Mensch, was haste nun davon!

Es wohnt ein Mann in einer Stadt,
der aß vor Geiz sich niemals satt.
Sparen tat er schon seit Jahren, gönnt‘ sich kaum ein Stückchen Brot,
blieb verschlossen und verdrossen – eines Tags, da war er tot.
Halb verhungert hat gelungert er vor’m Geldschrank bis zuletzt –
Ja, sie haben ihn begraben. Voller Wehmut denk‘ ich jetzt:
Mensch, was haste nun davon!
Mensch, was haste nun davon!
Niemand ist so arm wie du, so will’s mir scheinen.
Keine Seele weint um dich,
deine Erben freuen sich –
Hätt’st du nichts gehabt, so würden sie jetzt weinen.

Ein alter Mann hat manche Schlacht
Im Kriege Siebzig mitgemacht.
Mit der Orgel geht er jetzt und wartet heut noch auf Pension –
kürzlich kam, wie ich vernahm, zum Militär sein einz’ger Sohn –
Dieser ward, ’s ist wirklich hart, verwundet in Südafrika.
Wunde Glieder bracht er wieder. Traurig rief der Alte da:
Mensch, was haste nun davon!
Mensch, was haste nun davon!
Bist ein invalider Vaterlandsbefreier.
Hoffentlich wart’st Du, mein Sohn,
Nicht so lange auf die Pension,
Denn sonst bliebe Dir wie bei mir – die alte Leier.“

Mein Freund und ich – wir alle beid‘,
fuhrn auf ’nem Schiff vor kurzer Zeit.
Als das Schiff kaum fortgefahren, ging mein Freund zum Speisesaal.
Fleisch und Fische gab’s bei Tische – er aß alles auf einmal.
Aber plötzlich – ’s war entsetzlich – ward ihm schlecht, er mußt‘ hinaus.
Seine Speise macht ’ne Reise in das Meer und ich rief aus:
Mensch, was haste nun davon!
Mensch, was haste nun davon!
Hab ich lachend da zu meinem Freund gesprochen.
Doch auf einmal, o Malheur –
konnt ich auch nicht reden mehr.
Mir ward schlecht, ich hab die Rede unterbrochen.

Ich kenn ’nen Mann, wie’s wen’ge gibt,
der hat als Jüngling nie geliebt.
„Immer hasten, niemals rasten“, sprach geschäftig er und schlau.
Als er reich und alt zugleich, da nahm er erst ’ne junge Frau.
Für die Liebe, dacht er, bliebe ihm auch jetzt noch Zeit genug.
Doch die Stunden sind entschwunden, wo das Herz ihm höher schlug.
Mensch, was haste nun davon!
Mensch, was haste nun davon!
Viel zu spät hast du die Liebe dir errungen!
Er sagt täglich jetzt zu ihr:
„Einen Jungen wünsch‘ ich mir.“
„Ja“, sagt sie und seufzt, „ich wünsch‘ mir auch ’nen Jungen.“

Graf Pückler, der ruft wütend aus:
„Was koscher ist , muß alles raus.“
Aber alles ist vergebens, ob er flucht und ob er schreit.
Im Gefängnis voll Bedrängnis saß er erst vor kurzer Zeit.
Der den Grafen tat bestrafen, dieser Richter, der hieß Kohn.
Ja, der lachte und der dachte voller Spott und voller Hohn:
Mensch, was haste nun davon!
Mensch, was haste nun davon!
Wenn du brüllst und wie’n Boxer tobst aus China –
Du kannst machen was du willst,
ob du tobst und ob du brüllst –
Uns kriegst du nicht mehr retour nach Palestina.

Herr Krause geht des Nachts allein,
kommt in ’ne Damenkneipe rein.
Als sechs Damen dorten kamen, war ihm das ein Hochgenuß.
Ja, er prahlte und bezahlte und bekam nicht mal ’nen Kuß.
Die Moneten gingen flöten – schließlich warf man ihn hinaus.
Als Herr Krause kam nach Hause, rief sein Weibchen jammernd aus:
„Mensch, was haste nun davon!
Mensch, was haste nun davon!
Warum bliebst du nicht bei mir in unsrer Klause!
Kannst auch dort sehr lustig sein,
hast dort Bier und hast dort Wein
und was du sonst noch brauchst, das kriegst du auch zu Haus.“

Der Krieg, der ist jetzt endlich aus.
Die beiden Gegner sind zu Haus.
Rußland war zwar diplomatisch, doch blamoren hat’s sich sehr.
Seine Flotte ist vernichtet und geschlagen ward sein Heer.
’s gibt Empörung und Verschwörung, alles gährt und alles kracht.
Ja, ich wette, diese hätte sich der Zar wohl nicht gedacht.
Mensch, was haste nun davon!
Mensch, was haste nun davon!
Durch den Krieg, da wirst du arm wie’n Kirchenmäuschen.
Warst der große Nikolaus.
Mit der Größe ist es aus,
denn jetzt bist du‘ ganzes kleines Nikoläuschen.

Otto Reutter

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Über Gabryon

Ich male mir mein Leben bunt. Wie der Wind… Vom Sternzeichen bin ich Wassermann und somit ein Luftzeichen. Ich bin praktisch und kreativ veranlagt und philosophiere gerne. Ich mag die Natur, Mensch und Tier. Meine Interessen sind sehr vielseitig und ich will es nicht darauf reduzieren, was ich besonders gerne mag. Das eine liegt mir an manchen Tagen mehr als das andere und ich habe es zumindest ausprobiert, um zu entscheiden, ob es für mich etwas ist oder nicht. Geht nicht, gibt es bei mir nicht. Es gibt immer Wege und Möglichkeiten, es zu tun oder zu lassen. Ich bin wie der Wind. Unterschätze nie die Kraft des Windes.
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