WINTERGEDICHTE …, Lob des Winters …, Georg Philipp Harsdörffer

Abenddämmerung

Wem behagt Aprillenwetter?
Wem des Hundsgestirnes Hitz‘?
Wem des Herbstes falbe Blätter?
Niemand, der nicht sparet Witz.
Ich will nun kaltsinnig loben
Die begrau’te Winterszeit,
Die uns unsre Augen weid’t,
Und auch billig wird erhoben.

Wie ein fast bejahrter Alter
Nach der schnellen Monden Flucht,
Sitzend bei dem Weinbehalter,
Kostet seiner Arbeit Frucht,
Hält die Ruhtag‘ für sein Leben
Bis zum vorgesteckten Ziel,
Da der grauen Haar‘ so viel
Strahlen großer Klugheit geben:

Also pfleget auch zu rasten
Aller Jahrszeit Flucht und Eil,
Und beginnet recht zu masten
An des weißen Winters Seil.
Ceres wohnet in den Scheuern,
Bacchus bringt den süßen Most,
Und Pomona ihre Kost,
Sylvan kann beim Feuer feiern.

Schauet drauß die weißen Flocken,
Wie sie streichen hin und her,
Wie sie sich zusammen stocken,
Wie sie stürmen überquer!
Das ist ein gesundes Wetter,
Und man heizt auch tapfer ein,
Horchend bei dem firnen Wein
Der Musik von einem Bräter.

Mich bedünket, dass die Sterne
Strahlen baß, wann’s Winter ist;
Wann das Wasser hartet gerne
Wie Kristallstein durch Gefrüst,
So muss man das Eis belaufen
Mit der Schlittschuh‘ schnellem Holz;
Wie ein Vogel oder Bolz,
Rauscht man vorwärts ohn‘ Verschnaufen.

Masken, Fastnacht, Schlittenfahren,
Reiten, Tanzen, Fechten üben,
Lass‘ ich unbemeldet fahren,
Wie auch auf der Tafel schieben,
Und erhebe das Studieren,
So uns manche lange Nacht
Auch wohl in das Bett gebracht,
Dass wir Winterslust recht spüren.

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Über Gabryon

Ich male mir mein Leben bunt. Wie der Wind… Vom Sternzeichen bin ich Wassermann und somit ein Luftzeichen. Ich bin praktisch und kreativ veranlagt und philosophiere gerne. Ich mag die Natur, Mensch und Tier. Meine Interessen sind sehr vielseitig und ich will es nicht darauf reduzieren, was ich besonders gerne mag. Das eine liegt mir an manchen Tagen mehr als das andere und ich habe es zumindest ausprobiert, um zu entscheiden, ob es für mich etwas ist oder nicht. Geht nicht, gibt es bei mir nicht. Es gibt immer Wege und Möglichkeiten, es zu tun oder zu lassen. Ich bin wie der Wind. Unterschätze nie die Kraft des Windes.
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