Der internationale Koch…

Auftrittslied

Immer dalli, dalli, dalli, ’s ist schon Essenszeit.
Immer feste auf die Weste – keine Müdigkeit.
Nimmst wohl selbst die Speisenreste?
Hab‘ dich überrascht,
ißt wohl selbst das Allerbeste,
hast schon wieder mal genascht?
Raus! Raus!

Ich bin der Koch, ich würz‘ die Speisen –
wer etwas auszufressen hat,
den bitte ich, zu mir zu reisen,
in meiner Küche wird er satt.
Hier gibt es mancherlei Gerüche,
wir willkomm’n Sie in des Teufels Küche.
Das Essen für die ganze Welt
wird, wie Sie seh’n, bei mir bestellt.

Couplet

Ein Bräut’gam, der bestellte heute
für seine Braut den Hochzeitsschmaus.
Mit Honig schmiert er ihr das Mündchen –
nachher ist’s Essig, dann ist’s aus.
Auch Früchte kriegt sie, nette Früchte.
Er sagt: „Schau‘, was ich dir erkor –
hier Kirschen für dein Kirschenmündchen,
hier Feigen, aber nicht fürs Ohr.
Mein Apfelsinchen, mein Mandarinchen,
mein Sahnetörtchen, zart und süß,
ich biete dir ein Paradies.
Ja, liebes Lieschen, ein paar Radieschen.
Es fliegen dir zu jeder Stund‘
gebrat’ne Tauben in den Mund.
Wenn ich dich Küsse, knallt es sehr,
mein Knallbonbon, mein Fruchtlikör.
Mein Zuckerplätzchen, dir allein
will ich ein jedes Plätzchen weih’n.“
Ich bin der Koch, ich würz‘ die Speisen –
dies hat der Dreibund aufgetischt –
drum hütet euch, ihn einzukreisen –
ich hab‘ das Essen aufgefrischt –
aus Deutschland Beefsteak, kräftig, keimig,
aus Öst’reich Mehlspeis‘, süß und schleimig,
nur manchmal steht recht separat
der italienische Salat.

Jetzt kommt ein Diplomatenbraten,
der wird serviert zum Friedensfest
von den Vertretern aller Staaten –
’s Rezept, das stammt aus Bukarest.
Die Friedenstaube ist ’ne Ente,
jedoch, sie ist auf jeden Fall
’ne internationale Speise,
englische Sauce überall.
Aus Hollands Gauen – kam voll Vertrauen –
Frau Berta Suttner jüngst herbei,
die wählt‘ ein Friedens-Taubenei,
sie möcht‘ es rühren – der Welt servieren –
ich schlag’s entzwei – das Taubenei.
Ward, wie Sie seh’n – zum tauben Ei.
Verlor’ne Eier schmerzen sehr
dem Herrn Franzos‘ – er kam hierher,
die Preußen möcht‘ er gerne verzehr’n –
er äß am liebsten „Preußelbeer’n.“. –
Ich bin der Koch, ich würz‘ die Speisen –
ja, der Franzose fräß‘ uns gern.
Er möcht‘ am allerliebsten schmeißen
Schlagsahne auf die Preußelbeer’n.
Ich aber sag: „Lass die Schikane,
sonst kriegst Ihr’n Schlag und wir die Sahne,
dann senden wir zum Zeitvertreib
euch blaue Bohnen in den Leib.“

Die vielgenannten Balkanfürsten
servierten jetzt mit viel Gekreisch
für Ferdinand, den Bundesbruder,
dies Balkan-Hexen-Kesselfleisch.
Die hab’n ’nen eignen Metzgerladen,
der sich nicht übertrumpfen lässt.
Ist das Geschäft auch jetzt geschlossen,
die hab’n bald wieder Schlachtefest.
Die Balkanbrüder, so brav und bieder,
die liefern Ferdinand ganz stramm
den Rest von türk’schen Opferlamm.
Er wird aus Serbien dies Reisfleisch erbien,
selbst Montenegro hat vergnügt
’ne Hammels- „Keile“ beigefügt.
Der „Klops“ aus Griechenland schmeckt schön.
Begossen wird’s – mit Punsch Rumain. –
Man knobelt dort die Länder aus,
es werden Knobel-Länder draus. –
Ich bin der Koch, ich würz‘ die Speisen,
nach Lorbeer rang der Nimmersatt –
in dieser Supp‘, ich will’s beweisen,
find’t Ferdinand kein Lorbeerblatt.
Erst wollt der Nante alles fressen,
jetzt kriegt er dieses mag’re Essen.
Drum spend‘ ich ihm, das schmeckt pikant,
’ne Gurke à la Ferdinand.

So mancher Mann, der nicht vereh’licht,
schwärmt trotzdem für ’ne „junge Gans“.
Ist sie verheirat’t, umso besser –
er speist auf Kosten ihres Mann’s. –
Als Hausfreund kriegt er ’n Gänsebraten,
er schweigt bei Rendez-vous.
Und das Dessert, das kriegt der Gatte –
und ist gerührt wie Apfelmus.
Manch Kassenbote – dem Unheil drohte,
der liebt nur Speisen, wie bekannt,
die „abgedampft“ und „durchgebrannt“.
Bei allen Speisen denkt er ans Reisen
sieht er mich kneten, denkt er gleich:
„Ach, wär‘ ich „überm großen Teich“ (Teig).
Ein Vegetarier, ach, wie fad –
isst früh und spät – nichts wie Salat.
Doch, wenn er weiß, dass keiner naht,
dann ist er – Ochsenmaulsalat.
Ich bin der Koch, ich würz‘ die Speisen.
In Frankreich sagt die Frau zum Mann:
„Willst du mir nicht die Wege weisen,
damit ich Kinder kriegen kann?
Mein „Champignon“, lass dich erweichen –
du musst mir kleine Krabben reichen.
Ich hab‘ für Sie schon aufbewahrt
die „Milch der frommen Denkungsart“.

