GEDICHTE: Zwei Königskinder (16. Jh.)

Es waren zwei Königskinder,
die hatten einander so lieb,
sie konnten zusammen nicht kommen,
das Wasser war viel zu tief.

Herzliebster, kannst du nicht schwimmen?
Herzlieb, schwimm herüber zu mir!
Zwei Kerzen will ich hier anzünden,
und die sollen leuchten dir.

Das hört eine falsche Nonne,
die tat, als ob sie schlief.
Sie tat die Lichter auslöschen,
der Jüngling ertrank so tief.

Es war an ei’m Sonntagmorgen,
die Leut‘ waren alle so froh,
bis auf die Königstochter,
sie weinte die Äuglein rot.

Ach Mutter, herzliebste Mutter,
der Kopf tut mir so weh;
ich möcht so gern spazieren
wohl an die grüne See.

Die Mutter ging nach der Kirche,
die Tochter hielt ihren Gang.
Sie ging so lang spazieren
bis sie den Fischer fand.

Ach Fischer, liebster Fischer,
willst du verdienen großen Lohn?
So wirf dein Netzt ins Wasser
Und fisch mir den Königssohn!

Er warf das Netz ins Wasser,
es ging bis auf den Grund;
er fischte und fischte so lange
bis er den Königssohn fand.

Der Fischer wohl fischte lange,
bis er den Toten fand.
Nun sieh‘ da, du liebliche Jungfrau,
hast hier deinen Königssohn.

Sie schloß ihn in ihre Arme
und küßt‘ seinen bleichen Mund:
Ach, Mündlein, könntest du sprechen,
so wär mein jung Herz gesund.

Sie schwang um sich ihren Mantel
und sprang wohl in den See:
Gut‘ Nacht, mein Vater und Mutter,
Ihr seht mich nimmermeh‘!

Da hörte man Glockengeläute,
da hörte man Jammer und Not,
da lagen zwei Königskinder,
die waren beide tot.

Über Gabryon

Ich male mir mein Leben bunt. Wie der Wind… Vom Sternzeichen bin ich Wassermann und somit ein Luftzeichen. Ich bin praktisch und kreativ veranlagt und philosophiere gerne. Ich mag die Natur, Mensch und Tier. Meine Interessen sind sehr vielseitig und ich will es nicht darauf reduzieren, was ich besonders gerne mag. Das eine liegt mir an manchen Tagen mehr als das andere und ich habe es zumindest ausprobiert, um zu entscheiden, ob es für mich etwas ist oder nicht. Geht nicht, gibt es bei mir nicht. Es gibt immer Wege und Möglichkeiten, es zu tun oder zu lassen. Ich bin wie der Wind. Unterschätze nie die Kraft des Windes.
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