O Karline!

Karline, Karline, so heißt ein Mägdelein,
das hängt wie eine Klette an mir tagaus, tagein;
folgt mir nach jedem Raume,
erscheint mir selbst im Traume.
Wer einmal sie gesehen, denkt stets an ihr Gesicht.
Gern möcht’ ich sie beschreiben jetzt – doch es gelingt mir nicht.
O o Karline – du weißt, dass das nicht möglich ist.
Du bist nicht zu beschreiben, weil du unbeschreiblich bist.

Karline, Karline, dein Mund ist eine Zier;
du hast darin acht Zähne und die sind nicht von dir.
Für zweiunddreißig Zähne,
da wär’ dein Mund zu kleene.
Ja, wenn Karline Zahnschmerz hat, da kriegt sie keinen Schreck,
da tut sie ihr Gebiß in’s Glas, da sind die Schmerzen weg.
O o Karline, dir möcht’ ich gern ein Küßchen geb’n,
jedoch dein Mund, der ist so klein, ich küsse stets daneb’n.

Karline, Karline, dein Teint ist stets wie neu –
du hast vier schöne Warzen, auf jeder Backe zwei.
Und reinlich ist Karline,
die reinste Putzmaschine. –
Sie wäscht fast täglich ihr Gesicht, die Hände ebenfalls –
und wenn sie ohne Halstuch geht, dann wäscht sie auch den Hals.
O o Karline – sie wird bald dreißig, so sagt sie;
das sagt sie schon zwölf Jahre lang und älter wird sie nie.

Karline, Karline, du schielst ja allerdings,
ein Auge schaut nach rechts hin, das andere nach links.
Daß sich die Augen gleichen,
das wirst du nie erreichen.
Auch Hühneraugen hat sie – wenn ich die sehen tu’,
dann ruf’ ich: „Tu mir den Gefall’n und mach’ die Augen zu!“
O o Karline – ich liebe dich – du bist mein Fall.
Du wirst ’ne tücht’ge Frau, du hat die Augen überall.

Karline, Karline, wie kommt es, sage mir:
Fast alles, was du an dir hast, das ist so lang bei dir.
Die Füße und die Hände,
die nehm’n ja gar kein Ende.
Geh’ ich einmal spazieren mit meinem süßen Schatz,
da geh’n wir nie auf’s Trottoir, da hab’n wir keinen Platz.
O o Karline – ’s ist schlimm, wenn sie verreisen soll,
hat sie die Stiefel eingepackt, da ist der Koffer voll.

Karline, Karline, du bist so glatt wie’n Aal.
Von vorne und von hinten, da bist du ganz egal.
’s ist nirgends ein Gewölbe,
’s ist überall dasselbe.
Wenn du, geliebtes Wesen, nicht ausgepolstert bist,
dann kann man gar nicht seh’n, was vorn und hinten bei dir ist.
O o Karline, wenn ich dich knutsche, denk‘ ich mir:
Das Fleisch ist aus’Gummilad’n, die Knochen sind von dir.

Karline, Karline, dein Zopf ist lang und fein.
Du brauchst, wenn er gekämmt wird, nicht mal dabei zu sein.
Dein Näschen muß ich loben,
die Löcher steh’n nach oben.
Darunter sind sechs Härchen, um die beneid’ ich dich –
Karline, ach du hast ’nen schön’ren Schurrbart als wie ich.
O o Karline, ich hab’ dein Bild im Traum geseh’n –
und seit der Zeit, da fürcht’ ich mich, ins Bette reinzugeh’n!

Otto Reutter

Über Gabryon

Ich male mir mein Leben bunt. Wie der Wind… Vom Sternzeichen bin ich Wassermann und somit ein Luftzeichen. Ich bin praktisch und kreativ veranlagt und philosophiere gerne. Ich mag die Natur, Mensch und Tier. Meine Interessen sind sehr vielseitig und ich will es nicht darauf reduzieren, was ich besonders gerne mag. Das eine liegt mir an manchen Tagen mehr als das andere und ich habe es zumindest ausprobiert, um zu entscheiden, ob es für mich etwas ist oder nicht. Geht nicht, gibt es bei mir nicht. Es gibt immer Wege und Möglichkeiten, es zu tun oder zu lassen. Ich bin wie der Wind. Unterschätze nie die Kraft des Windes.
Dieser Beitrag wurde unter Gedichte abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s