Fritz und Theodor…

Waren einst zwei Zwillingsbrüder,
Namens Fritz und Theodor,
Daß die beiden grundverschieden,
Aus den Namen geht’s hervor.
„Theodor“, das klingt so niedlich,
So gemütlich, gütlich, friedlich,
Aber „Fritz“, der Klang des Wort’s
Klingt so grob — so rauh — so barsch — so frech — so kurz.

Theodor hätt‘ sich alleine
Niemals auf die Welt getraut,
Drum kam er als Zwillingsbruder,
Er kam leise — Fritze laut.
Theodor dacht‘ ohne Sorgen:
„Kommst du heut´ nicht, kommst du morgen.“
Fritz, der Schieber, drängt sich vor.
Der sprach keck: „Geh‘ weg — erst ich — dann Theodor!“

Theodor war’n Musterknabe,
Fritz schon Schieber, als er klein.
Beide kriegten, je zur Hälfte,
Eine Amme, keusch und rein.
Die sprach zu den beiden: „Bitte,
Raum ist in der kleinsten Mitte.“
Fritz schob Theodor’n weg robust,
Er genoß — allein — die Welt — aus voller Brust!

Theodor, der saß bescheiden
In der Schule ganz zuletzt,
War von hinten stets der Erste.
Fritz hat sich nach vorn gesetzt.
Theodor saß in der Schule
Stundenlang auf seinem Stuhle,
Selbst zur Obstzeit hielt er’s aus.
Fritze rief — nach jeder Pflaume: „Ich muß ‚raus!‘

Theodor, hoch aufgeschossen,
War recht blaß, hatt‘ rotes Haar,
Und er hatte Sommersprossen,
Auch im Winter, ’s ganze Jahr.
Mochte er ein Mädchen leiden,
Lud zum Nachtmahl er’s bescheiden.
Darauf wart’te Fritze bloß.
Kaum hat der bezahlt — schob Fritze – mit se los!

Theodor war vorn im Kriege,
Fritz der meldet krank sich dann.
Theodor hat vorn verloren,
Fritz blieb hinten und gewann.
Theodor aß streng nach Marken,
Konnte dabei nicht erstarken.
Fritz, der fraß, der ward nicht dünn.
Was er hinten – rumschob — schob er – vorne rin!

Theodor ward immer dünner,
„’s geht zu End‘,“ hat er gehaucht,
Zahlt noch vorher schnell die Steuern,
Dann war seine Kraft verbraucht.
Sanft entschlief der kleine Rentner,
Wog, mit Sarg, ’nen halben Zentner,
Nur ein Träger trug ihn hin,
Und der dacht‘: „Herrjott — da is wohl keener drin!“

Theodor sitzt nun im Himmel,
Freut sich im Elysium.
Aber Fritze, dieser Lümmel,
Schiebt zur Straf noch unten ‚rum.
Ja, so wirkt der Krieg hienieden
Auf die beiden ganz verschieden.
Theodor, der „mittendrinn“ war,
Wurde krank und hat’s vollbracht,
Aber Fritze, weil er krank war,
Hat er sich „gesund“ gemacht.
Drum gibt’s heut‘ noch viele Fritzen,
Bloß hier sieht man keinen sitzen!

Otto Reutter

Über Gabryon

Ich male mir mein Leben bunt. Wie der Wind… Vom Sternzeichen bin ich Wassermann und somit ein Luftzeichen. Ich bin praktisch und kreativ veranlagt und philosophiere gerne. Ich mag die Natur, Mensch und Tier. Meine Interessen sind sehr vielseitig und ich will es nicht darauf reduzieren, was ich besonders gerne mag. Das eine liegt mir an manchen Tagen mehr als das andere und ich habe es zumindest ausprobiert, um zu entscheiden, ob es für mich etwas ist oder nicht. Geht nicht, gibt es bei mir nicht. Es gibt immer Wege und Möglichkeiten, es zu tun oder zu lassen. Ich bin wie der Wind. Unterschätze nie die Kraft des Windes.
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2 Antworten zu Fritz und Theodor…

  1. giselzitrone schreibt:

    Schönes Gedicht ich wünsche dir einen guten Tag und ein gutes Wochenende lieber Gruß Gislinde

    Gefällt 1 Person

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