Alles verstehen, heißt alles verzeih’n!

Auf manchen Menschen wird heut’ geschimpft –
unbedacht wird auf die Nase rümpft.
Eh’ ich zum Vorwurf öffne den Mund,
geh’ ich der Sache erst auf den Grund.
Mancher zum Beispiel sagt vorwurfsvoll:
„Gott, sind die Leut’ heut’ vergnügungstoll!
Gehn ins Theater, ins Varieté,
sitzen beim Weine im Séparée.“ – –
Warum denn soll’n wir uns nicht zerstreu’n?
Worüber soll’n wir uns sonst heut’ noch freu’n?
Schafft uns doch Freude – das wär gescheit.
Wir brauchen sie in dieser traurigen Zeit.
Da ihr zu schaffen sie nicht versteht,
zerstreu’n wir uns selber, so gut’s eben geht.
Ich will das nicht etwa entschuld’gen – o nein,
aber alles verstehen, heißt alles verzeih’n.

Von manchen Mädchen sagt man voll Hohn:
„Gott, wie verdorben mit achtzehn schon!“
Ja, denkt doch mal nach, wieso das geschah!
Vater im Kriege, die Mutter nicht da.
Sie ohne Aufsicht, ist jung und schön,
hässliche Mädchen wird nie was gescheh’n.
Seh’n sie, dann naht dann so’n junger Fant,
ein Koofmich oder gar’n Leutenant,
holt von Geschäft sie, bringt sie nach Haus,
sie wird nicht gewarnt, sie geht mit ihm aus,
er schenkt ihr ‘n Brillanten, den längst sie möcht’!
Ist er auch falsch – ihre Liebe ist echt.
Sie glaubt ihm, die geht mit ihm längere Zeit,
geht immer weiter und geht – zu weit.
Ich will das nicht etwa entschuld’gen – o nein,
aber alles verstehen, heißt alles verzeih’n.

Trifft sich mal heute ein Menschenpaar,
red’n sie vom Essen, das ist doch klar.
Jeder, der hamstert sich heut’ was ein.
Was hintenrum kommt, kommt vorne rein.
Einer schaut neidisch dem andern aufs Brot,
„Der hat’s belegt – und wir leiden Not!“
Dabei möcht’ jeder sich gern was hol’n,
sei’n wir doch ehrlich – wir haben gestohl’n.
Jeder nahm heute schon indirekt
dem andern weg, was ihm selber geschmeckt –
und die, die’s Kartensystem uns erdacht,
haben wohl auch schon mal ‘n Fehler gemacht.
Der größte Despot, das ist unser Bauch,
der nimmt’s, wo’s herkommt – – der meinige auch.
Ich will das nicht etwa entschuld’gen – o nein,
aber alles verstehen, heißt alles verzeih’n.

Wo man heut’ hinschaut, da liest man „Tanz“.
Ja, ist denn die Jugend verdorben ganz?
Mancher schimpft auf die Jugend von heut’,
doch ich verteid’ge die jungen Leut’.
War’n vielleicht sechzehn bei Kriegsbeginn,
lebten fünf Jahre in Trauer dahin,
haben von Tanz, von Liebe geträumt –
hab’n die fünf herrlichsten Jahre versäumt,
hör’n die nun heut’ ‘nen Walzer von Strauß,
zuckt’s ihn’n im Bein – sie halten’s nicht aus.
Denkt euch doch bitte mal hinein
in so’n Mädchenherz, in so’n Mädchenbein.
Fünf Jahr’nicht getanzt – sie wurden nicht satt.
Was sich da auf gestapelt hat!
All die Walzer von Strauß
sitzen drin und nun müssen sie raus.
Ich will das nicht etwa entschuld’gen – o nein,
aber alles verstehen, heißt alles verzeih’n.

So manchem Herrscher grollt heut’ die Welt.
Grollt auch den Höflingen, die ihn umstellt.
Wenn er sich räuspert, wenn er gespuckt,
hab’n sie voll Ehrfurcht dahin geguckt.
Namen ihn gänzlich in ihre Hut.
Was er auch tut, ist richtig und gut.
Selbst wenn er gut, wenn er gar nichts tut,
heißt’s. „Majestät, die haben geruht.“
Gott ist der Höchste – das ist bekannt,
der Allerhöchste wird er genannt.
Was er auch tut, das ist wohl getan,
ja, da kriegt doch so’n Mann den Größenwahn,
und er erklärt den Krieg sodann,
obwohl er ihn gar nicht – „erklären“ kann.
Ich will das nicht etwa entschuld’gen – o nein,
aber alles verstehen, heißt alles verzeih’n.

