WINTERGEDICHTE …, Winterlandschaft, Friedrich Hebbel

Winterlandschaft

Unendlich dehnt sie sich, die weiße Fläche,
bis auf den letzten Hauch von Leben leer;
die muntern Pulse stocken längst, die Bäche,
es regt sich selbst der kalte Wind nicht mehr.

Der Rabe dort, im Berg von Schnee und Eise,
erstarrt und hungrig, gräbt sich tief hinab,
und gräbt er nicht heraus den Bissen Speise,
so gräbt er, glaub‘ ich, sich hinein ins Grab.

Die Sonne, einmal noch durch Wolken blitzend,
wirft einen letzten Blick auf’s öde Land,
doch, gähnend auf dem Thron des Lebens sitzend,
trotzt ihr der Tod im weißen Festgewand.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Geduld ist ein Baum,
dessen Wurzel bitter,
dessen Frucht aber sehr süß ist.

aus Persien

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WINTERGEDICHTE …, Der Winterabend, Hoffmann von Fallersleben

Der Winterabend, das ist die Zeit
der Arbeit und der Fröhlichkeit.

Wenn die andern nähen, stricken und spinnen,
dann müssen wir Kinder auch was beginnen;
wir dürfen nicht müßig sitzen und ruhn,
wir haben auch unser Teil zu tun.

Wir müssen zu morgen uns vorbereiten
und vollenden unsere Schularbeiten.
Und sind wir fertig mit Lesen und Schreiben,
dann können wir unsere Kurzweil treiben…

Und ist der Abend auch noch so lang,
wir kürzen ihn mit Spiel und Gesang.
Und wer ein hübsches Rätsel kann,
der sagts, und wir fangen zu raten an.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Die Geduld ist der Schlüssel zur Freude.

aus Arabien

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WINTERGEDICHTE …, Hoffnung, Emanuel Geibel  

Und dräut der Winter noch so sehr
mit trotzigen Gebärden,
und streut er Eis und Schnee umher,
es muss doch Frühling werden.

Blast nur, ihr Stürme, blast mit Macht,
mir soll darob nicht bangen,
auf leisen Sohlen über Nacht
kommt doch der Lenz gegangen.

Drum still! Und wie es frieren mag,
o Herz, gib dich zufrieden,
es ist ein großer Maientag
der ganzen Welt beschieden.

Und wenn dir oft auch bangt und graut,
als sei die Höll‘ auf Erden,
nur unverzagt auf Gott vertraut!
Es muss doch Frühling werden.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Die Seele ist das Schiff,
Vernunft das Steuer
und Wahrheit der Hafen.

aus Türkei

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WINTERGEDICHTE …, Es schneit, Gustav Falke

Der erste Schnee, weich und dicht,
Die ersten wirbelnden Flocken.
Die Kinder drängen ihr Gesicht
Ans Fenster und frohlocken.

Da wird nun das letzte bisschen Grün
Leise, leise begraben.
Aber die jungen Wangen glühn,
Sie wollen den Winter haben.

Schlittenfahrt und Schellenklang
Und Schneebälle um die Ohren!
– Kinderglück, wo bist du? Lang,
Lang verschneit und erfroren.

Fallen die Flocken weich und dicht,
Stehen wir wohl erschrocken,
Aber die Kleinen begreifens nicht,
Glänzen vor Glück und frohlocken.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Denkst du an Engel,
so bewegen sie ihre Flügel.

aus Israel

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WINTERGEDICHTE …, Winternacht, Joseph von Eichendorff

Winterzeit - Wintertime

Verschneit liegt rings die ganze Welt,
ich hab‘ nichts, was mich freuet,
verlassen steht der Baum im Feld,
hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht und rüttelt an dem Baume,
da rührt er seine Wipfel sacht
und redet wie im Traume.

Er träumt von künft’ger Frühlingszeit,
von Grün und Quellenrauschen,
wo er im neuen Blütenkleid
zu Gottes Lob will rauschen.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Ein freundlicher Doktor fällt in der Achtung seines Patienten.

aus Persien

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WINTERGEDICHTE …, Neuschnee, Christian Morgenstern 

Winter

Flockenflaum zum ersten Mal zu prägen
mit des Schuhs geheimnisvoller Spur,
einen ersten schmalen Pfad zu schrägen
durch des Schneefelds jungfräulicher Flur –

Kindisch ist und köstlich solch Beginnen,
wenn der Wald dir um die Stirne rauscht
oder mit bestrahlten Gletscherzinnen
deine Seele leuchtende Grüße tauscht.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Ich habe dich gern,
mein Armband,
aber lieber ist mir mein Handgelenk.

aus Kurdistan

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WINTERGEDICHTE …, Die drei Spatzen, Christian Morgenstern 

Drei Spatzen im Winter

In einem leeren Haselstrauch,
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

Der Erich rechts und links der Franz
und mittendrin der freche Hans.

Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendrüber, da schneit es, hu!

Sie rücken zusammen dicht an dicht,
so warm wie Hans hat’s niemand nicht.

Sie hör’n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Wer nie jagte und nie liebte,
nie den Duft der Blumen suchte
und nie beim Klang der Musik erbebte,
ist kein Mensch,
sondern ein Esel.

aus Arabien

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WINTERGEDICHTE …, Winternacht, Hoffmann von Fallersleben

Klare Winternacht

Wie ist so herrlich die Winternacht
Es glänzt der Mond in voller Pracht
Mit den silbernen Sternen am Himmelszelt.

Es zieht der Frost durch Wald und Feld
Und überspinnet jedes Reis
Und alle Halme silberweiß.

Er hauchet über dem See, und im Nu,
Noch eh‘ wir’s denken, friert er zu.

So hat der Winter auch unser gedacht
Und über Nacht uns Freude gebracht.
Nun wollen wir auch dem Winter nicht grollen
Und ihm auch Lieder des Dankes zollen.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Die Schwiegermutter ist gegen die Schwiegertochter
und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter
zum Verdacht geneigt.

aus Arabien

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WINTERGEDICHTE …, Im Schnee, Gottfried Keller  

Schneelandschaft am See

Wie naht das finster türmende
Gewölk so schwarz und schwer!
Wie jagt der Wind, der stürmende,
Das Schneegestöber her!
Verschwunden ist die blühende
Und grüne Weltgestalt;
Es eilt der Fuß, der fliehende,
Im Schneefeld nass und kalt.

Wohl dem, der nun zufrieden ist
Und innerlich sich kennt!
Dem warm ein Herz beschieden ist,
Das heimlich loht und brennt!

Wo, traulich sich dran schmiegend, es
Die wache Seele schürt,
Ein perlend, nie versiegendes
Gedankenbrauwerk rührt!

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Wenn du nicht weißt,
wo du herkommst,
dann wirst du nicht wissen,
wo du hingehst.

aus Arabien

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WINTERGEDICHTE …, Alles still!, Theodor Fontane

Wintertime ::: Winterzeit

Alles still! Es tanzt den Reigen
Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber thront das Schweigen
Und der Winterhimmel nur.

Alles still! Vergeblich lauschet
Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein summt vorbei.

Alles still! Die Dorfeshütten
Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.

Alles still! Nichts hör ich klopfen
Als mein Herze durch die Nacht –
Heiße Tränen nieder tropfen
Auf die kalte Winterpracht.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Der Kapitän hat eine andere Rechnung als der Matrose.

aus Ägypten

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