HERBSTGEDICHTE …, Einladung zur Kirmes, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Astrid Götze-Happe / pixelio.de

Der Nebel liegt auf Berg und Tal,
Das Feld ist leer, der Wald ist kahl,
Nur frischbesätes Land wird grün,
Nur hie und da noch Blumen blüh’n.

Es schwiegen längst des Waldes Sänger,
Der Tag wird kürzer, die Nacht wird länger.
Da denkt der Herbst: nun ist es Zeit,
Zu scheiden bin ich gern bereit.

Doch dass ihr freundlich denket mein,
So lad‘ ich euch zur Kirmes ein.
Kommt, Jung und Alt und Groß und Klein,
Heut soll’s für Jeden Kirmes sein!

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Es gibt nichts,
was den zehn Fingern gleichkäme.

aus Mongolei

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HERBSTGEDICHTE …, Herbst, Clara Müller-Jahnke

Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Und nun: der Wind geht hohl und schwer,
in weißen Wogen schäumt das Meer –
nun ist der Herbst gekommen
und hat vom Feld den Morgentau
und hat das letzte Stückchen Blau
vom Himmel weggenommen.

Und nun fahr hin! – Es rauscht und zieht
durch dunkle Luft ein dunkles Lied;
ich mag nicht ruhn und träumen.
Ich liege wach die ganze Nacht
und horche auf die heiße Schlacht,
das Stöhnen in den Bäumen.

Und nun fahr hin. Das war ein Jahr,
so früchtereif, so freudenklar . . .
nun lass die Blätter treiben.
Fahr hin! Die Saat von deiner Hand,
die Ernte, die in Halmen stand,
muss doch mein eigen bleiben.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Es ist besser,
eines anderen Opfer
als sein Bürge zu sein.

aus Indien

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HERBSTGEDICHTE …, Herbsttag, Rainer Maria Rilke

twinlili / pixelio.de

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Ein Mensch,
der ungehindert allen seinen Wünschen gemäß
dahinleben könnte,
müßte von Tag zu Tag schwächer werden.

aus China

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HERBSTGEDICHTE …, Verklärter Herbst, Georg Trakl

Brigitte Heinen / pixelio.de

Gewaltig endet so das Jahr
Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
Gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe milde Zeit.
Im Kahn den blauen Fluss hinunter
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht –
Das geht in Ruh und Schweigen unter.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Was Du ins Ohr flüsterst,
wird tausend Meilen weit gehört.

aus China

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HERBSTGEDICHTE …, Schöner Herbst, Kurt Tucholsky

Helmut Glaßl / pixelio.de

Das ist ein sündhaft blauer Tag!
Die Luft ist klar und kalt und windig,
weiß Gott: ein Vormittag, so find ich,
wie man ihn oft erleben mag.

Das ist ein sündhaft blauer Tag!
Jetzt schlägt das Meer mit voller Welle
gewiß an eben diese Stelle,
wo dunnemals der Kurgast lag.

Ich hocke in der großen Stadt:
und siehe, durchs Mansardenfenster
bedräuen mich die Luftgespenster …
Und ich bin müde, satt und matt.

Dumpf stöhnend lieg ich auf dem Bett.
Am Strand war es im Herbst viel schöner …
Ein Stimmungsbild, zwei Fölljetöner
und eine alte Operett!

Wenn ich nun aber nicht mehr mag!
Schon kratzt die Feder auf dem Bogen –
das Geld hat manches schon verbogen …
Das ist ein sündhaft blauer Tag!

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Geh zu deines reichen Freundes Haus,
wenn du gerufen bist!
Zu des armen Freundes Haus geh ungerufen!

aus Indien

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HERBSTGEDICHTE …, Im Herbst, Wilhelm Busch

angieconscious / pixelio.de

Der schöne Sommer ging von hinnen,
der Herbst, der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
so manches feines Festgewand.

Sie weben zu des Tages Feier
mit kunstgeübten Hinterbein
ganz alleröiebste Elfenschleier
als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

Ja, tausend Silberfäden geben
dem Winde sie zum leichten Spiel,
die ziehen sanft dahin und schweben
ans unbewusst bestimmte Ziel.