Der Steuerbote ist nicht populär –
den Geldbriefträger, den die man mehr.
Ach, auch der glühendste Patriot
flucht, wenn der Steuerbote droht.
Denn von den Steuern sind all beliebt
immer nur die, die der andere gibt.
Doch wenn uns selber der Bude besucht,
der flucht Mann – das nennt man dann Steuer„flucht“.
Auch ich zahl’ Steuer und nicht zu knapp,
das ist ganz gerecht – ich geb’ gerne was ab.
Trotzdem hab’ ich’s schlimmer, wie alle im Haus,
denn Sie dürfen fluchen, Sie toben sich aus.
Aber Witze drauf machen, wenn der Staat sagt: „Bezahl!“
Und dann hier abends noch lachen, das machen Sie mal!
Ich will mich nicht etwa entschuld’gen – o nein,
aber alles verstehen, heißt alles verzeih’n.

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Das Leben ist unsere wichtigste Reise.

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Zwanzig Jahre später…

’s war ein Jüngling ohne Bart,
das war jammerschade.
Drum kauft’ er vor langer Zeit
zehn Pfund Bartpomade.
Der Erfolg war wunderbar.
Alle Tage dreht er
und nun kam das erst Haar
zwanzig Jahre später.

Mancher Wunderknirps im Film,
den ich mir betrachte,
ist drei Jahr lang sechse alt,
nach fünf Jahren achte,
nach zehn Jahren wird er bald
zwölf – und mißt zwei Meter
und dann wird er vierzehn alt
zwanzig Jahre später.

Gibt’s mal wo ‘ne Schlägerei,
wenn sich zweie raufen,
eil’n die Menschen schnell herbei,
stehn in dichten Haufen.
Tausend Leute kommen ran,
schreien Mord und Zeter.
Schließlich kommt’n Schutzmann an
zwanzig Jahre später.

Ein Verbrecher ward erwischt –
das war sein Verhängnis.
Die Familie gab’s Geleit
ihm bis zum Gefängnis.
„So, nun geht nach Hause“ sprach
sanft der Missetäter.
„Bleibt gesund, ich komme nach
zwanzig Jahre später.“

Vor dem letzten Akte sprach
jemand im Theater:
„Nein, den Schluß wart’ ich nicht ab!“
Warum gehen tat er?
Auf dem Zettel, den er hielt
las der dumme Peter:
„Letzter Akt des Stückes spielt
zwanzig Jahre später.“

Mein Freund Schulz, der manches mal
stotternd hat gesprochen,
sagte: „J-etzt m-ach ich ‘ne Ku-r,
D-ie hi-ilft in z-wei Wochen.“
Ich stellt’ mich dann bei ihm ein,
klopfte wie’n Verdrehter –
und dann sagt mein Freund: „H-erein“
zwanzig Jahre später.

Jeder hat ein Luftschiff bald,
groß wird das Gewimmel.
Eh’ der Mensch begraben wird,
ist er schon im Himmel.
Immer höher fliegt man dann
rastlos durch den Äther.
Wer raus fällt, kommt unten an
zwanzig Jahre später.

Eine Frau sagt zu dem Mann:
„Sei doch treu mir künftig!
Bändle nicht mit andern an!“
Er sagt: „Sei vernünftig!
Schlag den Schmerz dir aus dem Sinn“,
lacht der Schwerenöter,
„sollst mal seh’n, wie treu ich bin
zwanzig Jahre später!“

Willst du dir ein Mädchen frei’n,
das recht schlank und schick ist,
schau dir erst die Mutter an,
ob die nicht zu dick ist.
Die Figur von der Mama
wird dir zum Verräter:
so steht auch dein Weibchen da
zwanzig Jahre später.

Gegen früher lebt man heut’
meistens viel geschwinder
darum kommen vor der Zeit
manchmal manche Kinder.
„Hochzeit kommt, wenn voll das Nest,“
denken manche Väter;
„das gibt ein Familienfest
zwanzig Jahre später.“

Für die Ehe rüsten sich
uns’re Dam’n bezeiten,
rauchen, trag’n ’n Mannskostüm,
fahren, schwimmen, reiten,
fechten, boxen mit dem Mann,
stark wie Breitensträter,
bloß das Kochen lern’n sie dann
zwanzig Jahre später.