Hier sehen Sie die Wertvorlage,
sie ist ein riesengroßes Ding
ja, die Soldaten, ohne Frage,
bekommen jeden Pfifferling.
Sie sind gewürzt mit Pfeffer-Münzen.
Das Militär bekommt bestimmt
das ganze Fett, die ganze Brühe –
mit einem Wort: den ganzen Zimt.
Die Schüssel Nudeln, zum übersprudeln,
die hat der Kanzler und ungeniert
dem deutschen Michel jetzt serviert.
Statt Eiernudeln gibt’s Steuernudeln.
In dieser Suppe – das ist klar –
da find’t der Michel manches Haar.
Hier Wolfsfleisch – Welfenfleisch – man sieht:
’s ist ausgekocht und abgebrüht.
Von 66 stammt’s Diner,
das Fleisch von „Wölfen“ ist sehr zäh.
Ich bin der Koch, ich würz‘ die Speisen –
’s ward nach Berlin sehr oft gesandt –
mit diesen Tee aus Welfenkreisen
und Sauce à la Cumberland.
Im Hohenzollerntopf sollt’s braten,
sollt’für Hannover gut geraten,
doch – aus dem Welfenfleisch – oh Graus,
wurd’n nur Braunschweiger Würste draus.

Jetzt kommt die große Reichstagsschüssel.
Wer die genießt, den wird nicht wohl.
Die Herr’n servieren immer wieder
denselben aufgewärmten Kohl.
Konservative krieg’n Konserven,
hier rote Grütze, sozial,
die wird von 111 „Genossen“,
wer liberal, ist lieber Aal.
’s liegt hier und drüber wie Kraut und Rüben.
In zu viel Gängen wird’s gebracht.
Die Würze fehlt, die’s schmackhaft macht,
denn in der Kürze, da liegt die Würze,
oft brüten viel an einem Ei,
doch zu viele Köch‘ verderb’n den drei.
Sie denken nach – ’s gibt Hirn mit Ei,
doch sehr viel Hirn – ist nicht dabei.
Es gibt von Zungen ein Ragout,
Erzberger gibt den Senf dazu.
Ich bin der Koch, ich würz‘ die Speisen –
hier à la carte, d.h.: Nach Wahl!
Ja, nach der Wahl, ich will’s beweisen,
bekam’n die Wähler dieses Mahl –
schwarzblaue Krebse kam’n zur Wahlzeit
ganz hart gesottene in die Mahlzeit –
Sie kam’n ins Feuer, gingen tot,
und als sie raus kam’n, war’n sie rot.

Herr Liebknecht wählte auch ’ne Speise –
er stellt sich kürzlich bei mir ein,
der int’ressiert sich sehr für „Essen“,
’s muss an der Ruhr gelegen sein.
Bedeckt war dies verdorb’ne Essen,
er hat’s enthüllt mit starker Hand.
Es ist ’ne große Krupp’sche Platte,
die riecht jetzt sengerich durch – Brandt.
Die Brandt’schen Pillen tat man im Stillen
ins Essen rein, dass fiel nicht auf –
dann walzte man die Körner drauf –
durch die „Kornwalzen“ schmeckt’s ganz versalzt.
’s ist ein Gericht, ich nen‘ es schlicht:
Zivil- und Militär-Gericht.
Mit „Pumpernickel“ leicht „geschmiert“,
wird’s Kruppzeug nun von mir serviert,
und hinter her, das schmeckt sehr fad ,
da gibt’s ’ne Dosis „Spionat“.
Ich bin der Koch, ich würz‘ die Speisen –
Herr Liebknecht rief: „’s ist ein Skandal!
Ich hab’s durchschaut durch Stahl und Eisen,
dies Mahl, es ist ein ‚Panamahl’“.
Mit seiner großen Gabelsticht er
ins Essen rein und dabei spricht er:
„O heiliges Kanonenrohr,
du kommst mir sehr ‚bestechlich‘ vor.“

Nachspiel:

Nun ist serviert – ich schließ‘ mein Lied
und wünsche guten Appetit.

Otto Reutter

Über Gabryon

Ich male mir mein Leben bunt. Wie der Wind… Vom Sternzeichen bin ich Wassermann und somit ein Luftzeichen. Ich bin praktisch und kreativ veranlagt und philosophiere gerne. Ich mag die Natur, Mensch und Tier. Meine Interessen sind sehr vielseitig und ich will es nicht darauf reduzieren, was ich besonders gerne mag. Das eine liegt mir an manchen Tagen mehr als das andere und ich habe es zumindest ausprobiert, um zu entscheiden, ob es für mich etwas ist oder nicht. Geht nicht, gibt es bei mir nicht. Es gibt immer Wege und Möglichkeiten, es zu tun oder zu lassen. Ich bin wie der Wind. Unterschätze nie die Kraft des Windes.
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