Ich möcht‘ erwachen beim Sonnenschein…

Ich möcht‘ erwachen
Beim Sonnenschein.
Und es müsst alles
Wie früher sein.
Kein Krieg, kein Elend, kein Müh’n und Plagen –
Die Meinen müßten verwundert sagen:
„Hast lang‘ geschlafen,
Hast viel versäumt,
Du sprachst vom Kriege,
Du hast geträumt.“

Ich möcht‘ erwachen
Beim Sonnenschein.
Und es müsst alles
Wie früher sein.
Vom Streik spricht niemand – die Leut‘ sind fleißig –
die Butter kostet ’ne Mark und dreißig.
Beim Bier aus Pilsen
sitzt jeder froh,
weiß nichts von Wilson
und Clemenceau.

Ich möcht‘ erwachen
Beim Sonnenschein,
Kehr`mit den Meinen
im Gasthof ein.
Gut, frisch und billig sind Fleisch und Fische
Ein Teller Brötchen steht auf dem Tische.
Das Fleisch: sechs Pfötchen
Ergreifen`s fix
Ich ess‘ die Brötchen,
Die kosten nix.

Ich möcht‘ erwachen
Beim Sonnenschein,
Und es müßt‘ alles
Wie früher sein.
`s wird nichts verschoben, `s wird nichts gestohlen –
Die Straßen friedlich, kein Schrei’n und Johlen.
Und an der Ecke,
Wo`s einsam ist,
Schläft im Verstecke
Ein Polizist.

Ich möcht‘ erwachen
Beim Sonnenschein –
`s müßt wie bei Bismarck
im Reichstag sein.
Die, die dort wandeln und die dort reden,
Die müßten handeln, sich nicht befehden. –
Kein Rede-Zweikampf
Als End‘ des Lied’s,
Und auch kein Schreikrampf
Von der Frau Zietz.

Ich möcht‘ erwachen
Beim Sonnenschein,
Führ‘ in ’nem Nachen
Zum grünen Rhein.
Wohin ich schaue, nur deutsche Leute –
Nicht fremde Völker – nicht so wie heute. –
Und an der Stelle,
wo die jetzt schrein,
Spielt die Kapelle
„Die Wacht am Rhein“.

Ich möcht‘ erwachen
Beim Sonnenschein –
Da käm‘ mit Lachen
mein Enkel rein.
Ein blondes Bürschlein von neunzehn Jahren.
Ich sag‘ ihm: „Mög‘ dich der Herr bewahren.“
Er sagt: „Ich dank‘ Euch!“
Voll Lebensfreud, – – –
Er ruht in Frankreich –
Ich leb‘ noch heut‘.

Ich möcht‘ erwachen
Beim Sonnenschein,
Und es müßt alles
Wie früher sein.
Ihr Leut‘ verzeiht mir, wie ich es halte,
Ich lob‘ die Zeit mir, die gute alte.
Sie ist vorüber
Auf Nimmerseh’n
Drum will ich lieber
Jetzt schlafen gehn.

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Über Gabryon

Ich male mir mein Leben bunt. Wie der Wind… Vom Sternzeichen bin ich Wassermann und somit ein Luftzeichen. Ich bin praktisch und kreativ veranlagt und philosophiere gerne. Ich mag die Natur, Mensch und Tier. Meine Interessen sind sehr vielseitig und ich will es nicht darauf reduzieren, was ich besonders gerne mag. Das eine liegt mir an manchen Tagen mehr als das andere und ich habe es zumindest ausprobiert, um zu entscheiden, ob es für mich etwas ist oder nicht. Geht nicht, gibt es bei mir nicht. Es gibt immer Wege und Möglichkeiten, es zu tun oder zu lassen. Ich bin wie der Wind. Unterschätze nie die Kraft des Windes.
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2 Antworten zu Ich möcht‘ erwachen beim Sonnenschein…

  1. keinbisschenleise schreibt:

    Da wird man nachdenklich !

    Liebe Abendgrüsse

    ❤ Uschi

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