GEDICHTE: Ehmals und jetzt, Friedrich Hölderlin (1770-1843)

Geschichten ...

In jüngern Tagen war ich des Morgens froh,
Des Abends weint ich; jetzt, da ich älter bin,
Beginn ich zweifelnd meinen Tag, doch
Heilig und heiter ist mir sein Ende.

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GEDICHTE: Beherzigung…, Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Wundervolle Zeit

Ach, was soll der Mensch verlangen?
Ist es besser, ruhig bleiben?
Klammernd fest sich anzuhangen?
Ist es besser, sich zu treiben?
Soll er sich ein Häuschen bauen?
Soll er unter Zelten leben?
Soll er auf die Felsen trauen?
Selbst die festen Felsen beben.

Eines schickt sich nicht für alle!
Sehe jeder, wie er’s treibe,
Sehe jeder, wo er bleibe,
Und wer steht, dass er nicht falle!

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GEDICHTE: Der Beständige, Sophie Mereau (1770-1806)

vintage woman

Einmal lieb‘ ich, und Einmal leb‘ ich, unsterbliche Götter!
Wenn ihr das Eine mir raubt, nehmt auch das Andre dahin!

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GEDICHT: Zur Arbeit, Clara Müller-Jahnke (1816-1905)

AEG-Fabrik Niederschönweide | Berlin, Treptow (Berlin) | Bildindex der Kunst & Architektur - Bildindex der Kunst & Architektur - Startseite Bildindex
AEG-Fabrik Niederschönweide | Berlin, Treptow (Berlin) | Bildindex der Kunst & Architektur –

Aus Morgennebeln leuchtet
der frühe rote Tag;
da treibt mich auf vom Lager
ein dumpfer Glockenschlag.
Der ruft aus süßem Traume
zum trauten Heim hinaus
mich in die Flammenschwüle
ins dunstige Kesselhaus
zur Arbeit.

Ich schreite gleich dem Krieger
in eisenstarrer Wehr,
mit Hammer, Beil und Zange
zum Daseinskampf einher.
Und wo die Bälge sausen,
wo hell das Feuer sprüht,
singt mir die rote Flamme
ein heißes Morgenlied
zur Arbeit.

Des Schweißes schwerer Tropfen,
der von der Stirn mir läuft,
ist Tau, der auf die Saaten
der Zukunft niederträuft.
Kein Mordgewaffen schmiedet
die schwielenharte Hand;
sie dehnt und schweißt und hämmert
ein ehern Friedensband
der Arbeit.

Schlaf ruhig du, mein Knabe,
in treuer Mutterhut;
auch dich ruft einst die Frühe,
auch dich ruft einst die Glut.
Dann wirst in blaue Weiten
auf fernster Brüder Ruf
du die Maschine leiten,
die einst dein Vater schuf,
zur Arbeit.

Zur Arbeit ruft ihr Sausen,
zur Arbeit, nicht zur Fron!
Dann wird die Sonne scheinen
hell auf dein Werk, mein Sohn.
In freier Männer Kreise
klingt dann in Nord und Süd
jauchzend wie Siegesweise
ein frohes Morgenlied.

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GEDICHT: Arbeite, Georg Weerth (1822-1856)

 

Der Schmied bei der Arbeit

Du Mann im schlechten blauen Kittel,
Arbeite! Schaffe Salz und Brot!
Arbeite! Arbeit ist ein Mittel,
Probat für Pestilenz und Not.

Arbeite! Rühre deine Arme!
Arbeite sechzehn Stunden so!
Arbeite! Nachts ja lacht das warme,
Das Lager dir von faulem Stroh.

Arbeite! Hast ja straffe Sehnen.
Arbeite! Denk, mit schwangerem Leib
Harrt in der Hütte dein mit Tränen
Ein schönes leichenbleiches Weib.

Arbeite! Gleich der Stirn der Rinder
Ist ja die deine breit und dick.
Arbeite! Deine nackten Kinder,
Die küssen dich, kehrst du zurück.

