach
Blinzelt der Abendstern.

Dämmerstündchen im frostigen Winter,
Dämmerstündchen im traulichen Stübchen …
Wärme strahlt der gewaltige Ofen,
Muntre Flammen durchäugeln den Spalt;
Und ich dehne behaglich die Glieder,
Lausche dem lieblich summenden Singsang
Des melodisch sinnigen Kessels;
Hitzig brät indessen der Apfel,
Den lieb Mütterchen mir verehrte.
Fernher klingelt ein Schlitten – fernhin;
Und die ruhige Seele träumt.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Selbst wenn der Wolf die ganze Nacht hungernd verbringt,
trifft ihn der Argwohn des Menschen.

aus Arabien

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WINTERGEDICHTE …, Des Winters Hauch…, Franz Grillparzer

Raben im Winter

Des Winters Hauch
entblättert den Strauch,
und wütende Sturmwinde heulen;
an des Hügels Hang,
wo die Lerche sonst sang,
erkrächzen nun Raben und Eulen.

Die Rose liegt
vom Frost geknickt,
und jubelnd hüllet der Winter
in raschem Flug
sein Leichentuch
um Floras blühende Kinder.

Die Schwalbe ruft
aus rauer Luft
ihr Lebewohl hernieder,
blickt noch einmal herab
auf das weite Grab
und flieht dann auf schnellem Gefieder,

und alles ist stumm
und tot ringsum,
kein Laut ertönt aus den Höhen,
nur am sumpfigen Teich,
im matten Gesträuch,
tanzt ein Chor von krächzenden Krähen.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Eine Stunde Gerechtigkeit ist mehr als siebzig Jahre Gebet.

aus Türkei

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