VERZOCKT! Es ist einiges durcheinandergeraten im Land des unbegrenzten Humors.

Ich schließe mich der Meinung von Stefan Aust an. 
Unsere Meinungsfreiheit ist ins Wanken geraten.
Es ist das Resultat des politisch schmutzigen Geschäfts mit Flüchtlingen, das eines Despoten und dessen Handlangerin. 

Meinung von Stefan Aust
Chefredakteur und Herausgeber „Die Welt“

In der Bosporus-Falle: Der türkische Präsident Erdogan bedrängt die deutsche Politik

Foto: Reuters

Der politische Diskurs ergeht sich in Frühlingsgefühlen. Es ist, als habe der ZDF-Wichtigtuermann die Schleusen des schlechten Geschmacks sperrangelweit geöffnet mit seinen pubertären Endreimen vom angeblichen Tierfreund am Bosporus. Die Interpretationen pendeln zwischen Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung und produzieren eine Staats- und Regierungskrise, die an Albernheit kaum zu überbieten ist.

Und plötzlich kommt die Kanzlerin, der jeder Kotau vor dem Sultan als raffinierte Strategie im Dienste der Humanität abgenommen wurde, in echte Bedrängnis. Sie winkt nach dem Paragrafen gegen Majestätsbeleidigung ein Strafverfahren gegen den ZDF-Dichter durch, der im Höchstfalle zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt werden könnte – so viel steht auch auf das Leugnen des Holocaust. Die Beleidigung einfacher Bürger ist da mit maximal einem Jahr deutlich weniger strafbar.

An Merkels Entscheidung scheiden sich die Geister.

In gewohnter Rafinesse hat die Kanzlerin ein taktisches Bündel geschnürt, das jedem Konfliktpartner etwas zugute kommen lässt: Sie signalisiert Erdoğan, dass sie Beleidigungen seiner Majestät nicht toleriert und reicht den Schwarzen Peter an die Justiz weiter, in der gesicherten Annahme, dass die Strafe schon nicht so hoch ausfallen wird.

Außerdem wird noch viel Wasser durch den Bosporus laufen, bis das Urteil steht. So hält Merkel den Despoten einigermaßen bei Laune, denn sie braucht ihn ja, um ihre Flüchtlingspolitik, die schlechte Bilder anderswo und nicht vor Deutschlands Haustür haben will, weiterführen zu können.

Böhmermann wird zum lyrischen Supermann, der die Freiheit der Kunst im Selbstversuch mannhaft auf die Probe stellt. Und die Gegner des Paragrafen zur Majestätsbeleidigung können sich auch freuen – und machen prompt den Supermann Böhmermann zu jenem revolutionären Helden, der das antiquitierte Gesetz ad absurdum geführt hat. Und das alles durch ein paar schmutzige Endreime.

Es ist einiges durcheinandergeraten im Land des unbegrenzten Humors. Die Kanzlerin macht sich zum Handlanger der beleidigten türkischen Leberwurst (Achtung: Gefahr von Majestätsbeleidigung!), die SPD-Minister votieren gegen Merkels Ermächtigung zur Strafverfolgung und lassen sich von der doppelten Kanzler-Stimme übertölpeln, sie hängen nach außen hin ihr Fähnchen von Kunst- und Pressefreiheit in den Wind und decken im Binnenverhältnis die Unterwerfung politisch ab. In sich alles irgendwie logisch, wie jedes Wahnsystem. Und doch am Ende die unkomische Folge einer unlogischen und vor allem unehrlichen Politik.

Vom Refugee-Welcome-Pathos, untermauert mit der „Wir schaffen das“-Parole, dauerte es nur wenige Wochen, bis man fassungslos zur Kenntnis nehmen musste, dass die noch im September in der Flüchtlingsfrage eng verbündeten Österreicher begannen, ihre Grenzen zu schließen.

