DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Hadere nicht mit deinem Schicksal.
Lerne es anzunehmen und du findest für dich
neue Wege und neue Möglichkeiten.

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Ich sitz’ vor meinem Häuschen…

Das Alter macht bescheiden –
ich zog aufs Land hinaus,
will allen Trubel meiden,
Sitz’ still vor meinem Haus.
Dort hab’ich meine Welt für mich, –
das Größte zeigt im Kleinsten sich.
Man muss nur darauf achten:
Ein welkes Blümelein
erzählt, wenn wir’s betrachten,
von Liebeslust und -Pein,
so kann uns auch im Kleinen
die Welt sehr groß erscheinen.

Ich schau’ vor meinem Häuschen
‘ner Eintagsfliege zu –
wird in der Früh geboren,
entwickelt sich im Nu –
steht mittags schon als Gattin da –
nachmittags ist sie schon Mama,
am Abend schließt ihr Streben –
vorbei sind Glück und Plag’ –
vorüber fliegt ein Leben
in einem einz’gen Tag.
So kann uns auch im Kleinen
die Welt sehr groß erscheinen.

Ich sitz’ vor meinem Häuschen –
‘s ist Sommer, lind und warm.
Das summt, in schönster Ordnung,
vorbei ein Bienenschwarm,
sie fliegen all’ zu kündigen –
Pardon! – zur Präsidentin hin –
sind alle dienstbeflissen,
die Drohnen, faul zur Tat,
werd’n einfach rausgeschmissen –
das ist ein Musterstaat.
So kann uns auch im Kleinen
die Welt sehr groß erscheinen.

Ich sitz’ vor meinem Häuschen –
‘ne Schnecke kriecht einher –
die muss ihr Häuschen tragen,
das fällt ihr gar so schwer.
Gern aus dem Häuschen wär’ das Tier
drum ist es aus dem Häuschen schier.
Ja, Hausbesitzersleute,
das hab’ ich schnell erfasst,
die komm’n schwer vorwärts heute,
die haben ihre Last.
So kann uns auch im Kleinen
die Welt sehr groß erscheinen.

Ich sitz’ vor meinem Häuschen –
da kommt ein Milchgespann,
ein Junge mit ‘nem Esel,
der kaum noch ziehen kann.
Der Bube schlägt das Eselein
und schiebt gemächlich hinterdrein.
Der Esel zieht den Wagen,
und der schiebt hinterdrein,
der Esel muss sich plagen,
der Schieber, der hat’s fein.
So kann uns auch im Kleinen
die Welt sehr groß erscheinen.

Ich sitz’ vor meinem Häuschen,
schau’ das Geflügel an,
ein Hahn hat zwanzig Hühner –
die rupft er dann und wann.
Nie findet umgekehrt es statt,
dass ein Huhn zwanzig Hähne hat.
Das wär’ bedeutend kühner,
ein sittenloser Plan.
Jedoch auf zwanzig Hühner
kommt meist ein kräft’ger Hahn.
So kann uns auch im Kleinen
die Welt sehr groß erscheinen.

Ich sitz’ vor meinem Häuschen –
ein Gackern ich vernahm,
ein Hühnchen legt ein Ei’chen.
Ja ich sah, woher es kam –
und staunt’, das solch ein helles Ei
von solcher dunklen Herkunft sei.
So gibt es oft Gemunkel,
wess’ Herkunft mancher sei.
Die ist heute oft so dunkel,
wie die vom Hühnerei.
So kann uns auch im Kleinen
die Welt sehr groß erscheinen.

Ich sitz’ vor meinem Häuschen,
seh’ in ‘nem Baum ein Nest.
Da kommt ein fremder Kuckuck
und legt darauf Arrest.
Die drinnen wohnten, müssen raus,
ein fremder Vogel wohnt im Haus –
kommt rein dort durch Gemogel.
Wer drin war, wird bedroht –
und nur so’n fremder Vogel
kennt keine Wohnungsnot.
So kann uns auch im Kleinen
die Welt sehr groß erscheinen.

Ich sitz’ vor meinem Häuschen,
den Blick zur Erd’ gewandt.
Ameisen, wie Soldaten,
marschier’n auf ihrem Land.
Dann naht, kolonnenweis’ vereint,
ein andrer Trupp – das ist der Feind.
Der will die weiter hetzen –
doch kann er mit dem Heer
nicht ihr Gebiet besetzen.
Die hab’n auch – Militär.
So kann uns auch im Kleinen
die Welt sehr groß erscheinen.