’s hab’n zwei Mädchen jüngst gefreit,
eine nahm ’nen Jungen.
Wenn der kommt, fühlt sie sich gleich
ganz von ihm durchdrungen.
Doch die an’dre sagt voll Schmerz:
„Meiner liebt petéter
wenn der küßt, das spür’ ich erst
zwanzig Jahre später.“

John Bull und der gall’sche Hahn
können sich gut leiden,
doch, ihn an die Schulden mahn’n,
muss John Bull vermeiden.
Denn der gall’sche falsche Hahn
lacht – und leise kräht er:
„Du willst Geld? Da frag’ mal an
zwanzig Jahre später.“

Von den Mächtigen, die mit uns
streiten systematisch,
ist der Pole uns vor all’n
überaus sympathisch.
Immerfort macht ihr Skandal,
wie ein gift’ger Köter.
Wart, wir sprechen uns noch mal
zwanzig Jahre später!

Wer sich heut’ ‘ne Wohnung sucht,
muss drauf lange warten.
Mein Freund Krause ebenfalls
geht zu den Genarrten.
Wartet schon Jahr aus, Jahr ein,
endlich dann gerät er (auf die Erde zeigend)
in die letzte Wohnung rein
zwanzig Jahre später.

Uns’re Post ist immer noch
riesig auf dem Posten.
Für das liebe Publikum
scheut sie keine Kosten.
Jeden Brief, den schickt sie prompt,
kaum ’ne Stunde geht er,
bloß ein wicht’ger Eilbrief kommt
zwanzig Jahre später.

Ein Rentner von achtzig Jahr’n,
arm geworden ist er –
wartet auf die Aufwertung.
Da sagt der Minister:
„Sie zuerst krieg’n ihren Lohn,
Sie vom Glück verschmähter,
zwei Mark Zinsen krieg’n Sie schon
zwanzig Jahre später!“

Manchmal sind im Publikum
Sehr gescheite Leute,
lachen gleich bei jedem Witz,
ganz besonders heute.
Doch manchmal kommt ’n Dummer an,
keinen Spaß versteht er,
bei ’nem Witz, da lacht er dann
zwanzig Jahre später.

Ja, es gibt gewisse Leut’,
die sehr schwer kapieren,
und die erst nach zwanzig Jahr’n
endlich applaudieren.
Wenn das heute mir geschieht –
da gibt’s kein Gezeter
dann sing’ ich das nächste Lied
zwanzig Jahre später.

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Wenn du ein Ziel hast,
werden auch deine Pläne gelingen.

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Mutter Erde…

Ich bin die Welt, bin Mutter Erde,
bin eine alte, alte Frau,
bin viele hunderttausend Jahre,
doch ich verrat das nicht genau.
Oft hab’ die Frage ich vernommen:
Wie lange ist die Welt schon hier?
Wann ist die Welt zur Welt gekommen?
Das heißt: Wann kam ich einst zu mir.
Fragt man: wie alt? Sag ich mit Ächzen
leis': „1900“ und betont die „19“.
Bin heut’ noch herrlich anzuseh’n!
Man sagt noch heut: „Die Welt ist schön!“
Schon viele, viele Jahr’,
blieb ich so, wie ich war.
Und dreh’ mich leise in alter Weise,
hatt’ nur zwei Kleider anzuzieh’n,
im Winter weiß – im Sommer grün!
Jetzt ward – gut Trauer – ich immer grauer,
hab’ mir ein and’res Kleid bestellt.
Denn feldgrau ist die ganze Welt!

Die Menschen sind kuriose Leute,
Sie sagen oft, die Welt sei schlecht.
Doch wie ich war, bin ich noch heute –
die Menschen nur sind ungerecht:
denn was ich bin und hab’ und werde,
geb’ ich für meine Kinder her.
Ach, Raum für alle hat die Erde,
was macht ihr euch die Erde schwer?
Stadt voller Dank mich zu begrüßen –
da tretet ihr die Erde – mich – mit Füßen!
Ich denke: Tut, was euch gefällt,
denn Undank ist der Lohn der Welt.
St. ihr euch alle noch?
Ich lieb’ euch alle doch.
Und dreh’ mich leise in alter Weise,
wie oft schon ward verlästert ich –
und dennoch – heimlich liebt man mich!
Die Menschen alle – auf meinem Balle
woll’n gar nicht wieder runtergeh’n –
Sie sag’n, auf mir wär’s wunderschön!

