Der abgerüstete Rekrut…

Ich glaube wohl, dass mich ein jeder kennt –
ich bin der schönste Mann vom Regiment!
Von der Abrüstung hörte ich, oh Graus,
seit der Zeit seh ich ganz entrüstet aus.
„Die Waffen nieder!“ Hörte ich es erschall’n –
vor Angst, da ließ ich gleich den Säbel fall’n.
Ach, Zivilist zu sein ist gar nicht nett –
als Zivilist, da wird man so komplett –
beim Militär, da wird man nicht so fett!

Wie oft marschiert ich mir die Füße wund –
das ist doch für den Körper sehr gesund!
Des Abends lagen wir im Bett so fein –
wir streuten erst Insektenpulver rein!
’s gibt keinen Krieg mehr, ich möcht schier verzag’n
gern hätt‘ ich die Franzosen tot geschlag’n!
Nur deshalb hab ich mich darum beworb’n –
Jetzt hat man mir den ganzen Spaß verdorb’n –
ich wär so gern fürs Vaterland gestorb’n.

Auch keinen Lieutenant man mehr sehen kann –
was fängt denn nun so mancher Backfisch an!
Die Pferde von der Artillerie, oh Graus –
werd’n abgeschlacht’t, da macht man Würste draus!
Zu meinem Schatz bin ich heut hin geeilt –
wir nahmen Abschied, haben laut geheult.
Ach, unterm Hausflur stand´n wir manche Nacht,
wenn ich sie küsste, sagte sie ganz sacht:
Ach Fritz, das hast du wirklich gut gemacht!
(Der Vortragende ringt sein vorher durchnässtes Taschentuch aus)

Kein Unteroffizier sagt mehr zu mir: du Vieh!
Du bist der Dümmste von der Compagnie!
Auch kein Sergeant gibt heimlich mir’nen Knuff –
die Zärtlichkeit – die hört jetzt leider uff!
Auch das Kommissbrot, dass man stets teilt –
und jeden zehnten Tag das viele Geld!
Es ist vorbei! Mir ist ums Herz so weh!
Was fang ich an? Ich hab ’ne Idee!
ich bleib Soldat, ich geh zur Heilsarmee!

Otto Reutter

Über Gabryon

Ich male mir mein Leben bunt. Wie der Wind… Vom Sternzeichen bin ich Wassermann und somit ein Luftzeichen. Ich bin praktisch und kreativ veranlagt und philosophiere gerne. Ich mag die Natur, Mensch und Tier. Meine Interessen sind sehr vielseitig und ich will es nicht darauf reduzieren, was ich besonders gerne mag. Das eine liegt mir an manchen Tagen mehr als das andere und ich habe es zumindest ausprobiert, um zu entscheiden, ob es für mich etwas ist oder nicht. Geht nicht, gibt es bei mir nicht. Es gibt immer Wege und Möglichkeiten, es zu tun oder zu lassen. Ich bin wie der Wind. Unterschätze nie die Kraft des Windes.
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