Ich sitz’ vor meinem Häuschen –
ein Bauer kommt vom Feld,
verliert dort die Kartoffel.
Ich denk': „Das ist die Welt.“
Ich nehm’ die „Welt“ und sage mir:
„Fünf Finger sind fünf Ländern hier –
hier Asien, hier Australien,
Europa, Afrika –
der Daumen drückt sie alle –
das ist – Amerika“.
So kann uns auch im Kleinen
die Welt sehr groß erscheinen.

Ich sitz’ vor meinem Häuschen –
es steht ‘ne dort,
vom Sturm zerzaust, entblättert,
‘ne Eicheln liegt am Ort.
Aus diesem Kern, man glaubt es kaum,
entwickelt sich ein Eichenbaum.
So geht’s dem Deutschen Reiche –
der deutsche Kern ist gut,
so dass die deutsche Eiche
auch wieder wachsen tut.
Dann werden auch wir Kleinen
der Welt sehr groß erscheinen.

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Wenn du nicht alles ernst nimmst was andere sagen,
dann kannst du trotz feindseliger Provokationen
deine Fassung bewahren.

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Man wird ja so bescheiden…

Als einst der Dollar dreißig stand,
da dachte man: ‘s ist eklatant,
was müssen wir jetzt leiden.
Heut’ spräche man voll Freude schon:
der Dollar steht bloß vier Million’,
man wird ja so bescheiden.

Einst vor mein erster Klasse fein,
stieg höchstens in die zweite rein,
die dritte tat man meiden.
Heut’ ist die vierte sehr beliebt,
weil es noch keine fünfte gibt,
man wird ja so bescheiden.

Einst sah man sich Italien an –
Neapel seh’n und sterben dann,
so dachte man voll Freuden.
Heut’ sieht man nicht Neapel mehr,
man bleibt zu Haus und stirbt vorher,
man wird ja so bescheiden.

Wenn früher Hochzeit ward gemacht,
dann gingen in der Hochzeitsnacht
auf Reisen schon die beiden.
Heut’ langt’s für beide Teile nie,
er reißt allein – und denkt an sie,
man wird ja so bescheiden.

Der Bücherpreis ward hoch gesetzt,
‘s langt nicht für die Courths Mahler jetzt,
man konnt’ sie so gut leiden.
Nun liest man Altes, ‘s ist egal,
man liest den Faust zum ersten Mal,
man wird ja so bescheiden.

Einst abonniert man in der Stadt
die „Nachrichten“, das „Tageblatt“
und andre zu den beiden.
Heut steht man vor der Zeitung hier,
man abonniert sich vor der Tür.
Man wird ja so bescheiden.

Einst schickt’ man Ansichtskarten fort –
Geburtstag, Festtag, Ausflugsort –
heut spart man Kart’ und Kreiden –
schreibt nur am ersten Januar
und gratuliert fürs ganze Jahr.
Man wird ja so bescheiden.

Einst ging man zum Konzerthaus hin –
man spielte schöne Lieder drin
von Mozart und von Haydn.
Heut stellt man sich vor’n Leiermann,
hört’s Lied von den Bananen an.
Man wird ja so bescheiden.

Einst brannte man elektrisch Licht –
heut reicht für Gas, elektrisch nicht.
Petroleum muss man meiden.
Bei einer Kerze fünfzehn Leut’
verkerzen sich die Abendzeit –
man wird ja so bescheiden.

Einst suchte man im Warenhaus
sich in der Woche Waren aus,
um seine Frau zu kleiden.
Heut führt man bei der Sonntagsruh’
sie vors Geschäft und sagt: „’s ist zu!“ –
Man wird ja so bescheiden.

Ich trag’ zu Haus ‘ne alte Hos’,
die hinten etwas bodenlos,
darüber ‘n Frack von Seide.
Die Schnippel, die man hinten sieht,
die Decken dann das Defizit,
man wird ja so bescheiden.

Für Haare gibt’s jetzt Geld wie nie,
einst ließ man achtlos kürzen sie,
heut lässt man sie nicht schneiden.
Man lässt sie wachsen lang und glatt
und freut sich, dass man ‘n Sachwert hat,
man wird ja so bescheiden.

Prozesse führ’n, das gibt sich bald,
zu teuer wird so’n Rechtsanwalt,
auch Ärzte muss man meiden.
Gut, denkt sich mancher, wenn du wart’st,
stirbst du vielleicht auch ohne Arzt,
man wird ja so bescheiden.

