GEDICHTE: Der gefallene Engel, Christian Höppl (1826 – 1862)

In dem Chor der Engel, welche
Vor dem Throne Gottes stehen,
War ein Engel, milder, schöner
Als die andern anzusehen.

Ew’ge Ruhe, neigungslose,
War in ihr Gesicht geschrieben,
Ernst und Friede; nichts vom Hasse,
Aber auch kein Zug vom Lieben.

Wie der Sterne kalter Schimmer
War es über sie ergossen;
Jener Engel wie von sanfter,
Milder Morgenröt’ umflossen.

Ewig Gottes Macht besingend,
Nie dem Schlag vom eignen Herzen
Lauschend, waren ihre Lieder
Ohne Wonnen, ohne Schmerzen.

Durch des mildern Engels Weisen
Sich noch andre Worte schlangen,
Bis von Sehnsucht, Weh und Wonne
Seine Lieder wiederklangen.

Von den ernsten Engeln, welche
Zürnend seine Näh’ gemieden,
Ward er einst ihn anzuklagen
Vor des Höchsten Thron beschieden.

Der spricht streng zu ihm die Worte:
„Noch ist dir die Wahl geblieben!
Hier im Himmel — nur Gehorsam,
Unten bei den Menschen — Lieben!“

Doch der Engel neigt sich leise;
Wie von hoher Lust erglüht er,
Und die Schwingen rasch entfaltend
Schwebt er auf die Erde nieder;

Brachte Frühling mit und Liebe,
Sangeslust und Rosenblüte,
Und die Freiheit, die seit jenem
Tag die Menschenbrust durchglühte.

Den aus ihrer Mitt’ gestoßen
Jene kalten Engel droben,
Jauchzend haben ihn die Menschen
Hier zu einem Gott erhoben.

Wer die Seligkeit im Himmel
Sucht, muss jenen Engeln gleichen,
Diesem aber, wer auf Erden
Will die Seligkeit erreichen.

Fragt ihr nach des Engels Namen?
Leis in jedem Liede klingt er,
Genius der Dichtkunst heißt er,
Und aus Dichters Munde singt er.

Über Gabryon

Ich male mir mein Leben bunt. Wie der Wind… Vom Sternzeichen bin ich Wassermann und somit ein Luftzeichen. Ich bin praktisch und kreativ veranlagt und philosophiere gerne. Ich mag die Natur, Mensch und Tier. Meine Interessen sind sehr vielseitig und ich will es nicht darauf reduzieren, was ich besonders gerne mag. Das eine liegt mir an manchen Tagen mehr als das andere und ich habe es zumindest ausprobiert, um zu entscheiden, ob es für mich etwas ist oder nicht. Geht nicht, gibt es bei mir nicht. Es gibt immer Wege und Möglichkeiten, es zu tun oder zu lassen. Ich bin wie der Wind. Unterschätze nie die Kraft des Windes.
Dieser Beitrag wurde unter Gedichte abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s