Als dann die Balkanstaaten bis hinunter nach Mazedonien Ernst machten und Stacheldrähte ausrollten, hielt man sich in der Kritik deutlich mehr zurück als zuvor gegen den ungarischen Zaunbauer Orbán. Immerhin stauten sich die Flüchtlinge jetzt wenigstens nicht an der Grenze nach Deutschland, was man mit klammheimlicher Freude, gepaart mit milder Kritik an den Grenzschließungen begleitete. Da fehlte dann nur noch der Deal mit Erdoğan, auch der erst möglich gemacht durch die Schließung der Balkangrenze. Bei freier Durchfahrt nach Germany hätte es weder für die Griechen noch für die Erdo-Gang (Achtung: Kalauer mit Tendenz zur Majestätsbeleidigung!) irgendeinen Anlass gegeben, sich auf einen Deal einzulassen.

Und dann dieser Scherzkeks Böhmermann!

Der Sultan kannte sein Geschäft. Mal ließ er mehr, mal weniger Schlauchboote auf die Ägäis hinaus, je nachdem, wie viel Druck man aufbauen wollte. Und schon waren die guten Deutschen abhängig vom großen Türken und mussten ihn, koste es was es wollte, bei Laune halten.

Kein leichtes Unterfangen bei diesem machtbesessen Hysteriker (Achtung: Gefahr von Majestätsbeleidigung!). Schon ein immerhin ziemlich witziger Extra-3-Beitrag über Erdo-wie, Erdo-wo, Erdo-wahn brachte ihn so auf die Palme, dass er den deutschen Botschafter einbestellen ließ.

Und dann dieser Scherzkeks Böhmermann! Ausgerechnet im öffentlich-rechtlichen Moralfernsehen machte der sich seinen Reim auf den Mann, der in seinem Reich die Presse- und Meinungsfreiheit abgeschafft hat, den neuen ziemlich besten Freund der Kanzlerin. Da steht sie nun und kann nicht anders.

Verzockt. Irgendwie aus dem Ruder gelaufen die Flüchtlingspolitik: Man überlässt anderen die Schmutzarbeit, von der man dann selbst profitiert, begibt sich in die Bosporus-Falle und rutscht am Ende auf einem Schmutzreim aus. Die Geschichte vom langsamen Niedergang von Bundeskanzlern wiederholt sich offenbar gelegentlich. Mal als Tragödie, diesmal wohl als Farce.

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Über Gabryon

Ich male mir mein Leben bunt. Wie der Wind… Vom Sternzeichen bin ich Wassermann und somit ein Luftzeichen. Ich bin praktisch und kreativ veranlagt und philosophiere gerne. Ich mag die Natur, Mensch und Tier. Meine Interessen sind sehr vielseitig und ich will es nicht darauf reduzieren, was ich besonders gerne mag. Das eine liegt mir an manchen Tagen mehr als das andere und ich habe es zumindest ausprobiert, um zu entscheiden, ob es für mich etwas ist oder nicht. Geht nicht, gibt es bei mir nicht. Es gibt immer Wege und Möglichkeiten, es zu tun oder zu lassen. Ich bin wie der Wind. Unterschätze nie die Kraft des Windes.
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14 Antworten zu VERZOCKT! Es ist einiges durcheinandergeraten im Land des unbegrenzten Humors.

  1. Pingback: Allerlei Kunterbunt...

  2. Eulencamperin schreibt:

    Hier noch etwas zum schmunzeln….

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  3. Eulencamperin schreibt:

    Frau Kanzlerin hat nach jahrelangem, untätigem Zuschauen bei der Entwicklung der Syrien-Krise die Wirtschaft mit „Fachkräften“ bedienen wollen. Unüberlegt und unvorbereitet. Nachdem die Flüchtlingswelle trotz ihrem gebetsmühlenartig vorgetragenem „wir schaffen das“ zur Flüchtlingskrise wurde, wollte sie zurück rudern.
    Dafür bediente sie sich des osmanischen Möchtegern-Sultans. Dem deutschen Volk wollte sie das rückwirkend als „geplante Strategie“ verkaufen.
    Erst macht sie den Kriegsflüchtlingen Hoffnung, winkt sie alle hierher – nun läßt sie sie deportieren und von ihrem Freund vom Bospurus ethnisieren und ins Kriegsgebiet abschieben.
    Dafür zahlt die EU auch noch in barer Münze und läßt ungehindert, weil Visafrei, auch noch Erdogans Untertanen hier einmaschieren….
    Wäre sie doch einfach Pfarrerstochter geblieben