Standgeld gibt’s Naturalien jetzt,
auch wer sich ins Theater setzt,
braucht nicht Coupons zu schneiden.
Wer Butter bringt, sitzt vorne drin,
da kommt die Margarine hin,
man wird ja so bescheiden.

Ein Landwirt heute hat kein Geld,
der tut nur dümmer auf das Feld,
auf Wiesen und auf Weiden.
Der steckt sich nicht Devisen ein,
der steckt’s bloß in die Wiesen rein,
der ist ja so bescheiden.

Im vollen Steueramte stand
Herr Stinnes hinten an der Wand,
Tat seine Zeit vergeuden.
Sprach höflich dort zu all den Herr’n:
„Zahl’n sie man erst, ich warte gern,
ich bin ja so bescheiden.“

Einst hatt’ ‘ne köcheln jede Frau.
Heut’ Koch sie selbst – ‘s klappt nicht genau.
Es macht ihr Müh’ und Leiden –
und er – er frisst’s mit trüben Sinn,
und denkt: „Ach! ‘s bleibt er doch nicht drin!“
Man wird ja so bescheiden.

Wem früher seine Frau zu alt,
der nahm sich ein Verhältnis bald,
das muss man heute meiden.
Man holt die Alte wieder raus
und pust’t vorher die Lampe aus,
man wird ja so bescheiden.

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Vergelte nicht Böses mit Bösem.

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Hoffnungsträger… Licht

DSCI1349

ALLEN meinen Lesern und Blogbesuchern wünsche ich ein schönes, sonniges Herbstwochenende.

ALLEN, die Krank sind, wünsche ich eine baldige Genesung.

Im Moment bin ich selbst nicht gut drauf und werde Kommentare nicht beantworten. Brauche etwas Ruhe.

Liebe Grüße

Gabriele

Hoffnungsträger - Licht

Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden.

Carl Spitteler

 

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Kinder, ist das Reimen schwer!

Bin ein Dichter – ‘s geht mir miserabel –
hörte vieles von dem Preis vom Nabel
äh, Nobel – vom Nobelpreis
diesem Preis brauch’ ich für meine Zwecke,
er soll retten mich aus meinem großen Dre –
äh, Drucke – aus meinem Drucke.
Aus des Alltags hässlichem Gerümpel
tret’ ich deshalb in den Musentümpel,
äh, Tempel – nicht Tümpel, pfui, was sind das für Reime!
Wenn sich nicht die rechten Reime trafen,
gibt’s beim dichten fürchterliche Strafen,
äh, Strophen – fürchterliche Strophen.
Schon Achilles reimte schwer in seinem Schmerze,
jeder kennt ja die Achillesverse,
äh, Verse – die Achillesferse.
Meine Verse sind so schön wie diese,
hören Sie nun meine Dichtkunst, meine miese,
äh, meine Muse – nicht miese –’s ist ja schrecklich schwer, dass Reimen!
Vorn ist’s leicht, da klappt es allenthalben –
schwierig sind nur die zwei letzten Salben,
äh, Silben – nicht Salben.

Letzten Silben, bitte sehr!
Kinder, ist das Reimen schwer!

‘s gibt Geschäftsleut’ in Berlin, sehr klug und listig.
Ihre Herkunft ist oft äußerst mistig,
äh, mystisch – nicht mistig.
Hab’n Bekleidungsstoffe – feine Kluften,
mit Behörd’n komm’n sie zu Geschuften,
äh, Geschäften, nicht schuften – er spricht von Schuften –
Aufträge gibt’s mehr als wie genug.
Manchem Stadtrat schenken sie ‘n Betrug.
äh, Betrag – nicht Betrug.
Kleider, Menzel, Mann und Frau erhält se,
schießen aus die Erde wie die Pelze,
äh, Pilze – wer spricht von Pelzen!
Schenken alles nur aus Menschenliebe –
solche Leut’ verdienen ihre Hiebe,
äh, Habe – nicht Hiebe.
Reisen viel, erhol’n sich von den Sorgen –
können ihre Kleider kaum noch borgen,
äh, bergen.
Geb’n Gesellschaft, ohne was zu pumpen –
abends Grenzen dann im Saal die Lumpen
äh, die Lampen – nicht die Lumpen.
Hab’n ‘nen eignen Rennstall, reiten, fechten,
ja, so leb’n die Brüder, diese schlechten,
äh, diese schlichten – nicht die schlechten.

