Hühneraugen-Hymnus…

Ich pries schon oft manch‘ graues Augenpaar,
Ich schwärmt schon für Augen, hell und klar.
Für braune Augen schwärmt ich spät und früh,
Doch es gibt Augen, die pries ich noch nie.
Die Hühneraugen sind es, die ich mein‘ .
Die auch zu preisen, fällt mir gar nicht ein,
Weil, erstens, ich nicht schönes daran find‘,
Dann, weil sie schmerzen Mann und Weib und Kind
Und drittens, weil sie überflüssig sind.
Jeder soll es jetzt erfahren,
Was mir geschehn vor wenig Jahren
Auf der Insel Helgoland,
Wo ich leider jene Augen,
Die bekanntlich gar nichts taugen,
Grad‘ bei meinem Liebchen fand.

Ja. am Strand von Helgoland
War’s, wo ich mein Liebchen fand.
Dort sah ich die holde Maid
Im pikanten Badekleid.
Doch sie war dezent dabei,
Nur die Füsse waren frei;
Voller Freuden sagte sie:
„Mach‘ mit mir ne Kahnpartie!“
Wir sassen im Kahne beisammen,
Ich wollt‘ ihr die Liebe gesteh’n.
Ich warf mich ihr schmachtend zu Füssen
Und hab‘ ihr aufs Auge geseh’n.
Mein Herz stand mir still — und im Schiffe
Ergriff’s mich mit wildem Weh.
Ich sah nicht die Felsenriffe,
Ich schaut‘ nur hinab auf die Zeh‘:
„Du hast ja die schönsten Augen,
Hast mehr noch, als Menschenbegehr,
Zwei oben und zwei hast Du unten,
Mein Liebchen, was willst Du noch mehr.“
Da sah sie mich so eigen an:
„Das weisst Du nicht, Du böser Mann?
Ob Äuglein sind blau, ob braun oder grau.
Ob hier oder dort,
Wenn nur’s Herz am rechten Ort!“
Dann ging ich mit dem Mägdelein
In’s Kurtheater ‚rein.
Wir mussten steh’n. es war kein Platz,
Auf einmal sagt‘ mein Schatz:
„Ich kann nicht steh’n, geliebter Mann!
Ich hab‘ zu enge Stiefeln an!“
„Ist denn kein Stuhl da, Stuhl da, Stuhl da,
Für meine Hulda, Hulda, Hulda?“
Doch alles lachte nur,
Von Aufsteh’n keine Spur,
Und meine Hulda
Stand wie ’ne Null da!
„Ich hab‘ ein Aug‘, das macht mich wild“.
Rief meine Hulda schmerzerfüllt
„Leb‘ wohl“, sprach sie und dann verschwand
Sehr schnell die holde Nymphe.
Sie nahm die Stiefeln in die Hand
Und macht‘ sich auf die Strümpfe.
Das arme Mädchen tat mir leid, ich muss es frei gestehen.
Doch wie ihr, so wird es wohl Vielen noch gehen.
Ja manchen hier im Saale, den drückt vielleicht der Schuh
Man sagt es nur nicht gerne, man drückt ein Auge zu.
Auch ich, ja ich selber, so leid mir’s auch tut,
ich muss Ihnen offen gestehen:
Auch ich hab‘ ein Auge, das bringt mich in Wut,
O hätt‘ ich es niemals gesehen.
Erst ward ’ne Knospe nur,
Dann ward ’ne Blüte d’raus,
Und jetzt, wenn’s Regen gibt,
Ich halt’s nicht aus —
Erst war es klein und zart,
Dann ward es etwas hart.
Und eh‘ ich’s mir versah.
Da war es da!
Ein Hühneraug‘ steht einsam
Auf meiner kleinen Zeh‘,
Es blickt so trüb, so traurig,
Und tut entsetzlich weh.
Jüngst ging ich mal spazieren hier
Mit meinem besten Freund
Da trat er auf das Auge mir,
Da hab‘ ich leis‘ geweint.
Da hab‘ ich leis‘ geweint!
O, liebes Menschenkind, verzage nicht,
Wenn Dir dereinst Dein Hühnerauge bricht,
Sei nur getrost und denk‘ in Deinem Sinn:
Wo ‚mal eins war, komm’n zweie wieder hin.
D’rum tröste Dich und denke an das Tier,
So manches Tier empfindet’s grad‘ wie wir.
Denk‘ an ein Huhn, geliebtes Publikum,
Ach so ein armes Huhn, es ist zu dumm,
Läuft’s ganze Jahr mit Hühneraugen ‚rum.

Otto Reutter

Über Gabryon

Ich male mir mein Leben bunt. Wie der Wind… Vom Sternzeichen bin ich Wassermann und somit ein Luftzeichen. Ich bin praktisch und kreativ veranlagt und philosophiere gerne. Ich mag die Natur, Mensch und Tier. Meine Interessen sind sehr vielseitig und ich will es nicht darauf reduzieren, was ich besonders gerne mag. Das eine liegt mir an manchen Tagen mehr als das andere und ich habe es zumindest ausprobiert, um zu entscheiden, ob es für mich etwas ist oder nicht. Geht nicht, gibt es bei mir nicht. Es gibt immer Wege und Möglichkeiten, es zu tun oder zu lassen. Ich bin wie der Wind. Unterschätze nie die Kraft des Windes.
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