Eins schämt ich mich, mich ganz zu zeigen –
nur eine Hälfte war in Sicht.
Columbus fand die hint’re Hälfte –
die bess’re Hälfte war das nicht.
Fürs Haupt der Erde hält sich England,
es möcht’ Gebieten allerwärts!
Die andern Länder hält’s für Glieder –
doch ich glaub – Deutschland ist das Herz –!
Ja, dieses Herz, viel Schmerz verträgt es,
doch regt das Herz sich auf, – dann klopft’s – dann schlägt es,
dann steht das Herz nicht still – es spricht;
ihr kennt das Herz noch lange nicht! – – –
Ich seh’ nur Kampf rings um –
frag’ traurig mich: „Warum?“
Und dreh’ mich leise in alter Weise.
Was kürzt ihr euer Erdenlos?
Kommt viel zu früh in meinen Schoß,
könnt’ all’ auf Erden – so glücklich werden –
doch jeder, der auf mir erschien,
der glaubt, ich dreh’ mich nur um ihn.

So zieh’ ich leise meine Kreise,
nur ihm gehorchen, der mich schuf.
Doch manchmal kocht’s in meinem Innern,
fern in Italien – im Vesuv –
den Treubruch dort – ‘s ist ungeheuer gedankt Strich
hab ich – die Welt – noch nicht erlebt!
Da kochte ich, da spie ich Feuer,
da sagte man: „Die Erde bebt!“
Ja, bei Italien’s Tun und Treiben
fiel’s mir, der Erde, schwer, neutral zu bleiben.
Du Böses Kind, dacht’ ich voll Pein,
du bist zu schön, um treu zu sein! – – –
Nun harr’ auf Frieden ich.
Kommt er, dann freu’ ich mich.
Und dreh’ mich leise in alter Weise,
dann zieh’ ich aus mein Kleid so grau,
dann komm’ ich als verjüngte Frau
im Friedenskleide – aus weißer Seide
und jedermann wird eingesteh’n:
Noch niemals war die Welt so schön! –

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Liebe ist sanft und still.

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Es ist was Eig’nes um die Liebe… Wenn einer eine gern hat…

Es ist was Eig’nes um die Liebe,
sie macht uns blind – sie macht uns blind.

Wenn einer eine gerne hat,
dann braucht sie gar nichts taugen,
trotz alledem, ein Ideal
ist sie in seinen Augen –
wenn eine einen gerne hat,
dann schätzt sie ihn am meisten,
da kann er noch so dämlich sein,
sie hält ihn für den Schläu’sten.
Wenn einer eine gerne hat
und sie ist achtundvierzig,
und sagt er: „Sie ist zwanzig alt,
und wer’s nicht glaubt, der irrt sich.“
Es ist was Eig’nes um die Liebe,
sie macht uns blind – sie macht uns blind.

Wenn einer eine gerne hat
und sie ist voller Mängel,
und sie betrügt ihn hint’ und vorn,
er schwört: Sie ist ein Engel!
Wenn eine einen gerne hat
und sie kriegt täglich Hiebe,
dann ist sie trotzdem hoch beglückt –
sie denkt: Das ist die Liebe!
Wenn einer eine gerne hat
und sie hat schon ‘ne Range,
dann sagt er: „Ach, so’n süßes Kind,
das wünscht’ ich mir schon lange.“
Es ist was Eig’nes um die Liebe,
sie macht uns blind – sie macht uns blind.

Wenn einer eine gerne hat
und ist ein armer Schächer,
dann gibt er ihr den Käse hin
und er – er frisst die Löcher.
Wenn eine einen gerne hat,
kommt Spargel in die Töppe,
dann lutscht sie bloß den Stängel ab,
dann gibt sie ihm die Köppe.
Wenn einer eine gerne hat,
und sie hat solche Haxen, (ein recht großes Fußmaß andeutend)
dann sagt er doch: „Sie sind zu klein,
sie werden schon noch wachsen.“
Es ist was Eig’nes um die Liebe,
sie macht uns blind – sie macht uns blind.