Diese schlichten, bitte sehr,
Kinder, ist das Reimen schwer!

An die Kinder heut’ ,’s ist ein Vergnügen,
sind gewandt in allen Lebenslügen,
äh, Lagen – nicht Lügen.
Vater, Mutter hocken abends hinterm Ofen –
wo sind denn die jungen Leut Strophe – sie schwoofen,
äh, schweifen – –
Schweifen wissensdurstig bis zum Himmel –
abends gehn die Burschen auf den Bimmel,
äh, Bammel – nein, Bummel,
knicken dort die Herzen, die kaputten,
von den kleinen Mädchen, diesen Nutten,
äh, netten, diesen netten,
sag’n ihn’n manches süße Wort ins Öhrchen, –
Hochzeit kommt meist nach dem ersten Jöhrchen –
äh, Jährchen, nicht Jöhrchen.
Ja, so leben manche Kinder streng geregelt,
bald hab’n sie die Eltern überflegelt,
äh, überflügelt – nicht überflegelt.

Überflügelt, bitte sehr,
Kinder, ist das Reimen schwer!

An den Frau’n will ich mein Herz befest’gen,
Schwarze lieb’ ich weniger – die Blonden sind die Bestien,
äh, Besten – die Blonden sind die Besten.
Hab’ mich gern in ihrer Gunst gesonnt,
denn man weiß, die Liebe, die macht blond,
äh, blind.
Eine tat jetzt ‘nen Gelehrten kriegen,
nie hat sie geändert ihr Betrügen,
äh, Betragen – nicht Betrügen.
Oft weist sie auf seine Stirn nach vorn: –
„Männchen, ich bewundere dein großes Horn,“
äh, Hirn – nicht Horn.
Reist er mal, dann weint sie: „Ach, ich muss dich
missen jetzt – dein Fernsein Kind ich lustig.“
äh, lästig.
Schleicht die Dämm’rung dann durch alle Stuben,
denkt sie an den fernen Mann mit einem leisen Buben,
äh, Beben, mit leisem Beben – nicht mit einem leisen Buben,
und, kaum dass sie ruht in dem Gedämmer,
da umfängt sie schon ein süßer Schlemmer,
äh, Schlummer – nicht Schlemmer, das wäre ja schlimmer –

Süßer Schlummer, bitte sehr,
Kinder, ist das Reimen schwer!

Röschen hieß ‘ne Tänzerin, ‘ne schöne,
wenn sie tanzte, guckt’ ick immer uff die Beene,
äh, auf die Bühne – nicht auf die Beene.
Seh mein Röschen durch die Lüfte trudeln,
in der Loge saß ich wie auf Nudeln,
äh, auf Nadeln – –
einst wollt’ ich besuchen meines Herzens Wonne,
da kommt meine Tante, schlank wie eine Tonne,
äh, Tanne – –
und da sie gerad übern Weg mir rannte,
fiel’n wir hin – nun saß ich in der Tante,
äh, in der Tunte – nicht doch, in der Tinte –
kam alsdann ganz aufgeregt zu meinem Röschen
und auch Röschen war ganz aus dem Höschen,
äh, aus dem Häuschen – nicht aus dem Höschen –

Aus dem Häuschen, bitte sehr,
Kinder, ist das Reimen schwer!

In dem Reichstag ist man niemals träge –
durch das Land geht eine alte Säge –
äh, alte Sagen – eine Sage geht,
dass der Reichstag neue Blüten treibt –
manches Mitglied dort ist sehr beleibt,
äh, beliebt – sehr beliebt –
im Erfrischungsraum verzehrt man die Diäten,
viel zu schnell vergeh’n die paar Moneten,
äh, Minuten, die paar Minuten,
dann geht’s wieder in den Saal voll Hast,
Ach, die Arbeit ist oft eine große Last!
äh, Lust – eine große Lust.
Manche könn’n selbst abends sich nicht vor der Arbeit retten,
sitzen dort noch nachts im Saal und denken ständig an de Betten – –
äh, an Debatten – nicht an de Betten,

An Debatten, bitte sehr,
Kinder, ist das Reimen schwer!