Arbeite bis die Adern klopfen!
Arbeite bis die Rippe kracht!
Arbeite bis die Schläfen tropfen –
Du bist zur Arbeit ja gemacht!

Arbeite bis die Sinne schwinden!
Arbeite bis die Kraft versiegt!
Arbeite! – Wirst ja Ruhe finden,
Wenn dein Gebein im Grabe liegt.

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GEDICHTE: Anstatt dass ihr bedächtig…, Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Reisen mit dem Zug

Anstatt dass ihr bedächtig steht,
Versucht’s zusammen eine Strecke,
Wisst ihr auch nicht, wohin es geht,
So kommt ihr wenigstens vom Flecke.

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GEDICHT: Gold und Millionen, Gerhard P. Steil (geb. 1952)

Danke für die Postkarte ...; Thank you for the postcard ...;

Du brauchst nicht Gold und Millionen
Musst nicht in Glaspalästen wohnen
Du wirst als Mensch im Leben reifen
Und mit den Jahren bald begreifen
Dass schon ein kleines Lächeln zählt
Damit das große Glück dich wählt

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GEDICHTE: Liebes Kind, lernest du wohl…, Martin Luther (1483-1546)

Der Schweinehirt

Liebes Kind, lernest du wohl,
so wirst du guter Hühner voll,
Lernest du aber übel,
So musst du mit den Sauen essen aus dem Kübel.

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GEDICHTE: Willst du getrost…, Johann Kaspar Lavater (1741-1800)

Stille

Willst du getrost durchs Leben gehn,
blick über dich!
Willst du nicht fremd im Leben stehn,
blick um dich!
Willst du dich selbst in deinem Werte sehn,
blick in dich!

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GEDICHTE: Schlägt dir die Hoffnung fehl…, Friedrich Rückert (1788-1866)

Dem Himmel entgegen ...

Schlägt dir die Hoffnung fehl, nie fehlt dir das Hoffen!
Ein Tor ist zugetan, doch tausend sind noch offen.

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GEDICHT: Der Schatzgräber, Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Geselligkeit mit FreundenArm am Beutel, krank am Herzen,
Schleppt ich meine langen Tage.
Armut ist die größte Plage,
Reichtum ist das höchste Gut!
Und zu enden meine Schmerzen,
Ging ich, einen Schatz zu graben.
»Meine Seele sollst du haben!«
Schrieb ich hin mit eignem Blut.

Und so zog ich Kreis’ um Kreise,
Stellte wunderbare Flammen,
Kraut und Knochenwerk zusammen:
Die Beschwörung war vollbracht.
Und auf die gelernte Weise
Grub ich nach dem alten Schatze
Auf dem angezeigten Platze:
Schwarz und stürmisch war die Nacht.

Und ich sah ein Licht von weiten,
Und es kam gleich einem Sterne
Hinten aus der fernsten Ferne,
Eben als es zwölfe schlug.
Und da galt kein Vorbereiten.
Heller ward’s mit einem Male
Von dem Glanz der vollen Schale,
Die ein schöner Knabe trug.

Holde Augen sah ich blinken
Unter dichtem Blumenkranze;
In des Trankes Himmelsglanze
Trat er in den Kreis herein.
Und er hieß mich freundlich trinken;
Und ich dacht: Es kann der Knabe
Mit der schönen, lichten Gabe
Wahrlich nicht der Böse sein.

»Trinke Mut des reinen Lebens!
Dann verstehst du die Belehrung,
Kommst, mit ängstlicher Beschwörung,
Nicht zurück an diesen Ort.
Grabe hier nicht mehr vergebens.
Tages Arbeit! Abends Gäste!
Saure Wochen! Frohe Feste!
Sei dein künftig Zauberwort.

