Er stand nach Tabak – sie stand nach Butter…

Sie diente bei ’ner Herrschaft treu und bieder –
nach Butter ging sie täglich lange aus.
Er holt‘ Zigarr’n – und sah sie täglich wieder,
denn die Zigarren gab’s im Nebenhaus.
Vorm Butterhaus konnt‘ er sie links gewahren –
er stand nach rechts, Zigarren war’n sein Ziel.
Ach, für ’nen Mann von zirka dreißig Jahren
sind zirka drei Zigarren nicht zu viel.
Er stand nach Tabak – sie stand nach Butter
er dacht‘ ans Rauchen, sie dacht‘ ans Futter.
Sie waren beide immer auf dem Damm,
und dadurch kam’n sie immer mehr zusamm’n.

Da eines Tages stand er mit froher Miene
dicht neben ihr, im reden gar nicht faul.
Er frug: „Wie heißen Sie? Sie sprach: „Pauline.“
„Das trifft sich gut,“ sprach er, „ich heiße Paul.“
Er hat sich schleunigst bei ihr angebiedert.
„Das Warten,“ sprach er, „ist kein Zeitvertreib,“
worauf verschämt und geistreich sie erwidert:
„Man steht sich hier die Beine in den Leib.“
Er stand nach Tabak – sie stand nach Butter –
er dacht‘ ans Rauchen – die dacht‘ ans Futter.
Sie bracht‘ die Butter sehr zerdrückt nach Haus,
und ihm ging heimwärts die Zigarre aus.

So ging’s im Winter – und dann blüht der Flieder
denselben Weg, den ging sie hin und her.
Des Morgens ging sie, abends kam sie wieder.
Sie holte Butter – tat nichts weiter mehr.
Da, welch Malheur, im Frühling ist’s geschehen,
war’n sie beisammen bis nach Mitternacht.
Wo waren die? Kein Mensch hat sie gesehen,
nun frag‘ ich sie: „Was hab’n die bloß gemacht?“
Er stand nach Tabak – sie stand nach Butter,
vergaß das Rauchen, vergaß das Futter.
Sie brachte drei Zigarr’n nach Haus – oh Schreck!
Er kam nachhause mit ’nem Butterfleck.

Die Herrschaft wollt‘ nur nichts mehr von ihr wissen.
Ihr war der Dienst schon lange unbequem.
Froh sagt sie ihm: „Man hat mich rausgeschmissen.“
Das war im scheinbar wen’ger angenehm.
Drei Monat‘ drauf – ich kann es nicht verhehlen –
sprach sie zu ihm: „Du ahnst nicht, wie mir’s geht.“
Er sagt zu ihr: „Du brauchst mir nichts erzählen –
das kommt davon, wenn man zu lange steht.“
Er stand nach Tabak – sie stand nach Butter.
Jetzt ist er Vater und sie ist Mutter.
Sie sagt: „Jetzt hab ich alles, was man braucht.“
Er aber seufzt: „Ach, hätt‘ ich nie geraucht!“

Otto Reutter

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Über Gabryon

Ich male mir mein Leben bunt. Wie der Wind… Vom Sternzeichen bin ich Wassermann und somit ein Luftzeichen. Ich bin praktisch und kreativ veranlagt und philosophiere gerne. Ich mag die Natur, Mensch und Tier. Meine Interessen sind sehr vielseitig und ich will es nicht darauf reduzieren, was ich besonders gerne mag. Das eine liegt mir an manchen Tagen mehr als das andere und ich habe es zumindest ausprobiert, um zu entscheiden, ob es für mich etwas ist oder nicht. Geht nicht, gibt es bei mir nicht. Es gibt immer Wege und Möglichkeiten, es zu tun oder zu lassen. Ich bin wie der Wind. Unterschätze nie die Kraft des Windes.
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