Sie ziehen in das Wunderländchen,
wo Liebe scheu im Anbeginn
und leis verknüpft ein zartes Bändchen
den Schäfer mit der Schäferin.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Wenn der Mann am Morgen aus dem Hause geht,
freut sich die Frau.

aus Mongolei

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HERBSTGEDICHTE …, In trauter Verborgenheit, Wilhelm Busch

 

Timo Klostermeier / pixelio.de

Ade, ihr Sommertage,
Wie seid ihr so schnell enteilt,
Gar mancherlei Lust und Plage
Habt ihr uns zugeteilt.

Wohl war es ein Entzücken,
Zu wandeln im Sonnenschein
Nur die verflixten Mücken
Mischten sich immer darein.

Und wenn wir auf Waldeswegen
Dem Sange der Vögel gelauscht,
Dann kam natürlich ein Regen
Auf uns hernieder gerauscht.

Die lustigen Sänger haben
Nach Süden sich aufgemacht,
Bei Tage krächzen die Raben,
Die Käuze schreien bei Nacht.

Was ist das für ein Gesause!
Es stürmt bereits und schneit.
Da bleiben wir zwei zu Hause
In trauter Verborgenheit.

Kein Wetter kann uns verdrießen.
Mein Liebchen, ich und du,
Wir halten uns warm und schließen
Hübsch feste die Türen zu.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Wer auf einen Dummen hört,
dem geht die Sonne unter.

aus Japan

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HERBSTGEDICHTE …, Die Mühlen, Georg Heym

Achim Lückemeyer / pixelio.de

Die vielen Mühlen gehen und treiben schwer.
Das Wasser fällt über die Räder her
Und die moosigen Speichen knattern im Wehr.

Und die Müller sitzen tagein, tagaus
Wie Maden weiß in dem Mühlenhaus.
Und schauen oben zum Dache hinaus.

Aber die hohen Pappeln stehn ohne Wind
Vor einer Sonne herbstlich und blind,
Die matt in die Himmel geschnitten sind.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Sieh auf die Mutter,
bevor du dich mit der Tochter verlobst!

aus Indien

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HERBSTGEDICHTE …, Schloss im Herbst, Ernst Stadler

Gischott / pixelio.de

Durch düstre Turmkronen wo vom Gemäuer
Sand hinstiebt und große schwarze Vögel
gespenstisch rauschend durch morsche Luken flattern
läuft der Sturm in Nächten wenn der rote Vollmond
funkelnd zwischen grauen Wolken liegt
stöhnt und läuft durch weite öde Säle
wo aus verwitterten Wänden dunkle Bilder
trüb herschimmern in vergilbten goldnen Rahmen
über dämmrig schauernde lange Korridore
bleiche Gänge steile Stufen
in den Park der wie smaragdene Brandung
an die Mauern drängt purpurumraschelt
vom Prunkgewand des Herbstes und der rote Mond
webt seltsam um das glühe Laub der Eschen und
der Schlinggewächse die die alten tiefen Brunnen
umsponnen halten deren Rauschen
lange starb in einer schwülen Sommernacht.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Eine Frau sagt nein und nickt ja.

aus Japan

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HERBSTGEDICHTE …, Abschiedslied der Zugvögel, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Waldili / pixelio.de

Wie war so schön doch Wald und Feld!
Wie traurig ist anjetzt die Welt!
Hin ist die schöne Sommerzeit
Und nach der Freude kam das Leid.

Wir wussten nichts von Ungemach,
Wir saßen unterm Laubesdach
Vergnügt und froh im Sonnenschein
Und sangen in die Welt hinein.

Wir armen Vögel trauern sehr:
Wir haben keine Heimat mehr,
Wir müssen jetzt von hinnen flieh’n
Und in die weite Fremde zieh’n.

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Güte,
die auf Gegenwert rechnet
ist nicht Güte.

aus China

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