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GEDICHTE: Geh! gehorche meinen Winken…, Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Der Schmied

Geh! gehorche meinen Winken,
Nutze deine jungen Tage,
Lerne zeitig klüger sein:
Auf des Glückes großer Waage
Steht die Zunge selten ein;
Du musst steigen oder sinken,
Du musst herrschen und gewinnen
Oder dienen und verlieren,
Leiden oder triumphieren,
Amboss oder Hammer sein.

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GEDICHTE: Meist in Wagen, die nicht federn…, Wilhelm Busch (1832-1908)

Eine Kutschfahrt

Meist in Wagen, die nicht federn,
Selten nur auf Gummirädern
Fährt der Mensch durch diese Welt,
Bis er in den Graben fällt.

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GEDICHTE: Willkommen, Ostertag!, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

 

Frohe Ostern

Was soll denn das bedeuten,
Schneeglöckchen hübsch und fein?
Wir wollen nichts, wir läuten
ja nur den Frühling ein.

Bald wird es Sonntag werden,
und vor Gottes Altar
steigt aus dem Schoss der Erden
der Blumen bunte Schar.

Die grünen Augen brechen
dann auch in Busch und Hag,
und alle Blüten sprechen:
Willkommen, Ostertag!

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GEDICHTE: Ostern, Gustav Schüler (1868-1938)

 

Frohe Ostern

Nun jubeln die Vöglein:
Christ ist erstanden!
Die grüne Saat fällt hell mit ein:
Christ brach aus Tod und Banden!
Am Hang die kleinen Vögelein
Sagens’s allen Landen,
Der Himmel, tief und kinderrein
Fällt gross und feierlich mit ein:
Christ ist erstanden! –

Nun brich hervor, du Menschenmund,
Was will dich noch bezwingen,
Du sollst, das grün und scharlachbunt,
Dein Freudenbanner schwingen,
Bricht an und singe dich gesund
Mit heissem Freudeklingen.
Du bist doch mehr als Baum und Stein,
Als Blumen und als Vögelein!

Und hält dich dumpfe Werktagshast
Zu müder Angst gebunden,
Die Freude will bei dir zu Gast,
Sie hat dich doch gefunden,
Sie redet hold: Gib mir die Last,
Ich kühle deine Wunden,
Ich mache deine Seele gut
In meiner Schönheit Rosenflut.

Ich tränke dich mit süssem Trank,
Der macht all‘ Not genesen,
Der heiligt, was noch winterkrank
Und starr in dir gewesen,
Bis all ein grosser Freudedank
Dein trübes Menschenwesen,
Bis neues seliges Opferlicht
Strömend in alle Fenster bricht.

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FROHE UND GESEGNETE OSTERN …

Happy Easter, Frohe Ostern

ALLEN
meinen Freunden und Lesern
wünsche ich ein fröhliches,
gesegnetes Osterfest!

Liebe Grüße
Gabriele

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GEDICHTE: Ostersamstag, Christian Wagner (1835-1918)

H.Maria

Wie die Frauen
Zions wohl dereinst beim matten Grauen
Jenes Trauertags beisammen standen,
Worte nicht mehr, nur noch Tränen fanden;

So noch heute,
Stehen als in ferne Zeit verstreute
Bleiche Zionstöchter, Anemonen,
In des Nordens winterlichen Zonen:

Vom Gewimmel
Dichter Flocken ist er trüb der Himmel;
Traurig stehen sie die Köpfchen hängend,
Und in Gruppen sich zusammendrängend.

Also einsam,
Zehn und zwölfe hier so leidgemeinsam,
Da und dort verstreut auf grauer Öde,
Weisse Tüchlein aufgebunden Jede.

Also trauernd,
Innerlich vor Frost zusammenschauernd,
Stehn alljährlich sie als Klagebildnis,
In des winterlichen Waldes Wildnis.

Du Erdenelend aber sollst nicht düstern
Mit deinen rohen tückischen Geschwistern
Die Tempelburgen hoher Gottesstirnen
Der Erdgehügel diamantne Firnen.