Wenn einer eine gerne hat –
(lispelnd) sie lispelt systematisch,
dann sagt er: „Geh’ zur Bühne, Kind,
du redest so dramatisch.“ –
Wenn eine einen gerne hat,
die Sache ist nicht ohne,
dann gibt sie ihm den Schweinekopf
und sie frisst die Zitrone.
Wenn einer eine gerne hat
und er sieht sie Zöpfe flechten,
die kann sie auch in ‘n Nachttisch leg’n,
er schwört: Es sind die echten.
Es ist was Eig’nes um die Liebe,
sie macht uns blind – sie macht uns blind.

Wenn einer eine gerne hat,
die latscht wie eine Ente,
dann sagt er trotzdem: „Wie graziös,
wenn ich das nur so könnte!“
Wenn eine einen gerne hat
mit einer Riesenglatze –
und jeder sieht: Die Haare fehl’n,
dann schwört Sie doch: „Er hat se.“
Wenn einer eine gerne hat
dann kann sie gut verknusen,
dann kann sie auch ‘nen Buckel hab’n,
er schwört: „Es ist ein Busen.“
Es ist was Eig’nes um die Liebe,
sie macht uns blind – sie macht uns blind.

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Schenke mit dem Herzen
und nicht nur mit den Händen.

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Er stand nach Tabak – sie stand nach Butter…

Sie diente bei ‘ner Herrschaft treu und bieder –
nach Butter ging sie täglich lange aus.
Er holt’ Zigarr’n – und sah sie täglich wieder,
denn die Zigarren gab’s im Nebenhaus.
Vorm Butterhaus konnt’ er sie links gewahren –
er stand nach rechts, Zigarren war’n sein Ziel.
Ach, für ‘nen Mann von zirka dreißig Jahren
sind zirka drei Zigarren nicht zu viel.
Er stand nach Tabak – sie stand nach Butter
er dacht’ ans Rauchen, sie dacht’ ans Futter.
Sie waren beide immer auf dem Damm,
und dadurch kam’n sie immer mehr zusamm’n.

Da eines Tages stand er mit froher Miene
dicht neben ihr, im reden gar nicht faul.
Er frug: „Wie heißen Sie? Sie sprach: „Pauline.“
„Das trifft sich gut,“ sprach er, „ich heiße Paul.“
Er hat sich schleunigst bei ihr angebiedert.
„Das Warten,“ sprach er, „ist kein Zeitvertreib,“
worauf verschämt und geistreich sie erwidert:
„Man steht sich hier die Beine in den Leib.“
Er stand nach Tabak – sie stand nach Butter –
er dacht’ ans Rauchen – die dacht’ ans Futter.
Sie bracht’ die Butter sehr zerdrückt nach Haus,
und ihm ging heimwärts die Zigarre aus.

So ging’s im Winter – und dann blüht der Flieder
denselben Weg, den ging sie hin und her.
Des Morgens ging sie, abends kam sie wieder.
Sie holte Butter – tat nichts weiter mehr.
Da, welch Malheur, im Frühling ist’s geschehen,
war’n sie beisammen bis nach Mitternacht.
Wo waren die? Kein Mensch hat sie gesehen,
nun frag’ ich sie: „Was hab’n die bloß gemacht?“
Er stand nach Tabak – sie stand nach Butter,
vergaß das Rauchen, vergaß das Futter.
Sie brachte drei Zigarr’n nach Haus – oh Schreck!
Er kam nachhause mit ‘nem Butterfleck.

Die Herrschaft wollt’ nur nichts mehr von ihr wissen.
Ihr war der Dienst schon lange unbequem.
Froh sagt sie ihm: „Man hat mich rausgeschmissen.“
Das war im scheinbar wen’ger angenehm.
Drei Monat’ drauf – ich kann es nicht verhehlen –
sprach sie zu ihm: „Du ahnst nicht, wie mir’s geht.“
Er sagt zu ihr: „Du brauchst mir nichts erzählen –
das kommt davon, wenn man zu lange steht.“
Er stand nach Tabak – sie stand nach Butter.
Jetzt ist er Vater und sie ist Mutter.
Sie sagt: „Jetzt hab ich alles, was man braucht.“
Er aber seufzt: „Ach, hätt’ ich nie geraucht!“

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Auch wenn sich viele Wünsche nicht erfüllen,
kann man ein erfülltes Leben haben.

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