STERBEBEGLEITUNG UND TOD EINES LIEBEN FREUNDES…

Dem Paul ging es letzte Woche nicht besonders gut. Am Sonntag, dem 01.März, meinte meine Tante, dass sie mit Paul in die Tierklinik fahren müsse. Paul hatte entzündete Ohren und schlug kräftig mit dem Kopf hin und her. Oder er wälzte sich auf dem Fußboden und rieb seine Öhrchen kräftig, bis sie außen auch noch blutig waren. Ich fragte meine Tante, ob sie noch Schmerzmittel für den Hund hätte. Gottseidank hatte sie noch eine Flasche Metacam. Paul bekam es verabreicht und es ging ihm deutlich besser. Am Montag hatte ich selbst zwei Arztterrmine. Also bin ich erst am Dienstag hingefahren und wir fuhren zum Tierarzt. Seine Öhrchen wurden gespült und er bekam Ohrentropfen. Sobald ich bei ihm war und ihn im Arm hielt, konnte man sämtliche Untersuchungen an ihm machen. Er war sehr geduldig und er vertraute mir, dass nichts Schlimmes passieren würde. Vor jeder Behandlung habe ich Paul immer wieder gesagt, dass wir nur „Heile, Heile“ machen. Es war, als ob er es verstanden hätte. Die ganze Woche ging es Paul gut. An den kahlen Stellen fing sogar, neues Fell zu wachsen.

Montagnacht, auf den Dienstag, hatte Paul mehrere epileptische Anfälle. Meine Tante war die ganze Nacht mit Paul beschäftigt und musste ihm mehrmals Diazepam verabreichen, damit er nicht im Krampf stecken bleibt. Tagsüber ging es wieder einigermaßen. Paul war schwach auf den Beinchen und hat öfter gekötzelt. Seine Notdurft hat er auf dem Balkon erledigt. Aber abends wollte er unbedingt spazieren gehen. Ich war die ganze Zeit über mit meiner Tante im telefonischen Kontakt. Dienstag auf Mittwoch war es wieder sehr schlimm mit den Anfällen. Wieder hat meine Tante die ganze Nacht durchwacht. Am frühen Morgen rief sie mich an und berichtete mir. Ich bat sie die Tierarztpraxis anzurufen und für nachmittags einen Termin für Zuhause zu machen, um den letzten Weg zu beschreiten. Wir hatten diese Möglichkeit schon im Vorfeld mit der behandelnden Ärztin besprochen. Ich machte mich sofort auf den Weg nach D. Inzwischen hatte Paul jede Stunde einen Krampfanfall. Nach den Anfällen war er jedes Mal sehr wirr im Kopf. Er konnte nicht realisieren, wo er sich befand und lief gegen das Mobiliar. Ständig versagten ihm die Beinchen und er machte eine Bauchlandung. Manchmal überschlug er sich. Die Begrüßung war auch nicht ausgefallen, wie sonst. Die ganze Zeit lief er auf und ab und legte eine Bauchlandung nach der anderen hin. Trotzdem wollte er raus spazieren gehen. Also legte ich ihm sein Mäntelchen und die Leine an, und ging mit Paul in den Wald spazieren.

Das Wetter war wunderbar sonnig und frühlingshaft. Der Tagesablauf sollte wie immer sein. Er ging etwas wacklig aber er hatte viel Freude an dem Spaziergang. Er schnupperte ausgiebig hier und schnupperte da. Andere Menschen und Hunde interessierten ihn nicht. Wir waren etwa eine halbe Stunde unterwegs, als er wieder einen Anfall bekommen hatte. Rechtzeitig konnte ich ihn noch anleinen und schon lief Paul wie irre los. Völlig orientierungslos, erschöpft, schwer atmend und Bauchlandungen. Ich redete beruhigend auf ihn ein und machte mich mit ihm nach Hause. Zu Hause angekommen hatte ich wie immer, seine Pfötchen abgewaschen. Paul sackte mit den Hinterläufen ein. Er war ziemlich schwach und trotzdem wanderte er nach der Wäsche, hin und her. Um kurz vor 12:30 Uhr bekam er sein Futter und kurz danach den nächsten Anfall und es spielte sich dasselbe ab, wie schon so oft vorher. Ich animierte ihn, dass er in sein Körbchen kam und sich hinlegte. Selbst nahm ich Platz an seiner Seite auf dem Fußboden. Paul und ich lagen nun da. Ich streichelte ihm sein Bäuchlein, gab ihm Reiki und er schlief ein. Um 13:30 Uhr bekam Paul den nächsten Anfall. Es war sehr traurig ihm zuzusehen. Ich hätte heulen können aber wir, meine Tante und ich, hatten die Übereinkunft, dass wir ihn das nicht spüren lassen wollten, wie es uns zumute war und Weinen ging gar nicht. Ich lag nun weiter auf dem Fußboden, neben Paul, der im Körbchen lag. Ich streichelte ihn, flüsterte ganz leise und er schien zu schlafen. Den aufkommenden Anfall um ca. 14:30 Uhr konnte ich unterdrücken. Als ich merkte, dass er wieder krampfte, fing ich leise an, das etwas von mir abgewandelte Lied, Heile, heile Gänschen, zu singen und gab ihm Reiki. So gelang es mir den Paul zu beruhigen und er entkrampfte.