Die Minister treffen sich jetzt oft aus jedem Lande,
ständig liest man ja etwas von Völkerbande –
äh, vom Völkerbunde,
wie sich alle mit dem ew’gen Frieden brüsten,
woll’n vom Kriege ewig ruh’n, woll’n ständig rüsten,
äh, rasten – nicht rüsten.
Viel Besatzung ist vom Rhein schon abgezogen,
„O, ich räume gern,“ sagt mancher sehr verlo – –
äh, verlegen.
Rheinlandsräumung kann die Herr’n Franzosen sehr erhitzen,
denn sie möchten das Gebiet für ew’ge Zeit besitzen,
äh, besetzen – nur besetzen –
denn sie lieben es und rühmen’s gern in Wachen und im Träumen,
jeder weiß, dass sie das Rheinland gerne räumen –
äh, rühmen, er spricht von räumen? – Das sie das Rheinland gerne rühmen –

Nicht gern „räumen“, bitte sehr,
Kinder, ist das Räumen schwer!

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Sei dankbar für jeden neuen Morgen.

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Das Geld regiert die Welt…

Was nützen Kunst und Wissen!
Die Hauptsach’ ist das Geld.
Sie mögen sagen, was die woll’n:
‘s Geld regiert die Welt.

Jawohl, das Geld bleibt doch der höchste Lohn,
so traf ich kürzlich einen Mann,
der durch den Krieg – und trotz der Inflation,
viele geschädigte, viel Geld gewann.
Er hat Bouillon-Extrakt – erfunden,
ruht jetzt schon lange aus – auf der Bouillon.
Wie er nun prahlt in seinen Mussestunden,
will ich Bericht im Chanson.

Eine Villa hab’ich mir gekauft sogleich,
denn des Menschen Villa ist sein Himmelreich.
Ein verarmter Graf hat sie mir abgegeben.
Sein Wappen ließ ich kleben – aber dicht daneben
steht mein Name über meine Tür
und ich stell’ mich gerne unter ihr.

In meinen Zimmern liegt ein Teppich auf den andern,
schon vor der Türe dreie, eh’ ins Haus wir wandern.
Und auch „Gobeline“ könn’n wir nicht entbehren,
Schon draussen beim Portier, da hab’n wir zwei „Portjöhren“.
Alles ist aus Seide und aus Plüsch –
der Lateiner sagt: „Nobleß o plüsch.“

Unsre Räumlichkeiten zeig’ ich gerne immer,
rechts fünf Herrenzimmer, links fünf Frauenzimmer,
und ein Badezimmer, marmorüberladen,
liegt nach hinten – ich und meine Frau, wir baden
regelmäßig und vergessen’s nie –
einen Sonnabend ich und einen sie.

Meine Bibliothek wird riesig schön befunden,
hab’ zwölfhundert Bücher, prächtig eingebunden,
Links fünfhundert rote, graue, grüne, gelbe –
rechts von gleiche Größe ganz genau das selbe,
mittendrin zweihundert Stück in blau –
ja, die Deckel kenn’ ich ganz genau.

Außerdem hab´ ich zwei neue Lexiköner –
eins von Brockhaus – das von Meyer ist noch schöner.
Darin steht allens, hieß es, als ich sie verlangte
aber kürzlich suchte ich das Wort „Entente“.
Ich sucht’ in beiden Bücher unter „A“,
doch das Wort „Angtangte“ stand nicht da.

Auch geschenkt bekomm’ ich manches Buch zum Lesen.
Kürzlich bin ich in Gesellschaft mal gewesen –
und mit einem Herr’n von allerfeinsten Schlage
unterhielt ich mich – und schon am nächsten Tage
bracht’ er mir ein Buch von „Knigge“ an.
Das find’ ich äußerst nobel von dem Mann.

Bilder schaffe ich mir allerhand an.
Langt der Platz nicht, bau’n wir noch ’ne Wand an.
Die Tapeten hängen voll von meinem Gelde,
hab’ aus feinstem Öl die feinsten Ölgemälde.
Und an jedem Bild – damit man weiß,
was die Sachen kosten – klebt der Preis.

Habe alle Maler mit berühmten Namen.
Kauf’ ich Bilder, seh’ ich immer nach dem Rahmen,
denn so’n gold’ner Rahmen ziert die Wand am meisten.
Ich hab’ die größten Bilder mit den dicksten Leisten –
und ein kleines Bild von Menzel bloß –
Jott, der Menzel war ja ooch nich jroß.

