Populäre Melodien…

Es schwirren manchmal uns im Kopfe
die populärsten Melodien.
Bei passenden Gelegenheiten
singt man so’n Liedchen vor sich hin.
Trägt beispielsweise eine Dame
’nen Hut, der grenzt ans Wundersame,
mit Pflanzen riesenhaft geschmückt,
sing‘ ich begeistert und entzückt:
„Wer hat dich, du schöner Wald,
aufgebaut so hoch da droben?“

Es ist schon ein’ge mal geschehen:
Ein Flieger zog aus Deutschland fort
und kam nach Frankreich aus Versehen,
da riefen die Franzosen dort:
„Was kommt dort durch die Luft gezogen?
Ein fremder Vogel kommt geflogen.“
Der flog herunter, blass und müd‘,
und sang in Frankreich dann das Lied:
„Nach der Heimat möcht‘ ich wieder!“
Doch die Franzosen riefen aus:
„Warum kommst du bei uns nieder?
Fliege raus, sonst fliegtste raus.“

Madame Frankreich, die kokette,
sieht sich nach neuen Freunden um,
weil Sie gern viele Freunde hätte –
man kann sich denken schon, warum –
jüngst sprach so’n Freund, den sie getroffen:
„Auf deine Lieb‘ mag ich nicht hoffen,
weil du hast doch schon den russ’schen Freund.“
Da hat Madame kokett gemeint:
„Wo steht denn das geschrieben?
Man soll nur einen lieben –
komm‘ in meine Liebeslaube –
komm’in mein Paris.
Und dann woll’n wir noch einmal,
woll’n wir nach Deutschland sehr schnell,
da schlag’n wir die Preußen – eventuell.“

Es gibt jetzt Maler – Futuristen,
die Herren mal’n symbolisch nur –
ich sah so’n Bild und dacht‘ mit Schrecken:
Wie ist verändert die Natur!
Das Bild entsetzte und erregte
mich noch, als ich mich schlafen legte.
Am nächsten Tag, nach schwerem Schlaf,
sang ich, als ich den Maler traf:
„Ich hab‘ dein Bild im Traum geseh’n,
das war so hold, so wunderschön.
Seid ich dies Bild im Traum geseh’n,
da mag ich nicht mehr schlafen gehn.“

Die Herren Künstler vom Theater
spiel’n jetzt im Kino –das ist fein –
Sie brauchen sich nicht heiser reden
und brauche nicht dabei zu sein.
Sollt‘ dann das Publikum mal zischen,
kann es die Künstler nicht erwischen.
Die sind zu Haus – das ist charmant –
ihr Bild spielt auf der Leinewand.
Ja, dort gehn sie still und leise
immer an der Wand lang, immer an der Wand lang.
Die man auf der Bühne sonst erblickt,
werden an die Wand, an die Wand gedrückt.

Das größte Schiff, der Imperator,
ward übergeben dem Verkehr, –
und mächtig, wie ein Triumphator,
so schwamm es durch das weite Meer.
Dann war vergnügt und alles schaute
auf Herrn Ballin, der es erbaute.
Ballin stand stolz hoch auf dem Deck.
Die Passagiere sangen keck:
„Du hast ja keine Ahnung, wie schön du bist – Ballin.“

Es wurde Schwiegersohn des Kaisers
der junge Prinz von Cumberland.
Der stammt aus altem Welfenhause,
einst in Hannover, wie bekannt.
Nun reden ein’ge stets aufs neue
von der berühmten „Welfentreue“,
wenn man von Welfentreue spricht,
dann singt sein Weibchen brav und schlicht:
„Hab’ich nur deine Liebe,
die Treue brauch‘ ich nicht –
du hast jetzt Braunschweig,
leiste auf Hannover gern Verzicht.
Mein Vater hält alleine Hannover – an der Leine.“

Für die Prinzessin, die Luise
von Coburg wird die Sache krit’sch –
Ach, keine pumpt wohl so wie diese –
ihr Liebster ist Graf „Matschatschitsch“.
Der klagte jüngst: „Die hoch verzinsten
gewalt’gen Schulden – wie viel sind’s denn?“
Da sang Sie leise mit gequietsch
zu ihrem lieben „Matschatschitsch“:
„Weißt du, wie viel Sternlein stehen
an dem blauen Himmelszelt?
Soviel Gläub’ger komm’n und gehen,
du, mein Dalles auf der Welt.
’ne Prinzessin pumpt die wenig –
mein Herr Vater war ein König –
und mein Liebster ist ein Graf –
und wer mir pumpt, der ist – sehr brav.“

In Leipzig ist es jüngst geschehen:
es steht ein Gast in ’nem Hotel,
da kratzt es nachts an seiner Türe,
drum stand er auf und öffnet schnell.
Er dacht‘ voll Freuden: das ist Käthchen,
das heißgeliebte Zimmermädchen.
Da hat ’nen Löwen er entdeckt –
da liegt er fort und sang erschreckt:
„So leb denn wohl, du stilles Haus,
ich zieh’betrübt von dir hinaus.
Komm ich nochmal, kauf ich mich fein
erst in die Löwen’s-Versich’rung ein.“

Der Tangotanz, der wunderbare,
ist zwar modern, jedoch nicht schön.
Ganz langsam drehen sich die Paare,
man kann kaum seh’n, dass sie sich drehn.
So’n Tanz von früher, der war schöne –
man nahm sein Liebchen – schmiss die Beene
und tanzt voll Schwung und Energie – –
heut‘ tanzt man nach der Melodie:
„Immer langsam voran, immer langsam voran.“
Doch ’s wird nicht lange währ’n,
dann kommt der Walzer wieder dran.

Otto Reutter

Über Gabryon

Ich male mir mein Leben bunt. Wie der Wind… Vom Sternzeichen bin ich Wassermann und somit ein Luftzeichen. Ich bin praktisch und kreativ veranlagt und philosophiere gerne. Ich mag die Natur, Mensch und Tier. Meine Interessen sind sehr vielseitig und ich will es nicht darauf reduzieren, was ich besonders gerne mag. Das eine liegt mir an manchen Tagen mehr als das andere und ich habe es zumindest ausprobiert, um zu entscheiden, ob es für mich etwas ist oder nicht. Geht nicht, gibt es bei mir nicht. Es gibt immer Wege und Möglichkeiten, es zu tun oder zu lassen. Ich bin wie der Wind. Unterschätze nie die Kraft des Windes.
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