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GEDICHTE: Kreuz-Hymnus, Venantius Fortunatus ( ca. nach 600)

Psalm 139

Heilig Kreuz, du Baum der Treue,
edler Baum, dem keiner gleich,
keiner so an Laub und Blüte,
keiner so an Früchten reich:
Süßes Holz, o süße Nägel,
welche süße Last an euch.

Beuge, hoher Baum, die Zweige,
werde weich an Stamm und Ast,
denn dein hartes Holz muß tragen
eine königliche Last,
gib den Gliedern deines Schöpfers
an dem Stamme linde Rast.

Du allein warst wert, zu tragen
aller Sünden Lösegeld,
du, die Planke, die uns rettet
aus dem Schiffbruch dieser Welt.
Du, gesalbt vom Blut des Lammes,
Pfosten, der den Tod abhält.

Lob und Ruhm sei ohne Ende
Gott, dem höchsten Herrn, geweiht.
Preis dem Vater und dem Sohne
und dem Geist der Heiligkeit.
Einen Gott in drei Personen
lobe alle Welt und Zeit. Amen

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GEDICHTE: Ölbaumgarten, Rainer Maria Rilke (1875-1926)

ER weidet seine Schafe....

Er ging hinauf unter dem grauen Laub
ganz grau und aufgelöst im Ölgelände
und legte seine Stirne voller Staub
tief in das Staubigsein der heißen Hände.

Nach allem dies. Und dieses war der Schluß..
Jetzt soll ich gehen, während ich erblinde,
und warum willst Du, daß ich sagen muß
Du seist, wenn ich Dich selber nicht mehr finde.

Ich finde Dich nicht mehr. Nicht in mir, nein.
Nicht in den andern. Nicht in diesem Stein.
Ich finde Dich nicht mehr. Ich bin allein.

Ich bin allein mit aller Menschen Gram,
den ich durch Dich zu lindern unternahm,
der Du nicht bist. O namenlose Scham…
Später erzählte man: ein Engel kam.

Warum ein Engel? Ach es kam die Nacht
und blätterte gleichgültig in den Bäumen.
Die Jünger rührten sich in ihren Träumen.
Warum ein Engel? Ach es kam die Nacht.

Die Nacht, die kam, war keine ungemeine;
so gehen hunderte vorbei.
Da schlafen Hunde und da liegen Steine.
Ach eine traurige, ach irgendeine,
die wartet, bis es wieder Morgen sei.

Denn Engel kommen nicht zu solchen Betern,
und Nächte werden nicht um solche groß.
Die Sich-Verlierenden läßt alles los,
und sie sind preisgegeben von den Vätern
und ausgeschlossen aus der Mütter Schooß..

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GEDICHTE: Charwoche, Eduard Mörike (1804-1875)

Engel mit Osterbotschaft

O Woche, Zeugin heiliger Beschwerde!
du stimmst so ernst zu dieser Frühlingswonne,
du bretest imverjüngten Strahl der Sonne
des Kreuzes Schatten auf die lichte Erde,

und senkest schweigend deine Flöre nieder;
der Frühling darf indessen immer keimen,
das Veilchen duftet unter Blüthenbäumen
und alle Vöglein singen Jubellieder.

O schweigt, ihr Vöglein auf den grünen Auen!
es hallen rings die dumpfen Glockenklänge,
die Engel singen leise Grabgesänge;
o still, ihr Vöglein hoch im Himmelblauen!

Ihr Veilchen, kränzt heut keine Lockenhaare!
Euch pflückt mein frommes Kind zum dunklen Strausse,
ihr wandert mit zum Muttergotteshause,
da sollt ihr welken auf des Herrn Altare.

Ach dort, von Trauermelodien trunken,
und süß betäubt von schweren Weihrauchdüften,
sucht sie den Bräutigam in Todesgrüften,
und Lieb‘ und Frühling, alles ist versunken!

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