Auch ’ne Ahnengalerie lass’ ich mir malen.
Durch Bouillon kann ich mit meinem Gelde prahlen.
Drum, wie der eine Ahne wird, so werd’n sie alle,
’nen Bouillonkopf kriegen sie auf jedem Falle –
Und als Schluß der Sammlung – im Salon
hängt ein Bild von Gottfried von Bouillon.

Auf meinem Schreibtisch hab’ ich herrliche Kulpsturen,
aus reinstem Marmor sind bei mir die Gipsfiguren.
Auch ’ne Venus hatte man mir angeboten,
die war von Mikosch, doch ihr fehlten beide Pfoten.
Da sagt’ ich „Nein, ich laß mir nicht betrüg’n –
für das Geld kann ich ’ne ganze krieg’n.“

Auch ’nen Flügel hab’n wir, einen Riesenkasten,
vorne weiße Tasten, hinten schwarze Tasten.
Meine Tochter, die vor lauter Rührung weinte,
spielte gleich darauf von Beethoven „die Neunte“.
„Spiel nicht gleich die Neunte“, sagte ich –
„Die andern achte kenn’ ich ooch noch nich.“

Möbel hab’n wir, herrliche und äußerst viele –
besonders Stühle, eng, von ganz besond’rem Stile.
Meine Frau kann solchen Stuhl nur schwer benützen,
sie ist zu breit, da hat sie keinen Platz zum Sitzen.
Sie kommt ja ’rein, das geht noch äußerst knapp,
bloß wenn sie hoch will, krieg’n wir ’n Stuhl nicht ab.

Meine Frau trägt Kleider aus der Kunstwerkstätte,
sie hat die allerfeinste Damen-Toilette.
Und die größten Ringe trägt sie – Riesendinger –
die muß sie haben, denn sie hat sehr starke Finger –
und ein Riesen-Halsband ebenfalls,
Denn sie hat ’nen ziemlich fetten Hals.

Meine Tochter muß jetzt riesig viel studieren.
Was mir an Wissen mangelt, daß muß sie kampieren.
Wenn wir mal ’ne bessere Gesellschaft geben,
dann sitzt meine Tochter stets bei mir daneben,
und wenn wer an mir ’ne Frage stellt,
dann gibt sie die Antwort vor mein Geld.

Im Theater sah’n wir kürzlich „Faust und Grete“,
Das ist ein neues Stück von ’nem gewissen Goethe.
Doch ich muß offen sagen, ich konnt’ nicht lachen drüber.
Meine Frau meint auch, ihr wär’ ein Kientopp lieber.
Doch ich sagte: „Laß das Schimpfen bleib’n,
Der Mann wird wieder mal was Bess’res schreiben.“

Unsre Dienerschaft gleicht einem Bienenschwarme.
Wir haben vier Mamsells – zwei kalte und zwei warme –
Wir klingeln gern – da komm’n sie alle gleich in Massen,
bloß ’ne alte Köchin hab’n wir gleich entlassen,
weil meine Frau mit der vor zwanzig Jahr’
mal zusamm’n bei eine Herrschaft war.

Auch zu reiten hab’ ich jetzt noch angefangen.
Das ist sehr schwer für den, der stets zu Fuß gegangen.
Wenn ich reit’, brauch’ ich die ganze Pferdelänge,
Sie glauben gar nicht, wie ich an dem Pferde – hänge,
Und klug ist das Tier – wenn ich mal fall’
und nach Hause komm’, ist’s schon im Stall.

Meiner Frau macht’s Reiten immer viel Vergnügen,
bloß sie ist schwer – nun ist sie schwer aufs Pferd zu kriegen.
Zweie halten ’s Pferd – und dreie müssen schieben,
bis sie hoch ist – und dann steht noch einer drüben,
der nach oben seine Arme hält,
damit sie drüb’n nicht wieder ’runterfällt.

Jeden Mittag hab’n wir eine Menge Gäste.
Zu den Gästen sag’ ich: „Fressen Sie man feste!“
„Ich beneide Sie“, sagt mancher, den ich lade.
Dann sag’ ich: „Das woll’n wir ja auch grade,
Sie soll’n sich ärgern und soll’n neidisch sein,
dazu lad’n wir ja die Leute ein.“

Was nützen Kunst und Wissen –
die Hauptsach’ ist das Geld –
sie mögen sagen, was sie woll’n:
‘s Geld regiert die Welt.

Otto Reutter

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DER GUTE RAT AN DIESEM TAG:

Zu erfolgreichen Verhandlungen
gehören Kompromißbereitschaft
und Verhandlungsgeschick.

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