In der nächsten Stunde klingelte es an der Tür. Die Ärztin mit der Sprechstundenhilfe war da. Paul sprang bellend auf und lief zu Tür. Die zwei Frauen kamen rein und Paul versteckte sich knurrend unter dem Tisch. Er kannte beide Frauen aber sie gehörten nicht in die Wohnung. Weil er kaum stehen konnte, drückte er sich an das Bein meiner Tante und leckte ihr ganz sanft dreimal die Hand. Die Ärztin setzte sich zu mir auf den Fußboden und ließ sich alles erzählen, was seit Montag vorgefallen war. Sie und ich gaben Paul einige Leckerlis. Er nahm sie aus sicherer Entfernung an und verschwand in der Küche. Nach einer Viertelstunde gab sie mir einen Maulkorb, den ich Paul anlegen musste. Er sollte einen Venenkatheder angelegt bekommen. Ich ging zu ihm in die Küche und er hatte gesehen, dass ich den Maulkorb in der Hand hatte. Ich beugte mich zu ihm und er leckte mir übers Gesicht und ließ sich den Maulkorb anlegen. Ich hob Paul auf den Arm und ging zur der Sprechstundenhilfe rüber. Sie hatte mir den Hund abgenommen, auf die Decke, die auf dem Fußboden ausgebreitet lag den Paul hingesetzt und die Ärztin legte Paul den Venenkatheder, dann nahm sie ihm den Maulkorb ab. Ich setzte mich auf einen Stuhl. Die Sprechstundenhilfe legte auf meine Knie ein Kissen und Pauls Decke und die Ärztin legte den Hund drauf.

Paul bekam von der Sprechstundenhilfe viele Leckerlis, während die Ärztin ganz langsam das Narkosemittel spritzte. Während dieser Prozedur streichelte und sprach ich mit Paul, dass man heile, heile macht. Friedlich schlief Paul unter den Liebkosungen ein und die Ärztin spritzte dann die tödliche Dosis des Medikaments. Das Herzchen von Paul hörte auf zu schlagen. Paul war tot. Wir konnten uns noch eine gute Viertelstunde von ihm verabschieden und er wurde in seine Decke gewickelt und in die mitgebrachte Transportbox gelegt. Paulchen ist ganz friedlich von uns gegangen und genauso friedlich hat er ausgesehen. Es wurde noch über ihn erzählt und ein paar Bilder auf dem Handy angeschaut. Es wurde darüber gesprochen, dass er kremiert werden sollte und wir die Urne in der Praxis abholen können. Viertel nach Vier war alles vorbei aber dann kam das große Heulen. Meine Tante und ich hatten uns entschlossen einen Spaziergang zu machen und das war gut so. Nachdem wir zurück waren, rief noch die Tierarztpraxis an und teilte mir eine Internetadresse mit, wo wir eine Urne auswählen konnten. Das haben wir getan und in ca. einer Woche kommt Paulchen wieder nach Hause.

Über Gabryon

Ich male mir mein Leben bunt. Wie der Wind… Vom Sternzeichen bin ich Wassermann und somit ein Luftzeichen. Ich bin praktisch und kreativ veranlagt und philosophiere gerne. Ich mag die Natur, Mensch und Tier. Meine Interessen sind sehr vielseitig und ich will es nicht darauf reduzieren, was ich besonders gerne mag. Das eine liegt mir an manchen Tagen mehr als das andere und ich habe es zumindest ausprobiert, um zu entscheiden, ob es für mich etwas ist oder nicht. Geht nicht, gibt es bei mir nicht. Es gibt immer Wege und Möglichkeiten, es zu tun oder zu lassen. Ich bin wie der Wind. Unterschätze nie die Kraft des Windes.
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7 Antworten zu STERBEBEGLEITUNG UND TOD EINES LIEBEN FREUNDES…

  1. Monika-Maria Ehliah schreibt:

    … oh, meine Tränen kullern…
    Segen!
    M.M.

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  2. Blinde Simulantin schreibt:

    Traurig! Paul ist nicht allein! Bestimmt hat er nun ein Date mit Diva! ❤

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  3. wederwill schreibt:

    Eine traurige Geschichte, aber wie tröstlich, dass du sowohl für den kleinen Hund als auch für deine Tante eine so wunderbare Hilfe und Begleitung sein konntest!

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