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    • Gabryon schreibt:

      Liebe Rika, wie recht Du hast! Ich hoffe sehr, dass Sie nicht noch mehr Schaden zufügt. Genug ist genug! Es ist einfach unfassbar, traurig, unendlich dumm und nicht durchdacht.

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      • Eulencamperin schreibt:

        Liebe Gabriele,
        dazu kommt ja noch, dass sie speichelleckenderweise dem Erdogan ja bezüglich Böhmermann in die Hände gespielt hat. Der Despot hat doch selbst Anzeige erstattet – warum muss das ganze jetzt noch via Paragraf 103 („Majestätsbeleidigung“) ausgeschlachtet werden – wo sie doch selbst jenen Paragrafen als obsolet deklariert? Hat sie es wirklich so nötig, vor dem Osmanen zu katzbuckeln? Scheinbar ja – sie hat sich mit ihrem beschissenen Vorgehen in seine Hand begeben – und das deutsche Volk gleichzeitig an ihn ausgeliefert.

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        • Gabryon schreibt:

          Liebe Rika, Frau Merkel hat es geschafft, dass die BRD durch die fanatischen Islamisten erpressbar geworden ist.
          Wer bei uns leben will, muss sich unseren Werten und Gesetzen anpassen! Basta!!!!
          Ich denke, dass der Islam selbst damit klar kommt, aber nicht die sich darunter befindlichen Faschisten, Dschihadisten und Salafisten. Meiner Meinung nach, gehört Erdogan zu den Faschisten, genau wie damals Hitler. Mit solchen Diktatoren verbindet man sich nicht und macht auch keine sonstigen Geschäfte!, Die Geschichte hat uns gezeigt, was alles daraus entstehen kann.

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          • Eulencamperin schreibt:

            Oh ja! Ich warte darauf, dass in der Türkei demnächst westliche Bücher verbrannt werden. Was machen dann „unsere“ Politiker, die uns ja so oft und gerne an „unsere Vergangenheit“ erinnern? Wahrscheinlich weiter, wie bisher….

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  4. keinbisschenleise schreibt:

    Leider habe ich nicht so viele Daumen, die ich hier hochhalten möchte, liebe Gabriele.

    Ein Spitzen-Beitrag und besser kann man es echt nicht auf den PUNKT bringen.

    Danke für’s zeigen und lesen lassen
    und einen lieben Gruß,
    Uschi

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  5. lesenbiene schreibt:

    Wer einen Pakt mit dem Teufel schließt, braucht sich nicht wundern wenn man ihm die Hand reicht und den Arm abgerissen bekommt.
    Unsere Politiker sind an Karikaturen und Spott gewöhnt, keiner schert sich darum, bei uns gibt es Meinungs- und Pressefreiheit, doch vor dem Sultan auf dem goldenen Thron muß Merkel nun einen Kniefall machen um ihren fragwürdigen Menschenhandel über die Bühne zu bringen. Nun zeigt uns der Türke wo die Grenzen der Meinungsfreiheit liegen und ein Land kuscht vor einem Despoten. Seit Tagen wird darüber diskutiert, als ob unser Land nicht andere Sorgen hat….
    Damals ist Merkel nach den Morden an den Satirikern von Charlie Hebro nach Paris geflogen, um für die Presse -und Meinungsfreiheit zu demonstrieren. Heute wirft sie ihre eigenen Bürger den Despoten zum Fraß vor.

    LG Biene

    Gefällt 2 Personen

  6. kowkla123 schreibt:

    verzockt ist gut, nun bin ich auch nicht mehr bei ihr, alles Gute für heute und die kommende Woche

    Gefällt 1 Person

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