Ach, wie herrlich ist das Leben…

’s war einmal ein armes Mädel,
das gehabt ’nen reichen Schatz.
Und der gab ihr in der Laube
manchen liebeglüh’nden Schmatz. –
Doch dann ist er von ihr gangen,
ließ im Elend sie allein,
eine and’re hat er g’nommen,
sorgt sich nicht um ihre Pein.
Sie sitzt da in ihrem Kämmerl
und schaut hinaus, was das dort sei,
denn drunten zieht vor ihrem Fenster
der ganze Hochzeitszug vorbei.
Und vom Schatz, da tönt es eben
bis hinauf in’s Kämmerlein:
„Ach wie herrlich ist das Leben,
kann die Welt noch schöner sein?“

Seht den Künstler im Theater,
wie er täglich lacht und singt,
und durch seine tollen Späße
jedermann zum Lachen bringt.
Doch, wenn er nach Haus’ gekommen
ist’s mit allen Scherzen aus,
denn es zog mit leisen Schritten
Sorge in sein stilles Haus.
Seine Frau liegt krank darnieder,
die Not ihr lindern kann er nicht,
denn in’s Theater muß er wieder
und singen, wenn sein Herz auch bricht.
Und er singt, die Lippen beben,
und sein Herz zerspringt vor Pein:
„Ach wie herrlich ist das Leben,
kann die Welt noch schöner sein?“

Zu dem Friedhof sieht man wandern
eine Frau mit ihrem Bua.
Und der Bua – der pflückt sich Blumen
und die Frau, die weint dazu.
Auf dem Friedhof liegt begraben
ihres Lebens einz’ge Freud’ –
ihren Mann hat man begraben,
ihres Lebens Seligkeit!
Von den Tränen, die vergossen,
da blühen Blumen ringsumher!
Die Nachtigall singt frohe Lieder –
das Frauenherz ist sorgenschwer.
Und das Büberl sitzt daneben
und singt froh im Sonnenschein:
„Ach wie herrlich ist das Leben,
kann die Welt noch schöner sein?“

Reiche Herren, Lebemänner,
die schon bis zum Überfluß
jede Freud’ des Lebens kennen,
sitzen schweigend voll Verdruß.
Haben Wein in Goldpokalen,
aber niemand rührt ihn an.
Mürrisch geh’n sie auseinander –
da naht fremd ein Wandersmann!
Frosterstarrt sind seine Glieder,
ermüdet wankt er bis vor’s Haus
und jenen Wein, den sie nicht tranken,
trinkt nun der Bettler hastig aus.
Und – berauscht vom Saft der Reben
singt er und schläft selig ein:
„Ach wie herrlich ist das Leben,
kann die Welt noch schöner sein?“

Otto Reutter

Über Gabryon

Ich male mir mein Leben bunt. Wie der Wind… Vom Sternzeichen bin ich Wassermann und somit ein Luftzeichen. Ich bin praktisch und kreativ veranlagt und philosophiere gerne. Ich mag die Natur, Mensch und Tier. Meine Interessen sind sehr vielseitig und ich will es nicht darauf reduzieren, was ich besonders gerne mag. Das eine liegt mir an manchen Tagen mehr als das andere und ich habe es zumindest ausprobiert, um zu entscheiden, ob es für mich etwas ist oder nicht. Geht nicht, gibt es bei mir nicht. Es gibt immer Wege und Möglichkeiten, es zu tun oder zu lassen. Ich bin wie der Wind. Unterschätze nie die Kraft des Windes.
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