Prinzessin und Zigeuner

Eine nun mehr zur Chimäre gewordene Ballade aus dem Jahr 1897.

Jetzt will ich singen ne lust’ge Geschicht
von ner Prinzessin – ihr kennt sie wohl nicht?
Diese Prinzessin, die ist sehr bekannt.
Für nen Zigeuner, da war sie entbrannt.
Als der Zigeuner tat zuerst Sie seh’n,
war es auch gleich um ihr Herze gescheh’n,
denn seine Geige, die spielte er so gut
da sang sie heimlich zu ihm voller Glut:
„Nur das eine bitt‘ ich dich:
Liebe mich! Liebe mich!
Denn du hast ja die schönsten Augen –
deine Geige entzückt mich so sehr –
ich hab Diamanten  –
mein Liebchen – was woll’n wir noch mehr!“
„Reicht mir die Hand, mein Leben!
Kommt fort vom Schloss zu mir!“
Er rief’s voll Liebesbeben
und er verschwand mit ihr.
In des Waldes tiefsten Gründen,
dort wo niemand sie entdeckt,
haben beide sich versteckt. –
Niemand konnt‘ den Ort erkunden –
selbst der Prinz konnt‘ Sie nicht finden –
beide wurden nicht geseh’n –
doch es ist ihr nichts gescheh’n –
denn er hat sie ja nur auf die Schulter geküsst,
und sie sang, weil die G’schicht‘ so gut aus’gangen ist:
„Ich bin die Zigeunerin –
bin froh, dass ich bei dir bin!“
„Ich bin ein armer Musikant,“
so sagte er zu ihr –
„Bin aus dem schönen Ungarland,
hab nur die Geige hier.
Dein Prinz, der hat viel Geld und Gut –
doch eins hab ich vermisst –
er kann nicht geigen, weil dein Prinz
nicht musikalisch ist!“
Auf seiner Violine
spielt er so manches Stück –
Sie sagt mit froher Miene:
„Ich Schwärme für Musik!
Mein Schatz ist ein Zigeuner,
der den Bogen streicht.
Ach, so wie er spielt keiner –
sein Spiel bleibt schon erreicht!“
Und so spielt er voll Humor
der Prinzessin etwas vor.
Aber eines Tag’s – Malheur! –
Konnt er nicht spielen mehr. –
Eine Saite riss entzwei –
da war’s mit dem Spiel vorbei. –
Schnell packt er die Geige ein –
doch die Prinzessin sang voll Pein:
„Noch einmal, noch einmal, noch einmal,
Spiel mir die – Melodie“ –
Doch er sprach: „Was fällt dir ein!
Sei nicht bös! Es kann nicht sein!“
Doch ich glaub, nach kurzer Zeit
herrscht wohl wieder Einigkeit
zwischen ihm und seiner Fee –
und wenn’s Geld sie ausgegeben,
dann, wir Werdens noch erleben,
gehen die Zwei zum Varieté –
denn ne Prinzessin auf der Bühne
und er mit ner Violine,
ist ne Nummer, die noch zieht. –
Erst tun beide sich verbeugen –
hierauf fängt er an zu geigen,
und Sie singt das schöne Lied:
„Seh’n Sie, das ist ein Geschäft –
das bringt noch was ein!“
Vielleicht werd´n sie in kurzer Zeit
auch hier in (Name der betreffenden Stadt) sein!

Otto Reutter

Über Gabryon

Ich male mir mein Leben bunt. Wie der Wind… Vom Sternzeichen bin ich Wassermann und somit ein Luftzeichen. Ich bin praktisch und kreativ veranlagt und philosophiere gerne. Ich mag die Natur, Mensch und Tier. Meine Interessen sind sehr vielseitig und ich will es nicht darauf reduzieren, was ich besonders gerne mag. Das eine liegt mir an manchen Tagen mehr als das andere und ich habe es zumindest ausprobiert, um zu entscheiden, ob es für mich etwas ist oder nicht. Geht nicht, gibt es bei mir nicht. Es gibt immer Wege und Möglichkeiten, es zu tun oder zu lassen. Ich bin wie der Wind. Unterschätze nie die Kraft des Windes.
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