Ach Leipzig, wie bist Du so fein!

Ich hab‘ viele Städte gesehen,
Doch gibt’s keine Stadt auf der Welt,
Das muß ich ganz offen gestehen,
Die mir so wie Leipzig gefällt.
Ich bin aus Berlin, bin ein Preuße,
Doch gerne gesteh‘ ich es ein:
Die Spree ist ein Dreck geg’n die Pleiße,
Ach Leipzig, wie bist Du so fein!

In Leipzig, da ist es sehr schöne,
Geht man durch die Straßen hier bloß,
Das Rathaus, das ist viel zu kleene,
Die Markthalle ist viel zu groß.
Die elektrischen Lampen, die loben
Die Leipziger hier allgemein.
Statt unten, da leuchten sie oben.
Ach Leipzig, wie bist Du so fein!

Es ist eine merkwürdige Chose,
Man buddelt in Leipzig egal.
Im Rosental sucht‘ ich ’ne Rose,
Ich fand keine Rosen im Tal.
Jüngst trank ich ’ne Leipziger Gose,
Wer die nicht verträgt, der fällt ‚rein,
Mir plumpste das Herz in die Hose.
Ach Leipzig, wie bist Du so fein!

Bin hier im Theater gewesen,
Die Oper war sehr int’ressant
Ich sah dort sehr viel Balleteusen,
Die schon uns’re Väter gekannt
Sie hüpfen voll Anmut und Tugend,
Sie heben noch immer das Bein
Und denken: Wie schön ist die Jugend!
Ach Leipzig, wie bist Du so fein!

Geht man mal des Abends in Leipzig
Die Grimma’sche Straße entlang,
Beschaut man manch‘ schneidiges Weib sich,
Man kennt sie am Blick und am Gang.
Ja, sucht da ein Mann Zeitvertreib sich,
Da bleibt er nicht lange allein,
Bald drückt er ein Weib an den Leib sich
Ach Leipzig, wie bist Du so fein!

In Leipzig, da kann es geschehen,
Es geht in ’nen Winkel ein Mann.
Er bleibt eine Weile dort stehen,
Da kommt ein Beamter heran.
Der sagt ihm: „Es gibt keen Zerwärfnis,
Zahl’n Sie eine Mark für den Schein!“
So denkt man an jedes Bedürfnis —
Ach Leipzig, wie bist Du so fein!

Kam‘ Moses noch einmal vom Himmel
Herab auf die sündige Welt,
Und sucht auf dem Erdengetümmel
’nen Platz, der ihm extra gefällt,
Macht der mit dem Brühl hier Bekannschaft,
Sprach‘ Moses gleich: „Hier will ich sein,
Denn hier wohnt die ganze Verwandtschaft!“
Ach Leipzig, wie bist Du so fein!

Otto Reutter

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Über Gabryon

Ich male mir mein Leben bunt. Wie der Wind… Vom Sternzeichen bin ich Wassermann und somit ein Luftzeichen. Ich bin praktisch und kreativ veranlagt und philosophiere gerne. Ich mag die Natur, Mensch und Tier. Meine Interessen sind sehr vielseitig und ich will es nicht darauf reduzieren, was ich besonders gerne mag. Das eine liegt mir an manchen Tagen mehr als das andere und ich habe es zumindest ausprobiert, um zu entscheiden, ob es für mich etwas ist oder nicht. Geht nicht, gibt es bei mir nicht. Es gibt immer Wege und Möglichkeiten, es zu tun oder zu lassen. Ich bin wie der Wind. Unterschätze nie die Kraft des Windes.
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