So weit geht unsere Freundschaft nicht…

Die Bürgschaft kennt ein jeder wohl,
von Schiller ein Gedicht.
Die Freundschaft war zu jener Zeit
des Mannes heil`ge Pflicht
mit solchen Freunden heut zu Tage
da hat man seine Noth –
kein Mensch geht heut für seinen Freund
freiwillig in den Tod.
Man fände niemals einen Bürgen –
so`n Freund von heutzutage spricht:
„für dich lass ich mich nicht erwürgen,
so weit geht unsere Freundschaft nicht!“

Therese hat vom Julius
den ersten Kuss genascht –
die Mutter hat sie dann dabei
ganz heimlich überrascht.
Die Mutter frägt: „Was machst du hier
bei deinem Julius?“
Sie sagt: „Mama, verzeihe mir –
`S war nur ein Freundschaftskuss!“
Da schaut die Mutter auf Theresen,
„Das war kein Freundschaftskuss!“ Sie spricht
„das ist die Liebe nur gewesen,
denn so weit geht die Freundschaft nicht!“

Herr Schulze hat `ne hübsche Frau
und einen guten Freund,
und dieser hat im Wirtshaus schlau
zum Schulze mal gemeint:
„Ach möchtest du auf kurze Zeit
mir nicht zehn Thaler leih`n?
Ich möchte gern mit deinem Weib
mal ins Theater rein!“
Doch Schulze sagt beim vollem Humpen:
„Das Geld geb ich dir gern, du Wicht!
Doch meine Frau dir auch noch pumpen:
so weit geht unsere Freundschaft nicht!“

Bei einem Einbruch hat man jüngst
zwei Spitzbuben gekriegt.
Man führt sie schleunigst alle zwei
aufs Kriminalgericht.
Der eine, der tat ganz geknickt
und sagte tief gerührt:
„Ich bin unschuldig wie so’n Lamm,
mein Freund hat mich verführt!“
„Na, wenn du jloobst, mein lieber Fritze“
der andre da entrüstet spricht,
„dat ick alleen für beede sitze,
so weit jeht unsre Freundschaft nicht!“

Zwei Freunde, Paul und Woldemar,
poussierten mit Marie.
Da eines Tages aber, ach,
sagt ganz bekümmert sie:
„Die Liebe war nicht ohne, ’s ist
der Klapperstorch in Sicht!“
Schnell sagt da Woldemar zu Paul:
„Denk an die Vaterpflicht!“
„Ich denk’ schon dran“, sagt da ganz kühle
der Paul mit lächelndem Gesicht,
„doch, daß allein ich Vater spiele,
so weit geht unsre Freundschaft nicht!“

Otto Reutter

Über Gabryon

Ich male mir mein Leben bunt. Wie der Wind… Vom Sternzeichen bin ich Wassermann und somit ein Luftzeichen. Ich bin praktisch und kreativ veranlagt und philosophiere gerne. Ich mag die Natur, Mensch und Tier. Meine Interessen sind sehr vielseitig und ich will es nicht darauf reduzieren, was ich besonders gerne mag. Das eine liegt mir an manchen Tagen mehr als das andere und ich habe es zumindest ausprobiert, um zu entscheiden, ob es für mich etwas ist oder nicht. Geht nicht, gibt es bei mir nicht. Es gibt immer Wege und Möglichkeiten, es zu tun oder zu lassen. Ich bin wie der Wind. Unterschätze nie die Kraft des Windes.
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