Lass Sie sausen!

Heutzutag‘ die Aut’mobile
sausen hin die Kreuz und Quer
und auch Luftballons – sehr viele –
sausen in der Luft umher.
Über all ein Sausen, Brausen,
ich lass die Moneten sausen,
greife in die Tasche rein
und fang‘ fröhlich an zu schrei’n:
„Lass sie sausen – lass sie sausen –
bis der letzte Groschen futsch.
Man lebt ja schließlich nur einmal,
was nach uns kommt, ist uns egal.
Lass sie sausen, lass sie sausen –
immer lustig aufgetischt.
Bis der Fiskus uns erwischt –
sind wir weg – dann kriegt er nischt.“

Jetzt spielt eine große Rolle
überall die Rollschuhbahn.
Oft sieht man ’ne Maid, ’ne tolle,
die gern rollen möchte, nah’n.
Auf, oh Jüngling, lass dich fallen,
hilft ihr schnell die Rollen schnallen –
steht Sie auf, gib ihr ’nen Stoß,
denn dann fliegt sie besser los.
Lass sie sausen, lass sie sausen –
stell dich hin und gucke zu.
Auf einmal saust Sie hin mit Knall’n –
das nennt man – „aus der Rolle fall’n“.
Lass sie sausen, lass sie sausen –
musst dann schleunigst zu ihr gehn,
kannst dann ihre Füßchen seh’n –
und dabei die Rolle dreh’n.

Hans und Grete mög’n sich leiden
und hab’n nie Gelegenheit
zu ’nem Kuss – drum ging’n die beiden
auf zum Bahnhof, der nicht weit –
Taten, wenn die Züge kamen,
so, als ob sie Abschied nahmen.
Kam’n die Züge, küssten Sie –
aber mitfahr’n, dass gab’s nie.
„Lass sie sausen, lass sie sausen“,
sagte Hans zu seinem Schatz.
„Ich küss dich – kriege nie genug –
bis zu dem letzten Abendzug.
Lass sie sausen, lass sie sausen.“
Bis zum Abend blieb’n sie stehn –
sagten beim nachhause geh’n:
„Ach, die Reise war doch schön.“

Manchen Eh’mann möcht‘ ich sagen:
„Ist die Frau dir durchgebrannt
mit ’nem andern – nur nicht klagen –
komm‘ nur nicht aus Rand und Band.
Hol‘ zurück auf keinen Fall se –
lass sie ihm nur auf dem Halse –
gibt noch’s Reise Geld dazu –
aber lass die Zwei in Ruh.
Lass sie sausen, lass sie sausen –
dann lachst du die beiden aus.
Geh los, mein Freund und wandere
und nimmt dir nie ’ne andere.
Lass sie sausen, lass sie sausen –
nimm dir keine – das wär‘ keck.
Denn ’ne schlechte hat kein’n Zweck
und die Guten sind schon weg.“

In der Zeitung ist’s gestanden:
Manches deutsche Mägdelein
schickt nach afrikan’schen Landen
jetzt die Liebesbriefe rein.
Deutsches Mädchen, lass es bleiben,
denn die Neger könn’n nicht schreiben.
Ihre Liebe, glühend heiß,
kriegst du niemals schwarz auf weiß.
Lass sie sausen, lass sie sausen –
lieb den deutschen Jüngeling.
Schweif nicht ins ferne Afrika –
das gute Deutsche liegt so nah.
Lass sie sausen, lass sie sausen –
krieg’n die mal ’nen Brief von dir,
dann benützen sie’s Papier
und du weißt nicht mal, wofür.

Kürzlich hinter zwei Verbrechern
lief ein Polizeihund her –
hatte fast die armen Schächer –
da sah eine Hündin er.
Und dann fühlt‘ er andre Triebe –
schwankte zwischen Pflicht und Liebe –
wollte trotzdem weiter gehen –
da hört er Hündin fleh’n:
„Lass sie sausen, lass sie sausen –
komm in meine Hütte rein –
bedenk‘, das klügste Hündelein
braucht auch ein Liebesstündelein.
Lass sie sausen, lass sie sausen –
doch er sprach: „Erst komm’n die Zwei
doch heute Abend hab ich frei,
da komm‘ ich wieder hier vorbei.“

Für gewisse Schwiegermütter,
wie stets Böses nur getan,
hab ich einem Plan sehr bitter –
und das ist ein Aeroplan.
Setz‘ Sie in die Gondel munter.
Fest hinein – sonst fällt sie runter.
Fährt sie los, dann sagste: „Jetzt
wirst du an die Luft gesetzt.“
Lass sie sausen, lass sie sausen –
wenn Sie schreit, dann lach‘ Sie aus
und sag‘ ihr: „Willst du wieder raus,
dann steige, bitte, oben aus.“
Lass sie sausen, lass sie sausen –
schick‘ in die weite Welt,
bis sie auf dem Nordpol hält –
unten wird Sie kaltgestellt.

Otto Reutter

Über Gabryon

Ich male mir mein Leben bunt. Wie der Wind… Vom Sternzeichen bin ich Wassermann und somit ein Luftzeichen. Ich bin praktisch und kreativ veranlagt und philosophiere gerne. Ich mag die Natur, Mensch und Tier. Meine Interessen sind sehr vielseitig und ich will es nicht darauf reduzieren, was ich besonders gerne mag. Das eine liegt mir an manchen Tagen mehr als das andere und ich habe es zumindest ausprobiert, um zu entscheiden, ob es für mich etwas ist oder nicht. Geht nicht, gibt es bei mir nicht. Es gibt immer Wege und Möglichkeiten, es zu tun oder zu lassen. Ich bin wie der Wind. Unterschätze nie die Kraft des Windes.
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